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Nummer 16 hat überlebt

 

Am Wochenende war der mexikanische Drogenkrieg mal wieder in den Nachrichten, auch in den deutschen. Der Anlass war der spektakuläre Ausbruch von "El Chapo", Joaquín Guzmán, dem angeblich mächtigsten Drogenboss Mexikos, aus einem Hochsicherheitsgefängnis. In vielen Fällen aber wird über die Gewalt und Straflosigkeit in Mexiko gar nicht mehr berichtet, so alltäglich sind Entführungen, Überfälle und Morde geworden. Für Journalisten ist es gefährlich, die Verbrechen der Drogenmafia zu dokumentieren. Es kann sie das Leben kosten.

Der mexikanische Journalist Luis Cardona ist noch einmal davongekommen. Er wurde am hellichten Tag aus dem Zentrum der Stadt Nuevo Casas Grandes entführt, vor den Augen mehrerer Passanten. Zuvor hatte er über 15 Entführungsfälle in seiner Region berichtet. Opfer waren zumeist junge Leute, die von den Kartellen gezwungen wurden, auf den Mohn- und Cannabisfeldern zu arbeiten. Cardona wurde zum Fall Nummer 16. "Ich bin die Nummer 16" heißt ein animierter Kurzfilm über seinen Fall. Im Juni wurde er auf YouTube veröffentlicht, jetzt haben ihn mehrere mexikanische Medien aufgegriffen.

Am schlimmsten sei nicht die Angst gewesen, sagt Cardona, sondern die Ohnmacht und Wut angesichts der eigenen Hilflosigkeit und angesichts einer Regierung, die ihre Bürger nicht schütze. "Du bist nicht der Einzige. Es sind Hunderte (denen so etwas geschieht)", sagt er. Dass seine Kidnapper ihn laufen ließen, begreife er bis heute nicht.

Danach war Cardona ruiniert. Er musste seine Stadt verlassen, lebte zwei Jahre im erzwungenen Exil. Niemand habe ihn einstellen wollen, sagte er der BBC: "Man trägt ein Stigma davon. Niemand gibt dir Arbeit ... Sie wollen keine Probleme." Um beruflich wieder auf die Beine zu kommen, hat Cardona jetzt seine eigene Zeitschrift gegründet.

Der BBC zufolge sind in Mexiko seit dem Jahr 2000 mehr als 100 Journalisten ermordet worden. Rund 25 seien verschwunden, und Dutzende hätten ihr Zuhause verlassen müssen, weil sie sich bedroht fühlten. Auch der Karikaturist Rafael Pineda, der "Ich bin die Nummer 16" gezeichnet hat, ist einer davon.

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2 Kommentare

  1.   hans-werner rust

    ja, so ist es hier in mexico, bin deutscher und seit 98 in mexico, habe einen sohn,
    fast 14 j jung, sieht nicht wie ein mex aus, mutter mexfrau, immer begleitet mich der gedanke des entfuehren. jahr fuehr jahr wird es schlimmer hier, die meisten
    leute hier sind abgestumpft, so lange sie nicht betroffen sind ist alles weit weg.
    was soll eine regierung wie diese machen, sie sind die das negative verursachen.
    buergerneister,gouvernator und bundesregierung, allesamt sind hochkriminell,
    ihr in europa koennt euch das ueberhaupt nicht vorstellen und hi9nter den krimi-
    nellen politklauns steht die USA, als kunde der drogen und waffenlieferant fuer
    die massenmoerder der drogenbosse. saludos a todos.

  2.   Frank

    Stimmt leider. Ich habe das Land verlassen müsen und habe Frau und Sohn zurücklassen müssen. Ich weiß noch nicht wie es weiter gehen soll, aber ich denke es wird noch schlimer bevore sich etwas bessert. Die USA helfen in diesem Fall überhaupt nicht. Mexico muss sich von innen heraus erneuren.