‹ Alle Einträge

Hunde im Porzellanladen

 

Der amerikanische Gitarrist Marc Ribot sorgt immer wieder für Überraschungen. Mit dem neuen Trio Ceramic Dog hat er nun sein bisher bestes Album aufgenommen: »Party Intellectuals«.

Marc Ribot's Ceramic Dog

Marc Ribot (sprich: Ree-bow) hasst Klischees. Er möchte nicht als zorniger Gitarrist gelten, der seinen Protest in verzerrten Tönen ausdrückt. Im vergangenen Jahr trat er auf beim Konzert gegen die Schließung der letzten größeren Bühne für experimentelle Musik in Manhattan – und wurde anschließend verhaftet. Er hatte den Standard The Nearness of You gespielt. Solch subtile Kritik wirke oft stark, sagt Ribot. Seine deutlichen Worte gegen den Krieg verpackt er in ein Westernstück, Bury Me Not On The Lone Prairie.

Er kann auch anders. Ribots neue CD Party Intellectuals beginnt mit einer punkigen Version eines Klassikers der Doors, Break On Through, das stiftet Verwirrung. Es hieß, seine neue Band Ceramic Dog klinge nach dem Disco-Soul der späten Siebziger, damit hat das wenig zu tun. Auch Never Better und Digital Handshake kommen geräuschvoll und wild entschlossen daher, das Titelstück der CD ist Punk mit Moog-Synthesizer.

Es gibt auch Zugänglicheres: Das bezaubernde Todo El Mundo Es Kitch lebt von absurden Reimen wie »In Barcelona we view for Gaudí, in Frankfurt we drove in an Audi«. In When We Were Young And We Were Freaks ist der Titel auch die Botschaft, Girlfriend thematisiert die Gentrifizierung der Lower East Side und das Verschwinden der New Yorker Avantgarde aus dem Stadtteil.

Vor 20 Jahren erfand Ribot den Klang von Rain Dogs und führte Tom Waits an den Pop heran. Durch die Arbeit mit ihm habe er gelernt, wie man Platten mache, sagt Ribot heute. Tatsächlich hörten sich die besten Stücke seiner vergangenen Platten immer ein bisschen so an, als fehle Tom Waits’ Stimme. Auf Party Intellectuals gibt Ribot den Waits, in den Trichter singt er jetzt selbst. Und erschiene die CD bei einer großen Firma, würde For Malena zum Sommerhit.

Die Ästhetik der Massenware interessierte Ribot nie, seine Musik spielt an den Rändern der Gesellschaft. Die Aufnahmen seines mit Moog, Gitarre, Bass, Elektronik und Perkussion ausgestatteten Trios sind in Avant-Rock verpackte Sozialkritik mit manch kontemplativem Moment. Ceramic Dog ist Ribots beste Band seit Jahren, Party Intellectuals eines seiner besten Alben.

»Party Intellectuals« von Marc Ribot’s Ceramic Dog ist bei Yellowbird/Soulfood Music erschienen.

Die Band stellt das Album am 13. Juli im Berliner Haus der Kulturen der Welt vor.

Weitere Beiträge aus der Kategorie ROCK
Tricky: »Knowle West Boy« (Domino Records/Indigo 2008)
The Kills: »Midnight Boom« (Domino Records/Indigo 2008)
The Charlatans: »You Cross My Path« (Cooking Vinyl/Indigo 2008)
18th Dye: »Amorine Queen« (Crunchy Frog/Cargo 2008)
These New Puritans: »Beat Pyramide« (Domino Records/Indigo 2008)

Alle Musikangebote von ZEIT online finden Sie unter www.zeit.de/musik

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren