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Tschuldigung, liebe FPÖ

 

Erinnern Sie sich? "Wenn dieses Medium auf einmal uns pusht, dann machen wir nicht 27, dann machen wir 34 Prozent", das hatte der damalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in seiner verhängnisvollen Wodka-Nacht auf Ibiza über die Kronenzeitung gesagt. Straches Idee: Die vermeintliche reiche Russin neben ihm auf der Couch könnte doch vielleicht bei der Boulevardzeitung einsteigen und diese noch ein bisschen positiver über die FPÖ berichten lassen. Die, so der Plan, würde dann Österreichs stärkste politische Kraft und Strache gleich der neue Kanzler. Oder Bundespräsident. Oder Kaiser.

Gelaufen ist es nun alles ein wenig anders. Die FPÖ ist die große Verliererin der Parlamentswahl in Österreich. Minus 8,7 Prozentpunkte, mehr hat keine andere Partei verloren. Und die Kronenzeitung? Kommentierte das Wahlergebnis auf Twitter mit einem lakonischen "Sorry".  Darunter besagtes Strache-Zitat aus dem Ibizavideo.

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Tatsächlich war die Kronenzeitung den Freiheitlichen bis zur Ibiza-Affaire eher wohlgesonnen. Straches Idee, komplett zur Hofberichterstatterin degradiert zu werden, fand die Zeitung dann aber wohl doch nicht so nett und kritisierte die FPÖ fortan auch mal ganz gerne.

Den "Sorry"-Tweet der Kronenzeitung fanden mehr als 4.000 User lustig. Er hat aber auch einen Beigeschmack: Die Wiener Nutzerin Shoura Hashemi schreibt zum Beispiel: "Lieb, wie ihr die Kronenzeitung gerade superlustig findet, weil es gegen die FPÖ geht. Werde euch daran erinnern, wenn es demnächst wieder gegen Flüchtlinge und Menschen in Not gehen wird".

https://twitter.com/ShouraHashemi/status/1178443097166024709?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1178443097166024709&ref_url=https%3A%2F%2Fpublish.twitter.com%2F%3Fquery%3Dhttps%253A%252F%252Ftwitter.com%252FShouraHashemi%252Fstatus%252F1178443097166024709%26widget%3DTweet

Und vielleicht ist gerade das der Punkt an diesem Tweet. Die Kronenzeitung feiert sich und ihren Einfluss. Wehe dem, den sie sich als Gegner aussucht. Auf den ersten Blick im Falle Strache lustig. Auf den zweiten nicht mehr ganz so.

Einige Autoren dieses Blogs

41 Kommentare

  1. Avatar  Unverbesserlicher Realist

    Alle diejenigen, die sich über kritische Interviews von Journalisten aufregen, die auch nachhaken, wenn der Interviewte versucht sich herauszureden oder Plattitüden loslässt, wollen eigentlich keinen echten Journalismus, sondern nur Verlautbarungsmaschinen für ihre speziellen Gesinnungsgenossen.

    Einerseits heisst guter Journalismus, sich nicht mit einer Sache gemein zu machen, aber das heisst eben nicht, nicht kritisch nachzufragen und dem Objekt der Investigation nicht auf die Nerven zu gehen, sondern genau das Gegenteil.

    Dabei ist jedes: „Aber bei den anderen hat er nicht … mimimi“ purer Whataboutismus!

    Und ganz besonders bei Themen wie Menschenrechte, politische Verfolgung, Rassismus, etc. steht auch jedem Journalisten, wie bei anderen Themen auch, das Recht auf eine eigene Haltung und Meinung zu der Sache zu.

    Ein professioneller, gut ausgebildeter Journalist, wie das auf die übergroße Mehrheit in den deutschen ÖR Medien der Fall ist, ist auch in der Lage, Meldungen korrekt herüberzubringen und Äusserungen seiner Meinung klar erkennbar zu kennzeichnen.

    Und ein gewisses Maß an Selberdenken des Nachrichtenkonsumenten kann vorausgesetzt werden.

  2. Avatar  Cranston

    „die medien“ wird oft gesagt sind „ so und so“.

    vielleicht sind wir bald schon ganz froh das es „solche und solche“ gibt. im prinzip werden „die medien“ von vielleicht 2 oder 3 männern kontrolliert, bzw (tech—) konzernen .

    die kronenzeitung schwenkt auf „kurz—kurs“ ein, weil sie damit die mehrheit erreicht.nicht andersherum. rechts—konservativ.meinetwegen.nur wem bringen denn diese „aufkleber“ irgendwas?

    diese paar konzerne machen die „informationen“. die anderen distribuieren sie nur noch in scheibchen.entweder die eine oder die andere seite. „links“ ist recht deutlich überrepräsentiert, und in der mitte wirds langsam „dünn“. da dürften „die medien“ gern mal ein wenig nachbessern. aber ok.

    bis sich unabhängige plattformen/quellen etabliert haben, denen dann auch eine ausreichend hohe zahl dauerhaft vertraut, dann kann sich was ändern. vorher eher nicht.da sollten wir leben mit dem was wir haben.

  3. Avatar  Sinnkrise

    Der Duzfreund von Sebastian Kurz, René Benko besitzt seit einiger Zeit ein Viertel der Kronenzeitung. Insofern ist die programmatische Neuausrichtung der Kronenzeitung nicht ganz unzufällig.

  4. Avatar  FCKNZS7

    „Minus 8,7 Prozentpunkte, mehr hat keine andere Partei verloren.“

    Mittlerweile sind’s minus 9,8 Prozentpunkte: https://wahl19.bmi.gv.at/

  5. Avatar  Oida

    die kronenzeitung ist – verzeiht meine worte – ein drecksblatt dass den österreichern seit jahrzehnten ins hirn scheißt. und während der strache sich selbst aus dem verkehr gezogen hat, hat die övp im grunde genau dass getan und sich in die kronenzeitung eingekauft.
    auf wienerisch: orsch grennt fürn strache

  6. Avatar  Unedomanski

    Einen Beigeschmack hat auch, dass links und besonders grün in den Prognosen und Hochrechnungen häufig deutlich besser liegen als am Schluss. Habe darauf bei dieser Wahl gewettet und wieder gewonnen!

  7. Avatar  AGB akzeptiert

    die 16% FPÖ in Österreich machen den harten Kern deutlich. Also Obacht!

  8. Avatar  Gott weint wenn Deutsche über Politik reden

    Österr. Bild macht Bild-Sachen.
    Mimimi und Wäwäwä

  9. Avatar  docfloe

    @MapleRidge
    Schauen Sie: ich habe das Interview so empfunden wie beschrieben, einige Mitforisten ebenso. Sie haben es anders empfunden und stehen damit auch nicht alleine. Das nenne ich Pluralismus oder Vielfalt oder bunt …

    Ich achte Ihre Wahrnehmung, schließlich sind die Geschmäcker verschieden (jetzt zitiere ich schon wieder meine Großmutter). Warum unterstellen Sie mir, ich hätte ein Problem mit kritischen Nachfragen, wenn es um Rechtspopulisten geht?

    Ich habe nur ein Problem damit, dass einseitig kritisch nachgefragt wird. Eine kritische Frage an Herrn Kurz wäre zum Beispiel auch: „Wollen Sie wirklich mit den Grünen Gespräche führen, wo Sie Ihren Wahlerfolg doch auch einer kontrollierten Migrationspolitik zu verdanken haben und die Grünen in dieser Thematik ganz entgegengesetzte Vorstellungen haben. Verträgt sich das mit dem WillenIhrer Wähler?“ Es gibt so viele potentielle kritische Fragen und der Punkt ist die Selektion, die von Journalisten getroffen wird. Was mich auch stört ist, wenn man zu sehr spürt, was der Intervieser selbst präferiert und wenn dies die Fragen leitet.

    Und ein Letztes: das einseitige Agieren der Medien spielt ja den Rechten nur in die Hände, was mir gar nicht gefällt.

  10. Avatar  docfloe

    @CooperCGN
    „Sie haben natürlich recht, …“
    Genau! Darum geht es – um Rechthaberei.

    Kennen wir uns eigentlich? Wie kommen Sie dazu, mir zu unterstellen, mir würde Nachfragen nicht passen. Ich liebe kritische Fragen – sachlich und fair. Diese Art der „Befragung“ gefällt mir nicht. Ich respektiere, wenn Sie das mögen. Vielleicht sollten Sie auch mal versuchen, andere Meinungen/Wahrnehmungen zu respektieren …

 

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