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So klein war die Welt, als Jesus sie erblickte

 
So sah die Weltkarte von Jesus aus
So stellte sich der Geograf Strabon die Welt vor 2.000 Jahren vor. (Paolo Porsia/flickr)

Die Welt haben Sie wohl noch nie so gesehen: eine einzige Insel. Die Karte ist etwa 2.000 Jahre alt. War damals nicht was? Richtig. Zu dieser Zeit kam ein Junge zur Welt, den wir später als (vermutlich) bärtigen Mann aus Nazareth kennenlernen sollen: Jesus. Ihm verdanken die Christen unter anderem das Weihnachtsfest. Grund genug für das Internetportal Atlas Obscura, die alte Karte mal wieder herauszukramen und zu fragen: Welches Bild hatten die Menschen früher eigentlich von unserer Welt?

Den besten Überblick hatte vor 2.000 Jahren vermutlich der römische Geograf Strabon, schreibt Atlas Obscura. Er wurde etwa 64 Jahre vor Jesus Christus geboren und zeichnete unter anderem die obige Karte. Die Daten dafür sammelte er auf seinen Reisen: nach Ägypten, Äthiopien, Italien und bis nach Armenien. Damit war er, eigenen Angaben nach, der meistgereiste Geograf seiner Zeit. Um ein noch genaueres Bild zu bekommen, befragte er Seefahrer, die die Küsten entlang um die Welt segelten oder zumindest um das, was sie dafür hielten. Denn den ganzen Erdball hatten die Menschen zu dieser Zeit noch lange nicht auf dem Schirm.

Im Zentrum von Strabons Bild der Welt liegt das Mittelmeer. Oberhalb dessen und der großen Erden-Insel befand sich eine kalte Zone (Zona frigida), darunter eine warme (Zona torrida) und in der Mitte gab es einen besonders heißen Bereich. So erklärte Strabon die verschiedenen Klimazonen. Italien sieht auf der Karte fast genauso aus, wie wir es heute kennen und auch England war den Menschen bereits bekannt. Im Osten reichte die Karte bis nach Indien. Von diesem Land hatte Strabon allerdings nur von Seefahrern gehört.

Was allerdings neben Amerika und Australien noch auf der Weltkarte fehlt, ist China. Strabon und seine Mitmenschen, und später auch Jesus, hatten keinen blassen Schimmer vom Land im Osten. Und das obwohl zu dieser Zeit schon 57 Millionen Menschen dort gelebt haben sollen. Etwas mehr als im gesamten römischen Reich.

Aber zurück zu Jesus: Seine Heimatstadt Nazareth, im Norden von Israel, war für die Menschen damals nicht von sonderlich großer Bedeutung. Die Gegend war karg und steinig. Allein strategisch waren das heutige Israel und Palästina gut gelegen: Sie bildeten einen Landweg nach Ägypten. Auf der damals bekannten Welt ließ sich praktisch jeder Ort so erreichen. Warum also hat Moses das Meer geteilt und warum musste Jesus übers Wasser laufen? Moses teilte das rote Meer nur, damit er und seine Anhänger ihren ägyptischen Verfolgern entkommen konnten, drumherumlaufen hätte einfach zu lange gedauert. Und Jesus, der wollte vielleicht nur ein wenig angeben, als er über den See Genezareth wandelte.

Da Strabon einige Zeit vor Jesus lebte, machte er keine Aufzeichnungen über den Messias der Christen. Von Moses aber, dem "ägyptischen Priester", hatte Strabon gehört. Er schrieb, Moses habe eine Gruppe von Anhängern gehabt, die glaubten, dass "Gott uns alle umfasst" und mit denen er ins heutige Jerusalem gewandert sei. Wie Nazareth und Israel insgesamt eine äußerst trostlose Gegend, befand Strabon.

Obwohl die Lebensbedingungen insgesamt eher schlecht waren, herrschte zu Jesu Lebzeiten überwiegend Frieden. Jesus lebte weit ab von den politischen Zentren, umgeben von Menschen, die nicht viel besaßen. Genau die richtige Umgebung also, um Leute um sich zu scharen, die eine Religion gebrauchen konnten, die ihnen die Wirren und Ungerechtigkeiten der Welt erklären konnte.

23 Kommentare

  1. Avatar  Andre T

    „Welches Bild hatten die Menschen früher eigentlich von unserer Welt?“

    Nicht ganz, das ist ein Bild (nur) der Europaer nicht mehr und nicht weniger!

    Schauen sie mal nur auf welchen Stand andere Gebiete damals standen, Europa war Provinz

  2. Avatar  Lignite

    Was für eine Quark.

    Die Welt -das Universum-war genauso gross wie eh und je. Die Erde ebenfalls wie seit 6 Mrd. Jahren. Nur die menschliche Bevölkerung der Erde war kleiner.

    Dafür sind heute die Köpfe zu klein, um die grosse Welt zu begreifen.

  3. Avatar  nozomi07

    Interessanter Beitrag – der eine Frage aufwirft:

    Wussten die Römer wirklich nichts von China? Gab es nicht die Seidenstraße, und kamen nicht Waren wie Seide und Gewürze darüber ins Römische Reich? Zumindest Gerüchte über die Reiche an beiden Enden sollten die Händler doch weitergereicht haben?

    So zumindest habe ich es immer gelernt, so schreibt es Wikipedia – aber wie war es wirklich?

  4. Avatar  weltwissen

    So klein war die Welt also? Meine Güte, was für eine fragwürdige Überschrift!! Die Karte von (nach) Strabon ist ein wundervolles Werk!! Es blieb für über 1000 Jahre unübertroffen. China fehlt, Amerika auch, und noch ein paar „Inseln“, aber die bekannte Welt ist doch zum Großteil erfasst und auch sehr gut „getroffen“. Die Römer hatten sehr wohl eine sehr genaue Vorstellung von der Größe der Welt, man vergleiche z.B. die Wegekarte, die phantastische Tabula Peutingeriana, die fast alle Straßen und größeren Orte der bekannten Welt umfasste, strukturell allerdings eher an eine „U-Bahn-Karte“ angelegt.
    Was also an Strabon wirklich fasziniert ist nicht die Kleinheit sondern eher die GRÖSSE!

  5. Avatar  Einsteinsenkel

    Verehrte Frau Malberger, kommen Sie sich nicht blöd vor, wenn Sie Artikel aus dem Atlas Obscura abschreiben? Keine eigenen Ideen mehr? Peinlich.

  6. Avatar  Schüttelspeer

    Die Welt ist auch heute noch eine Insel, nur die Amerikaner ertragen es nicht, siehe Mackinder.

  7. Avatar  Gerry10

    „…herrschte zu Jesu Lebzeiten überwiegend Frieden“
    Hmmm…wenn mich meine Geschichtskenntisse nicht täuschen war eher das Gegenteil der Fall.
    Die Römer mussten nach dem Tod Herodes einen Aufstand unterdrücken, sein Nachfolger war ein noch schlimmerer Tyrann, so dass Judäa am Ende unter direkte römische Kontrolle kam, bis es um 41 n. Chr. – also nach Jesus Tod – mit Herodes Agrippa (?) wieder Königreich wurde.

  8. Avatar  Teletappy

    Hallo Frau Malberger, danke für den interessanten Gedankenanstoß.
    Lassen Sie sich nicht entmutigen von Kommentatoren wie diesem Einsteinseckel.
    Der Punkt ist interessant … und das zählt.

    Angesichts der Ausmaße der damaligen „Irrtümer“ – auch auf allen andern Gebieten – finde ich es in diesem Kontext kopfschüttelnd spannend, dass es heutzutage viele viele Menschen gibt, die ihr Leben extrem stark von den überlieferten Wahrnehmungen damals Lebender leiten lassen.

  9. Avatar  bernik

    Eratosthenes (um 240 v. Chr.) kam danach auf einen Erdradius von ca. 6645 km und damit auf einen Wert, der 4,2 Prozent über dem heutigen liegt.

    sagt wiki(hier leicht gekürzt), einfach Erdradius googlen.
    Erstaunlich nicht, wenn Kolumbus diese
    Zahl ernster genommen hätte er nie geglaubt nach Indien zu kommen.

    Die „Grösse der Welt“ war also bereits 240 vor Jesus hinreichend genau bekannt, bunte Bilderchens sind aber natürlich viel attraktiver für so einen
    Volentariatsartikel. Wissenschaft wer braucht Dich schon…

  10. Avatar  Thierry de Cologne

    Wirklich stelle ich mich die Frage: Was lernen die Studenten/innen heute noch über die Geschichte? Die Seidenstraße wurde im dritten Jahrhundert vor Christus eröffnet, wobei diese erst nur China mit Zentralasien verband. Dennoch kamen Händler aus dem Mittleren Osten mit asiatischen Händlern in Kontakt, also Rom wusste ganz genau, dass China schon zu diesem Zeitpunkt eine globale Wirtschaftsmacht darstellte. Diese wurde ununterbrochen bis 1850 erhalten bleiben. Aus diesem Grund könnte man spekulieren, dass Strabon über Asien wusste, wurde aber von der Politik gezwungen, sein Wissen Geheim zu halten. Heute tut die Politik mit CETA , TTIP, TISA und EGA (Freihandelsabkommen) genau das Gleiche. Sie verschleiert der Gemeinschaft die negativen Effekte dieser Abkommen, um die Kundschaft der Lobbyisten zu befriedigen. Tja, unsere Welt ist verrückt und gleichzeitig gefährlich geworden und das ist nicht von heute.

 

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