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Tschuldigung, liebe FPÖ

 

Erinnern Sie sich? "Wenn dieses Medium auf einmal uns pusht, dann machen wir nicht 27, dann machen wir 34 Prozent", das hatte der damalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in seiner verhängnisvollen Wodka-Nacht auf Ibiza über die Kronenzeitung gesagt. Straches Idee: Die vermeintliche reiche Russin neben ihm auf der Couch könnte doch vielleicht bei der Boulevardzeitung einsteigen und diese noch ein bisschen positiver über die FPÖ berichten lassen. Die, so der Plan, würde dann Österreichs stärkste politische Kraft und Strache gleich der neue Kanzler. Oder Bundespräsident. Oder Kaiser.

Gelaufen ist es nun alles ein wenig anders. Die FPÖ ist die große Verliererin der Parlamentswahl in Österreich. Minus 8,7 Prozentpunkte, mehr hat keine andere Partei verloren. Und die Kronenzeitung? Kommentierte das Wahlergebnis auf Twitter mit einem lakonischen "Sorry".  Darunter besagtes Strache-Zitat aus dem Ibizavideo.

— Kronen Zeitung (@krone_at) September 29, 2019

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Tatsächlich war die Kronenzeitung den Freiheitlichen bis zur Ibiza-Affaire eher wohlgesonnen. Straches Idee, komplett zur Hofberichterstatterin degradiert zu werden, fand die Zeitung dann aber wohl doch nicht so nett und kritisierte die FPÖ fortan auch mal ganz gerne.

Den "Sorry"-Tweet der Kronenzeitung fanden mehr als 4.000 User lustig. Er hat aber auch einen Beigeschmack: Die Wiener Nutzerin Shoura Hashemi schreibt zum Beispiel: "Lieb, wie ihr die Kronenzeitung gerade superlustig findet, weil es gegen die FPÖ geht. Werde euch daran erinnern, wenn es demnächst wieder gegen Flüchtlinge und Menschen in Not gehen wird".

https://twitter.com/ShouraHashemi/status/1178443097166024709?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1178443097166024709&ref_url=https%3A%2F%2Fpublish.twitter.com%2F%3Fquery%3Dhttps%253A%252F%252Ftwitter.com%252FShouraHashemi%252Fstatus%252F1178443097166024709%26widget%3DTweet

Und vielleicht ist gerade das der Punkt an diesem Tweet. Die Kronenzeitung feiert sich und ihren Einfluss. Wehe dem, den sie sich als Gegner aussucht. Auf den ersten Blick im Falle Strache lustig. Auf den zweiten nicht mehr ganz so.

Einige Autoren dieses Blogs

41 Kommentare

  1. Avatar  Sacrebleu1

    Schöner Artikel, danke dafür!

  2. Avatar  Albert Einstein

    Die FPÖ, die „große Verliererin“ der Wahl, ist aber dennoch drittstärkste Kraft in Österreich und hat mehr Stimmen als die Grünen.

    Und hat einen größeren Stimmenanteil als das Pendant in Deutschland.

  3. Avatar  loge1881

    @docfloe

    „Vielleicht würden Die besser wissen, was ich zu tun habe, als ich das weiss“
    war doch eine Recht eloquente Antwort …..

    ich habe nichts gegen kritische Journalisten, im Gegenteil, alles andere ist langweilig …. was mir aber zunehmend auffällt ist die FrageaRT gegenüber sog. Rechtspopulisten: da wird andauernd geschlossen gefragt, so im Sinne „Meinen Die nicht, dass Sie ein Rechtspopulist sind?“ – das hat Recht wenig mit journalistische Professionalität zu tun … aber offenbar sind einige (sicher nicht alle) der sog. Rechtspopulisten rethorisch sehr gewandt und da möchte man sich als Journi lieber nicht drauf reinlassen

  4. Avatar  Oktavfloete

    Da haben die Hamburger Jungs sich umsonst ins Zeug gelegt, Sie meinen der ganzen Welt sagen zu muessen , wo’s lang geht

  5. Avatar  Draußen nur Kännchen

    Naja. Kleber hat halt die naheliegendste aller Frage gestellt: Wie kann Kurz nach dieser „b’soffenen G’schicht“, nach DIESER Erfahrung nochmals über eine Koalition mit der FPÖ nachdenken? Was soll eine skandalgebeutelte, durch und duch korrupte Partei wie die FPÖ gutes für Österreich bewirken können? Das mag jetzt keine Hoferichterstattung sein aber „Besserwisserei“?

  6. Avatar  docfloe

    @loge1881

    Ja, Kurz hat sehr eloquent geantwortet, nicht nur in diesem Punkt. Wie Sie halte ich auch sehr viel von kritischem Jounalismus, kritisch in der Sache aber fair und neutral. Aber dieses „inquisitorische“ Gehabe – neuerdings Haltung genannt – stört mich massiv. Ich habe noch nie erlebt, dass Frau Merkel, Herr Habeck … auf diese Art und Weise „interviewt“ wurden.

  7. Avatar  rriotrradio

    der einfluss der krone wird konsequent überschätzt. auch war die beziehung zur fpö schon lange abgekühlt.
    aber dieser tweet war im kontext wirklich superlustig…

  8. Avatar  ottonis

    Man darf den pointierten Tweet nicht überstrapazieren. Es ist einfach nur eine Retourkutsche, immerhin hatte Strache ja fabuliert, Journalisten der Krone-Zeitung, die nicht mitziehen würden (im Pushen der FPÖ) entfernen zu lassen.
    Die KRONE – vermutlich wie andere vergleichbare Zeitunggen hierzulande – hat sehr wohl ihre eigene politische Agenda, aber sie sieht sich dennoch als eigenständig an, will sich – völlig zu recht – nicht diktieren lassen, wen sie einzustellen oder zu feuern hat oder was sie schreiben soll.
    Ich denke, dass die BILD hierzulande ähnlich allergisch dagegen reagieren würde, wenn ein Herr Höcke ankündigen würde, die BILD vom einem geheimen Investor kaufen zu lassen und dann Herrn Reichelt und alle anderen zu feuern, die ihm nicht Genehmes schreiben.

  9. Avatar  docfloe

    @Draußen nur Kännchen

    Wie sagte meine Großmutter immer: „Der Ton macht die Musik.“

    Und der Höhepunkt der Peinlichkeit kam zum Schluss: nachdem Kurz Kleber zweimal sehr gut „pariert hatte“ trat Kleber nach: (mit meinen Worten:) eigentlich braucht Österreich keine neue, gewähllte Regierung, denn die Interimsregierung ist ja so beliebt bei den Bürgern. Und das gegenüber dem kommenden Kanzler eines Nachbarlandes und EU-Partners, der gerade einen grandiosen Wahlsieg eingefhren hat.

    Kurz ist natürlich auch nicht so dumm, eine Koalition mit der FPÖ auszuschließen und sich so den Grünen bereits vor den ersten Verhandlungen „auszuliefern“.

  10. Avatar  Isolde53

    @kenan79
    Komische Auffassung von „Volk“! Die Wirtschaft gehört wohl nicht dazu? Wenn die nicht funktioniert, würden die, die Sie unter Volk versten, ganz schön dumm gucken!

 

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