Die Suche nach dem “rosa Viagra” hat einen erneuten Rückschlag erlitten. Vergangenen Freitag wurde der Zulassungsantrag des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim für sein Medikament Flibanserin von der amerikanischen Behörde U.S. Food and Drug Administration (FDA) abgelehnt. Die Entscheidung kam nicht unerwartet. Schon in den Tagen zuvor veröffentlichte die FDA Material, das Boehringer Ingelheim nicht viel Hoffnung machen konnte. [weiter...]
Madonna hat’s wieder einmal vorgemacht und sich einen knapp 30 Jahre jüngeren Lover namens Jesus genommen, Demi Moore ist seit 2005 mit Ashton Kutcher (minus 15 Jahre) verheiratet, und Jessica Stockmann (wer sie nicht kennt: Sie war einmal mit einem erfolgreichen deutschen Tennisspieler verheiratet) hat sich jetzt angeblich den 18 Jahre jüngeren Sohn von – Moment, jetzt kommt’s! – Carmen Nebel geangelt.
Neu sind solche Konstellationen nicht. Aber jetzt kann man sie auch endlich hierzulande als Trend ausrufen, weil sich der schicke Begriff “Cougars” bis nach Europa durchgesprochen hat. (Ich prophezeihe in den nächsten Wochen und Monaten zahlreiche “Cougar”-Artikel in den Frauenmagazinen.) Ein Cougar ist ein Berglöwe, beziehungsweise in unserem Fall eine Berglöwin. In dieser Bezeichnung schwingt unterschwellig mit, dass die ältere Frau geradezu Jagd macht auf die jüngere, selbstverständlich wehrlose Beute. [weiter...]
Heute ein kleiner Beitrag zum Allgemeinwissen: Was versteht man unter dem Clinton-Lewinsky-Effekt?
Antwort: Forscher der University of Kentucky haben in einer Umfrage herausgefunden, dass nur 20 Prozent von 477 befragten Student (328 Frauen und 149 Männer) Oralverkehr als “Sex” einordnen würden. In den Jahren 1991 und 1999-2001 waren es noch doppelt so viele.
Wie es zu dieser Halbierung kam, darüber haben die Experten mehrere Theorien. So könne die Propagierung von Abstinenz in den Sexualerziehungsprogrammen der letzten Jahre dazu geführt haben, dass Oralverkehr nur noch als “Rummachen” und ergo erlaubt angesehen wurde. Aber auch der zu einer Abstumpfung führende Einfluss, den die Darstellung von Sex in den Medien habe, könnte zu dieser Veränderung geführt haben.
Doch der Studienautor Jason D. Hans zählt auf jeden Fall auch den berühmten Spruch von Bill Clinton, “I did not have sexual relations with that woman” (“Ich hatte keine sexuelle Beziehung mit dieser Frau.”) zu den Gründen. Er habe nach seiner Ansicht zu einer variableren Definition von Oralverkehr geführt, je nachdem, ob sich jemand als sexuell erfahren oder lieber als unerfahren darstellen wolle.
“Die dramatische und plötzliche Veränderung in der Einschätzung von genital-oralem Kontakt kann deshalb”, schreibt Hans, “als Clinton-Lewinsky-Effekt bezeichnet werden.”
Das könnte ja eigentlich als akademisches Erbsenzählen abgetan werden, doch Hans betont auch, dass diese Herabstufung auf “Rummachen” bei jungen Menschen zu einem nachlässigeren Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten führen würde.
Ach, was für Reminiszenen an damals, als man mehrwöchige Diskussionen über dieses Thema führen konnte! Kann man jetzt ganz offensichtlich wieder.
Unlängst wurde einem jungen deutschen Paar die Wohnung gekündigt, weil es den Nachbarn gereicht hatte, ihnen allnächtlich bei ihren sexuellen Aktivitäten zuzuhören. Na gut, nicht nur beim Sex waren sie laut. Laut ihrem Vermieter hatten sie auch gern Partys veranstaltet oder nächtens “unter großem Lärm” Möbel zusammengebaut. Dafür hat man als Hartz-IV-Empfänger tagsüber ja keine Zeit.
In Großbritannien droht einer Frau (wieso eigentlich nicht ihrem Partner?) eine Gefängnisstrafe, wenn sie es nicht endlich schafft, ihr “unnatürliches” Liebesspiel leiser zu gestalten. Sie hatte sich zuvor bereits eine Verwarnung wegen unsozialen Verhaltens eingehandelt, die sie aber laut BBC bereits am nächsten Tag (oder in der nächsten Nacht?) ignoriert habe.
Wenn jetzt die Saison der offenen Fenster endlich losgeht, fürchten vermutlich wieder einige Menschen, deren Schlafzimmer in einen Innenhof geht, um ihren Nachtschlaf. Denn was meine bescheidenen Erfahrungen anbelangt, haben Menschen, die beim Sex gern laut sind, auch gern die Fenster offen. Oder umgekehrt. Und vor allem sind sie sehr leicht zu begeistern. Kein kleiner Laut der Entzückung am Höhepunkt – nein, die gesamte Oper samt Ouvertüre. [weiter...]
Wem damals diese Studie ebenfalls bereits sehr merkwürdig, wenn nicht gar unglaubwürdig vorkam, der wird hiermit von Torsten Hothorn und Esther Herberich vom Institut für Statistik der Ludwig-Maximilians-Universität München bestätigt. Wie Telepolis berichtet, hatten die ursprünglichen Studienautoren ihre Daten mit einem fehlerhaften Statistikprogramm ausgewertet.
In Wirklichkeit zeige sich nämlich, dass die Orgasmushäufigkeit der Frauen am stärksten mit ihrem Bildungsniveau, aber auch mit ihrem Gesundheitszustand und dem Alter zusammenhänge. “Jüngere und gesündere Frauen berichteten über häufigere sexuelle Höhepunkte als ältere und wenig gesunde”, zitiert Telepolis die Münchner Statistiker.
Das klingt a) doch sehr viel logischer und sollte b) vielleicht dazu führen, dass man seine Ergebnisse, wenn sie doch etwas zu kurios erscheinen, noch einmal überprüft.
Ob jetzt Minderverdiener sofort wieder die Wochenendarbeit einstellen?
Sie kennen die weichgezeichneten Tampon-Werbespots aus dem Fernsehen? Die, wo alle Frauen weiß tragen, damit man auch ja kapiert, dass die jeweiligen Tampons und Binden “sicher” sind? Die, wo alles immer wunderbar ist?
Dann viel Spaß mit diesem hier:
(Ganz zum Schluss sagt sie: “Die TV-Werbespots sind wirklich hilfreich. Sie verwenden diese blaue Flüssigkeit und ich denke mir dann: Ach, so sollte das in Wirklichkeit aussehen!” – Der Slogan lautet: Warum ist Tampon-Werbung so lächerlich?)
Der Hersteller Kotex hat seine gesamte Kampagne auf dieser bislang überall üblichen, hm, sehr zurückhaltenden Art, für Tampons zu werben, aufgebaut. Angeblich nehmen sie dabei ihre eigenen Spots aus früheren Jahren aufs Korn, die ebenso weichgezeichnet waren.
“Ich habe einen Tampon an meinem Schlüsselbund befestigt, damit mein Bruder sich nicht mein Auto ausborgt. – Es hat funktioniert.”
Das einzige Problem: die amerikanischen Moralhüter. Der TV-Spot wurde, als er noch das Wort “Vagina” enthielt, von drei Sendern abgelehnt. Als man die Schauspielerin stattdessen “Untenrum” sagen ließ, wollten ihn immer noch zwei der Sender nicht zeigen.
Fiel bei der weiblichen Kundschaft durch: der Erotik-Shop "Mae B.", den Beate Uhse 2004 in Deutschland eröffnete Foto: Kay Nietfeld/dpa
Es gibt nichts, das die Wissenschaft nicht erforscht.
Richard Tewksbury von der University of Louisville und Richard McCleary von der University of Irvine zum Beispiel haben über zwei Jahre lang die Besucher von 33 Sexshops in drei kalifornischen Counties gezählt und ausgewertet. Vor allem interessierte den Professor für Rechtspflege und den Sozialökologen, ob Kollegen, die vor wenigen Jahren etwas Ähnliches gemacht hatten, auf ein realistisches Ergebnis gekommen waren.
Die hatten nämlich bei ihren Zählungen festgestellt, dass die Hälfte aller Besucher zweier beobachteter Sexshops Frauen waren. Ein Ergebnis, das in der heutigen Zeit, wo die Standard-TV-Szene “Zwei Freundinnen gehen gemeinsam Sexspielzeug kaufen” schon ins Abendprogramm Einzug gehalten hat, durchaus realistisch klang. Vielleicht überraschend aufgrund der Eindeutigkeit, aber wer wollte das damals (2007) anzweifeln?
Vielleicht war’s damals bei der Erfindung des Automobils ja ähnlich. Die einen hielten es für das Transportmittel in die Hölle, die anderen meinten, man werde sich schon dran gewöhnen. Oder bei der Entdeckung der Röntgenstrahlung für die Medizin. Die ersten Warner wurden vielleicht als Miesunken beschimpft, die immer alles bekritteln müssen.
Wie schön wäre es, jetzt kurz ins Jahr 2030 vorspulen zu können. Dann wären jene Kinder-, Jugendlichen- und Erwachsenengenerationen, die erstmals so gut wie unbeschränkten Zugang zu Pornografie hatten, 30, 40, 50 Jahre alt und man könnte wohl mit einiger Sicherheit sagen, wie sich dieser Konsum auf sie ausgewirkt hat.
Derzeit versuchen sich kluge Leute an Vermutungen, die Wissenschaft versucht sich an Studien, und Berater und Therapeuten, die sozusagen “an der Front” arbeiten, versuchen sich als leise Warner, weil sie tatsächlich Verhaltensänderungen und damit einhergehende Probleme an ihren Klienten beobachten.