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„Macht euren Wahlkampf selbst!“

 

 

"Die Grünen sind einig und wissen, was sie wollen": Im Brustton der Überzeugung, den man sich offenbar nur im Amt eines Parteivorsitzenden aneignen kann (oder muss?), preist Cem Özdemir während des jüngsten Grünenparteitags in Berlin den großen Zusammenhalt innerhalb seiner Partei. Sein Partei- und Fraktionskollege Matthias Gastel dürfte ihm da anderes berichten.

Die Betreiber eines rechtspopulistischen Blogs haben ein Gespräch von Gastel mit dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann heimlich aufgenommen und nun auf YouTube veröffentlicht. Die Beteiligten sagen, dass sie nicht gewusst haben, dass ihre Unterhaltung mitgeschnitten wurde. Rechtliche Schritte wollen sie nicht einleiten. Kretschmanns Pressesprecher sprach von einem "Lauschangriff" auf ein "privates Gespräch" und sah in der Veröffentlichung des Videos eine "Verwilderung der Sitten".

Was auf dem Video zu sehen und zu hören ist? Ein aufgebrachter Kretschmann, ein zerknirschter Gastel, gefilmt und aufgenommen während des Plenums eines erneut turbulenten Parteitags. Besonders ärgert sich der Realo Kretschmann über die Forderungen seiner Partei, ab 2030 nur noch abgasfreie Autos zuzulassen. "Das sind doch Schwachsinnstermine", schimpft er, noch während (oder kurz nach – so ganz klar ist das nicht) der Parteitagsrede von Fraktionschef Anton Hofreiter. Der Ministerpräsident aus dem Autoländle Baden-Württemberg ist von Hofreiter und dessen "toller Story vom Tesla" sichtlich genervt. Für Hofreiter, Gastel und ihre Mitstreiter ist das adäquate Klimapolitik, für den Realo aus Stuttgart "Schwachsinnstermine", "so ein Zeug" und "radikale Sprüche".

In seinem Gespräch mit Gastel versucht es Kretschmann zunächst mit einem Appell an dessen Vernunft. "Wie soll das denn funktionieren?", weist er den Kollegen aus Berlin auf die logistischen Probleme beim Betanken von Millionen Elektrofahrzeugen hin. "Zehnmal" habe er das auch im Parteirat schon erwähnt.

"Ihr könnt das machen!" (Kretschmann in Rage) "Macht das! Es ist mir egal! (Kretschmann wild gestikulierend) "Dann seid aber mit sechs Prozent oder acht einfach zufrieden!" (Kretschmann unwirsch) "Dann jammert nicht rum und lasst mich in Ruhe!" (Kretschmann außer sich) "Macht euren Wahlkampf selbst!"


Einige Autoren dieses Blogs

100 Kommentare

  1. Avatar  Tomcat389

    „Dann seid aber mit sechs Prozent oder acht einfach zufrieden!“
    Sehr realistisch. Mehr ist für die Grünen eh nicht drin.
    Ehe für Alle – darauf sollten sie sich beschränken, dann haben sie wenigstens noch das Klientel hinter sich, dass ihnnen ein paar Stimmen geben wird – Ehegattensplitting für alle ;-)).
    Die Arbeiter bei der Kohle werden diese Partei nicht wählen, die Auto-Industrie-Beschäftigten müssten verrückt sein, ihre Stimmen an die Grünen zu verschleudern …… etc. etc.
    Macht weiter so, ihr Grünen, dann seid Ihr bald weg vom Fenster.

  2. Avatar  Bitbändiger

    Wir reden hier über einen Zeitpunkt 2030, und „emissionsfreier Antrieb“ heißt nicht nur „Batteriestromer“, sondern z.B. auch Brennstoffzelle. Ausgerechnet Kretschmanns Lieblingskonzern Daimler hat von 1994 (!) bis 2002 sechs Generationen solcher Fahrzeuge entwickelt und vorgestellt. Toyota hat mit dem „Mirai“ ein Serienfahrzeug im Angebot, das lediglich unter hohem Preis (aufgrund geringer Stückzahl) und fehlenden H2-Tankstellen leidet.

    Herr Kretschmann diskutiert weit unter seinen intellektuellen Fähigkeiten.

  3. Avatar  conbold

    Ist ja schön und gut, Kretschmann beschreibt das Problem treffend.
    Aber bisher ist Kretschmann leider nicht gerade dadurch aufgefallen, dass er Lösungen für die Probleme der Zukunft angeboten hat! Er hat eher die Auto-Industrie in Schutz genommen.

  4. Avatar  DEETEE

    Bestanden=betanken

  5. Avatar  DEETEE

    Ich halte E-Autos für das Einschlagen eines falschen Pfades. Kann mir irgend jemand sagen was umweltfreundlich daran sein soll, für hunderte Millionen Autos hunderte Kilogramm Lithiumakkus zu produzieren und alle 3-5 Jahre zu entsorgen? Technischer Fortschritt sollte doch eine Verbesserung sein. Ich bin gerne autark, also warum nicht ein Wasserstoffauto, das man schnell bestanden kann, absolut emissionsfrei ist, keine seltenen Erden benötigt und sich mittels Elektrolyse mit der heimischen Solaranlage gewinnen ließe? Aber daran verdient dann niemand und was ist mit der Steuer? Ich glaube nicht, dass es am Know how mangelt….

  6. Avatar  NomenNescio0815

    Manchmal frage ich mich, wie Winfried Kretschmann und sein gesunder Menschenverstand es in dieser Partei aushalten.

  7. Avatar  JamesCole

    Ich verstehe garnicht was der alte Man mit seinen Tankstellen hat. Herr Kretschmann, mal zum mit meißeln, wir reden hier von Strom der kommt aus der Steckdose, da braucht es keine Tankwagen die jede Woche paar Megawatt Strom zur Tankstelle liefern.
    Daran kann schon erkennen wie Weltfremd der Man doch ist. Zudem tut er so als ob es 2030 keiner Benziner oder Diesel mehr auf der Straße gibt, das ist schon mal Quatsch aber es werden weniger sein als heute. Und wenn der Pendler mit seiner E-Karre unterwegs ist wird er die nicht an der Tanke laden sondern zu Hause oder auf dem Firmenparkplatz!
    Wir sollten die E-Mobilität begrüßen und nicht verteufeln – schon wegen dem Lärm und der Abgasbelastung.

    Und wenn einer wie Kretschmann sagt: „Es gibt den sauberen Diesel“, kann schon gut sehen wie tief der Man im Dickdarm der Autoindustrie steckt.

  8. Avatar  debono

    Der Hofreiter ist doch ein Schwachmatiker…

  9. Avatar  debono

    Bravo Kretschmer….

  10. Avatar  Freiheit ist wichtig

    Er sollt es laut in die Welt hinausschreien.

 

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