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Woher kommen die Gewinne der Banken?

 

Ausgangspunkt meiner Fragestellung ist Dieter Wermuths Feststellung, die hohen Bankgewinne seien ein Zeichen für Marktversagen. Er schreibt (Börsen-Zeitung, 14.11.2009): „Wenn in einem Wirtschaftszweig derart gut verdient wird, sollte das aus der Sicht eines Ökonomen eigentlich dazu führen, dass die Gewinne durch den Markteintritt neuer Wettbewerber wegkonkurriert werden und sich dadurch den Standards im Rest des Unternehmenssektors annähern. Dass das nicht geschehen ist, kann nur als Marktversagen interpretiert werden.“

Die anhaltend hohen Gewinne im Finanzsektor stellt Dieter anhand einer Graphik dar, wonach der Anteil des Finanzsektors an den gesamten Unternehmensgewinnen in den USA seit Ende des 2. Weltkriegs von etwa 10 Prozent trendmäßig gestiegen ist und 2002 einen Wert von 40 Prozent erreicht hat. Im ersten Halbjahr 2009 waren es immer noch 28 Prozent. Dieter zitiert für Deutschland das Statistische Bundesamt, wonach die Gewinne der Kreditinstitute 2008 nicht weniger als 18,5 Prozent der Gewinne aller Kapitalgesellschaften ausgemacht haben.

Das sind fast unglaublich hohe Werte. Sie hätten eigentlich die Anhänger der freien Marktwirtschaft und speziell die der neoklassischen Theorie nachdenklich stimmen müssen. Irgendetwas läuft grundfaul, und zwar in richtig großem Stil. Auch die marxistischen Ökonomen müssen über das Phänomen nachdenken. Schließlich spielt der Ausgleich der Profitraten in der Marx’schen Theorie eine hervorragende Rolle. Bei diesen Ausgleich setzt sich nach Marx schließlich das Wertgesetz im Kapitalismus durch.

Wie auch immer, dass sich die Profitraten im Finanzsektor so gar nicht an die übrigen Sektoren nach unten angleichen, ist eine Überlegung wert. Genauer gesagt handelt es sich um zwei verschiedene Probleme: Ist es so, dass der Kapitalfluss in Richtung Finanzsektor (zum Beispiel durch hohe Eintrittsbarrieren) gehindert ist und es deswegen nicht zu höherer Konkurrenz und einer Anpassung der Profite nach unten kommt? Oder fließt tatsächlich viel Kapital in den Finanzsektor, und es bleiben trotzdem – wider die ökonomischen Gesetze – die Profitraten höher als in der übrigen kapitalistischen Wirtschaft? Ich neige zur zweiten Ansicht. Denn dass der Finanzsektor in den letzten 30 Jahren massiv angeschwollen ist, jedenfalls stärker gewachsen ist als die übrige Wirtschaft, die so genannte Realwirtschaft, dürfte nicht bestritten werden.

Die Frage lautet jetzt präziser: Wie kommt es, dass die Gewinne im Finanzsektor hoch bleiben, obwohl das Angebot an Kredit und Finanzdienstleistungen durchaus reichlich vorhanden ist, es also durchaus Konkurrenz gibt?

Die einfache und zunächst etwas grobe Erklärung liefert die Theorie vom staatsmonopolistischen Kapitalismus, kurz Stamokap genannt. Sie ist wohl das, was Dieter Wermuth, einer Darstellung Matt Taibbis und vieler anderer folgend die „regulatory capture“ nennt. Das soll heißen, an den entscheidenden Stellen verfügt die Hochfinanz über den Hebel, um die ökonomische Regulierung durch den Staat zu ihren Gunsten ablaufen zu lassen. Die Stamokap-Theorie, ein in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts durchaus populäres, auf Marx und vor allem Lenin fußendes Erklärungsmodell für den Kapitalismus moderner Prägung besagt – etwas vereinfacht – dass massive, ökonomische und systematische Eingriffe des Staates die erhöhte Rendite des monopolistischen (= machtvollen) Kapitals erst gewährleisten oder herstellen. Es findet eine vom Staat organisierte Umverteilung der Gewinne zugunsten der besonders großen und mächtigen Kapitalgruppen statt. Die Vertreter dieser Theorie hatten dabei Firmen wie Siemens und sein Quasi-Liefer-Monopol für die Telefonanlagen der Post oder die hohen Zuwendungen des Staates an die Atomindustrie und Ähnliches im Sinn. Heute wirkt die Rettungsaktion für die deutschen Banken vom Herbst 2008 in Höhe von 480 Mrd. Euro, die von den Bankern und ihrem Verband ausgestaltet wurde, wie die klassische Illustration der Stamokap-Theorie. Nur dass die Staatseingriffe in diesem Fall nicht irgendwelchen Monopolen sondern den Bankmonopolen oder besser Finanzmonopolen zugute kamen (denn die Allianz gehörte ja zu den hauptsächlich Begünstigten).

Aber das könnte ja nur eine Einzelaktion, wenn auch eine besonders drastische und augenfällige Aktion gewesen sein. Die Antwort, der Stamokap-Staat sorge systematisch für eine Aufplusterung der Gewinne der großen und mächtigen Kapitalgruppen, hat sicher allgemeinen Erklärungswert. Aber sie ist zugleich zu allgemein und unsystematisch. Denn hier interessiert ja, was gerade den Finanzsektor dauerhaft und daher systematisch in die Lage versetzt, einen großen Teil der in der Volkswirtschaft anfallenden Gewinne auf sich umzuleiten.

Ich schlage zwei Lösungen für dieses Problem vor. Ich vermute, dass beide Lösungen die außergewöhnlich hohe Profitabilität und das außergewöhnlich hohe Wachstum des Finanzsektor erklären.

Antwort I lautet „Geldschöpfung und Kredit“

Der Verschuldungsgrad einer Volkswirtschaft hängt nicht von der Höhe der Gewinne oder der Profitrate ab. Wenn überhaupt ist er Reflex von Erwartungen der Wirtschaftssubjekte. Mit Verschuldung ist die Bruttoverschuldung der Agenten der Volkswirtschaft gegeneinander gemeint, nicht die Nettoverschuldung gegenüber dem Ausland. Der Verschuldungsgrad misst also die Höhe der (Geld-)Ansprüche, die die Subjekte gegeneinander haben, bezogen auf die realen Werte in dieser Ökonomie, was man wohl am besten den Kapitalstock in der breitest möglichen Definition nennt. Der Verschuldungsgrad einer Gesellschaft ist hoch, wenn die Konsumenten einerseits hoch mit Ratenkrediten und Hypotheken verschuldet sind, andererseits aber viele Lebensversicherungen, Aktien, Fonds und sonstigen Krimskrams besitzen. Er ist dann hoch, wenn die Rentenversicherung nicht umlagefinanziert sondern kapitalgedeckt ist. Er ist dann hoch, wenn die Eigenkapitalquote der Unternehmen niedrig ist und sie mit viel Fremdkapital die Rendite auf ihr Eigenkapital erhöhen. Er ist dann hoch, wenn es viele schuldenfinanzierte Unternehmensübernahmen gibt. Und er ist schließlich dann hoch, wenn der Staat hohe Schulden hat.

Es gibt viele Gründe, weshalb die Kapitalisten den Verschuldungsgrad möglichst steigern wollen. Der wichtigste scheint mir die wunderbare Hebelwirkung der Verschuldung zu sein. Was gegen einen hohen Fremdkapitalanteil spricht, ist das höhere Risiko, Pleite zu gehen, wenn der Absatz stockt. Rechnen Unternehmen und Bürger mit einer stetigen, wenig volatilen Entwicklung oder, wie Ben Bernanke sagen würde, mit einer „great moderation„, werden sie ihre Verschuldung tendenziell erhöhen. Eine andere Schranke für einen steigenden Verschuldungsgrad stellt die Zinshöhe dar. Würde der Zins, wie die Marktgläubigen annehmen, mit dem höheren Verschuldungsgrad, also der höheren Kreditnachfrage steigen, würde die Kreditaufnahme im selben Maße unattraktiv.

Tatsächlich steigt der Zins keineswegs mit der höheren Kreditnachfrage. Der Grund dafür ist, dass das Kreditangebot mit steigender Nachfrage nach Kredit mühelos mitwächst. Ein nicht lädiertes Bankensystem zaubert Kredit in jeder Größenordnung hervor, sofern nur das zu finanzierende Projekt mit einiger Sicherheit genügend Ertrag verspricht. Die Zentralbank wiederum kennt keine Schranken bei der Kreditvergabe, sofern die Banken Sicherheiten hinterlegen können. Nach herrschender Lehre und Praxis steuert die Zentralbank die Kreditvergabe (sowie Konjunktur und Preise) über den Zins. Wird er (künstlich) angehoben, macht das die höhere Verschuldung künstlich unattraktiv. Nach ebenfalls herrschender Praxis erhöht die Zentralbank den Leitzins aber keinesfalls, um die Kreditvergabe, die Verschuldung zu begrenzen, sondern nur, wenn sie Inflation vermutet und sie bekämpfen will. Wie die letzten 15 Jahre gezeigt haben, müssen steigende Verschuldung und höhere Kreditvergabe keineswegs immer und überall zu inflationären Tendenzen führen.

Ein höherer Verschuldungsgrad der Volkswirtschaft führt dazu, dass ein höherer Anteil der Profite in Richtung Banken, oder generell in Richtung Finanzsektor fließt. Das ist nicht anders als bei einem Einzelunternehmen. Das eingesetzte Fremdkapital muss bedient werden. Je höher sein Anteil am eingesetzten Gesamtkapital, desto höher ceteris paribus der Anteil, der vom ‚Gewinn vor Zinsen‘ an die Bank abgedrückt wird. An sich ist das kein sehr überraschendes Ergebnis. Denn es wirkt ja von vornherein plausibel, dass mit dem steigenden Anteil des Finanzsektors in einer Volkswirtschaft auch sein Anteil am gesamten Unternehmensprofit zunimmt.

Weil der Kapitalmarkt keine Begrenzung der Verschuldung bzw. der Kreditvergabe autonom hervorbringt, haben kapitalistische Gesellschaften in der Regel politische Maßnahmen ergriffen, um diese Grenzen zu schaffen. Die Zentralbank wurde in den meisten Ländern verstaatlicht, in vielen Ländern wurden auch die Geschäftsbanken unter staatlicher Regie gehalten. Den Banken wurden Mindestreserven verordnet, sie wurden wie auch die Versicherungen einer relativ strengen Aufsicht und einer eigenen Bankengesetzgebung unterzogen. Schließlich wurde das Volumen der Kreditvergabe an die Menge des von der Bank aufgebrachten Eigenkapitals geknüpft. Letzteres wurde mit der Basler Übereinkunft sogar zum Standard im Weltkapitalismus.

Antwort II lautet „Geldschöpfung und Spekulationsgewinn“

Der Spekulationsgewinn wird vornehmer auch Vermögenspreiseffekt genannt. Mit diesem Effekt verfügt der Finanzsektor über ein geradezu magisches Mittel, Reichtum zu erzeugen, der nicht aus der Arbeit stammt, sondern buchstäblich aus dem Nichts entspringt. Der Grundmechanismus ist allen bekannt. Er findet am augenfälligsten am Aktienmarkt der Börse statt. In Hausse-Phasen, wenn die Preise für Wertpapiere steigen, profitieren alle, die sich an einem solchen Wertpapiermarkt beteiligen. Es kommt bei diesem Effekt nicht darauf an, dass die Vermögenswerte oder die Unternehmen, auf die sich die Wertpapiere beziehen, wertvoller werden. Der Markt vollzieht durchaus unabhängig davon kurze oder auch lange Aufwärtsphasen. Die längste Hausse des internationalen Aktienmarktes zu meinen Lebzeiten dauerte vom August 1982 bis zum März 2000, also volle 18 Jahre.

Die beteiligten Spekulanten gewinnen in einer Haussephase nicht auf Kosten der anderen Spekulanten sondern sie werden allesamt reicher. Jedem gelingt es, teurer zu verkaufen, als er gekauft hat. Die Differenz zwischen relativ billigem Einkaufspreis und relativ teurem Verkaufspreis streicht der Spekulant ein. Der andere Spekulant, der von ihm relativ teuer eingekauft hat, verkauft das Papier ein Weilchen später noch teurer und streicht ebenfalls die Differenz ein. Das ist das Schöne an steigenden Vermögenspreisen. Sie tun niemandem weh, alle profitieren. Steigende Preise bei anderen Waren sind normalerweise überhaupt nicht populär. Diese Preissteigerung aber ist es. Tatsächlich ist der Reichtum der Spekulanten nur fiktiv. Denn die reale Welt hat sich nicht verändert. Wenn die Börsentendenz kippt und die Kurse purzeln, verschwindet der fiktive Reichtum meist schneller, als er entstanden war. Finanzjournalisten schreiben dann – ausnahmsweise einmal treffend – soundsoviele Mrd. Dollar oder Euro seien in diesem oder jenen Crash „vernichtet“ oder „verbrannt“ worden. In der Tat, was vorher – fiktiv – da war, ist nun tatsächlich weg.

Ist dies schon ein Wunder, so ist es noch wundersamer, dass der fiktive Reichtum aus der Spekulation realen, wirklichen Reichtum schafft. Der Grund ist einfach. Die Spekulanten, die in der Aufwärtsphase der Börse mehr Geld in der Tasche haben, stecken nicht alle Erlöse wieder in die Spekulation. Sie kaufen auch mehr Güter, mehr Brötchen, mehr Porsches und gelegentlich auch mehr Fabriken. Die Folge ist: die Produktion von Brötchen und Porsches wird angeregt. Es werden mehr davon produziert. Die Fabriken erhöhen ihrerseits die Produktion von nützlichen und weniger nützlichen Dingen. Jedenfalls aber bewirkt der fiktive Reichtum der Spekulanten, dass die Gesellschaft, in der das stattfindet, real mehr Reichtum produziert und konsumiert. Die Gesellschaft wird durch fiktiven Reichtum real reicher. Leider gilt auch hier das Umgekehrte. Brechen Spekulation und Vermögenspreise zusammen, sackt auch die Nachfrage nach Brötchen, Porsches und Fabriken wieder in sich zusammen. Der verschwindende fiktive Reichtum löst eine reale Rezession aus.

Die Volkswirtschaftslehre spricht in anderem Zusammenhang von Geldillusion, wenn steigende Preise – vorübergehend – die Nachfrage stimulieren. In der Tat beruht das satte Plus des Vermögenspreiseffekts auf Geldillusion. In der Haussephase der Spekulationsmärkte wächst die Geldmenge. Sie kann nur wachsen, wenn die Geldschöpfung der Banken und der Zentralbank die höheren Vermögenspreise elastisch akkomodiert bzw. die Geldillusion nährt.

Die Regierungen der meisten kapitalistischen Staaten und ihre Notenbanken haben den anregenden Effekt der Spekulation mit Vermögenswerten zielbewusst gefördert. Unter Bill Clinton, seinem Finanzminister Robert Rubin und Fed-Chairman Alan Greenspan erhielt dieses Ziel unter der Überschrift vom „starken Dollar“ auch ideologische Weihen. Tatsächlich beruhte die von Ronald Reagan und seinem Fed-Chairman Paul Volcker betriebene Politik des starken Dollar in den frühen 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts auf demselben Gedanken. Nur wurde das damals von vielen Akademikern als Voodoo-Economics abgetan. Dass diese Politik in den Finanzkrisen ihr jeweils vorläufiges Ende findet, konnten wir in den letzten Jahren sehr deutlich beobachten.

Die Spekulationsgewinne aus dem Nichts kommen zwar indirekt der Volkswirtschaft insgesamt zugute. Zunächst aber treten sie vorwiegend im Finanzsektor selber auf. Dabei ist es fast egal, ob die spekulativen Preissteigerungen am Immobilien-, Aktien-, Rohstoff- oder Bondmarkt stattfinden. In allen Fällen profitiert der Finanzsektor in erster Linie. Dort treten die Spekulationsgewinne zunächst auf. Steigende Vermögenspreise regen die Kreditvergabe an. Sie sind nachhaltig ohne Kreditausweitung nicht möglich. Auf diese Weise wirken Spekulationseffekt und Kreditausweitung sich ergänzend und gegenseitig fördernd zusammen, um den Finanzsektor groß und bei aller Größe dennoch sehr profitabel zu machen.

57 Kommentare

  1.   JustmyThoughts

    Eigentlich sehr guter und interessanter Artikel, aber mit „Finanzjournalisten schreiben dann – ausnahmsweise einmal treffend – soundsoviele Mrd. Dollar oder Euro seien in diesem oder jenen Crash “vernichtet” oder “verbrannt” worden. In der Tat, was vorher – fiktiv – da war, ist nun tatsächlich weg“ über das Ziel hinaus geschossen. Es wurde nicht verbrannt. Es wurde zu all denen umverteilt, die kurz vorher verkauft haben. Die haben das Cash auch noch, wenn sich die allgemeine Meinung über die Bewertung verändert hat.

  2.   Antizipationspartizipator

    @ LZ:

    Sie haben das präzise formuliert und doch die Derivatpapiere nicht mit in den Blickwinkel gerückt: dabei verbindet — meiner Meinung nach –gerade die Schöpfung von Investment-Papieren das Kreditwachstum mit den Spekulationsgewinnen derart, dass beide sich wechselseitig verstärken.
    Traditionelle Anlagegegenstände haben den Nachteil, dass sie an die materielle Knappheit geknüpft sind und sich noch dazu an der Produktionsstruktur orientieren; wenn sie allerdings einen nur ideellen Bezug zu einem Gut in einem Wertpapier herstellen (Verschachtelungen von Verschachtelungen von Kreditansprüchen, oder Wetten auf das nächste Modell von Bentley), haben sie einen fast unbegrenzten Freiraum für Wertpapiere mithin für Spekulationsgewinne geschaffen. Wenn Sie nun auch noch Geld bei der Zentralbank leihen können, — und diese nicht kritisch genug prüft, was sie da treiben, — ist den Spekulationsgewinnen, mithin den Unternehmensgewinnen kaum eine Grenze gesetzt.

    Wir sollten dabei nicht von einem Marktversagen reden, weil es in der Finanzwelt tatsächlich in weiten Teilen gar keine Marktstruktur gibt: es gibt ja keinen Verbraucher; jeder sieht zu, dass er die Titel, die er gerade erworben hat in maximaler Geschwindigkeit mit maximalem Arbitragegewinn wieder los wird.
    Wie soll denn dabei ein Gleichgewicht entstehen, bei welchem die Preise gedrückt werden, so dass nur diese Unternehmen mit der effizientesten Produktionsstruktur (das wohlbekannte neoklassisches Paradigma) am Markt bestehen können?

  3.   Christian Wagner

    „Das sind fast unglaublich hohe Werte. Sie hätten eigentlich die Anhänger der freien Marktwirtschaft und speziell die der neoklassischen Theorie nachdenklich stimmen müssen.“

    Hätten Sie nicht, denn in der etablieren „Wirtschaftsszene“ sitzen genau die Herrschaften, die wesentlich vo der bestehenden Wirtschaftsordnung profitieren! Gleichzeitig werden diese durch eine mittlerweile unseriöse gleichgeschaltete Journaille (Handelsblatt, Spiegel, Focus, Manager-Magazin, aber auch FAZ und Konsorten) unterstützt, so dass maximal in der Bloggerszene sich Widerstand bilden kann.

    Die extrem hohen Profite resultieren aus einer Politik des billigen Geldes, welches sich nahezu risikolos in Spekulationsgeschäften herumwildern darf, sponsored by gemeine Steuerzahler. Dieser wird dazu „herangezogen“ das Großkapital vor Vermögensverlusten zu schützen. So weit sind wir in Deutschland gekommen und das schlimmste ist, das ein Großteil der Bevölkerung gegen diese Spielchen nicht aufbegehrt!

  4.   iboo

    Gut, dass endlich mal wer fragt woher eigentlich die Gewinne kommen, die wohl nur vom Drogenhandel getoppt werden (allerdings ohne das Risiko der Illegalität).
    Damit wird noch klarer, was eigentlich jeder vermutet hat:
    Geld regiert die Welt. Und wer keins hat, der muss kriechen wie die Griechen.

    Noch nicht ganz klar ist durch welchen Prozess eigentlich die 30…40% Gewinn zustande kommen. Die Kreditzinsen selbst mit ihren meist einstelligen Zinssätzen (minus Ausfallsrisiko) können es jedenfalls nicht sein, also muss das große Geld irgendwo anders herkommen. Spekulation wäre eine plausible Erklärung, freilich einschließlich dem Spekulationsrisiko – sofern das nicht per Insiderwissen reduziert wird.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht noch, dass die großen Banken wie etwa Lehmann Sachs auch erst durch eine Wirtschaftskrise richtig groß geworden sind: Als 1873 die Weltwirtschaft krachen ging kauften sie die kleineren Banken günstig auf. Schon damals galt die goldene Regel: Wer (noch Geld) hat, dem wird (noch mehr) gegeben.


  5. Wiederholung:

    Für mich ergeben sich Extragewinne der Banken durch die Differenz des Bargeldumlaufs im Verhältnis zu M1. Deswegen haben die Banken ein großes Interesse an der bargeldlosen Zahlungsweise. Diese Diffrenz kann man als zinsloses Darlehn an die Geschäftsbanken betrachten. Bei 2600Milliarden und 3% sind dieses alleine in der Eurozone 78Milliarden .

    Ich finde gut, dass die Diskussion über das Geldsystem und die Rolle der Geschäftsbanken angestoßen wird. Vorab, Geld kommt nur über die Geschäftsbanken in die Welt. Keiner, abgesehen von den Geschäftsbanken kann sich die gesetzliche Währung bei der jeweiligen Zentralbank besorgen. Neben Zentralbankgeld (Bargeld), handeln die Geschäftsbanken mit Zahlungsversprechen auf Zentralbankgeld. Im Euroraum befinden sich für 800Milliarden gesetzliche Zahlungsmittel im Umlauf. Die Geldmenge M1 beträgt aber 3,4Billionen. Diese 3,4 Billionen, könnten, müssten, wenn die Kunden es wollten, unmittelbar in Bargeld (gesetzliche Währung) umgewandelt werden. Man sieht sofort, dass dieses nicht geht. Es sein denn der Herausgeber würde sofort die Druckmaschine anschmeißen, wozu er aber nicht verpflichtet ist, es aber teilweise getan hat, als während der Krise die Bargeldquote sprunghaft anstieg. In letzter Konsequenz ist nur Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel! Übrigens verlangen die Zentralbanken für das Ausleihen von Bargeld an die Geschäftsbanken Zinsen und Sicherheiten. Ihre selbsterzeugen Zahlungsversprechen sind aber zinslos (3400-800=2600). Sie können also 2600Billionen, weiterverleihen darauf kräftig Zinsen erzielen obwohl sie ihnen nicht gehören, sie diese aus dem Nichts gezaubert haben und sie das darauf lastende Zahlungsversprechen nach Bargeld niemals werden erfüllen können. Hier sieht man die privilegierte Stellung der Geschäftsbanken. Das Vabanquespiel wird vom Herausgeber der Gesetzgeber geduldet und gewollt, da er sich selber nicht über den Weg traut und lieber die Geldschöpfung in Bargeld und Zahlungsversprechen auf Bargeld per Kredit über die Geschäftsbanken aufgeteilt hat. Der Preis für die teilweise Abtretung von staatshoheitlichen Aufgaben muss allerdings sein, dass er die Kreditvergabe der Geschäftsbanken exorbitant überwacht, ansonsten erfüllt er seine Pflichten als Herausgeber und Hüter der gesetzlichen Währung nicht.

  6.   Spekulation2.0

    Ich möchte dieser Aussage zustimmen: Stellen sie sich doch einfach die Transaktionen während eine Börsenhausse vor: Einer kauft zu einem niedrigen Kurs (Geld fliesst zum Verkäufer, er nutzt es irgendwo in der Volkswirtschaft), Käufer 1 verkauft an einen anderen (Geld wird wieder transferiert und fliesst in Aktien auf der anderen Seite aber vielleicht wieder heraus). Das heisst durch den reinen Prozess des Aktienkaufs und -verkaufs entsteht kein Geld, sondern es fliesst Geld in den Finanzsektor hinein und heraus. Gibt es jetzt stark steigende Kurse(und dafuer muss eine reale Transaktion stattfinden) zahlt der letzte auf dem Markt die Zeche. Das Geld wurde umverteilt, ist aber immer noch da. Es wurde kein einziger Euro vernichtet. Börsentransaktionen am Zweitmarkt sind ein Nullsummenspiel. Natuerlich kann man in seinem Depot während der Aktienkursverläufe Gewinne und Verluste sehen und es entstehen fiktive Gewinne und Verluste im Kopf. Ja, man kann Aktien auch beleihen, aber so einfach wie eine Immobilie oder ein Lebensversicherung ist das nicht. Konsum ueber fiktive Gewinne wuerde ich daher eher von geringer volkswirtschaftlicher Bedeutung ansehen. Buchgewinne oder Verluste von Banken unterliegen strengen Regeln und eine Bank wird kaum einen fiktiven Gewinn am Kapitalmarkt kommentarlos in die Bilanz aufnehmen und als einen steuerbaren Gewinn ausweisen. Das heisst intern wird die Bank diese fiktiven Gewinne berechnen, sie wird aber kaum diesen fiktiven Mehrwert direkt in die Kreditvergabe fliessen lassen.
    Zusammenfassend: Es ist kein starker Zusammehang zwischen den reinen Aktienspekulationen und der Konjunkturentwicklung zu sehen. Das heisst nicht, dass durch Fehlbewertungen und bestimmte Instrumente am Kapitalmarkt kuenstlich Balsen entstehen können. Mit der reinen Transkation ghat das aber nichts zu tun. Auch im amerikanischen Immobilienmarkt war es die Fehlbewertung, die die Blase entstehen hat lassen, nicht aber der Handel selbst. das heiss,wenn amerikanische Hausbesitzer ihren Konsum ueber Hypotheken mit höhrem Wert finanzieren, ist das ein Problem der Bewertunfg des Risikos durch die Bank und bringt kurz- mittelfristig starke steigende Gewinne. In Deutschland haben diese Fehlbewertungen aber nicht statt gefunden und trotzdem verdienen Banken Geld.

    Banken verdienen viel Geld ueber Provisionen, das heisst gerade eine klasssiche Investmentbank verdient durch Gebuehren fuer Beratung. Hier besteht ein Wettbewerb. Der Kunde ist aber wohl bereit diese Summen zu bezahlen. Schaut man sich die Entwicklung der Provisionen im Vergleich zum reinen Zinsgeschäft an, sieht man wo das Geld verdient wird.

  7.   Tobias Metzger

    Der Ansatz war gut, die Umsetzung ein schlechter Scherz – so denke ich über diesen Propagandaartikel.

    Wenigstens haben Sie einmal die richtige Frage gestellt – wie verdienen Banken Ihren Profit – aber die wichtigen Punkte lassen Sie vollkommen unbeachtet und beantwortet:

    Hochgeschwindigkeitshandel – dabei werden teilweise Insiderinformationen, wie vorabhandelsinformationen, gezielt genutzt um auch auch gegen die eigenen Kunden zu handeln. Kaufen Sie Gold, wettet der Computer auf diesen Goldkauf und verdient.

    Insiderinformationen – Dadurch das die Banken an den Schalthebeln der Macht sitzen, haben Sie vorabinformatiinen, wie z.B. bei der Frage ob Lehmann gerettet wird, oder nicht.

    Geldschöpfung – die Banken leihen sich günstiges Geld von der Zentralbank, oder Schöpfen es selbst, und kaufen sich davon Staatspapiere (welche ausgegeben werden um die Banken zu retten) – der Zinsspread mag nicht hoch sein, aber es ist eine verdeckte Subvention – der Staat verschuldet sich bei Banken und haftet für die Banken, also für sich selbst – wie Paradox – dafür zahlt er noch saftige Gebühren, welche er über Steuern wieder eintreiben muss.

    Beihilfe zur „Steueroptimierung“ – Reichen Bürgern auf der ganzen Welt werden komplizierte Stiftungen und Trusts usw. konstruiert, um die Steuerlast massiv zu reduzieren. Bei vielen Banken werden dabei die Grenzen zur Strafbarkeit überschritten. Siehe Julius Bär, oder UBS, etc. Das ist seit Jahren bekannt.

    Die „Mechanismen“ der Vermögenswertsteigerungen werden seit Jahren von Banken erfolgreich genutzt. Dabei folgt die Blase immer dem gleichen Muster: Durch geschöpftes Geld werden die Vermögenspreise nach und nach in die Höhe getrieben – das Funktioniert bei allen Assets, auch bei Erdöl usw. Durch die Mark to Market Bewertung, gehen diese fiktiven Steigerungen direkt in die Bilanz ein und werden als Gewinn und Boni verbucht. Dabei werden immer mehr normale Bürger in den Markt getrieben – jeder der nicht handelt ist dumm.

    Dann kommt – wie immer – der große Crash – nur das die großen Banken wesentlich besser informiert sind als der Otto Normalhändler und Sie wissen, wann Sie ihre Positionen auflösen und an Ahnungslose abverkaufen müssen – wie z.B. Landeszentralbanken (danke liebe deutsche Bank) – danach gehen viele Banken auf Short und setzen auf einen Einbruch des Marktes und verdienen dabei erneut.

    Banken verdienen auch an Kriegen – generell an allem was Staatsausgaben treibt – dabei sind Staatsschulden ja einerseits die Schuld der Allgemeinheit, eintreibbar durch Staatsgewalt – ABER auch das GUTHABEN der anderen SEite, der Staatsschuldinhaber, welche Jahr für Jahr sichere Zinsen für ihre Papiere erhalten – eintreibbar von den staatlichen Behörden.

    D.h. NETTO erwerben REICHE Staatsschuldinhaber einen nettoanteilsschein an den Einkommen des kleinen Mannes, denn dieser zahlt die meisten Steuern in relation zu seinem Einkommen.

    Es gäbe hier noch weitere Episoden zu bereichten, über Preismanipulationen usw., aber was würde es nützen, wenn die BLinden nicht sehen wollen?

    Noch eine letzte Aussage zum volkswirtschaftlichen Gedanken – welch ein blanker Unsinn – weil die Spekulanten sich reicher fühlen, konsumieren Sie mehr – und deswegen wächst die Wirtschaft schneller.

    D.h. die Verantwortungslosen Deppen, welche dann regelmäßig wieder Pleite sind, treiben die Ökonomie über den Luxuskonsum von Rolex, Yachten und der 10. Vila? So ein blanker Unsinn. Das hat mit Ökonomie nichts mehr zu tun – wieso sollte der Staat das Geld nicht ebenfalls aucheinfach „schaffen“ wie der Markt und anschließend für sinnvollere Projekte ausgeben? z.B. Grundlagenforschung finanzieren. Sie beschreiben diese Geldschöpfung durch die Privelegien weniger und behaupten es würde der Allgemeinheit nützen – welch ein Hohn.

    Erst darf man sich die Lemminge anschauen wie Sie, trotz Warnungen die Kläranlagen an fragwürdige Investoren in den USA verkaufen – und daran verdienen – und danach , wenn der Traum platzt wie eine Seifenblase, werden Sie gerettet und verdienen immer noch viel Geld.
    Und dann schreiben Sie, das nützt der Allgemeinheit? Das ich nicht lache – hier bereichern sich, ganz klassisch, wenige auf Kosten der Mehrheit. Fehler werden belohnt. Versagen hofiert.

    Anstatt die klugen Köpfe nach neuen Grundlagen in der Chemie forschen zu lassen, werden diese realen Investitionen gestrichen, weil Sie nicht mit den Renditen am Finanzmarkt konkurrieren können.

    Sie behaupten, der Zockerei am Finanzmakrt wäre ein gutes Pokerspiel, bei dem alle – auch die nicht spielen dürfen – am Ende davon profitieren. Wie?!? Das ist Unsinn. Immer mehr Ressourcen werden in Finanzprodukte investiert – immer weniger in die reale Wirtschaft. Dabei ist das Primäre Ziel des Finanzmarktes REALINVESTITIONEN zu fördern. z.B. den Eisenbahnbau usw. – aber was betonen auch Sie? Die Zockerei……

    Ich denke das „Simple“ Bild des Stamokap ist relativ genau dass, was der normale Bürger als realistisch betrachtet.

  8.   egghat

    Wie wär es mit einer „österreichischen“ Erklärung?

    Zu viel billiges Geld erzeugt zu viele Blasen und profitieren tun natürlich die am meisten, die im Geldfluss ganz vorne sitzen. Vor allem wenn man den Faktor „Marktbereinigung durch Pleite“ aus dem System herausnimmt. Wäre die Rendite des Bankensektors ohne Staatseingriffe so hoch gewesen wie bisher oder hätte ein unkontrolliertes Zusammenklappen des Finanzsektors (den es ohne Staatseingriff sicher gegeben hätte) nicht sogar dafür gesorgt, dass die Rendite des gesamten Sektors bei exakt -100% gelegen hätte?

    Ich glaube, die Antwort ist einfacher als im Artikel beschrieben: Ursachen sind die Notenbanken (zu viel billiges Geld) und der Staat (wegen der Rettung). Der Bailout ist der Grund, warum das kapitalistische Modell im Finanzsektor nicht funktioniert: Es fehlt die Marktbereinigung von unterkapitaliserten bzw. überspekulierenden Banken.

  9.   Alfred Betschart

    Auch Ökonomen sollten zuerst mit den Fakten und nicht der Theorie beginnen. Und Fakten heisst zuerst einmal die historischen Veränderungen anschauen. Zwei Punkte fallen hierbei auf.
    1. Die Banken machen heute (in absoluten Zahlen) mehr Eigengeschäfte(d.h. Handel mit Wertschriften auf eigenes Risiko; im Gegensatz zum traditionellen Zins- und Kommissionsgeschäft) als früher. D.h. sie spekulieren aktiv mit. Allerdings sind die Anteile nicht berauschend. Selbst in guten Jahren wie 2005/6 hatten sie bei der Deutschen Bank oder der UBS nur einen Anteil von ca. 25% am operativen Einkommen. Mit andern Worten, die Spekulationsgewinne der Banken erklären den Gewinnschub nicht ausreichend.
    2. Wir stellen historisch eine Verlagerung vom unternehmerischen Investment (langfristiges Halten von Wertpapieren) hin zu kurzfristig, spekulativen Anlagen fest, die entsprechend zu höheren Zins- und Kommissionseinnahmen bei den Banken führten (via vermehrte Fremd- statt Eigenfinanzierung und via höhere Umsätze an der Börse). Dahinter verbergen sich vor allem drei Komponenten.
    Die erste ist die Globalisierung. In den 70er Jahren wurden französische Aktien nur von spekulativ veranlagten Firmen gekauft. Heute sind es auch Hausfrauen und Rentner, die auf asiatische oder lateinamerikanische Papiere setzen. Unternehmer investieren zunehmend nicht mehr ihr Geld im eigenen Land, sondern im Ausland, weil die Gewinnaussichten in den BRIC-Staaten eben besser sind als in Deutschland.
    Die zweite Komponente, die mit der ersten im Zusammenhang steht, ist die v.a. durch Rohstoffe bedingte Verlagerung des Reichtums in andere Länder. Leute wie die Saudis und Russen verfügen heute über immense Reichtümer, die nach Investitionsmöglichkeiten ausserhalb ihrer Länder suchen.
    Die dritte Komponente ist die Verlagerung des Reichtums innerhalb der entwickelten Länder. Die Ersparnisse der Angestellten haben bis in die 70er Jahre bestenfalls für Sparhefte und ev. ein paar Obligationen gereicht. Heute erreichen die Ersparnisse des angestellten Teils der Bevölkerung riesige Ausmasse. Vor allem wenn wir nicht nur die direkten, sondern die indirekten Ersparnisse miteinschließen (d.h. via Sozial- und Privatversicherungen). Die kalifornische Pensionskasse CalPERS verwaltet Anlagen in der Höhe von 200 Mrd. $.
    Angesichts dieser fundamentalen Veränderungen werden die Banken auch in Zukunft sehr hohe Gewinne schaufeln. Was auch hohe Boni bedeutet. Die Alternative wäre ein Rückgängigmachen der Globalisierung und der höheren Einkommen der arbeitenden Bevölkerung. Aber dies kann wohl nur ein Theoretiker wollen, denn dies würde die absolute Krise bedeuten.

  10.   Hickey

    Wir brauchen einen Cowboy der mal in den Banken herumwildert und aufräumt 🙂