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Ein Interview, ein Ei und das Internet

 

Jugendliche gehen gegen Missstände auf die Straße – und ins Internet. Unter dem Hashtag #eggboy wird derzeit ein Junge gefeiert, der auf Äußerungen des australischen Senators Fraser Manning zum Attentat im neuseeländischen Christchurch mit einem beherzten Ei-Wurf gegen dessen Hinterkopf reagierte.

Der parteilose Senator Manning sorgte schon häufiger mit kontroversen Äußerungen für Empörung. Nach dem Terroranschlag in Christchurch, bei dem ein rechtsradikaler Attentäter 50 Menschen tötete und weitere 36 teils schwer verletzte, veröffentlichte Manning einen Tweet, in dem er fragte, ob nun noch jemand den Zusammenhang zwischen Einwanderung von Muslimen und Attentaten bestreiten könne. Als sich der Senator danach in einem Interview mit dem australischen TV-Sender Seven News erneut zu dem Anschlag äußerte, schlug ein junger Zuhörer ihm vor laufender Kamera ein rohes Ei gegen den Hinterkopf.

Das Video der Attacke ging binnen kürzester Zeit viral und wurde in den sozialen Netzwerken tausendfach geteilt. Auf Twitter bekundeten User und Userinnen ihre Zustimmung mit der Aktion. So zum Beispiel die YouTuberin und Schriftstellerin Akilah Hughes

oder der neuseeländische Profi-Rugby-Spieler Steven Luatua.

Die australische Indie-Folk-Band The Mountain Goats verspricht dem Jungen lebenslang freien Eintritt zu ihren Konzerten.

Gefeiert wird vor allem die Courage von #eggboy, direkt gegen rechte Hetze zu agieren. Eine Nutzerin weist darauf hin, dass der Junge mit dieser Aktion dem Faschismus mehr entgegengesetzt habe, als die gewählten Politiker und Politikerinnen des Landes.

Ein Internetheld ist erst dann wirklich ein Held, wenn Fans in Form von Memes oder Fan-Art ihre Zustimmung kreativ bekunden. Es ließ nicht lange auf sich warten, bis von fiktiven Comic-Covern

über Memes

bis hin zu Remix-Videos fast jede Form viraler Aufmerksamkeit vertreten war.

In der realen Welt wurde #eggboy nach der Tat verhaftet. Nach kurzer Zeit wurde er jedoch wieder freigelassen. Anhänger von #eggboy sammeln unter dem Titel Money for EggBoi über eine GoFundMe-Kampagne Geld, um bei einer etwaigen Gerichtsverhandlung – zumindest teilweise – die Anwaltskosten finanzieren zu können. Bislang sind knapp 50.000 US-Dollar gespendet worden.

Neben #FridaysForFuture und Greta #Thunberg, die gegen den Klimawandel protestieren und im Internet große Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist es nun mit #eggboy wieder ein Jugendlicher, der mit einer direkten und öffentlichkeitswirksamen Aktion gegen politische und soziale Missstände vorgeht.

Weitere Netzfundstücke finden Sie im Teilchen-Blog.

2 Kommentare

  1. Avatar  Redukteur

    Beide haben bekommen was sie verdienen.
    Aber eine Welt, in der sowas medial gehypt wird, die ist echt im Ar….

  2. Avatar  FCKNZS7

    Diese junge Generation macht Hoffnung.

 

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