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„Hi, wir sind’s. Die Risikogruppe“

 

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Hi, wir sind’s. Die #Risikogruppe. Du hast gedacht wir wären kettenrauchende Todkranke oder zumindest alt? Weit gefehlt. Keiner von uns ist Rentner und wir gehen genauso gerne wie du in Clubs, Bars und auf Konzerte. Worauf wir keinen Bock haben, ist sterben. Genau das ist aber gar nicht so unwahrscheinlich, wenn du nicht einfach die nächsten Wochen zuhause bleibst und deinen sozialen Aktionsradius für ein paar Wochen einschränkst. Je nachdem, was der Gesundheitsminister vorschlägt. In Italien ist es schon zu spät: Ärzte müssen entscheiden, wen sie beatmen - und wer stirbt. Warum? Unter anderem, weil sich die Menschen zu lange gegenseitig angesteckt haben. Aber wir wollten uns ja vorstellen. @disabletonlive, @amelieebner und @wheel.pics sind das #TetraPack: Sie sind unterhalb der Halswirbelsäule gelähmt und können richtig schlecht abhusten - das Virus könnte sie töten. @kati.gaensebluemchen hat Spina Bifida und ein Lungenvolumen von einem halben Liter - ihr könnt euch vorstellen, wie praktisch das bei einer heftigen Infektion ist. @raulkrauthausen und @typitus haben Glasknochen - same story. @fraugehlhaar hat eine Muskelerkrankung, für die das Virus eine genauso tödliche Gefahr ist - so wie für die Lungen des querschnittgelähmten @realjkrolling. Doch das ist alles noch kein Grund zu sterben - finden wir. Ich hoffe du auch. Also halte dich an die Empfehlungen und rette Menschenleben - das von uns, aber auch von vielen anderen #Risikogruppen: Vorerkrankte, Menschen mit anderen chronischen Krankheiten. Du bist auch noch lange keine 60 und in der #Risikogruppe? Gib ihr ein Gesicht. Poste, rede drüber, lass dir helfen. Nutze diesen Hashtag. Join the band. Denn: Gestorben wird später. Viel später. Rock and roll, eure #Risikogruppe.

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Junge Menschen mit intaktem Immunsystem müssen bei einer Infektion mit dem Coronavirus nicht viel befürchten: Die Krankheit verläuft meist glimpflich, mit milden Symptomen, die einer Erkältung ähneln. Doch jeder Einzelne kann das Virus weiter übertragen. Auch auf diejenigen, für die eine Infektion eine tödliche Bedrohung darstellt: die Risikogruppen. Dass dazu nicht nur ältere Menschen zählen, zeigt der Aktivist Raul Krauthausen.

Auf Instagram stellt er einige Menschen vor, die bei einer Corona-Infektion besonders gefährdet wären. Und räumt zeitgleich mit Vorurteilen und stereotypen Bildern wie diesem auf: "Du hast gedacht, wir wären kettenrauchende Todkranke oder zumindest alt? Weit gefehlt."

So stellt er zum Beispiel Katharina Eichner vor. Sie hat Spina bifida, eine Fehlbildung der Wirbelsäule. Dadurch beträgt ihr Lungenvolumen nur etwa einen halben Liter. Zum Vergleich: Die Lunge eines gesunden Erwachsenen erreicht mindestens das Vierfache. Eine Infektion hätte für die junge Frau heftige Folgen.

Auch für Laura Gehlhaar, die an einer Muskelerkrankung leidet, könnte das Virus zu einer tödlichen Gefahr werden. Auf ihrem Profil schreibt sie: "Wenn ich angesteckt werde, könnte ich sterben. Ich muss das einmal so drastisch sagen, weil es diese Wahrscheinlichkeit gibt."

"Worauf wir keinen Bock haben, ist sterben", schreibt Krauthausen in seinem Beitrag. Um mehr Aufmerksamkeit für das Thema zu generieren, hat er den Hashtag #Risikogruppe ins Leben gerufen. Andere sollen ihn teilen und damit den betroffenen Menschen ein Gesicht geben.

Wer sich an Empfehlungen und Vorsichtsmaßnahmen halte, rette Menschenleben, schreibt Krauthausen – und dann gilt: "Gestorben wird später. Viel später."

Weitere Netzfundstücke finden Sie im Teilchen-Blog.

24 Kommentare

  1. Avatar  Gelber Molch

    “Du hast gedacht, wir wären kettenrauchende Todkranke oder zumindest alt? Weit gefehlt.“

    Das, fürchte ich, denkt wirklich Mancher. Ich habe das zwar nicht gedacht, bin aber trotzdem sehr froh, dass die Zeit hier mithilft, mehr Aufmerksam für diesen Teil der oft erwähnten aber fast immer pauschal als „Risikogruppen“ zusammengefassten Menschen zu generieren und den Betroffenen ein Gesicht zu verleihen.

    Nach all der ausführlichen Berichterstattung über alle möglichen Aspekte der Epidemie war das auch überfällig.

  2. Avatar  riad67

    Statt Desinfektionsmittel und Lebensmittel zu hamstern sollten sich alle Gesunden Fragen, wie sie diesen Menschen der Risikogruppe helfen können. Geben ist seliger denn nehmen.

  3. Avatar  EpsteinDidntKillHimself

    „Statt Desinfektionsmittel und Lebensmittel zu hamstern sollten sich alle Gesunden Fragen, wie sie diesen Menschen der Risikogruppe helfen können. Geben ist seliger denn nehmen.“

    Bin für Vorschläge offen.

  4. Avatar  Frauwinkel

    Ich habe eine von diesen seltenen unsichtbaren Autoimmunerkrankungen. Ich nehme täglich fünf Medikamente, die mein Immunsystem schwächen, weil es sonst überaktiv und damit fatal für mich wäre. Ich habe einen anerkannte Schwerbehinderung. Ich fange mir gerne jede Art von Infekt ein.

    Ich bin berufstätig, aber wegen dieser Erkrankung nicht mehr vollzeit. Mein Arbeitgeber erlaubt mit ein Drittel meiner Arbeitszeit als Homeoffice, aber mehr geht von zuhause nicht.

    Auf der Webseite von Verdi finde ich:
    „Es gehört zum allgemeinen Lebensrisiko, sei es bei der Arbeit oder in der Freizeit, sich zu verletzen oder sich mit einer Krankheit anzustecken. Das gilt auch für Beschäftigte mit einer Vorerkrankung, die sie zwar nicht arbeitsunfähig macht, aber mit der sie einem höheren Risiko ausgesetzt sind, einen schwereren Krankheitsverlauf durch eine Coronavirus-Infektion zu entwickeln.“

    Heute kam eine Rund-Email mit Verhaltensregeln bei der Arbeit (Abstand, Lüften, Händewaschen, keine Mittagspausengruppenbildung) und dem Hinweis, dass einfach zuhause bleiben arbeitsrechtlich „kritisch“ wäre.

    Leute, ich habe eine Scheißangst.

  5. Avatar  Alex

    What do we say to the virus?

    Not today!

  6. Avatar  Chrissy91

    Nicht nur zu Corona – Virus Zeiten sollte man auf Schwerbehinderte Rücksicht nehmen. Als orthopädisch chronisch Erkrankte musste ich feststellen, dass es leider alles andere als selbstverständlich ist, einer jungen Person mit Gehhilfe/Krücken einen Platz im Bus frei zu machen.
    Der Schwerbehindertenplatz vorne wird nur widerwillig verlassen, den Taschen im voll besetzten Bus ein eigener Sitzplatz eingeräumt.

  7. Avatar  strixaluco

    Als unser ältestes Kind die Aufgaben für die nächsten Wochen abgeholt hat, waren auch ein paar nicht da – Asthma, und ein Kind hatte wohl schon eine Krebserkrankung. Für die meisten Kinder mag das Risiko sehr gering sein, aber selbst bei Kindern ist das eben nicht immer so.
    Und gerade Asthma und Diabetes sund nun wirklich häufig, ich kenne einige, die das haben.

    Und davon abgesehen, ich habe selbst diesen Winter so ziemlich alles von unserem jüngsten Kind mitgenommen und bin immer noch deutlich angeschlagen. Da wäre ein Problemvirus überhaupt nicht gut. Besser, dass jetzt alles dicht ist.

  8. Avatar  Elofant

    Ich muss sagen, ich fand „zumindest alt“ schon etwas befremdlich.

    Ansonsten war es eine super Idee, der abstrakten „Risikogruppe“ aus den Nachrichten ein Gesicht zu geben. Ich gehöre auch dazu und hoffe, dass es irgendwie gut geht.

  9. Avatar  56chio

    Danke! Ich bin immunsupprimiert. Konnte heute beobachten, wie im Park in großen Gruppen stundenlang ausgiebig gefeiert wurde. Ohne körperliche Distanz.

    Man sollte nicht nur an die Risikogruppen, sondern auch an Ärzte und Pflegekräfte denken.
    Ich vermeide inzwischen auf Menschen zu treffen, weil es mich zu sehr stresst, es immer wieder Ungläubigen/Unbelehrbaren zu erklären.

    Nur noch Kontakt mit rücksichtsvollen Menschen, die sich mit mir im Garten treffen, spazieren gehen. Und ich freue mich sehr über meinen neuen Einkaufsservice.

  10. Avatar  Aurinel

    Unsere Nachbarin hat MS – da gibt es auch so einige Patient*innen in Deutschland mit dieser Diagnose. Wir halten also Abstand, aber wenn wir einkaufen fahren, bringen wir ihr ihren Bedarf mit. Ich bin insgesamt froh, dass meine Arbeit (Uni, Bibliothek) derzeit eingestellt ist und ich zuhause bleiben kann. Ich könnte mir gar nicht so oft die Hände waschen, wie ich Kontakt zu möglichen Infizierten oder zumindest ihren Ausweisen hatte.

 

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