Investment Outlook: starker Gegenwind

Noch expandiert die Weltwirtschaft kräftig, aber die Risiken haben zugenommen – durch die Zinserhöhungen der Fed, die in Argentinien, der Türkei und anderen Schwellenländern eine Schuldenkrise ausgelöst haben, sowie durch den eskalierenden Handelskrieg, der auf die Stimmung von Verbrauchern und Unternehmen schlägt und eine globale Rezession auslösen könnte.
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Müssen virtuelle Währungen reguliert werden?

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Bitcoin und andere virtuelle Währungen werden zunehmend wichtiger. Sie sind kein Geld, aber werden von einem größer werdenden Nutzerkreis als Zahlungsmittel und Vermögensanlage verwendet. Notenbanken und Aufsichtsbehörden haben aber Risiken identifiziert und sehen Regulierungsbedarf. Zu den Herausforderungen zählen der Verbraucherschutz und die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Welche Geldfunktionen virtuelle Währungen erfüllen, wie umfangreich der Markt ist, was bisher reguliert wurde und welche Regulierungen geplant sind, stellen Oliver Read und Karin Gräslund in einem Beitrag im aktuellen Wirtschaftsdienst dar.
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Die Multis müssen mehr Steuern zahlen

Seit 1975 versucht die EU, eine einheitliche Gewinnbesteuerung hinzubekommen. Es hat nicht geklappt, und es wird auch nicht klappen, so lange Steueroasen wie Luxemburg, Holland, Irland oder Malta solche Versuche blockieren. Die Politiker dieser Länder wissen, dass sie eine lukrative Einkommensquelle verlieren würden, genauer: dass es nach einer solchen Steuerreform nicht mehr möglich wäre, Steueraufkommen, das wirtschaftlich den Finanzämtern – und damit den Steuerzahlern – in Deutschland, Frankreich, Spanien, Skandinavien und so weiter zusteht, zu stehlen, und zwar ohne dass sie sich groß anstrengen müssen. Nichts ist schöner als eine Rente, ein arbeitsloses Einkommen. Genau wie zahlreiche andere Steueroasen im Rest der Welt bieten die genannten EU-Steueroasen den Multis einfach extrem niedrige Steuersätze an, wenn sie ihre Gewinne bei ihnen versteuern. Wenn alles mit rechten Dingen zuginge, könnte die Abgabenlast der „normalen“ Steuerpflichtigen um viele Milliarden Euro niedriger sein als sie ist. Es kann so nicht weitergehen. Weiter„Die Multis müssen mehr Steuern zahlen“

 

Je stärker das Wachstum, desto größer die Risiken

Alle offiziellen Wirtschaftsprognosen sind sich in Einem einig: Die Expansion des realen Sozialprodukts wird in diesem Jahr zwar etwas geringer ausfallen als 2017, aber sie wird insgesamt auf absehbare Zeit ziemlich robust weitergehen, in den Schwellenländern mit durchschnittlichen Raten von etwa fünf Prozent, und mit rund 2,3 Prozent in den reicheren Ländern. Kein Grund zur Klage also, wenn man mal von den Krisenländern Venezuela, Argentinien, Brasilien und Türkei absieht.
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Die Erde erwärmt sich weiter

Im Mai 2017 hatte die High-Level Commission on Carbon Prices unter der Leitung der Professoren Joseph Stiglitz und Lord Nicholas Stern festgestellt, dass der größte Teil der von den Menschen emittierten Treibhausgase nicht oder viel zu niedrig besteuert sei. Wenn die Pariser Klimaziele bis 2020 erreicht werden sollen, müsste jede Tonne CO2, die freigesetzt wird, bis 2020 mit mindestens 40 bis 80 Dollar belastet werden, und dann bis zum Jahr 2030 mit mindestens 50 bis 100 Dollar. Ich denke sogar, dass die Karbonsteuern noch höher sein müssten, wenn die gesamten negativen Effekte durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe abgegolten werden sollen.
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Entwurf für neues EU-Budget – (k)ein großer Wurf?

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Die EU-Kommission hat ihren Vorschlag für den mehrjährigen Finanzrahmen (2021 – 2027) vorgelegt. Dieser Finanzrahmen regelt welcher Staat wie viel einzahlt, wie viel bekommt und wofür das gemeinsame EU-Budget ausgegeben wird. Gemessen an den hochfliegenden Plänen Emmanuel Macrons für eine Neugründung Europas sind im Budget eher wenige Veränderungen vorgesehen. Die Kommission hat eine vorsichtige Neugewichtung eingeleitet: weg von Agrarsubventionen und Kohäsionspolitik hin zu mehr Mitteln für Außenpolitik, Innovationsförderung und Grenzschutz. In der Juni-Ausgabe des Wirtschaftsdienst bewerten die vier Autorinnen und Autoren des aktuellen Zeitgesprächs den Vorschlag der Kommission. Weiter„Entwurf für neues EU-Budget – (k)ein großer Wurf?“

 

Das Bond-Ankaufprogramm der EZB läuft aus – insgesamt eine erfolgreiche Strategie

Am Donnerstag hat die EZB das Ende des Bond-Ankaufprogramms verkündet, außerdem ihre Absicht, die Leitzinsen bis Ende des Sommers 2019 unverändert zu lassen, also bei ihrer Nullzinspolitik und der sehr expansiven Geldpolitik zu bleiben. Von Oktober 2014 bis Ende Dezember 2018 wird sie dann netto Anleihen in Höhe von 2,6 Billionen Euro erworben und ihre Bilanz von zwei Billionen auf etwa 4,7 Bill. Euro verlängert haben. Sie musste das tun, denn wenn die Zinsen einmal an der Nullgrenze angekommen sind, gibt es praktisch keinen Spielraum mehr für weitere Senkungen. An dem Punkt müssen andere Instrumente ins Spiel gebracht werden, wenn die expansive Ausrichtung der Geldpolitik beibehalten werden soll, wenn also das Ziel einer Inflationsrate von dauerhaft knapp unter zwei Prozent weiter verfolgt wird. Die neuen Instrumente der EZB waren zum Einen das Ankaufprogramm von Aktiva (das Asset Purchasing Programme APP auch Quantitative Easing QE genannt) sowie klare Aussagen über die künftigen Leitzinsen (forward guidance). Weiter„Das Bond-Ankaufprogramm der EZB läuft aus – insgesamt eine erfolgreiche Strategie“

 

Aktien und Bonds extrem teuer

Vom ersten Quartal 2009, dem Tiefpunkt der Rezession, bis zum ersten Quartal 2018 ist der DAX um 217 Prozent gestiegen, das nominale Sozialprodukt Deutschlands aber nur um 37,5 Prozent. Ähnlich lief es in den USA. Aktien haben die Bodenhaftung verloren. Aber auch Renten, vor allem Bundesanleihen, sind sehr teuer: Bei den Zehnjährigen beträgt die Rendite 0,44 Prozent, die Inflation hat dagegen in der Zwischenzeit 2,2 Prozent erreicht. Real haben wir es also mit deutlich negativen Zinsen zu tun. In anderen europäischen Ländern ist es nicht ganz so krass, aber auch dort lässt sich mit guten Festverzinslichen kaum Geld verdienen.

Den Anlegern ist klar, dass das nicht so bleiben kann, weswegen sie einigermaßen nervös sind und den Marktausgang fest im Blick haben. Sie fragen sich, was der Auslöser für eine größere Korrektur sein könnte. Mehrere Kandidaten kommen dafür infrage:

1. Die Insolvenz eines Schwellenlandes in Reaktion auf höhere Dollarzinsen und einen festen Dollar. Mitte Mai kam es zu einer kleinen Panik. Vor allem Argentinien, die Türkei und Brasilien waren betroffen, Länder, die große Twin Deficits aufweisen, also Defizite in der Leistungsbilanz und im Staatshaushalt. Bisher halten die Abwehrmechanismen und es ist zumindest vorübergehend wieder Ruhe eingekehrt.

2. Italien! Die neue Regierung gibt sich spendierfreudig und nimmt in Kauf, dass sie gegen die Maastricht-Auflagen verstoßen wird. Im Grunde ist die Wirtschaft des Lands auf dem Wege der Gesundung und es gibt keinen Zweifel, dass der Schuldendienst geleistet werden kann. Es handelt sich um eine politische, nicht um eine wirtschaftliche Krise. Allerdings ist eine Bankenkrise angesichts gewaltiger notleidender Kredite immer noch ein Risiko.

3. Eine restriktivere Geldpolitik in den USA und in Europa. Hier wird es keine Schocks geben. Vielmehr haben sowohl die Fed als auch die EZB durchblicken lassen, dass sie die Zügel etwas anziehen werden, aber eben nur piano.

4. Ein Handelskrieg. Bisher sind die Größenordnungen ungefährlich. Vermutlich wird es nicht zu einer Eskalation kommen, weil selbst der amerikanischen Regierung klar sein dürfte, dass dann alle verlieren werden. Im Handelskrieg gibt es keine Gewinner.

5. China. Der private Sektor ist stark verschuldet und es könnte sein, dass die Erträge aus den schuldenfinanzierten Investitionen bald nicht mehr ausreichen, die Gläubiger zu befriedigen. Das Land verfügt allerdings über gewaltige Reserven und hat nur relativ geringe Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland. Allerdings ist die Lage wegen der schlechten Datenlage nur schwer zu durchschauen und potenziell gefährlich.

6. Die Carbon-Blase: das Zeitalter der fossilen Brennstoffe neigt sich dem Ende zu, aber noch steigen Ölproduktion, CO2-Emissionen, die globale Durchschnittstemperatur und die Gewinne der Ölproduzenten. Alternative Energie wird immer billiger, so dass die Nachfrage nach Erdöl, Gas und Kohle irgendwann stark zurückgehen wird. Das ist aber kein unmittelbares Risiko für die Kapitalmärkte.

Eine ausführliche Analyse der aktuellen Risiken für Aktien und Bonds finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – Extremely expensive stocks and bonds, June 2018*) (pdf, 754 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

 

Anzeichen für eine neue Finanzkrise

Wenn ich mir die jüngsten Prognosen von EU-Kommission, OECD und Internationalem Währungsfonds anschaue, könnte es kaum besser laufen: Das Wachstum ist robust, die Inflation niedrig, die Löhne steigen etwas rascher als in den letzten Jahren und die Geldpolitik dürfte sehr expansiv bleiben. Das gilt global, für die USA und für Euroland. Andererseits weiß ich, dass es diesen Organisationen nie gelingt, eine Rezession vorherzusagen, geschweige denn eine Finanzkrise. Wenn alle zuversichtlich sind, dann geht es los – dann kommt es zu dem ominösen „Minsky Moment“, dem großen Ausverkauf von Aktien, Immobilien und Rohstoffen, manchmal jedenfalls. Oft hält die Euphorie länger an als das skeptische Beobachter wie ich für möglich halten, aber irgendwann kippt die Sache dann doch. Nur: wann? Weiter„Anzeichen für eine neue Finanzkrise“

 

Macht Vollgeld das Finanzsystem stabiler?

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Am 10. Juni 2018 stimmen die Schweizer über die Volksinitiative „Für krisensicheres Geld: Geldschöpfung allein durch die Nationalbank!“ (Vollgeld-Initiative) ab. Die Initiative fordert, das bestehende Buchgeld in Zahlungsverkehrskonten zu überführen, die außerhalb der Bankbilanzen verwaltet werden. So würde Geschäftsbanken die Schaffung von elektronischem Geld untersagt. Die Gewinne aus der Geldschöpfung sollen Bund, Kantonen und Bürgern zugutekommen. In der Mai-Ausgabe des Wirtschaftdienst erläutern Alexander Rathke, Jan-Egbert Sturm und Klaus Abberger von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, weshalb sich aus ihrer Sicht die Schwächen des gegenwärtigen Finanzsystems durch andere Instrumente zuverlässiger beheben lassen als durch die vorgeschlagene Reform. Weiter„Macht Vollgeld das Finanzsystem stabiler?“