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Bonds sind viel zu teuer

 

Zurzeit befinden sich die Zinskurven von zwölf oder 13 europäischen Ländern sowie von Japan im negativen Bereich, vom Tagesgeld bis zu den Renditen zehnjähriger Staatsanleihen. Die Märkte haben den Kontakt zu den Faktoren verloren, die normalerweise darüber entscheiden, wie hoch die Zinsen sind. Das sind vor allem die längerfristigen Inflationserwartungen, die Trendrate der Produktivität oder des realen Sozialprodukts und eine Prämie für das Risiko, dass Inflation oder Leitzinsen irgendwann von heute bis zur Fälligkeit stark ansteigen, oder dass der Emittent Zahlungsprobleme bekommt. Nach dieser Faustformel, ergibt sich für zehnjährige Bundesanleihen ein „normaler“ Zins von 2,2 Prozent. Am Markt werden diese Papiere aber mit einer Rendite von -0,6 Prozent gehandelt. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals eine so große Diskrepanz gegeben hat.

Während manche Anleger darauf verweisen, dass wir uns in einer, oder kurz vor einer Rezession befinden, die Inflationsraten also weiter zurückgehen werden und die EZB daher eine noch expansivere Politik betreiben wird, denke ich, dass wir es einfach mit einer Blase zu tun haben. Und die wird über kurz oder lang platzen. Verschiedene Auslöser sind denkbar: eine Wende bei den Inflationsraten, vor allem bei den Löhnen, ein Anstieg der europäischen oder vielleicht sogar der amerikanischen Leitzinsen oder eine krisenhafte Abwertung des Euro.

Das wird zu großen Kursverlusten führen. Unter der Annahme, dass das durchschnittliche Bondportfolio eine Restlaufzeit (genauer: eine Duration) von 7 Jahren hat und die Renditen durch den Crash um 280 Basispunkte ansteigen, geht der Marktwert des Portfolios um knapp 20 Prozent zurück, oder um mehr, wenn es zu einem Überschießen der Kurse nach unten kommt. Das wäre nicht ungewöhnlich. Anleger müssen also angesichts des total ausgereizten Kursniveaus genau darauf achten, ab wann sich der Wind dreht.

Eine ausführliche Analyse der Gründe, weshalb wir es am Bondmarkt mit einer Blase zu tun haben, und der möglichen Auslöser für das Platzen der Blase finden Sie in meinem neusten Investment Outlook:

Wermuth’s Investment Outlook: Bond markets: look like bubbles, smell like bubbles – are bubbles, September 2019*) (pdf, 712 KB)

*) Der Investment Outlook von Dieter Wermuth ist in englischer Sprache verfasst und wird im Herdentrieb in loser Folge zum Herunterladen bereitgestellt. (UR)

5 Kommentare

  1.   HKaspar

    Es ist schwer zu sehen wie es zu einer’Blase’ bei sicheren Assets kommen soll. Blasen entstehen in der Regel durch den Aufbau gehebelter Positionen, um Risikoprämien abschöpfen zu können. Nichts davon liegt hier vor. Mir scheint Blase ein Misnomer, der die Zusammenhänge eher verstellt anstatt sie zu erklären.

    Das Zinsniveau ist ohne Frage historisch niedrig, aber das liegt eben an ungewöhnlich hoher gewünschter Ersparnis und ungewöhnlich niedriger geplanter Investition. Also an ‘Fundamentals’, die sich nach der globalen Finanzkrise auf ungewöhnliche und wenig erfreuliche Art und Weise verschoben haben. Und sie setzen im Zweifelsfall eben auch Faustregeln aus der Vergangenheit außer Kraft. Der Anstieg geopolitische Unsicherheit – Trump, Handelskriege, Brexit – verstärkt die Schieflage noch, da sie sowohl Sicherheitssparen provoziert als auch die Investitionsneigung negativ beeinträchtigen.

  2.   BMMMayr

    „Blase“ impliziert, dass da was platzen kann, d.h. die Kurs der bonds fallen stark und schnell.

    Kann passieren, aber doch nur, wenn es andere assets gäbe, in die bond Besitzer umschichten könnten, assets, die dann die ein besseres Risiko-Rendite-Verhältnis haben müssten, als das jetzt der Fall ist.
    Oder anders gesagt, die Zinsen der bonds steigen dann, wenn es woanders mehr Geld zu verdienen gibt als jetzt.
    Wenn das passiert wäre das aber doch eher positiv für die Konjunktur und nicht negativ wie beim Platzen von Aktien oder Immobilien-Blasen.

    Ich glaube, wenn die Luft aus Bond-„Blase“ entweichen würde, dann wäre das ehe positiv, das Jammern der bond Besitzer würde im erleichterten Seufzen z.B. der Unternehmen untergehen.

  3.   HKaspar

    @ BMMMayr

    So ist es. Eine Blase bei riskanten Assets (Aktien, Immobilien) impliziert spekulativen Ueberschwang, Ueberschussliquidiaet, exzessive Nachfrage. Ungewoehnlich hoch bewertete sichere Anlagen (safe assets) deuten auf das exakte Gegenteil. Das auch „Blase“ zu nennen ist irrefuehrend.

  4.   Dieter Wermuth

    @ BMMMayr (#2)

    Die natürlichen Alternativen zu Bonds sind Liquidität (immerhin mit nominalen Zinsen von Null) und andere kurzfristige (Geldmarkt-) Anlagen. Bei Festverzinslichen würde ich von langen in kurze Laufzeiten umschichten, bei Aktien von Dividendenwerten in Banken und Lebensversicherer. DW

  5.   HKaspar

    @ Wermuth – mit Umschichten in Cash beschreiben Sie allerdings genau die Liquiditätsfalle: ein Depressions-Phänomen, und nicht ein Phänomen spekulativen Überschwangs, wie das Wort ‘Blase’ suggeriert.

 

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