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Für dein Schnäppchen zahlt die Näherin

 
Der Automat © Screenshot, YouTube
Der Automat © Screenshot, YouTube

Sie stehen an der Kasse eines großen Bekleidungsgeschäftes. Ihre Shopping-Ausbeute: zwei T-Shirts, ein Pulli, eine Jeans. Gesamtkosten: 60 Euro. Echtes Schnäppchen. Beim Bezahlen stupst Sie ein Mädchen an: „Hi, ich bin Manisha, ich habe übrigens deine neuen Klamotten genäht und dafür 13 Cent pro Stunde verdient.“

Wie viel Spaß haben Sie jetzt noch am neuen Outfit?

Ganz so drastisch zieht die Organisation Fashion Revolution ihre Aktion nicht auf. Dennoch konfrontierte sie Schnäppchenjäger auf dem Berliner Alexanderplatz mit der brutalen, aber eigentlich auch bekannten Wahrheit hinter allzu billiger Kleidung. In direkter Nachbarschaft zu Primark, H&M und C&A konnten Passanten an einem Automaten für zwei Euro ein T-Shirt ergattern. Bevor es ausgeworfen wurde, durften sich die Käufer allerdings ansehen, wer es hergestellt hat und unter welchen Bedingungen. Im Anschluss hatten sie die Wahl: Wollen sie es immer noch kaufen oder die zwei Euro lieber spenden?

Von kopfschüttelnden, betroffen dreinschauenden Gesichtern und Fingern, die auf "Spenden" drückten, stellte die Organisation ein Video zusammen. Das untermalte sie mit einer satten Portion kitschiger Musik und veröffentlichte es im Gedenken an die mehr als 1.130 Arbeiterinnen und Arbeiter, die 2013 in einer Fabrik in Bangladesch getötet wurden. Das Video hätte etwas weniger Pathos vertragen können, transportiert aber trotzdem eine wichtige Botschaft – nämlich wer den eigentlichen Preis zahlt, wenn wir nur Spottbeträge für unsere Kleidung ausgeben.

Weitere Teilchen finden Sie hier.

30 Kommentare

  1. Avatar  Thorsten

    Der Skandal ist doch, dass es nichts ändert, wenn ich teure Markenkleidung kaufe. Bei einer Desigernjeans verdient die Näherin auch nicht mehr als 13 Ct pro Stunde, schätze ich. Also nur noch fair trade-Klamotten?

  2. Avatar  sxouk2

    Kann mich @Torsten nur anschließen.

    „Das Video hätte etwas weniger Pathos vertragen können, transportiert aber trotzdem eine wichtige Botschaft – nämlich wer den eigentlichen Preis zahlt, wenn wir nur Spottbeträge für unsere Kleidung ausgeben.“

    Der Preis alleine ist doch kein Indikator für faire Herstellung. Bei den „Markenklamotten“ ist es doch eher sogar so, dass die Unfairness noch drastischer ist, da der hohe Preis nicht an die NäherInnen, sondern in die Taschen, des Labels fließen.

  3. Avatar  memmo

    @1. Die Näherin hat aber etwas mehr Arbeit mit der Designerjeans, weil sie noch das Markenemblem auf das 3-Euro-Produkt nähen muß, damit es dann in Deutschland für 150,- Euro an die ganz intelligenten Menschen, die ihr kaputtes Ego damit aufhübschen müssen, verkauft werden kann.

    Die Ausnutzung der Menschen in diesen Ländern findet übrigens nicht nur in der Bekleidungsindustrie statt und schadet auch nicht nur den Arbeitern, sondern auch der Umwelt. Ohne diese Arbeiter würden die Leutchen zum Beispiel nicht jedes Jahr ein neues Smartphone kaufen und das alte umweltschädlich entsorgen können. Würde es nämlich in Deutschland hergestellt, könnte sich es kaum einer leisten, geschweige denn jedes Jahr ein neues.

  4. Avatar  frofa

    Bei dem Experiment fehlt der Knopf „Näherin entlassen“ – denn das wäre die Konsequenz wenn wir das T-Shirt nicht kaufen, nur anders formuliert. Tatsache ist, daß in vielen Ländern für Europa und die USA produziert wird, und dies den Leuten dort überhaupt erst ein Einkommen generiert. Ein geringes – sicher, darüber müssen wir nicht diskutieren – aber besser als gar nichts, oder?


  5. Schön und gut, aber wenn ich ein T-Shirt für 30 Euro kaufe, garantiert mir auch keiner, dass es unter fairen Bedingungen hergestellt wurde.
    Die Markenhersteller beziehen ihre Ware doch von den Zulieferen.

  6. Avatar  Erik

    @frofra:
    Zustimmung! Bangladesch liegt auf Platz 145 von 174 im transparency international Korruptionsindex. Diese Regierung denkt zuerst an sich, dann erst an ihre Bürger, das scheint mir Teil des Problems. Dass es nicht in diesem Zweitwelt-Schicksal steckenbleiben müsste, zeigen doch die südöstlichen Nachbarn.

  7. Avatar  memmo

    @4 Ja, das sind die perfekten Sklaven. 7 Tage die Woche 16 Stunden am Tag arbeiten und das, was sie verdienen reicht gerade zum Leben. Immerhin haben sie 8 Stunden am Tag für den Weg nach Hause und zurück. Zwischendurch schlafen sie dann etwas.

    Hier muß Entwicklungshilfe ansetzen, die sowas unterbindet, keine Unterstützung der Ausbeutung durch den Kauf solcher Produkte.

  8. Avatar  Verteilung !

    Das Problem ist die Verteilung des Geldes.

    Es wird immer die Reichen, gierigen geben die Andere ausbeuten um einfach mehr zu haben als die Anderen.

    Ändern wird es sich wenn Reichtum endlich als Verbrechen am Volke angesehen wird – was er auch ist, nur halt indirekt über etliche Faktoren die diesen Fakt verschleiern.

    Erst wenn ein Firmenname mit einer 13 jährigen Näherin in direkten Kontakt gebracht wird, ist selbst die Politik empört. Heuchler allesamt.


  9. Tolle Aktion! Sowas sollte Schule machen. Wäre es nicht ein tolles Aushängeschild für einen Textilkonzern, wenn dieser doppelt soviel Stundenlohn wie der traurige Durchschnitt zahlen würde? Die 13 Cent extra pro Klamotte (wenn überhaupt! Ein T-shirt geht doch schneller.) können doch nicht wirklich viel ausmachen. Alleine schon der Werbeeffekt würde die Zusatzkosten wieder reinholen. Natürlich müßte die Firma dann aber auch sicherstellen, daß das Geld bei den Näherinnen ankommt und nicht in den tiefen Taschen des Unternehmers hängenbleibt, das ist klar.


  10. Für dein Schnäppchen wird die Näherin bezahlt.

    So hätte der Beitrag auch heißen können.

    Natürlich wird nicht darauf eingegangen, was die Alternative zu den 13 Cent pro Stunde für die Näherin sein würde.

    Es werden nicht die 18,50 € sein, die z.B. in der Schweiz als Mindestlohn debattiert werden.

    Teuer produzieren kann man auch in der ersten Welt.

    Warum sollte der Konsument also Waren aus den Schwellenländern beziehen?

 

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