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Entmachtet die Bundesbank!

Von 13. Mai 2013 um 12:07 Uhr

Wie würden wir heute über die Schuldenkrise, die Euro-Krise sprechen, wenn die Gründungsväter des Euro konsequent gewesen wären – und die nationalen Notenbanken abgeschafft hätten? An ihre Stelle wären Notenbankdistrikte getreten, wie in den USA, die wenig bis nichts gemein haben mit den Bundesstaaten beziehungsweise in unserem Fall, den Nationalstaaten. Diese Idee, die der Berliner Makro-Ökonom Michael Burda bei der Buchvorstellung der Inflationslüge vehement vertreten hat (und die ich für die Berliner Zeitung aufgeschrieben habe), fasziniert mich. Ich habe Michael Burda gebeten, die Landkarte Euro-Lands neu zu zeichnen und in seine präferierten fünf Distrikte einzuteilen.

Das Ergebnis seiner Zeichnung sehen Sie hier, Deutschland ist zwei Distrikten zugeschlagen. In dem einen steckt Süddeutschland (München und Frankfurt) mit Ostfrankreich inklusive der Île de France sowie Norditalien! Super!

Grafik: Das Eurosystem mit fünf Distrikten: Ein Vorschlag von Michael Burda

Das Euro-System mit fünf Distrikten: Ein Vorschlag von Michael Burda

Welche Vorteile hätte die Abschaffung der nationalen Notenbanken? Ich sehe sieben:

  1. Die EZB würde viel unabhängiger agieren können und das Notwendige zum Funktionieren der Währungsunion tun, denn die mächtigen nationalen Hauptstädte würden bei einer Aufteilung in fünf Distrikte wenig Drohpotenzial aufbauen können.
  2. Deutschland müsste sich nicht vor künftiger Inflation fürchten, wie die Südländer nie eine Allianz gegen die Nordländer bilden könnten.
  3. Zahlungs- und Leistungsbilanzsalden verlören ihren Schrecken, wie es sich für eine echte Währungsunion gehört.
  4. Die enge Verzahnung zwischen nationalem Bankensystem und der nationalen Staatsschuld wäre geringer.
  5. Die ganze Target-Debatte gäbe es gar nicht, weil die Salden nie nationalisiert würden.
  6. Die Idee, wieder nationale Währungen einzuführen, wäre noch abwegiger.
  7. Die AfD wäre nie gegründet worden.

Welche Nachteile? Ich sehe keine. Sie etwa?

Also lasst uns die Bundesbank abschaffen!

Kategorien: Wissen und Glauben
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ja, die Staaten zerschlagen. Das ist das Konzept. Es steht auch hinter diesem Vorschlag.

    Ich glaube nicht, dass Europas Bürger das wollen. Deshalb lässt es sich nur undemokratisch und mit Lug, Betrug und Tricksereien aller Art forcieren. So, wie wir es von der Eurostory kennen.

    Wäre dem Souverän der Verlauf dieser Story und die wahren, dahinter verborgenen Absichten vor deren Start allgemein bewusst gewesen, hätte es den Euro nicht gegeben. Das ist meine Referenz.

    • 13. Mai 2013 um 12:28 Uhr
    • alterego
  2. 2.

    @RvH
    “Die AfD wäre nie gegründet worden.”

    Sie verkennen due Ursachen des Konflikts. Die Absicht den Nationalstaat durch die Hintertür abzuschaffen (man kann das Vorgehen durchaus als heimtückisch empfinden) ist nun im Rahmen der Euro-Krise offensichtlich geworden.

    AfD und UKIP kommen nicht von irgendwo her. Der Kampf um die politische Verfasstheit des zukünftigen Europas hat begonnen. Diese Parteien stehen für ein Europa der Vaterländer. Das sind keine Ideen von vorgestern, sondern brandaktuell. Ich behaupte: Eine schwache Minderheit von Europäern wünscht sich den europäischen Bundesstaat. Eine große Mehrheit will einen Verbund souveräner Nationalstaaten. Dazu zähle ich auch mich. Ich liebe das Europa der vielen, kleinen Demokratien und lehne die Idee der Vereinigten Staaten von Europa ab.

    Der der Euro aber ein Vehikel zur Schaffung der VSE lehne ich den Euro fundamental ab. Er ist ökonomisch unsinnig und führt politisch in eine Zukunft, die ich nicht will. Das hat nichts mit der Bundesbank zu tun.

    Die Frage Bundesstaat vs. Staatenbund stellt sich für Europa so oder so. Und im Falle eines Bundesstaat wird die Zentralregierung eines Tages gezwungen sein ihre Macht gegen eine Allianz von Teilstaaten einzusetzen, die sich dem Mehrheitsvotum regelwidrig widersetzen. Was passiert dann?

    Nein, nein. Das ist ein unheilvoller Weg, der da beschritten wird. Den Rest ihres Beitrags möchte ich nicht kommentieren, ich halte ihn für bloße Taktik um die “Relikte der Nationalstaaten” (BuBa), die den VSE im Weg stehen, zu überkommen. Ihr Vorschlag ist nur scheinbar ökonomische Natur.

    Alex

    PS Von verfassungsrechtlichen Bedenken mal ganz abgesehen.

    • 13. Mai 2013 um 13:07 Uhr
    • Alex
  3. 3.

    Es ist doch völlig wurscht, wie das Gebiet eingeteilt ist, solange in allen Gebieten die gleiche Geldpoilitik gemacht wird.

    Und wenn in den verschiedenen Gebieten unterschiedliche Politik gemacht werden würde, was haben dann Österreich und Finnalnd bei Griechenland und Zypern zu suchen?

    Solange es nationale Banken-, Wirtschafts, Lohn-, Finanz-, Steuer- und Sozialpolitik gibt wäre das nichts als eine gigantische Verschleierung. Wenn man all dies europäisieren will, dann muß man die Völker Europas fragen.

    Sorry, vielleicht bin ich einfach zu doof um die Eleganz des Vorschlags zu verstehen, vielleicht erklärt es einer der Hirten nochmal. Danke.

  4. 4.

    Na klar, wieder einmal ein Konstrukt für ein Gebilde von dem man nicht weiß, ob es diejenigen, die damit leben müssen, auch wollen.

    Es kann nicht um Entmachtung und Ermächtigung gehen.

    Die Frage ist, ob das neue Konstrukt die unterschiedlichen Volkswirtschaften oder Teildistrikte mit der ihm möglichen Geldpolitik besser akkommodieren kann. Wie das im gelben Distrikt für Finnland und Österreich einerseits, Griechenland und Zypern andererseits der Fall sein soll, ist mir schleierhaft (auch wenn Sie, bmmayr, mit diesem Gedanken schneller waren als ich – ich lass ihn unterstützend stehen).

    Und auch das noch:

    Ein Vorteil der Abschaffung der Bundesbank soll sein, dass Parteien wie AfD nie geründet werden.

    Eine bestechende Logik:

    Wir schaffen Institutionen ab, damit sich bestimmte ÜBERZEUGUNGEN mit dem Ziel, politisch Einfluss zu nehmen, nicht mehr formieren.

    Die Lage muss wirklich ernst sein, wenn man auf solche Gedanken kommt.

    • 13. Mai 2013 um 13:31 Uhr
    • Dietmar Tischer
  5. 5.

    @ bmmayr (#3)

    Es geht bei dem Vorschlag von Michael Burda nicht darum, dass in den Distrikten eine unterschiedliche Geldpolitik gemacht werden soll. Das würde der Idee der Währungsunion ja gerade zuwider laufen.

    Nein, es geht, ganz im Gegenteil, bei diesem Vorschlag darum, einen institutionellen Rahmen zu schaffen, der besser geeignet ist, eine gemeinsame Geldpolitik für die ganze Währungsunion umzusetzen, die unabhängig von den nationalen Regierungen ist. Oder kurz: der geeignet ist, die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (bzw. des Eurosystems) effektiv zu machen, so wie das ursprünglich gedacht war. Die geldpolitische Debatte würde so versachlicht, weil als europäische Angelegenheit wahrgenommen, und ließe sich nicht mehr, wie das jetzt der Fall ist, nationalistisch instrumentalisieren.

    @ Dietmar Tischer (#4)

    Sie schreiben: “Na klar, wieder einmal ein Konstrukt für ein Gebilde von dem man nicht weiß, ob es diejenigen, die damit leben müssen, auch wollen.”

    Was wollen Sie damit denn sagen? Dass man über Angelegenheiten mit öffentlichem Belang nur noch laut nachdenken darf/soll, wenn die betroffene Öffentlichkeit vorher darüber abgestimmt hat, ob der Gedanke auch in die Tat umgesetzt werden soll? Also erst Abstimmen und dann darüber diskutieren?

    Das scheint mir in einer pluralistischen Gesellschaft die falsche Reihenfolge zu sein. Nach meinem Verständnis kommt erst die sachliche (!) Diskussion und dann die Meinungsbildung.

    • 13. Mai 2013 um 14:21 Uhr
    • Uwe Richter
  6. 6.

    @bmmayr

    Die Eleganz des Vorschlags liegt in der Entnationalisierung der Geldpolitik. Was hat die Inflationsrate und das Wachstum Berlins mit den Daten in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommerns gemein? Wozu also eine deutsche Inflationsrate berechnen? Wie die Distrikte aufgeteilt werden ist zweitrangig, solange die großen und mächtigen Nationen nicht je einen eigenen Distrikt bilden.
    Die fünf DIstrikte sind sicherlich krass ambitioniert. Burda sagt selber, es könnten auch 16 sein. Aber die Banane von Mailand über Süddeutschland bis hin zur Ile de France gefällt mir. Sie ist das ökonomische Powerhouse Eurolands.
    Wir müssen in der Eurodebatte weg von der nationalen Betrachtung kommen, sie ist hinderlich bis schädlich für eine ökonomisch saubere Geldpolitik.

    So long Ihr Robert Heusinger

    • 13. Mai 2013 um 14:22 Uhr
    • Robert von Heusinger
  7. 7.

    3.Zahlungs- und Leistungsbilanzsalden verlören ihren Schrecken, wie es sich für eine echte Währungsunion gehört.

    ???

    4.Die enge Verzahnung zwischen nationalem Bankensystem und der nationalen Staatsschuld wäre geringer.

    ????

    • 13. Mai 2013 um 15:45 Uhr
    • Henry Kaspar
  8. 8.

    Sie werden die Eurozone nicht retten können, indem Sie missliebige Standpunkte unter den Teppich kehren. Die unterschiedlichen Strukturen und Entwicklungen sind viel zu gross. Mit einer so pauschalen Geldverteilmaschine können Sie keine Wirtschaftsentwicklung starten, die den Regionen Arbeitsplätze bringen. Das meiste Geld wird doch zur Rettung der Vermögen verbraucht, siehe etwa Griechenland, wo nur internationalen Grossbanken und Anlegern (zu einem kleinen Teil auch deutschen) ihre faulen Kredite und Bonds abgenommen wurden. Mit Solidarität hat das nicht im mindesten zu tun. Wieviel Arbeitsplätze wurden denn tatsächlich geschaffen mit den Billionen Euro, die da verbraten wurden?

    Und die Auswanderung der aktiven und rüstigen nach Deutschland bringt dann wieder neue Probleme, etwa mit den Rentensystemen. Wie lange kann Spanien seine Rentner dann noch finanzieren? Dann kommt zwangsläufig der nächste Vorschlag zur Rentenunion, die Krankenversicherungsuinion, der Beamtenunion etc. Reine Transfersysteme sorgen von alleine dafür, dass die benötigten Summen immer höher werden. Heute braucht es vielleicht 200 Mrd Euro im Jahr (Target2, Gelddrucken mit Verteilung nur an Defizitstaaten, und direkte “Kredite”), aber das können dann schnell 500 Mrd jährlich werden. Und das bei völlig unterschiedlichen Steuern und Mentalitätsgewohnheiten (Schwarzarbeit), die sich nie und nimmer vereinheitlichen lassen.

    Die Menschen wollen das meiner Ansicht nach auch gar nicht, sie sind unterschiedlich und wollen es auch bleiben (im Gegensatz etwa zu den USA – die sind viel homogener)

    Ich glaube kaum, dass sie hierfür eine Mehrheit finden werden.

    • 13. Mai 2013 um 16:06 Uhr
    • Tiefenwahn
  9. Kommentar zum Thema

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