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Aktien weiter auf dem Weg nach unten

 

Trotz der großen Kursverluste der vergangenen Tage gibt es keine Anzeichen, dass die Sache bald ausgestanden ist. Seit ihren jeweiligen Hochs am 19. Februar haben der DAX 17 Prozent und der S&P 500 11 Prozent verloren. Die Futures-Märkte lassen vermuten, dass es heute Nachmittag in den USA um etwa 2,5 Prozent weiter nach unten gehen wird. Es sieht so aus, als ob wir vor einem der größten Rückschläge der vergangenen zwei Jahrzehnte stünden. Nach der Jahrhundertwende hatte es am deutschen Markt insgesamt fünf größere Kurseinbrüche gegeben, mit Verlusten zwischen 23 und 73 Prozent. Wir scheinen uns in Phase Nr. 6 zu befinden.

Der Hauptgrund ist die globale Rezession, die sich nach den Problemen in China kaum mehr aufhalten lässt. Zwar hatte die OECD noch vor einigen Tagen für das reale BIP der Welt im Jahr 2020 ein Wachstum von 2,4 Prozent prognostiziert, aber das enthielt eine große Portion Wunschdenken: Die Zuwachsrate Chinas wurde noch auf 4,9 Prozent veranschlagt. Wenn Bloomberg Economics‘ Prognose von 1,2 Prognose für China eher der Wirklichkeit entspricht, ergibt sich für die Welt ein Wachstum von lediglich 1,6 Prozent. In der Nachkriegszeit gab es nur im Jahr 2009 eine geringere Rate (-0,1%). Im Mittel des vergangenen Jahrzehnts lag das Wachstum bei 3,7 Prozent.

Die Anzahl der Virusinfektionen nimmt weiter rasch zu. Zuletzt gab es von Woche zu Woche Zuwachsraten von 12 bis 18 Prozent. An den Märkten breitet sich Panik aus.

Mit allen Mitteln werden die Zentralbanken und die Finanzpolitiker versuchen, das Schlimmste abzuwenden. Der Erfolg wird bescheiden bleiben. Vor allem die Geldpolitik hat kaum noch Spielräume, es sei denn sie versucht es einmal mit einem Einstieg ins Helikoptergeld. Der stärkste Stimulus muss erneut von der Finanzpolitik kommen. Angesichts der hohen Schulden im Privatsektor wird es für die Banken wieder eng werden, so dass staatliche Rettungsaktionen erforderlich werden könnten.

Insgesamt wird sich die Flucht in sichere Anlageformen fortsetzen – Gold, Immobilien, der Schweizer Franken. Da wegen der Rezession eher Deflation als Inflation droht, sind zudem Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität die Favoriten der Stunde – in den USA sind die Renditen der zehnjährigen Treasuries auf 0,77 Prozent gefallen, weit unter den bisherigen Tiefstand in der amerikanischen Geschichte. Da die Fed die Leitzinsen demnächst vermutlich auf nahe Null senken wird, dürften die Renditen am langen Ende der Zinskurve trotzdem weiter fallen. Was die Aktienmärkte angeht, werden vorläufig die Verluste überwiegen. Zu den wenigen Gewinnern könnten Pharmafirmen, Krankenhausketten, online shopping und einige andere Internetfirmen gehören.

Es könnte aber schon bald die Stunde der Gegenspekulanten schlagen.

Eine ausführliche Analyse der Aussichten und Risiken für Aktien und Anleihen finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook: Stock market correction will continue, March 2020*) (pdf, 403 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

 

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