Der tägliche Blick nach München. Was wird verhandelt? Wie berichten die Medien?

Ein Projekt mit langem Atem – oder: Warum es dieses Blog gibt

Von 6. Mai 2013 um 12:05 Uhr

Heute beginnt der bedeutendste Strafprozess seit Stammheim. Schon lange vor seinem Auftakt hielt er uns in Atem, zunächst wegen der unfassbaren Verbrechen, deren Hintergrund so lange verborgen bleiben konnte – und jüngst ob der Frage, wie ein so wichtiges Verfahren auch die Öffentlichkeit bekommt, die es verdient.

Dazu will die Redaktion von ZEIT ONLINE einen Beitrag leisten: Wir werden den NSU-Prozess am Oberlandesgericht München in diesem Blog täglich begleiten – bis zu seinem Ende, das Jahre entfernt liegen mag.

Sie finden hier an jedem Wochentag eine Sammlung der wichtigsten deutsch-, türkisch- und englischsprachigen Medienberichte zum NSU-Prozess, soweit diese online verfügbar sind; dazu Verweise auf Blogs, Videos und ausgewählte Tweets, kurze Interviews mit Prozessbeobachtern, Anwälten und Angehörigen der Opfer, Kommentare und Gastbeiträge.

Jeden Prozesstag vermerken wir außerdem mit einem knappen Eintrag, der die Formalia zusammenfasst: Wer war geladen, was wurde verhandelt?

Statt eines Livetickers starten wir heute also ein Projekt mit langem Atem. Wir wollen auch dann noch hinschauen, wenn sich manche, die wie auch wir lautstark einen Platz im Gerichtssaal einforderten, vielleicht schon wieder abgewandt haben.

Auch DIE ZEIT und ZEIT ONLINE sind dank der Kooperation mit anderen Journalisten im Gerichtssaal vertreten und werden immer wieder über den Prozess berichten. Dieses Blog wird unsere Berichterstattung um viele weitere Stimmen ergänzen.

Um das NSU-Prozessblog lebendig zu halten, sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen: Bitte twittern Sie Quellen-Hinweise, Anmerkungen und Kommentare mit dem Hashtag #nsublog – oder schreiben Sie uns eine Mail an nsublog@zeit.de.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Gute Sache, ich bin gespannt – Blog ist abonniert! (Übrigens als Newsletter via http://www.blogtrottr.com – empfehlenswertes Tool für alle, die lieber Emails lesen!)

    • 6. Mai 2013 um 12:51 Uhr
    • Stephan
  2. 2.

    Was erwarten Sie von dieser womöglich jahrelangen Berichterstattung? Einen Erkenntnisgewinn über Rechtsradikalismus und Fremdenhass, der sich dank der unverantwortlichen Sparpolitik überall in Europas Süden breitmacht?

    Ich fürchte, es wird genauso wenig erhellend werden, wie der Prozess gegen Adolf Eichmann. Die “Banalität des Bösen”, wie es Hannah Arendt nannte, hinterlässt nur Leere, genauso wird es am Ende dieses Prozesses sein. Die Angehörigen der Opfer werden vergeblich auf Einsicht und Erklärungsversuche der Angeklagten hoffen, die ja bereits angekündigt hat, sich nicht äußern zu wollen.

    Da bleibt am Ende eines rechtsstaatlichen Verfahrens nur Ohnmacht!

  3. 3.

    Also, wenn ich das richtig verstehe, sind die Inhalte des Prozesses eigentlich egal, wichtig ist angeblich, wie die Medien reagieren?

    Klingt ein bißchen nach Nabelschau. Selbstreflektion wäre angemessener.

    • 6. Mai 2013 um 13:01 Uhr
    • Suryo
  4. 4.

    “Spamschutz-Frage: Was ergibt 5 × 7?” Schon interessant, auf welchem IQ der Zeit-Leser von der Redaktion eingeschätzt wird (wohl auf 35).

    Aber ich wollte eigentlich ein Lob für den Nachrichten-Blog aussprechen. Weil dabei die neudeutsche Tendenz der Zeitungen, jede Nachricht ideologisch zu überhöhen (“pc”) nicht mehr das Hauptgewicht hat, sondern das Geschehnis. So dient dann ein Zeitung wieder als Informationsmedium und nicht als Volkserziehungsinstrument für Menschen mit einem IQ von 35. :-)

    • 6. Mai 2013 um 13:17 Uhr
    • Martin Gloobaas
  5. 5.

    Gute Idee. Zit. Jeden Prozesstag vermerken wir außerdem mit einem knappen Eintrag, der die Formalia zusammenfasst: Wer war geladen, was wurde verhandelt?: Es wäre nett, wenn Kommentar, Berwetung und sachliches getrennt würde.

    • 6. Mai 2013 um 13:18 Uhr
    • TDU
  6. 6.

    Na, da bin ich als Jurist aber gespannt, ob hier dann auch juristisches Wissen vermittelt wird. Eine Wochenzeitung wie die ZEIT lebte eigentlich immer – im Gegensatz zu anderen Medien, von guten und informativen Berichten.

    Leider habe ich den Eindruck, und das beschränkt sich natürlich nicht auf ein Medium und auch nicht auf Deutschland, dass hier doch Auflage und Beachtung wichtiger ist, als die störungsfreie Arbeit und folglich die Ergebnisse des Gerichts.

    Ich prophezeie zudem, dass bei einem jahrelangen Prozess, den es nicht geben muss aber kann, das Interesse des Volkes stark sinkt, Blogs hin oder her. Irgendwann kommt ja, alte journalistische Wahrheit, die nächste Sau druch Dorf. Der ZEIT-Beitrag ist natürlich nett gedacht, aber im Grunde werden wir erleben, dass die Angeklagte sich nicht “mediengerecht” verhalten wird, Sie wird schweigen (dafür lesen wir jetzt wichtiges in Medien über Ihre Armhaltung, die Frisur und den Hosenanzug) und wenn es hochkommt werden Fakten in den Online-Medien kurz aufflammen. Die langatmigen Einlassungen der weiteren Personen werden den Plebs schnell langweilen und die letzte Schlagzeile ist dann die Urteilsverkündung, Ermittlungsskandale hin oder her (die ja eh nicht in Gänze Gegenstand dieses Verfahrens sind).

    • 6. Mai 2013 um 13:18 Uhr
    • stuentD
  7. 7.

    Zur Berichterstattung gehört unbedingt Alice Schwarzer. Die Bild hat damit gute Erfahrung gemacht. Dann bloggen sie mal schön.

    • 6. Mai 2013 um 13:34 Uhr
    • Lunedi
  8. 8.

    Kommt Ihr Blog denn bei dieser Struktur nicht in Konflikt mit dem neuen Leistungschutzrecht?

    Denn genau diese Aggregation nimmt doch den wichtigsten deutsch-, türkisch- und englischsprachigen Medien die wichtigen Page Impressions…

    • 6. Mai 2013 um 13:40 Uhr
    • Dirk Moebius
  9. 9.

    Die Idee des Blogs ist prima. Sollten die Berichte und Beiträge den nüchtern-sachlichen Stil dieser Ankündigung beibehalten, wäre hier tatsächlich auch gute Berichterstattung zu erwarten. Was die Welt wohl nicht braucht, ist ein weiterer Quell hysterischer Mutmaßungen und Spekulationen, davon gibt es bereits mehr als genug.

    Übrigens halte ich derartige Projekte für eine konstruktive Art, mit dem “schweren Los” der Medienauswahl umzugehen. Etwas Selbstreflektion ist so sicherlich auch möglich, ohne in reine “Nabelschau” abzuschweifen.

    • 6. Mai 2013 um 13:47 Uhr
    • Tobias
  10. 10.

    Ich finde die Idee mit dem blog sehr gut, schon um unterschiedliche Einschätzungen zu lesen, um Quellen wiederzufinden und um in ein paar Monaten ;) noch einmal nachzulesen, worauf sich bestimmte Einlassungen beziehen …….

    • 6. Mai 2013 um 13:48 Uhr
    • katerramus
  11. 11.

    Zum Leistungsschutzrecht hatten wir uns ja schon hier geäußert. Aus unserer Sicht nicht, wir sind gespannt auf die juristische Debatte dazu.

  12. 12.

    Extrablatt, Extrablatt: Medien haben festgestellt, dass sie untereinander kooperieren können!

    Wenn Zeit-Online jetzt noch lernt, dass sich guter Journalismus dadurch auszeichnet, den Leser nicht mit jedem Detail vollzuspammen, sondern die wesentlichen und wichtigen Inhalte auch für Laien verständlich und übersichtlich zu transportieren, dann könnte es mit der Herstellung von Öffentlichkeit, die der Prozess verdient, ja noch was werden.

    Bei den Kollegen war heute schon zu lesen, die Hauptangeklagte habe den Gerichtssaal mit verschränkten Armen betreten und den Beobachtern den Rücken zugewandt. Und der Oberbürgermeister habe vor dem Gebäude ein paar Worte an Demostranten gerichtet, Polizei war auch vor Ort. Unglaublich verhandlungsrelevante Informationen also…

  13. 13.

    Wir vermerken auch, wenn möglich, den Inhalt aller Prozesstage. Wir veröffentlichen aber kein Protokoll.

  14. 14.

    @11: und Die Zeit/ZO definiert jetzt die Anwendung des LSR – oder wie habe ich das zu verstehen?

  15. 15.

    Sehr gut!
    Ich empfinde es als äußerst positiv, wenn nicht mehr wegen des verlorenen Sitzplatzes gejammert wird, sondern kreativ und sinnvoll etwas Neues gewagt wird. Mit einem entsprechenden Angebot und weiterführenden Hintergrundinfos wird sich ZeitOnline hoffentlich qualitativ von den anderen Medien abheben.
    Dazu wünsche ich bestes Gelingen!

  16. 16.

    so so “klassische und soziale medien”

    ist das gegenteil von soziale medien eigentlich unsoziale oder asoziale medien?

    oder soziale unmedien oder soziale nichtmedien

    oder asoziale unmedien ….

    ach ich weiss nicht.

  17. 17.

    Diese „unfassbaren Verbrechen“ sind eine absolute Singularität.

    Weltweit, auch in kosmologischen Dimensionen!

    So etwas gab es noch nie und kann es auch nie wieder geben.

    Einfach unfassbar.

    • 6. Mai 2013 um 16:19 Uhr
    • Peter
  18. 18.

    Ich finde es gut, dass das Thema journalistisch ausführlich abgedeckt wird. Allerdings hoffe ich, dass dieses Medium (wie die anderen auch) in der Lage sein wird, wichtiges von unwichtigem zu trennen – auch wenn dies nicht immer leicht ist. Es wäre nicht ´zielführend, wenn die Berichterstattung den Eindruck vermittelte, der NSU-Prozess könnte so konsumiert werden, als handelte es sich um die Hochzeit von William und Kate oder die Fußball-WM. Es sollte sich so gut wie es geht auf das Wesentliche beschränkt werden – weniger ist dadurch mehr!

  19. 19.

    Stefan bzw. alle die mir helfen können: bin hier noch Anfänger. wie kann ich diesen blog abbonieren? danke für Hilfe!

    • 6. Mai 2013 um 20:30 Uhr
    • Eva
  20. 20.

    Auf dem iPad ist die Seite leider “ungenießbar” (z.B. knallroter Hintergrund).

    • 7. Mai 2013 um 18:51 Uhr
    • Frank
  21. 21.

    Danke für den Hinweis, wir prüfen das.

  22. 22.

    Nachtrag zur fehlerhaften Darstellung des Blogs auf Tablets: wurde behoben.

    • 16. Mai 2013 um 18:37 Uhr
    • Thomas Jöchler
  23. Kommentar zum Thema

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