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Liebe Ehemänner, Ihre 60 Jahre alten Hochzeitsbilder können abgeholt werden!

 
Gleichgeschlechtliche Ehe: Liebe Ehemänner, ihre 60 Jahre alten Hochzeitsbilder können abgeholt werden!
Der Kuss besiegelt das gemeinsame Versprechen © ONE Archives at USC

Sie schauen sich verliebt in die Augen, sagen Ja und küssen sich, um das Gelübde zu besiegeln. Zwei Männer haben sich in einer Verpflichtungszeremonie einander versprochen – in den 50er Jahren, irgendwo im Norden Philadelphias im US-Bundesstaat Pennsylvania. 1957 wurden die Fotos zum Entwickeln in einer Drogerie abgegeben – doch sie konnten nie abgeholt werden. Denn der damalige Geschäftsleiter der Drogerie erachtete sie angeblich als unangemessen und gab sie nicht mehr heraus. Nun sind jedoch die Hollywood-Autoren und Produzenten von Our One Story  in einem Archiv auf die Fotos gestoßen und suchen das Paar.

Die Filmemacher arbeiten an einer LGBTQ+-Dokuserie, die die Suche nach den beiden Männern zeigt, Umstände klären und Fragen beantworten soll: "Wie lebten diese Pioniere als Paar? Mit welchen Hindernissen mussten zwei Männer kämpfen, die in den 50er Jahren geheiratet hatten, als die rechtlichen Folgen schwerwiegend waren? Was hat sie dazu bewogen, diese Fotos in einer Zeit entwickeln zu lassen, in der Sodomiegesetze homosexuelle sexuelle Beziehungen untersagten?", heißt es auf der Website des Projekts.

Gleichgeschlechtliche Ehe: Liebe Ehemänner, ihre 60 Jahre alten Hochzeitsbilder können abgeholt werden!
Die Kamera fängt die feierliche Stimmung des Festes ein © ONE Archives at USC

Die schwarz-weißen Fotografien deuten zumindest auf eine feierliche Stimmung hin. Was nicht deutlich wird, sind die schwierigen Umstände, mit denen schwule und lesbische Menschen leben mussten. Als der Fotoapparat klick machte, war die gleichgeschlechtliche Ehe in den USA nicht erlaubt – weswegen solch eine Zeremonie Commitment Ceremony genannt wurde. Auch im medizinischen Bereich wurde Homosexualität stigmatisiert, die American Psychiatric Association definierte sie 1952 als "soziopathische Persönlichkeitsstörung". Die bunten Pride-Paraden, wie man sie heute kennt, sind damals noch Zukunftsvisionen. Die US-amerikanischen LGBTQ+-Community erlebte erst 1969 mit den Stonewall-Aufständen einen bedeutenden Wendepunkt. Seit 2015 ist die gleichgeschlechtliche Ehe in allen Staaten in den Vereinigten Staaten erlaubt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Männer auf den Bildern schon fast 60 Jahre verheiratet – auch wenn dies von der Kirche und der Exekutive zunächst nicht anerkannt wurde.

Gleichgeschlechtliche Ehe: Liebe Ehemänner, ihre 60 Jahre alten Hochzeitsbilder können abgeholt werden!
Die Bräutigame schneiden nach der Zeremonie ihre Hochzeitstorte an © ONE Archives at USC

Die Suche nach dem Paar ist jedoch schwierig. Die Dokumentarfilmer sind sich nicht sicher, ob die beiden Männer – oder ihre Freunde und Bekannte – überhaupt noch leben. Denkbar ist auch, dass die beiden gar nicht gefunden werden möchten, geschweige denn Teil einer Fernsehdokumentation sein wollen. Auf der Website von Our One Story steht, dass die Filmemacher die Wünsche des Paares respektieren werden: "Wenn sie um Privatsphäre bitten, werden wir sie schützen." Wer Tipps über den Verbleib des Paares hat, kann sich bei Our One Story melden.

Gleichgeschlechtliche Ehe: Liebe Ehemänner, ihre 60 Jahre alten Hochzeitsbilder können abgeholt werden!
Die Dokumentarfilmer sind auf der Suche nach diesem Paar © ONE Archives at USC

Weitere Netzfundstücke gibt's im Teilchen-Blog.

4 Kommentare

  1. Avatar  Ligunga

    Ich habe (als Schwuler) nie verstanden, warum das Glück schwulen Lebens in der Heirat münden sollte. Wir Schwulen hätten zur Sexualität der Gesellschaft viel mehr beitragen können, wenn wir mit dieser ewigen Heiratsdebatte uns nicht ständig an die heterosexuelle Lebensweise hätten anschleichen wollen.

  2. Avatar  shell2

    @Ligunga
    Nicht heiraten wollen ist eine Sache, nicht DÜRFEN eine ganz andere. Dies ist eine klare Diskriminierung. Wenn Sie als Schwuler nicht heiraten wollen, gerne. Aber andere wollen es eventuell, daher finde ich Ihren Punkt nicht valide

  3. Avatar  Kleines Latinum

    @Ligunga

    Sie haben da einen Punkt. Die Heirat ist eine öffentliche Institution konventioneller Heteros. Wie ich zum Beispiel. Wieso Homosexuelle das so erstrebenswert finden, war mir immer rätselhaft.

  4. Avatar  James Holden

    Die Hochzeit hat ja ganz entscheidende rechtliche Konsequenzen. Gerade, was Auskunft (z.B. über Krankheit o.ä.) betrifft, oder z.B. die Erbschaft…
    Darüber hinaus halte ich es wie Namensfeier, (z.B.Taufe), Erwachsenwerden (z.B. Konfirmation) oder Totenfeiern für ein Grundbedürfnis, eine monogame Beziehung zu feiern.

 

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