Happy Birthday, Karl – Marx auch mit 200 noch aktuell?

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“, so lautet der berühmte erste Satz des Kommunistischen Manifests von 1848. Heute ist der Kommunismus in Europa Geschichte, aber gilt das auch für Karl Marx und seine Analyse des Kapitalismus. Am 5. Mai 2018 würde Karl Marx 200 Jahre alt. Diesen Umstand nimmt der Wirtschaftsdienst in seiner April-Ausgabe zum Anlass zu fragen, wie aktuell Marx noch ist. Karl Homann und Ingo Pies, Jürgen Kromphardt, Werner Plumpe sowie Bertram Schefold nehmen sich der Frage in vier Beiträgen aus unterschiedlicher Perspektive an. Weiter„Happy Birthday, Karl – Marx auch mit 200 noch aktuell?“

 

Die Wirtschaft boomt, Aktien aber vor der Korrektur

Die Weltwirtschaft ist im Boom. IWF und OECD haben ihre Wachstumsprognosen für dieses und nächstes Jahr mittlerweile auf 3,9 Prozent erhöht und der Welthandel expandiert das erste Mal seit sechs Jahren wieder merklich stärker als das globale BIP. Trotzdem wird es demnächst zu einer größeren Korrektur der Aktienmärkte kommen. Der Hauptgrund dafür klingt relativ banal: Sie sind so lange so gut gelaufen und jetzt sind sie entsprechend teuer.

In den USA kommt hinzu, dass die Fed die Zinsen weiter erhöhen wird, nachdem Vollbeschäftigung de facto erreicht ist und die Finanzpolitik massiv Gas gibt. Dass Verbraucherpreise und Löhne nur moderat steigen, stört die Geldpolitiker nicht – es sei nur eine Frage der Zeit. Der Diskontsatz, mit dem künftige Gewinne und Dividenden auf die Gegenwart abgezinst werden, erhöht sich also, was wiederum auf die Aktienkurse drückt.

Im Euroraum sind die Inflationsaussichten noch günstiger als in den USA: Nach wie vor herrscht Unterbeschäftigung, die Kerninflation, ein wichtiger Frühindikator für die Verbraucherpreise, beträgt seit fünf Jahren nur ein Prozent, und der starke Euro vermindert die Außenhandelspreise. Außerdem ist die Finanzpolitik aggregiert weiterhin darauf ausgerichtet, die Budgetdefizite zu vermindern. Diesen restriktiven Effekt muss die EZB ausgleichen. Zwar dürfte das Bond-Ankaufsprogramm gegen Ende dieses Jahres auslaufen, aber es ist nicht damit zu rechnen, dass die Leitzinsen schon bald danach angehoben werden. Die wirtschaftliche Lage verbessert sich zusehends, ist aber noch nicht gut.

Insgesamt sind die amerikanischen Aktienmärkte wegen der steigenden Zinsen und der sehr hohen Bewertungen stärker gefährdet als die europäischen, aber es besteht kein Zweifel daran, dass ein Einbruch in den USA die europäischen Märkte mit in die Tiefe ziehen würde.

Im Augenblick leben wir fast in der besten aller Welten: Die Beschäftigung nimmt zügig zu, die Preise sind stabil, die Gewinne steigen immer noch, an den Devisen- und Bondmärkten herrscht Ruhe. Die expansive Geldpolitik kann ohne Probleme für längere Zeit fortgesetzt werden. Risiken wie ein weiterer kräftiger Anstieg des Ölpreises, das Anziehen der geldpolitischen Zügel in den USA, die relativ hohe Verschuldung des privaten Sektors in Frankreich und in China und die Eskalation des Handelskrieges dürften beherrschbar sein, nicht dagegen das Risiko, dass eines Tages eine Welle von Gewinnmitnahmen die globalen Aktienmärkte in die Tiefe zieht. Wann das geschehen wird, ist wie immer nur schwer vorherzusagen, aber es geht nur um das „Wann“, nicht das „Ob“.

Eine ausführliche Analyse zu den aktuellen Aussichten und Risiken für Aktien und Bonds finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook – Buoyant economies, overvalued equities, April 2018*) (pdf, 661 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

 

Kleines deutsches Produktivitätswunder

Von einer säkularen Stagnation, wie sie für die USA von Ökonomen an die Wand gemalt wird, kann in Deutschland keine Rede sein. Die Produktivität nimmt wieder sehr kräftig zu, dank des Hineinwachsens des realen BIP in die reichlich vorhandenen Kapazitätsreserven und des Anspringens der Ausrüstungsinvestitionen. Der Nachfrageboom bewirkt inzwischen Wunder auf der Angebotsseite. Das schafft Spielräume für höhere Lohnsteigerungen, ohne dass dadurch unmittelbar Gefahren für die Preisstabilität drohen. Weiter„Kleines deutsches Produktivitätswunder“

 

Warum das Sparen nicht den Kredit begrenzt

Immer wieder gibt es größere Debatten darum, ob man den Ökonomen und ihrer Wissenschaft eigentlich trauen darf. Schließlich muten ihre Theorien und Modelle zu weilen seltsam an, mit ihren Prognosen liegen sie oft daneben und die Finanzkrise haben sie auch nicht vorhersagen können. Nun ist die Wirtschaftswissenschaft keine exakte Wissenschaft, aber den Mindeststandard, keinen theoretischen Unsinn in die reale Welt zu setzen, sollten Ökonomen schon erfüllen. Bei dem fundamentalen Thema der Geld- und Kreditschöpfung wird diese Messlatte aber regelmäßig gerissen. Weiter„Warum das Sparen nicht den Kredit begrenzt“

 

Expansive Finanzpolitik – OECD hat nichts dagegen

Erinnert sich jemand, wann zuletzt IWF, OECD, EU-Kommission oder prominente Ökonomen vor zu hohen staatlichen Haushaltsdefiziten in einem der großen Industrieländer gewarnt haben? Es muss schon lange her sein. Irgendwie ist das kein Thema mehr.

Als vor ein paar Monaten der US Tax Cuts and Jobs Act die Hürden im Kongress genommen hatte und erste Berechnungen zeigten, dass dadurch – und durch zusätzliche Ausgabenpläne – das Budgetdefizit der Zentralregierung in diesem Jahr um 0,7 Prozent des BIP zunehmen würde, und 2019 um weitere 0,7 Prozent, auf dann fast sechs Prozent des BIP, kümmerte das niemanden. In der jüngsten Zwischenprognose der OECD, die gerade herauskam, wurden die positiven Wachstumseffekte und die Auswirkungen auf die Geldpolitik kommentiert, nicht aber die hohen Defizite als solche oder die Tatsache, dass die Staatsschulden auf 107 Prozent des BIP oder mehr steigen würden; im Jahr 2007, unmittelbar vor der Finanzkrise, waren es noch 64 Prozent. Anders als heute hatten die USA damals das Maastricht-Schuldenkriterium der europäischen Währungsunion fast erfüllt, wenn das jemals relevant gewesen wäre. Weiter„Expansive Finanzpolitik – OECD hat nichts dagegen“

 

Ist das österreichische Rentensystem nachhaltig finanziert?

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Der deutsche Blick auf das österreichische Rentensystem führt schnell zu einer einfachen Frage: „Warum sind die Renten in Österreich so viel höher als bei uns?“ Wie in Deutschland gab es auch in Österreich verschiedene Reformen der öffentlichen umlagefinanzierten Rentenversicherung, allerdings wurde dort am Ziel der Lebensstandardabsicherung im Alter festgehalten. Kritiker des österreichischen Systems wenden nicht zuletzt deshalb ein, dass es nicht nachhaltig zu finanzieren sei. Diesen Vorwurf entkräften Florian Blank, Camile Logeay, Erik Türk, Josef Wöss und Rudolf Zwiener in einem Beitrag in der März-Ausgabe des Wirtschaftsdienst.
Weiter„Ist das österreichische Rentensystem nachhaltig finanziert?“

 

Die EZB gibt weiter Gas

Am Donnerstag gab es die neuen Prognosen der EZB-Ökonomen. Die Wachstumsrate für 2018 wurde im Vergleich zum letzten Dezember um einen Zehntelprozentpunkt auf 2,4 Prozent angehoben. In den beiden Folgejahren soll es dann bei den Werten der früheren Prognose bleiben, nämlich bei 1,9 und 1,7 Prozent. Insgesamt ist die konjunkturelle Lage sehr erfreulich. Trotz des kräftigen Anstiegs der Produktion dürfte es laut EZB weder in diesem noch im nächsten Jahr Kapazitätsengpässe geben, was sich daran ablesen lässt, dass sich die Inflation erst im Jahr 2020 beschleunigen wird, von jeweils 1,4 Prozent in den Jahren 2018 und 2019 auf dann 1,7 Prozent. Das wäre immer noch etwas unterhalb der EZB-Zielmarke von knapp unter zwei Prozent, würde aber eine „Normalisierung“ der Geldpolitik erlauben, wenn, ja wenn sich die Kerninflation bis dahin nachhaltig von dem 1-Prozent-Niveau entfernt hat, auf dem sie sich seit nunmehr fünf Jahren bewegt. Ich übersetze hier Mario Draghis Begriff „underlying inflation“ mangels eines genau passenden deutschen Wortes mit „Kerninflation“, also die Inflationsrate ohne die volatilen Komponenten Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak. Weiter„Die EZB gibt weiter Gas“

 

Euroland braucht weiter niedrige Leitzinsen

Heute gab es die deutschen Inflationszahlen für den Februar: Die Verbraucherpreise (HVPI) waren um 1,2 Prozent höher als vor einem Jahr, nach 1,4 Prozent im Januar, so dass es für Euroland insgesamt ebenfalls zu einer Inflationsrate von 1,2 Prozent, wenn nicht sogar von 1,1 Prozent kommen dürfte. Diese Zahlen gibt am Mittwoch.
Weiter„Euroland braucht weiter niedrige Leitzinsen“

 

Exporte und Exportüberschüsse sind zwei verschiedene Dinge

Gerade hat die Schweizer Firma Prognos im Auftrag des Verbands der Bayerischen Wirtschaft eine Studie erstellt, in der sie zeigt, wie wichtig die deutsche Wirtschaft – und besonders der deutsche Export – für den Rest der Welt ist. Diese Studie ist sogleich von der Zeitung Die Welt als Beleg dafür genommen worden, dass – so wörtlich – „Die These vom Nullsummenspiel, bei dem der Exporterfolg des einen Landes automatisch einen Nachteil für seinen Handelspartner bedeutet, […] widerlegt [wird].“

Weiter„Exporte und Exportüberschüsse sind zwei verschiedene Dinge“

 

Frankreich und Deutschland als gemeinsamer Motor für Europa?

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Im September hielt der französische Staatspräsident Macron eine viel beachtete Rede über die Zukunft der Europäischen Union und der Eurozone. Eine deutsche Antwort auf diese Rede war bisher kaum zu vernehmen. In der Februar-Ausgabe des Wirtschaftsdienst reflektieren Daniel Gros, Daniela Schwarzer, Wolfgang Glomb, Lars P. Feld, Wolf H. Reuter, Mustafa Yeter und Andrew Watt, das Miteinander Frankreichs und Deutschlands in der EU und in wie weit sie Impulse für ein starkes und stabiles Europa setzen können. Weiter„Frankreich und Deutschland als gemeinsamer Motor für Europa?“