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Haben Sie schon Amazon Prime für Ihr Liebesleben?

 

Single zu sein ist im digitalen Zeitalter eine besondere Herausforderung. Für den Swipe nach rechts muss bei Tinder, Bumble oder Grindr alles stimmen: Die Fotos sollten von einem abenteuerlustigen Leben erzählen, harte Fakten wie Körpergröße und Essverhalten dem modischen Zeitgeist entsprechen und aus einem knackigen Zweizeiler sollte durchsickern, dass sich eine eloquente Person hinter diesem Datingprofil verbirgt. Der Mensch wird zur Ware auf dem digitalen Singlemarktplatz. Wäre es da nicht konsequenter, sich das Traumdate direkt beim größten Onlineversandhändler Amazon zu bestellen?

Das fragte sich ein kreatives Team rund um die Künstlerin Morgan Gruer und das Animationsstudio Thinko. Sie schufen Amazon Dating: eine satirische Plattform, die der Originalwebsite des Onlineshops zum Verwechseln ähnlich sieht. Anstelle von Büchern, Unterhaltungselektronik und Staubsaugerbeuteln können sich Kunden dort Singles nach Hause bestellen. In typischer Amazon-Manier präsentiert die Plattform ihre Produkte: gut ausgeleuchtet, vor einem schlichten weißen Hintergrund und von allen Seiten fotografiert. Versand? Für Prime-Kunden inklusive. Größe? Frei wählbar. Preise? Für jeden etwas dabei.

Die Profiltexte auf der Plattform haben die marktschreierische Logik des Onlinedatings perfektioniert und nehmen damit Tinder-Klischees und Pick-up-Sprüche aufs Korn. So zum Beispiel die 27-jährige Suzy.

Sie glaubt weder an Gott noch an Großbuchstaben, schreibt sie in ihrem Profil. Für 19,99 Dollar, circa 18 Euro, kann man sie seinem Warenkorb hinzufügen. Mit dem 87-jährigen Teddy kann man ohne schlechtes Gewissen auch mal an einem Samstagabend zu Hause bleiben. Und Grace hat sich vor Kurzem ihr "Love, Laugh, Love"-Tattoo entfernen lassen. Für 39,95 Dollar, circa 36 Euro, kann sie noch heute geliefert werden. Die Rezensionen sprechen für sie: "Funktioniert so, wie man es sich vorgestellt hat" schreibt ein zufriedener Kunde. Grace sei "die Mächtigste, die man für diesen Preis kriegen kann".

Doch diese Preispolitik gefällt nicht allen Nutzern. So kritisieren einige, dass People of Color auf der Plattform mit einem Preisschild versehen werden:

 

Anderen gefällt das neue Angebot – sie wissen es auf ihre ganz eigenen Bedürfnisse anzupassen.

https://twitter.com/RFoster504/status/1224888997043982337

Abgesichert ist man in diesem Fake-Onlineshop immerhin in einer Hinsicht: Alle Nutzer müssen ein "Non-Ghosting Agreement" unterzeichnen, bevor sie ihr erstes Date kaufen.

Für alle die sich fragen, ob nicht vielleicht doch Amazon selbst hinter der Sache stecken könnte, geben die Macher der Seite Auskunft in einem aufschlussreichen FAQ:

Q: "Is this for real?"

A: "No."

Weitere Netzfundstücke finden Sie im Teilchen-Blog.

 

 

 

 

 

10 Kommentare

  1. Avatar  Nachtschwärmer

    „Der Mensch wird zur Ware auf dem digitalen Singlemarktplatz. “

    „Der Mensch“ macht sich zur Ware;- es gibt dafür irgendein Wort. das mir gerade nicht einfällt….^^

  2. Avatar  Sacrebleu1

    Das klingt echt interessant. Da muss ich mal stöbern, was die sich so alles ausgedacht haben.
    Und ob People of Color wirklich alle billiger sind, prüfe ich auch mal.

  3. Avatar  Master-Blender

    @Nachtschwärmer: Sie suchen das Wort Kommodifizierung.

  4. Avatar  MoralohneInhaltstirbt

    Da ist mir noch zu wenig Objektivierung und Geldgeilheit drin.
    Auch fehlt der Überhang, was die Ursache und Konsequenz des Ganzen „Dating“ ist.
    Das Selbstmitleid und Flucht in die Illusion könnte man in Form der Nutzer ergänzen. :)

    Insgesamt aber eine sehr schöne Projektidee.

  5. Avatar  finya-satchmo

    Der Mensch ist schon längst Ware. Ganz oder in Stücken. Sogar die Daten, die Mensch absondert oder erzeugt sind Geld wert – man kauft sie ganz ohne den Mensch dahinter. Der wird also bald überflüssig.

  6. Avatar  Xxx

    Triggert mich jetzt nicht

  7. Avatar  kreli2000

    Nachdem der erste Schritt durch geschickte Manipulation und Gehirnwaessche von Werbeindustrie und Medien die Veraenderung der Sozial- und Kommunikationskultur gelungen ist ,geht es jetzt an das Vermarkten .Geld ist wie Wasser .Es findet immer seinen Weg.

  8. Avatar  Lavendelzweig

    Auf Amazon fallen nur seichte Gemüter herein, die sonst für Menschenrechte auf die Strasse gehen, sich hier aber billig berieseln und beliefern lassen.

  9. Avatar  HomerPhil

    Oha, POCC wittert wieder Diskriminierung und ZON springt blitzschnell auf. Sehr gut gemacht!

  10. Avatar  aadam

    Mist, jetzt hab ich gedacht, das sei echt …

 

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