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Die braune Seite der Macht

 
Rassismus: Die braune Seite der Macht
Viel Schlimmes Yoda auf Twitter gelesen hat. © Toru Hanai/REUTERS

Das Hashtag #BoycottStarWarsVII schoss am Montag Abend an die Spitze der Trending Topics auf Twitter, das Barometer für Themen, die im Netzwerk besonders häufig besprochen werden. Wenige Wochen vor dem Kinostart des von Fans heiß herbeigesehnten siebten Star Wars-Teils eigentlich kaum verwunderlich. Nerd-Fraktionen im Internet sprechen schon seit Wochen über kaum etwas anderes mehr – außer natürlich Marty McFly.

Aber #BoycottStarWarsVII ist kein harmloser Fantalk, sondern gründet auf den kruden, rassistischen Botschaften einiger weniger, aber lautstarker User auf Twitter. Die empören sich über den schwarzen Protagonisten des Films und dummschwätzen etwas vom "weißen Genozid" und einer Weltverschwörung der Juden, für die Regisseur J. J. Abrams verantwortlich sei. (Hier finden Sie einige der hässlichen Tweets zusammengetragen, aber seien Sie gewarnt: Die Lektüre verstört Sie vielleicht.)

Eine Recherche des US-Mediendienstes Vox.com führt die Aktion auf eine knappe Handvoll von Usern auf Twitter zurück. Der User @DarklyEnlighten ("Lord Humungus") streute die ersten Tweets mit dem #BoycottStarWarsVII-Hashtag in der Nacht von Sonntag auf Montag und fand in @genophilia ("End Cultural Marxism") schnell einen eifernden Mitstreiter. Beide drückten explizit ihren Wunsch aus, das Hashtag in die Trending Topics von Twitter zu hieven.

Andere User entdeckten und teilten das Hashtag verwundert, entgeistert, empört. Wieder andere schlossen sich an. Genau darauf, auf das Moment der Empörung, haben @DarklyEnlighten und @genophilia offensichtlich gesetzt. Ihre Tweets übertreffen einander nur so an Hässlichkeit. Völlig skrupellos und beliebig posaunen sie eine Hassnachricht nach der anderen in die Welt. Soziale Kettenreaktionen verhelfen Themen auf Twitter zu Aufmerksamkeit. Solche Kettenreaktionen verlaufen geordnet über die Netzwerke einander folgender User, bis ein Thema zum Trend wird und jeden auch außerhalb dieser Netzwerke über das Trend-Barometer erreicht. Dann nehmen die Zugriffe mit einem Mal schlagartig zu. Der Trend um das Hashtag zum angeblichen Star Wars-Boykott besteht darum weniger aus den rassistischen Ausgangspostings, als aus dem Widerspruch und der Empörung etlicher anderer, überall auf der Welt.

Verstecken sich hinter den Pseudonymen @DarklyEnlighten und @genophilia zwei beinharte Rassisten? Sicher ist nur, dass sich beide am Ärger anderer Menschen ergötzen und wissen, wie man diese zur Weißglut treibt. Möglicherweise ist ihr Rassismus nur ein Mittel zum Zweck.

Unweigerlich an die Entstehung des Internets knüpft sich das englische Sprichwort "Don't feed the troll!" Dessen Gültigkeit sich wieder bewahrheitet hat. Denn #BoycottStarWarsVII war vor allem das: Ein Festmahl für die Trolle. Gemeinsam mit den Kollegen von Vox.com möchten wir Ihnen darum empfehlen, sich niemals auf Trolle einzulassen. Sie sind besser damit beraten, betreffende User den Plattformbetreibern zu melden.

Update: Inzwischen erklärten sich Nutzer auf 4chan für die Aktion verantwortlich. Ein Screenshot soll das beweisen.

4chan ist für eine Reihe oft sadistischer Trollings berühmt geworden. Besonders die Nutzer des Forum /b/ betreiben das Trollen als Wettbewerb.

Weitere Teilchen finden Sie hier.

4 Kommentare

  1.   Markus4711

    „Die Lektüre verstört Sie vielleicht.“

    Nee, ich lese schon seit Jahren die Kommentare in der Zeit. Das härtet ab.

  2.   DerGroßeBellheim

    Die dunkle Seite der Macht.
    Würde auch zu Dunkeldeutschland passen.

  3.   MoreTi

    „…aber seien Sie gewarnt: Die Lektüre verstört Sie vielleicht.“

    Ich hab über den Haufen Blödsinn nur gelacht. Sich aufregen bringt nichts, denn solche Leute hat es schon immer gegeben und daran wird es sich auch in der Zukunft nichts ändern. Viel bedenklicher finde ich, dass Massenmedien versuchen solchen Bruchpiloten zum Weltruhm zu verhelfen.

  4.   .,.und ZON füttert die Trolle

    Der Sinn und Zweck von Troll-Tags wie diesen ist es, so viel Aufmerksamkeit wie möglich zu bekommen. Diese haben sie nun bekommen, dank Blogs wie Mary Sue (welche die Sache auch noch ernst nahmen), und leider auch ZON.

    Um es mit den Worten von Luke O’Neil (Esquire Magazine) zu sagen, „If you’re working in the media today and you can’t spot a troll from five clicks away, you should hand over your password to the CMS.“