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Gibt es „schwule“ Stimmen?

 

Nein. Stimmlage und Aussprache haben nichts mit der Sexualität eines Mannes zu tun. Aber warum assoziieren wir eine bestimmte Klangfarbe mit Homosexualität?

Weil wir es so wollen. Schwule Männer galten und gelten in weiten Teilen heterogener Gesellschaften als Männer, die zu weiblich sind oder anders: nicht männlich genug. Deswegen ist "schwul" auf Schulhöfen und in Umkleidekabinen ein Synonym für "schwach", eine vermeintlich weibliche Eigenschaft. Wir schreiben bestimmten Menschen Eigenschaften zu, damit sie einfacher in unser Weltbild passen. Untersucht man das Phänomen "schwule Stimme" wissenschaftlich, bleibt wenig davon übrig.

David Thorpe hat dazu einen Film gedreht. Im Rahmen der Dokumentationsreihe Op-Docs der New York Times hat er Linguisten befragt, warum einige Männer weiblicher klingen als andere. Der Schlüssel liegt in der Erziehung. Heranwachsende übernehmen Eigenheiten von Identifikationsfiguren. Sind diese vornehmlich weiblich, ist auch die Sprache weiblicher geprägt, unabhängig von Geschlecht und Sexualität eines Jugendlichen. "Schwul" ist kein Dialekt, kein Akzent, kein einheitliches Musikgenre.

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19 Kommentare


  1. „Sind diese vornehmlich weiblich, ist auch die Sprache weiblicher geprägt, unabhängig von Geschlecht und Sexualität eines Jugendlichen. “

    Also reden die nicht nur schwul, sondern sind auch noch „Muttersöhnchen“?

  2. Avatar  ice2

    Haben jemals Heterosexuelle so ein
    Aufsehen von sich veranstaltet???


  3. Man kann fuer alles Beispiele finden, aber ich weiss nicht, warum man jetzt auf Biegen und Brechen die Tatsache leugnen will, dass sehr viele schwule Maenner mit einer bestimmten affektierten Stimmlage und Ausdrucksweise auftreten. Warum auch nicht? Ob das eine biologische Komponente hat oder rein vom Umfeld gepraegt wird ist erst mal egal – wenn auch nicht uninteressant.

    Ich halte das gezielte ignorieren von Unterschieden in der ganzen Gender-Mainstreaming-Debatte fuer vollkommen albern. Frauen und Maenner haben viele Untereschiede. Homosexuelle und Heterosexuelle haben Unterschiede. Was solls?


  4. Es gibt also DOCH einen (korrelativen) Zusammenhang zwischen Homosexualität und einer eher weiblichen Stimme:

    „Heranwachsende übernehmen Eigenheiten von Identifikationsfiguren.“

    Sind das eher Frauen, ist es ist wohl auch wahrscheinlicher, dass ein Mann sich weniger mit Männern identifizieren kann und damit auch eher schwul ist.


  5. „Haben jemals Heterosexuelle so ein
    Aufsehen von sich veranstaltet???“

    Klar! Da gibts im gut sortierten Zeitschriftenhandel Regale voll zu.
    Bei Männer- und Frauenmagazinen:
    So besogen Sie es jeder Frau/Besser im Bett in zwei Wochen/Oral Sex – Wie es richtig geht/Liebt er mich?

    Viel Spaß beim schmökern! ;)

  6. Avatar  Grails_Knight

    @ice2

    Schon. Den ganzen Tag lese ich fast nur von heterosexuellen.

    Auch hier geht es um heterosexuelle – nämlich deren Vorurteile gegenüber schwulen.

    Ihr „argument“ ist weder durchdacht noch irgendwie sinnvoll.

    Es zeigt nur ihre eigenen ressentiments, und sonst garnichts.

    Heterosexuelle haben es in der tat nicht nötig, auf sich ausmerksam zu machen. Sie sind die Mehrheit, sie haben alle Prvilegien, ob rechtlich oder zwischenmenschlich, sie werden nicht wegen ihrer Gefühle beleidigt.

    Es ist eben noch nicht „endlich ruhe“. Endlich ruhe ist dann, wenn „ich bin schwul“ in etwa soviel aufmerksamkeit erregt wie „ich bin Maurer“.

    Solange Menschen homsexuelle, die in den medien auftauchen, grundsätzlich ablehnen (mit egal welcher begründung“ so lange gibt es ressentiments, die bekämpft werden müssen.


  7. „Schwule Männer galten und gelten in weiten Teilen heterogener Gesellschaften als Männer, die zu weiblich sind oder anders: nicht männlich genug. Deswegen ist „schwul“ auf Schulhöfen und in Umkleidekabinen ein Synonym für „schwach“, eine vermeintlich weibliche Eigenschaft.“

    Mein Gott, was für eine voreingenommene Haltung, das ist ja Stammtischgeplappere für Akademiker. Ich bin in Köln aufgewachsen und ich kann versichern, dass es schwule Stimmen gibt. Selten, dass ich mich getäuscht habe, wenn ich Schwule kennengelernt habe. Da ist natürlich der Habitus dabei aber ein sicheres Indiz ist die Stimme. Und das hat nichts mit Schwäche oder „nicht männlich genug“ zu tun. Was ist den an einem Schwulen weniger Mann, als einer Hete?


  8. …als „an“ einer Hete (Hete= heterosexueller Mann – schwuler Nickname)


  9. Fountainhead: Dass „sehr viele schwule Maenner mit einer bestimmten affektierten Stimmlage und Ausdrucksweise auftreten“, leugnet doch keiner. Interessant ist aber das Phänomen, das der Film zeigt: einen heterosexuellen Familienvater, bei dem die meisten wegen seiner Stimme glauben, er sei schwul. Und einen Schwulen, der vielen wegen der Stimme „hetero vorkommt“. Aus psycholinguistischer Perspektive ist nicht die der Sprecher ein spannendes Untersuchungsobjekt, sondern der Empfänger – warum assoziieren wir eine bestimmte Stimme mit „homosexuell“ bzw. „heterosexuell“?


  10. Eine gewisse tuntige Art der Kerle gibt es schon. Wirkt ein bisschen maniriert, bringt aber wohl das Gefühlsleben zum Ausdruck.
    Eine Lanze muss ich doch mal für die schwulen Kerle brechen: Ob am Theater oder in der Werbung – wo ich sie erlebt habe, waren es allemal feine, sensible zuverlässige Kerle, zumeist mit guten Geschmack ausgestattet, die für denjenigen, der sie resp. den sie mochte(n) geradezu durchs Feuer gingen. Von Vorteil in job-mäßigen Stresssituationen: Sie können sich auf den Job konzentrieren. (Im Gegensatz zu manchen Hetro-Jungs, die, wenn liebenskummerkrank- weinerlich, zu nichts mehr zu gebrauchen sind.)
    In meinem eigenen Unternehmen, Werbung etc, würde ich nur Schwule einstellen. Da hat man die ganzen zickigen Weiber vom Hals,

 

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