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Die Flüchtlingskrise in sechs Minuten

 

Über die Flüchtlingskrise war in den vergangenen Wochen so viel zu lesen, dass auch geübte Beobachter mitunter den Überblick verlieren. Zeit, durchzuatmen – und sich für ein paar Minuten den großen Zusammenhängen zu widmen. Dafür empfehlen wir Ihnen dieses Video der Macher von In a Nutshell: Die Animation zeigt kompakt und gut verständlich die Auslöser der Völkerwanderung gen Europa – und einige Fakten, die uns zu denken geben sollten.

Das sechsminütige Video verdeutlicht (übrigens mit deutschen Untertiteln), wie es zum Bürgerkrieg in Syrien kam – und wie die Terroristen des "Islamischen Staats" sich das Machtvakuum in dem Land zunutze machten. Die Kreateure der Animation werfen zudem Fragen auf: Warum finden in der Türkei 1,9 Millionen Syrer Zuflucht, im Libanon 1,2 Millionen, in Jordanien 650.000 – während die reichen Golfstaaten wie Kuwait, Saudi-Arabien, Katar und Bahrain keinen einzigen Flüchtling aufnehmen? Weshalb wurden die Nachbarländer Syriens nicht mehr unterstützt? Und warum hat die EU zwischen 2007 und 2014 zwei Milliarden Euro in Grenzzäune investiert – aber die Hilfsmission Mare Nostrum aus Kostengründen eingestellt?

Nicht zuletzt stellt das Video auch den Menschen Fakten entgegen, die als "besorgte Bürger" in Europa eine angebliche Islamisierung des Abendlandes bekämpfen. Selbst wenn die EU vier Millionen syrische Flüchtlinge aufnähme und alle davon Muslime wären (was sie nicht sind), würde sich der Anteil der Muslime lediglich von vier auf fünf Prozent erhöhen. Wer sich tiefer in diese Fakten einlesen möchte, findet auf der YouTube-Seite Quellen mit weiterführenden Informationen.

Das Fazit der Macher von In a Nutshell: Die westliche Welt kann die Flüchtlingskrise bewältigen – wenn sie es will. Ob das tatsächlich der Fall ist, darüber haben die europäischen Regierungschefs in den vergangenen Tagen kontrovers debattiert. Und sich, wie es scheint, zumindest auf eine Art von Plan geeinigt.


17 Kommentare

  1.   gorgo

    So macht man das – danke!

  2.   Arbeiterkind1978

    Im Grund eine sehr gute Darstellung, allerdings fehlt ein Detail.
    Und zwar, dass die Flüchtlinge nicht wie in dem Video dargestellt nicht zu 100 % aus Syrien kommen.

  3.   Mensch

    Eine sehr schöne Darstellung. Ich bin der Meinung, dass der Aspekt der Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft zu schnell von finanziellen und wirtschaftlichen Sorgen überschattet wird. Wobei nicht zu vernachlässigen ist, dass die vielen Flüchtlinge einen bleibenden, eventuell für den ein oder anderen auch negativen, Einfluss auf Europa haben werden. Es ist lächerlich zu glauben, dass hier ein Zustrom von hunderttausenden gut gebildeten Facharbeiter und Akademiker vor sich geht, die Statistiken sagen das Gegenteil (wenige Akademiker, eine breite Masse mit Schulabschlüssen die mit Europäischem Standart nicht vergleichbar sind, etc.). Aber wollen wir die Hilfsbereitschaft diesen Menschen gegenüber, vor allem wenn es für Einige um Leben und Tod geht, von der Hoffnung auf profitable Arbeitskräfte abhängig machen?

  4.   Einseitige Darstellung

    Zwei Punkte springen sofort ins Auge.

    3:30. Anteil der muslimischen Bevölkerung der EU würde bei der Aufnahme aller Syrischen Flüchtlinge nur von 4% auf 5% ansteigen.

    Stimmt, jedoch muss bedacht werden das die Zielländer alles andere als gleichmäßig über europa Verteilt sind.
    Kaum einer möchte nach osteuropa und die Hauptziele sind Schweden und Deutschland – für diese Länder sieht die Rechnung dann ganz anders aus. Und ob 87% der Syrer Muslime sind oder 100% macht auch nicht den riesen Unterschied.

    Unerwähnt bleibt hier, was sich durch das ganze Video zieht, das Syrer zwar die größte Gruppe jedoch Anteilsmäßig höchstens etwa 50% der Migranten/Flüchtlinge ausmachen.

    http://data.unhcr.org/mediterranean/regional.php#_ga=1.12561396.1568136279.1441839677

    Außerdem wird durch diese Rechnung der Eindruck vermittelt als handele es sich hier um ein quasi einmaliges vorübergehendes Phänomen bedingt durch den Syrischen Bürgerkrieg. Das ist, wenn sich das derzeitige europäische handeln vorsetzt, höchst Unwahrscheinlich.

    4:15 Flüchtlinge begehen seltener Verbrechen als die einheimische Bevölkerung
    Als Quelle ist ein WSJ und ein economist artikel angegeben.
    Beide Artikel behandeln die Kriminalitätsrate von Immigranten in den USA, die unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit und legalem Status weniger Verbrechen begehen als die einheimische Bevölkerung.
    Flüchtlinge, Asylanten und Asylbewerber als besondere Gruppen finden selbst im US-kontext keine Erwähnung.

    Die Übertragbarkeit auf diese Gruppen im europäschen Kontext ist also mehr als zweifelhaft.

    Wenn man nach Artikeln die genau diese Gruppen behandeln sucht, stößt man dann auch auf eine ganz andere Datenlage:
    “Zur Frage nach der Integration gehört auch, in welchem Umfang Asylbewerber in Deutschland straffällig werden.”
    “Die Polizei verdächtigte sie 2014 fast zehnmal so häufig einer Straftat (2,5 Prozent der Fälle), wie es ihrem Anteil an der Bevölkerung (0,28 Prozent) entspräche. Dabei sind Straftaten gegen das Ausländerrecht schon herausgerechnet.”
    “Auch in sieben Prozent der „räuberischen Diebstähle“ verdächtigt die Polizei diese Gruppe.”
    “Fast jeder dritte Tatverdacht für die Beteiligung an einer Schlägerei fällt auf Asylbewerber (28 Prozent). In den Heimen treffen Menschen unterschiedlicher Kulturen aufeinander, die sich kaum miteinander verständigen können. Oder strenggläubig Muslime teilen sich ein Zimmer mit solchen, die wegen der Taliban oder des IS ihr Land verlassen haben.”
    “Auch bei fünf Prozent der Morde im Zusammenhang mit Raub, in vier Prozent der Totschlags-Delikte und bei fünf Prozent der Vergewaltigungen fällt der Verdacht auf einen Asylbewerber.”
    http://www.faz.net/-i98-881t1

    Ein ausgewogenes Bild lässt sich nicht in sechs Minuten eben nicht zeichnen – aber das war hier wahrscheinlich auch nicht das Ziel.

  5.   Rolf28

    Super Video, sehr schön die Fakten zusammengetragen und visualisiert. Schade dass man den “besorgten Bürgern” i.d.R. nicht mit Fakten kommen kann, da diese in einer parallelen Gefühlswelt leben. Vielleicht hilfts trotzdem!

    Danke für den Link, Zon!

  6.   Tränen im Regen

    Mal wieder die Ursachen (von aussen) aussen vor gelassen,
    ab Minute: -00:01. Ansonsten relativ anschaulich.

  7.   immerimrecht

    schoen. auch schoen, dass unsere fakten immer die richtigen sind. anderer seiten fakten sind ja nur propaganda…oder? ich weiss seit dem balkankrieg wirklich nicht mehr , wem ich trauen bzw glauben soll (anbeten schon gar nicht). in dem sinne: wir brauchen mehr fakten, um nur ansatzweise zu verstehen, was hier und da passiert und wem was in den kram passt. klar, verschwoerungstheorie. nein. ist alles etwas komplizierter, weil es kein gut gegen boese gibt. nur, interessen hier und interessen da. es ging immer nur um land, rohstoffe und herrschaft – von allen seiten.

  8.   Pepa

    Ein naives Gutmenschen-Video das vollkommen außer acht lässt dass es nicht nur um die Syrien-Flüchtlinge geht. Viele der Flüchtlinge geben sich als Syrer aus, sind es aber laut Dolmetschern die mit ihnen gesprochen haben gar nicht. Es kommen auch Leute aus dem Irak, Afghanistan und Pakistan. Alleine heute morgen sind 1.200 Leute in Lesbos angekommen. Dazu die griechische Tageszeitung Kathimerini: “The majority were young Afghan men and some families”. Syrien alleine wäre beherrschbar, aber da machen sich erheblich mehr Menschen auf den Weg. Und je mehr kommen, desto mehr werden sich auf den Weg machen. Alleine über die Familienzusammenführung werden sich die Zahlen mehr als verdoppeln.

  9.   Dick Hendrix

    die Animation wird bei einer jugendl. Zielgruppe sicher gut ankommen.
    Pers. halte ich diese flache Darstellung eines Sachverhalts, dessen gesellschaftl. Verwerfungen noch nicht absehbar sind, wenig angemessen.
    Uebrigens, wenn es denn so waere mit dem Anteil der Muslime unter den syr. Fluechtlingen, erhoeht sich der Anteil mal eben um ein Viertel – was eine durchaus beachtliche Steigerung ist.

  10.   immerimrecht

    noch zu der auesserung weiter oben bzgl “schulabschluss….europaeischer standard”. welcher standard soll das denn sein? sind alle europaer genies? alle hochgebildet? ich kann das im alltag mit akademikern in akademikerumgebung nicht unbedingt bestaetigen. wohl aber hohen grad an kompetenz, intelligenz, wissen, freundlichkeit und respekt im internationalen umfeld hier. eine stadt in brd. viele lokale ueberhebliche akademikerpfeifen, aber eine menge brillianter auslaendischer akademiker. die haben in den “kanakenlaendern” gelernt. meine eltern uebrigens auch. und trotzdem ingenieure in deutschland. wie kann das sein, wenn die standards da hinten nichts taugen und hier alle so gut gebildet sind?