Google mag seine eigenen Benimmregeln nicht mehr

Seit Mittwoch will uns die Maschine noch deutlicher zeigen, was sie außer Internet-Suche noch alles so drauf hat. Es gibt ein ellenlanges Drop-Down-Menü und noch ein paar kleine Veränderungen mehr, die unter dem etwas groß geratenen Etikett „Universal Search“ gebündelt werden. Nein, die Maschine kann nicht mehr. Google gibt nur ein bisschen mit dem an, was die Maschine kann – die Kollegen von GoogleWatch haben einen guten Überblick.
Angeben ist eh nicht nett, da kann man gleich noch ein paar Benimmregeln über Bord werfen. Regeln von früher. Früher galt: Wenn man sich vornimmt, die Informationen der Welt zugänglich zu machen, muss man auch an die Menschen denken, die keine modernen Computer und moderne Internet-Software haben. Scheint jetzt aus und vorbei zu sein.

If you disable JavaScript in your browser, youll notice that the recently updated Google.com doesnt have too many navigational links anymore. Thats because the menu from the top left corner is written entirely in JavaScript.

[Via Google Operating System: No JavaScript, No Google Navigation]

 

„Financial Times“ will auch Google werden

Suche bringt Geld, und zwar vor allem Google, Yahoo und ein bisschen auch Microsoft.

Um das zu merken, muss man nicht viel Verstand besitzen. Das merkt jeder, der den Google-Aktienkurs verfolgt, 2004 konnte man die Dinger für 85 $ kaufen, jetzt sind sie irgendwas über 460 $ wert. So viel Erfolg macht neidisch und gierig, und plötzlich kommen auch ganz andere Firmen auf die Idee, Google werden zu wollen, auch Firmen, die noch nie eine Suchmaschine besessen haben.
So die Financial Times, eine Zeitung auf blaßrötlichem Papier mit Zentrale in London und Ableger in Deutschland – jene Zeitung, die damals zuerst die herausfand, wie Google an die Börse gehen möchte.

Am 1. Juni geht’s los, schreibt die die Chefin:

„we will be developing a branded Financial Times search portal. This will be a start-up venture, with the aim of creating a powerful new tool and website for business users. It will seek to use new, experimental search concepts and new, untried technologies.“

Wenn es stimmt, dass Google & Co. die Blutsauger der klassischen Printmedien sind, dann wird eben am 1. Juli zurückgesaugt. Wird interessant. Vor allem, wenn sie das Versprechen wahr machen, ungetestete Technologien zu verwenden.

[Update: Siehe auch Meldung bei Heise – bei den Wirtschaftsmedien geht es ja gerade rund.]

 

Sugardaddy Google sollte sich eine Zeitung leisten

Rupert Murdoch, einer dieser Medienmogule, möchte gern das Wall Street Journal kaufen, sowie dessen Eigentümerfirma Dow Jones, die noch eine Nachrichtenagentur und einiges anderes betreibt. Das würde so 5 Mrd. $ kosten. Jetzt, da dieser Vorschlag erst mal auf dem Tisch ist, könnten auch andere auf die Idee kommen, sich ein 125 Jahre altes Traditionsmedium zu kaufen. Zum Beispiel Google – und zwar, um das gute, alte Traditionsmedium (das kurz vor dem Börsengang ganz böse Artikel über Google geschrieben hat) als eine Art Wohltätigkeitsveranstaltung weiter zu betreiben:

Google to take a public service stance and put the Wall St. Journal in a non profit trust.

[Via John Battelles Searchblog: The Only Way Google Should Buy Dow Jones]

Irgendwie bitter für diese guten alten, auf toten Bäumen ausgelieferten Medien! Niemand traut ihnen zu, ein gutes Geschäft zu sein. Es gibt schon Leute, die – vielleicht zahlt Sugardaddy Google ja doch nicht – für Zeitungsfinanzierung mit Steuergeldern plädieren.

Rattner: If you look very fundamentally at what is happening to the business, it is really a perfect negative storm, in the sense of loss of readership, loss of classified ads, and ultimately loss of display ads.

I was trying to throw out some ideas. If you basically start with the idea that the current newspaper model is not really working very well and that there’s a risk, I didn’t say it was a certainty, but there was a risk that it would become an unsustainable business model, then you say OK, now what do we do? And, for example, I threw out the case of New York City subways, which started as for-profit businesses, until at some point they didn’t work anymore as for-profit businesses, and they became a public service.

http://www.ft.com/cms/s/6a82d604-c2e3-11db-9e1c-000b5df10621.html

 

Neue Google-Geschäftsidee: Der Nicht-Amokläufer

Stellen Sie sich vor, sie sind kein Amokläufer. Und trotzdem verbreitet jemand im Netz das Gerücht, sie hätten gerade über dreißig Menschen erschossen. Was tun Sie? Sich wehren? Vielleicht. Aber erstmal: Kasse machen. Mit Hilfe von Google-Werbung auf Ihrem Blog. So, wie es der zu Unrecht verdächtigte Waffennarr in Virginia versucht hat. Er schreibt in seinem Blog:

My original intention was to wait until I got AdSense on my site and donating all the proceeds to Charity. However, this situation has now spiraled out of control. I am now confirming that I am not the shooter.

Dank Googles AdSense gibt es keine Gelegenheit mehr, zu der man keine Werbung verkaufen kann.
[Via Boing Boing: VA Tech: questions, copycat odds, and net nabs wrong man]

 

Google kauft zu: Siegt die Gier, oder die gute Kinderstube?

Wer schon etwas länger im Netz dabei ist, der erinnert sich gut an Doubleclick – die Idioten waren die ersten mit den aufdringlichen Popups und Popunders der der Jahre 2001 ff., deren Gebaren jeden Glauben in die Zukunft der Internet-Werbung erschüttern konnte und viele Programmierer zum Bauen von Popup-Filtern animiert hat. (Und dann haben sie auch noch erfolglos versucht, Postadressen mit dem Klickverhalten in Verbindung zu bringen. Ein Projekt, das sich ganz nach Google anhört – von wegen alle Informationen zugänglich und nutzbar zu machen).
Ein Alptraum aus der Frühzeit des Netzes. Google, durch relevante, unaufdringliche Textwerbung groß geworben und neuerdings sogar ein wenig an Datenschutz interessiert, hat diesen Alptraum für 3,1 Milliarden Dollar gekauft (danke der Nachfrage, kein Problem, so viel Geld verdient die Maschine in neun Monaten).

Das bedeutet vermutlich nichts Gutes. Google macht einfach alles, was erforderlich ist, um noch mehr Geld mit dem Netz zu verdienen.

Die von Doubleclick unter anderem eingesetzten Pop-Ups und Pop-Under sind aus heutiger Sicht fast schon als unaufdringliche Werbeformen zu bezeichnen, weil sie am einfachsten zu filtern sind. Doch das Unternehmen hat auch andere Methoden parat. Und gegen solche Methoden hat sich Google in der Vergangenheit eigentlich immer ausgesprochen.

[Via intern.de – Google kauft DoubleClick]

 

Google-Fernsehen in der Hamburger U-Bahn

Dass die „Tagesthemen“ und alle anderen sich bei Google bedienen, wenn sie Luftaufnahmen vom Irak oder von Washington zeigen wollen, daran hat sich der google_schauerschreiber lange gewöhnt.

Damit ist es aber wohl nicht genug. Mitblogger Stephan Brosinski hat das Google-Karten auch auf den Bildschirmen einer fahrenden Hamburger U-Bahn gesehen und fotografiert. Die Station „Steinstraße“ liegt um die Ecke von der ZEIT-Redaktion.
Stephans Brosinskis Foto

Preisfrage: Gibt es auf der Welt irgendeinen Bildschirm, der durch Google nicht nützlicher wird?
[Via GoogleWatchBlog » Hamburger U-Bahn nutzt Google Maps als Umgebungsplan]

 

Google gibt am liebsten den Irren Geld

So ungefähr sagt es Salman Ullah, Chef eines Teams von 15 Leuten, die überlegen, welche kleinen, innovativen Startups man sich als sattes, wachsendes Monster noch einverleiben könnte.

Wer so ein Startup besitzt und gekauft werden will, darf alles sein, nur nicht so kontrolliert wie Google. Er – oder sie – muss schon ein wenig irre sein, und sich nicht darum scheren, was machbar scheint. Dann klappt es auch mit der Maschine:

“The crazy ones mean they ignore the usual restraints of investment levels required or design parameters or `Gee I need more servers than anyone ever thought was possible‘,” Ullah said. “When you free yourselves from these constraints, you create crazy, cool things.”

Wer keine Ideen hat, der muss sich welche kaufen. Das ist eine gute Art, seinen Gewinn zu verwenden, findet der google_schreiber.

[Via RED HERRING | Google Acquisition Chief Tells It ]

 

Google lässt sich schöne Videos was kosten

Ist dem google_schreiber jetzt erst aufgefallen: Googles Chef hat im Februar versprochen, dass all‘ die vielen Leute, die lustige Filmchen für YouTube drehen, auch ein wenig Geld bekommen sollen. Naja, sagen wir: sie sollen irgendwie entschädigt werden. Aber dafür: noch in diesem Jahr!

Chad [der YouTube-Gründer, Anm. d. gs.] has been pushing hard for a model where people who produce videos to be compensated in some form. Will see something with that this year.

[Via  Google Watch ]

 

Zu viele Steuergeschenke für Google

Was tut man nicht alles, um Google zu locken, und die Maschine dazu zu bewegen, ein Rechenzentrum zu bauen. North Carolina hat vielleicht zu viel getan, jedenfalls wird jetzt überprüft, ob dem Konzern (Gewinn zuletzt: so etwa 490.000$ pro Stunde) zu viel Geld hinterhergeworfen wurde.

By the end of the month, a lawsuit will likely be filed challenging the constitutionality of an exemption that permits Mountain View-based Google to avoid sales taxes on electricity and equipment, AP reported.The provision could save Google up to $90 million over about 30 years.

[Via Googles N.C. expansion faces legal challenge ]

 

Wie man Google unterschätzt

Der google_schreiber glaubt ja schon lange, dass die größte Maschine von allen nur ein ganz normales Unternehmen ist. Der Glanz als Innovationswunder ist nur noch geborgt.

Das ist nicht schlimm, passiert halt, wenn man älter wird. Google ist schon lange älter, es äfft andere nach (mit Google Talk oder Google Finance) oder kauft sie einfach vom Markt weg (YouTube, Writely, Jot). Anders ist der aktuelle Trend nicht zu stemmen. Im Kern ist Google noch das uralte Internet von 2004:

Roger McNamee, founder of Elevation Partners, said just that, this week.

„With all respect to Google, it is Web 1.0.“

Es wäre allerdings etwas unvorsichtig, Google deswegen abzuschreiben. Google kann diesen ganzen Zwonull-Zauber nicht selbst veranstalten und muss ihn deswegen nachäffen oder zukaufen – OK. Aber für den Kern der Maschine ist das egal. Zwonull heisst: Da draußen arbeiten Millionen Internet-Nutzer freiwillig daran, das Internet schöner und größer zu machen. Ein schöneres und größeres Internet ist ein Grund mehr, Suchmaschinen zu nutzen. Zum Beispiel den Marktführer.
[ Via Bambi Francisco – VCs ponder whether Googles still hip | AlwaysOn ]