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Ein Drehbuch als Indiz – Das Medienlog vom Mittwoch, 8. März 2017

 

Am Dienstag wurde in der Verhandlung eine Art Drehbuch für ein Video verlesen. Es war der Film mit Paulchen Panter, in dem sich der NSU zu seinen Taten bekannte und in dem die ganze menschenverachtende Grundhaltung der Mitglieder zum Ausdruck kam.

Das Drehbuch enthält nicht nur sekundengenaue Zeit- und detaillierte Inhaltsangaben einzelner Paulchen Panther-Szenen, sondern auch Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Bearbeiten der Szenen, schreibt Wiebke Ramm von der Suddeutschen Zeitung. Mundlos galt als Computerexperte. Warum sollte er für sich eine Anleitung geschrieben haben?

Das Drehbuch ist kein Beweis, aber ein Indiz dafür, dass Mundlos den NSU-Bekennerfilm nicht allein hergestellt hat, konstatiert die Autorin. Womöglich habe Zschäpe ihm geholfen.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Das nächste Medienlog erscheint am Donnerstag, 9. März 2017.

1 Kommentar

  1.   izquierd

    „Als Autor [des „Drehbuches“] gilt Uwe Mundlos, einer der zwei mutmaßlichen Terroristen, mit denen Zschäpe über Jahre im Untergrund lebte.“ (siehe verlinkter Artikel in der Süddeutschen Zeitung)

    Aus einer Spekulation macht Frau Ramm mal schnell eine Tatsache und spekuliert dann aufgrund dieser „Tatsache“ noch munter weiter.
    Zumindest hat ja das Schriftgutachten im Prozess keine eindeutige Urheberschaft des „Drehbuches“ erbringen können. Es ist also reine Spekulation, ob es Mundlos wirklich verfasst hat.
    Sauberer Journalismus geht anders…
    Eine Spekulation sollte man auch als solche kennzeichnen. Ein Artikel der Münchener Abendzeitung zeigt, dass es auch anders geht:
    http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.deutschland-nsu-prozess-drehbuch-fuer-bekennervideo-enthaelt-opfer-namen.6b6d5ade-4b14-4fa3-ae42-d25dd90553cc.html
    Auch sollte man hier noch anmerken, dass es bisher völlig unklar ist, auf welchem PC der „Bekennerfilm“ – ein wirklicher Bekennerfilm ist es ja nicht wirklich, weil kein direktes Bekenntnis und schlicht kein Täterwissen offenbart wird (das ist dann schon mehr als ungewöhnlich), hergestellt wurde. Im Prozess ist ja dargelegt worden, dass der Bekennerfilm ganz sicher nicht auf dem PC von Zschäpe (und Böhnhardt/Mundlos – zumindest hat es so ja die GBA postuliert) zusammengeschnitten wurde.