Nichts zu sehen von einer säkularen Stagnation

Aus den neuen BIP-Zahlen, die das Statistische Bundesamt heute früh veröffentlicht hat, lässt sich zusammen mit den Zahlen für die Beschäftigung im vierten Quartal ziemlich genau abschätzen, was sich in Deutschland bei der Produktivität getan hat: Sie stieg in den letzten Jahren nicht nur zügig an, sondern immer rascher. Es gibt keine Anzeichen für ein Nachlassen dieser Dynamik. Vorläufig sieht es also danach aus, dass der Wohlstand – der wesentlich von der Produktivität abhängt – weiter zunehmen wird. Ob das auf faire Weise, also in der Breite, geschieht, steht auf einem anderen Blatt. Weiter„Nichts zu sehen von einer säkularen Stagnation“

 

Auf Mario Draghi ist Verlass

In den vergangenen Monaten sah es so aus, als ob die EZB allmählich den Ausstieg aus ihrer Nullzinspolitik vorbereitet: Seit Januar kauft sie pro Monat bis einschließlich September statt für 60 nur noch für 30 Mrd. Euro Anleihen. Danach, so etwa Bundesbank-Chef Weidmann, ein Kritiker der Ankaufprogramme im EZB-Rat, sollten möglichst keine „substanziellen Nettokäufe“ mehr vorgenommen werden. Die Inflation sei schließlich auf dem Weg in Richtung zwei Prozent. Es sei daher angemessen, wenn das Kaufprogramm zum Ende des Jahres ausliefe. Damit wäre eine Normalisierung die Geldpolitik tatsächlich greifbar. Solche Überlegungen dürften jetzt aber wieder vom Tisch sein. Weiter„Auf Mario Draghi ist Verlass“

 

Ein Insolvenzverfahren für Staaten wäre schlecht für Europa

Jüngst haben 14 prominente deutsche und französische Ökonomen und Ökonominnen einen Vorschlag zur Reform der Eurozone gemacht, der auf großen Widerhall bei den Regierungen in Paris und Berlin gestoßen ist. Das Interessante daran: Die 14 Wissenschaftler versuchen die französischen und die deutschen Positionen zur Zukunft der Währungsunion unter einen Hut zu bringen. Die französische Vorliebe für eine stärkere europäische Wirtschaftsregierung und mehr europäische Risikoteilung soll mit der deutschen Vorliebe für nationale Strukturreformen und möglichst hoher Risikovermeidung verbunden werden. Konkret sollen einerseits auf europäischer Ebene Fonds eingerichtet werden, die den Ländern in einer Krise Geld zum Investieren geben; und auf der anderen Seite sollen die Länder stärker an die Kandare genommen werden, wenn sie sich nicht ans europäische Regelwerk „guten Wirtschaftens“ halten. Weiter„Ein Insolvenzverfahren für Staaten wäre schlecht für Europa“

 

Der europäische Superboom und das Italienrisiko

Vergangene Woche hat der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognosen für den Euroraum nach oben revidiert. Beim realen BIP werden jetzt für die Jahre 2018 und 2019 Zuwachsraten von 2,2 und 2,0 Prozent erwartet; in Deutschland liegen sie noch ein bisschen darüber. Da sich die Stimmungsindikatoren und die Auftragseingänge außerordentlich positiv entwickeln, die Wirtschaft im Rest der Welt boomt und offenbar nirgendwo Engpässe bei den Kapazitäten bestehen, gibt es für den IWF keinen Grund, in den nächsten Jahren ein Nachlassen der Wachstumsdynamik, geschweige denn eine Rezession vorherzusagen. Weiter„Der europäische Superboom und das Italienrisiko“

 

Nachtrag: Gold ist langfristig eine schlechte Anlage

In der vergangenen Woche hatte ich über die Ergebnisse einer Langzeitstudie (Jordà, Ò. et al. 2017: The Rate of Return on Everything, 1870-2015, NBER Working Paper No. 24112) berichtet. Danach betrugen die realen ungewichteten Durchschnittsrenditen in 16 OECD-Ländern während des Zeitraums 1870 bis 2015 bei Geldmarktanlagen 2,18 Prozent, bei Anleihen 3,83 Prozent, bei Aktien 7,45 Prozent und bei Wohnimmobilien 7,87 Prozent. Für Leser mit einem Faible für Gold hat der Herdentrieb mal untersucht, wie Goldanlagen im Vergleich abschneiden. Weiter„Nachtrag: Gold ist langfristig eine schlechte Anlage“

 

Immobilien sind besser als Aktien

Auf sehr lange Sicht beträgt die reale Rendite eines Aktienportfolios rund 7,5 Prozent und ist damit etwa so hoch wie die von Wohnimmobilien. Weil Letztere viel weniger im Preis schwanken, sind sie unter Risiko-Rendite-Gesichtspunkten die bessere Anlage, jedenfalls in Friedenszeiten.

Das ist eines der überraschenden Ergebnisse eines Working Papers, das im Dezember beim amerikanischen National Bureau of Economic Research (NBER) veröffentlicht wurde. Das Papier hat das Zeug, in vieler Hinsicht durch Fakten Klarheit zu schaffen, wo es bisher nur Vermutungen gab, zum Beispiel über die langfristige Performance von Bonds, Aktien und Immobilien, oder ob die reale Rendite auf Kapitalvermögen tatsächlich auf Dauer höher ist als die Zuwachsrate des realen BIP, wie das Thomas Piketty in seinem Bestseller Le Capital au XXI siècle aus dem Jahre 2013 (deutsch 2014 “Das Kapital im 21. Jahrhundert“) behauptet hat. Eine ökonomische Theorie mag noch so elegant und überzeugend sein, wenn sie nicht zu den Zahlen passt, taugt sie nichts und muss in die Mülltonne der Theoriegeschichte. Weiter„Immobilien sind besser als Aktien“

 

Geplante Kapitalmarktunion – Finanzsysteme ändern sich nur langsam

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Bereits 2015 hat die Europäische Kommission eine Kapitalmarktunion gefordert. Eine weitere Vertiefung der Europäischen Union soll einen europäischen Kapital-Binnenmarkt schaffen und damit das Wachstum beschleunigen und die Arbeitslosigkeit senken. In der Januar-Ausgabe des Wirtschaftsdienst analysiert der Bankenexperte Manuel Peter die Perspektiven des europäischen Finanzsystems vor dem Hintergrund einer möglichen Kapitalmarktunion. Weiter„Geplante Kapitalmarktunion – Finanzsysteme ändern sich nur langsam“

 

Warum es in China läuft, aber nicht in Russland

Über die Feiertage habe ich endlich mal ein Buch gelesen, das schon lange auf meiner Liste stand: Joe Studwells „How Asia Works“ aus dem Jahr 2013. Es ist ein Plädoyer für Protektionismus in der Frühphase eines Entwicklungsprozesses.

Wenn ein armes Land rasch und nachhaltig wachsen will, sollte es sich an ein einfaches, aber in der Vergangenheit sehr erfolgreiches Rezept mit nur drei Zutaten halten: 1. Landreform – kleine Familienbetriebe statt Großgrundbesitz, weil dies in der Landwirtschaft ein Produktivitätsschub auslöst, wodurch der Output kräftig zunimmt und Arbeitskräfte für einen Einsatz in anderen Sektoren freigesetzt werden, gefolgt von 2. einer exportgetriebenen Industrialisierung mit massiven und gezielten staatlichen Eingriffen sowie 3. einer länger anhaltenden Finanzrepression, gekennzeichnet durch niedrige Zinsen für Schuldner aus der Industrie sowie Kapitalverkehrskontrollen, damit die Sparer nicht ihr Geld ins Ausland bringen – was darauf hinausläuft, dass sie durch niedrige und real oft negative Zinsen von den Banken zugunsten der Exportwirtschaft „enteignet“ werden, jedenfalls in der Frühphase, solange der Aufholprozess noch im Gange ist. Weiter„Warum es in China läuft, aber nicht in Russland“

 

Steuerparadiese austrocknen – eine Aufgabe für Europa

Kaum etwas dürfte das Projekt „Europa“ so voranbringen wie ein entschlossener Kampf gegen die Steuerflucht, die Steuervermeidung, die Steueroptimierung, oder wie immer die Aktivitäten genannt werden, mit denen international tätige Firmen und wohlhabende Familien ihre Steuerlast reduzieren. Wenig wird als so unfair empfunden wie die Tatsache, dass sich die Normalbürger kaum dem Zugriff des Finanzamts entziehen können, andere dagegen sehr wohl – wenn sie nur groß genug sind oder an der Spitze der Einkommens- und Vermögenspyramiden stehen. Ein zentrales Prinzip der Steuerlehre lautet, dass breite Schultern eine größere Last tragen sollten als schmale. Die Panama und Paradise Papers haben gezeigt, was die Meisten ohnehin wussten, dass wir davon weit entfernt sind. Das muss sich ändern. Weiter„Steuerparadiese austrocknen – eine Aufgabe für Europa“

 

Pluralismus in der Ökonomik: Lehre und Forschung auf dem Prüfstand

Logo: Wirtschaftsdienst - Zeitschrift für WirtschaftspolitikExklusiv aus dem Wirtschaftsdienst: Sind Lehre und Forschung in den Wirtschaftswissenschaften breit genug angelegt? Oder gibt es eine Dominanz des sogenannten Mainstreams, die den Blickwinkel der ökonomischen Disziplin derart verengt, dass sie ihrem Forschungsgegenstand weder methodisch noch in seiner ganzen Vielfalt hinreichend gerecht wird, was sich dann auch in der Praxis und der Art der wirtschaftspolitischen Beratung widerspiegelt? Tatsächlich gehört die Debatte über Pluralität seit Jahren zum Grundrauschen des ökonomischen Diskurses und im Gefolge der Finanzkrise wurde sie auch für eine breitere Öffentlichkeit hörbar geführt. Nach wie vor wird der Zustand dieser Wissenschaft höchst unterschiedlich beurteilt. In der Dezember-Ausgabe des Wirtschaftsdienst geben die Autorinnen und Autoren des aktuellen Zeitgesprächs ihre jeweilige Sicht der Dinge wieder. Weiter„Pluralismus in der Ökonomik: Lehre und Forschung auf dem Prüfstand“