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Jetzt haben die „Asylanten“ das Wort

 

Petra R. zum Beispiel findet, dass sie es viel zu gut haben hier in Deutschland, die Asylbewerber – oder, in ihren Worten: die Asylanten. "Nur als Asylant ist deine Existenz in Deutschland bedingungslos gesichert, nicht jedoch als Deutscher", twitterte sie. Nun sitzt eine solche "Asylantin", ein Mädchen, das als Flüchtling nach Deutschland kam, vor der Kamera, und liest den Satz vor. Ihr unsicherer Blick allein zeigt, wie wenig sie mit dieser Stammtischparole anfangen kann, die doch ihre Realität zu beschreiben vorgibt. Das von der Kirche getragene Portal katholisch.de hat mehrere solcher Tweets von Flüchtlingen in ihren Unterkünften vorlesen lassen. Die Flüchtlinge selbst kommen anschließend allerdings nicht zu Wort – das übernimmt für sie ein Flüchtlingsexperte.

Soziale Netzwerke tragen dazu bei, dass sich sogenannte Hate Speech dieser Art leicht verbreitet. In Posts und Tweets ist dann nur noch von "Asylanten" die Rede, nicht von Flüchtlingen; von "Vier-Sterne-Hotels", nicht von Massenunterkünften; von "leistungslosem Einkommen", nicht von Existenzsicherung in Form von Sachleistungen.

Zum Tweet von Petra R. übrigens sagt der Flüchtlingsexperte Gisbert von Haugwitz: "Die Existenz als Flüchtling wird hier auf niedrigstem Niveau 'gesichert'. Sie haben ein Dach über dem Kopf und ein Bett, in dem sie schlafen können und sind – vorerst – nicht mehr der Verfolgung im Heimatland ausgesetzt. Andererseits leben sie zermürbend lange im Ungewissen, ob sie nicht vielleicht doch zurückgeschickt werden."

Zu weiteren Teilchen geht es hier.

31 Kommentare

  1.   LeoA

    Es existiert leider viel Unkenntnis auf BEIDEN Seiten.

    Für die meisten Deutschen ist mental jeder ein „Flüchtling“ ) zu Unrecht hier, der aus einer anderen Kultur stammt und ein von Schweinchenrosadeutsch unterschiedliches Aussehen hat: zwischen Arbeitsmigration, Flucht und deutschen (!) Migrantennachfahren wird nicht unterschieden und allen unterstellt, sie würden sich in Tolldeutschland einen faulen Lenz machen.

    Auf der anderen Seite gibt es aber auch Flüchtlinge mit einer ziemlich rosafarbenen Einschätzung Deutschlands, die durch die Willkommenskultur-Spielchen befördert werden. So ist z.B. einem Flüchtling, der einen befristeten 1-Euro-Job hatte, um anschließend abgeschoben zu werden, nicht klar, dass 1-Euro-Jobs keine spezielle Diskriminierung für Ausländer sind, sondern eine „Wohltat“, die durchaus auch Deutschen zugemutet wird.

    Was helfen würde, ist, die Flüchtlinge nicht nur immer wieder über Vormünder zu Wort kommen zu lassen, sondern selbst. Und mit ihnen OFFEN zu reden über das, was sie erwartet. Der deutsche Gutmenschendrang, sie in den Heimen per reiner Freizeitgestaltung zu Streicheltieren auszubilden, ist leider so wenig hilfreich wie die dummdeutschen Ammenmärchen der Na(t)ivdeutschen.


  2. sehr bewegend…..
    Wer es wissen will, wie es wirklich ist, kann es erfahren. Wer soviel Hass ausspuckt, will es nicht wissen und sein eigenes Unglück über Wehrlose ausschütten.


  3. Es sind sicher viele gebildete Menschen in deutschland, deren Beiträge man nicht gelesen hat. Einfache Menschen brauchen einfache Sätze und sehen nur einfache Lösungen. Daher klingen die Beiträge negativ. Einfache Menschen, die Abstiegsängste haben, reagieren meistens so. Schuld daran ist der sinkende Wohlstand in Deutschland, der seit der Einführung des Euro begonnen hat und nichts mit den Flüchtlingen zu tun hat, sondern mit der Unfähigkeit der Politk in Europa. Ich erinnere an die Verdoppelung des Gehaltes unserer Parlamentarier zur Euro Einführung, Tausch Parlamentarier DM : Euro 1 : 1. normale Bürger 2 : 1, diese Massnahme war ein übles Vorzeichen, dass es in Deutschland abwärts geht. Da ist es nicht verwunderlich, was in den Köpfen der einfachen Menschen passiert.

    Ich finde es nicht angebracht, diese Kommentare isoliert zu präsentieren, ohne dass gleichzeitig auf die Not mancher Deutscher hingewiesen wird. Eine Verwandte von mir mit genau 450 € Rente in 2014 sah sich nach der gross angekündigten Rentenerhöhung dieses Jahr mit 449€ Rente – weil die nebenkosten die bescheidene Erhöhung auffressen. So ein Beispiel unter vielen muss man auch anprangern!

    Auf dem Video sehen wir die Flüchtlinge in sauberen grossen Räumen mit wunderbaren Betten und Matratzen. Möchte erinnern, dass in den meisten asiatischen Ländern so ein Anblick von Luxus zeugt, den man sich in Vietnam, malaysia, Philippinen usw niemals leisten kann. Ich war selber als Helfer auf den Philippinen und hatte Einblick in eine normale 7 köpfige Familie, die in einem 8 m² Zimmer wohnt, keine Betten oder Matratzen hat, wo nachts die 5 Erwachsenen und 2 Kinder wie die Sardinen nebeneinader gepfercht auf dem Fussboden schlafen. Das seit über 10 Jahren seit dem sie aus der Bambushütte in der Provinz in die Haupstadt gezogen sind, weil sie sich nicht mehr wernähren konnten. In Manila gibt es immerhin Monatslöhne von 60 – 80 Euro netto bei einer 6 Tage Woche. Trotzdem wird viel gelacht und gespasst über ihr eigenes Elend.
    Warum blicken diese Flüchtlinge so deprimiert aus, wo sie doch gerettet sind und sich über den Komfort freuen können?

  4.   thwe74

    Der böse böse Stammtisch…. gibt es den überhaupt noch? Trotz Rauchverbot, sinkender Bierkonsum, Kneipensterben??

    Das ist mir alles zu einfach.

    Hier der böse Spiesserdeutsche, dort der arme hilflose Asylant/Flüchtling/Zuwanderer wer auch immer. Dann die Guten, die alles wissen, den „Durchblick“ und die „Weltoffenheit“ haben und alles gut machen….

    Die Wahrheit liegt wie immer dazwischen.
    Ebenso wie eine differenzierte Sichtweise.

    Das Problem ist nur das die Extrempositionen (Pro oder Contra) sich in unserer Gesellschaft nicht auf einander zubewegen, sondern immer mehr auseinanderdriften.
    Dazu als Brandbeschleuniger die immer stärkere soziale Schieflage.

    Und dann macht es Bumm und die Allwissenden staunen:
    „Wie konnte das nur passieren.“

  5.   mitsandgebaut

    Phillipinische Anekdoten helfen aber nicht. Vor allem unter dem Hintergrund, dass hinter diesen 60-80 Euro Monatslohn fürchterliche Konkurrenz und Ellbogengesellschaft stecken. Mafiöse Strukturen allerorten usw. Die Kinder lachen – bis sie Geld verdienen müssen. Die Vietnamesen lachen stellenweise gar nicht mehr, es sei denn sie haben gar nichts mehr zu verlieren – oder sind reich. Die von ihnen angesprochenen Niedrig- und Tagelöhner haben wenig Spaß. Deren Kinder höchstens in der Schule.

    In Deutschland gibt es keine Suppe für 30 Ct. auf der Straße, keine Tshirts für einen Euro, keine Konsumgüter zum 4tel bis 5tel der europäischen Preise. Die Menschen haben ihre Heimat verlassen. Keinen Nahverkehr für 20 Cent und so weiter und so fort.Nehmen sie einfach die asiatischen Preise mal 4 und wir sind in Deutschland. Und das „luxuriöse“ frei verfügbare Taschengeld dieser Menschen beträgt nicht das 4 fache des von ihnen so anekdotisch hübsch geredetem Monatslohn.

    Und wissen sie was: ihre hübsch nett-fröhlich zusammengepferchten Phillipinen sind immer noch in ihrer Heimat und es schlägt ihnen kein Hass von x-mal wohlsituierteren entgegen. Und die weibliche Bevölkerung versucht, so sie denn kann und jemand an ihnen interessiert ist, mit jeder noch so ekelhaften Langnase zu entkommen. Die Töchter lernen englisch, damit sie mit den Weißen kommunizieren können. So lustig und nett kann das also alles nicht.

  6.   Sandra W.

    Alles hat zwei Seiten. Die Pressemeldungen, die tagtäglich über
    den Bürger hineinbrechen regen schon zum Denken an.
    Viele fühlen sich (teilweise zurecht) benachteiligt, was die
    Sozialleistungen betrifft.Die zunehmende Kriminalität ist selbst für die Linken aller Linken nicht mehr abzustreiten. Wir alle sollten uns jedoch im Klarem darüber sein, dass es sich immernoch um Menschen handelt, die Zuflucht unf Sicherheit
    möchten. Eine spontane Lösung weiss wohl keiner. Ich persönlich hoffe,
    dass jedem Menschen geholfen werden kann. Am besten durch Unterstützung in seinem Heimatland, falls dort kein Krieg das Leben zum Spießroutenlauf macht.
    Die Menschen driften immer mehr auseinander. Arme und Reiche, Linke und Rechte. Während die Reichen ihre abgelaufenen Lebensmittel in der Mülltonne entsorgen, kämpfen die Armen gegen die Hungersnot.

  7.   hank

    ich würde mir von den promigratorischen stammtischen statt der ständigen betroffenheitsprosa endlich ein an zahlen. fakten und rechtslage orientiertes, versachlichtes diskussionsangebot wünschen.

    „Mit dieser Akzeptanz (des Rechts) haben Gauck zufolge die „guten Menschen“ leider oft Probleme. Denn häufig bestehe bei ihnen eine „Distanz zum Gebäude des Rechts“, und zwar aus moralischen und ethischen Gründen. Gemeint war damit wohl, dass Menschen, die sich in der Betreuung von Flüchtlingen allzu emotional engagieren, womöglich nicht mehr die vom Gesetz gezogenen Grenzen akzeptieren wollten …“

    http://www.welt.de/print/welt_kompakt/article142688252/Gaucks-Spott-ueber-den-Gutmensch.html

  8.   nero12

    Omg, ich krieg mich nicht mehr ein, wie die Rechten jetzt über die Lügenpresse poltern werden.

  9.   Lorenzo

    Es ist zu einfach einen Artikel über die Tweets von einigen Dummköpfen zu schreiben um die Leser leicht zu berühren. Typischer Showjournalismus. Die internationale Szene ist im Moment zu kompliziert und kritisch um so eine Vereinfachung der Fakten darzustellen: „Alle die Bösen und die Ignoranten sind gegen die Einwanderung, guck mal diese Tweets! Alle die gute und menschliche Typen stehen dafür stattdessen!“ Lächerlich von euch. Das ist das Niveau eures Journalismus ZEIT ONLINE, oberflächlich und propagandistisch. Nochmal enttäuschend, so werde ich gar nicht informiert.

 

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