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Warum Journalisten immer unrecht haben

 
T-Shirt eines Demonstranten.in Dresden. Foto: Michael Kappeler/dpa
T-Shirt eines Demonstranten in Dresden. Foto: Michael Kappeler/dpa

Der Begriff "Lügenpresse" hat von der NSDAP bis zu Pegida eine lange, bedrückende Geschichte. Rechte Demonstranten haben den Slogan seit Kurzem wieder aktiviert, auf den Versammlungen von Pegida und AfD schallt er finster durch die Nacht. Die Kollegen vom Deutschlandfunk haben die Renaissance des Begriffs jetzt zum Anlass genommen, zu den beliebtesten Vorwürfen Stellung zu nehmen, die jeden Tag auf die Redaktion niedergehen. Die Liste reicht von "Systemhörigkeit" über "USA-Hörigkeit" bis zu "Kanzleramtshörigkeit". Und weil das ziemlich genau das ist, was auch wir oft zu hören bekommen, reichen wir den Text an dieser Stelle gerne weiter.

Gemein ist den meisten Vorwürfen, dass hinter den Redaktionen eine verborgene Instanz vermutet wird, die entscheidet, was die Journalisten thematisieren oder auslassen. Dass die Redakteure tatsächlich einfach schreiben, was sie relevant finden, scheint vielen kaum vorstellbar. Die Tendenzen, die in den Zuschriften unterstellt werden, halten sich dabei ziemlich genau die Waage: Die Hälfte ärgert sich über einen systematischen Links-, Israel-, Gewerkschaftskurs. Die andere Hälfte über das Gegenteil.

Natürlich gibt es auch Probleme: Viele Journalisten stammen aus ähnlichen sozialen Verhältnissen, die Aktualität geht bisweilen auf Kosten der Recherchetiefe, die Hintergründe und konkreten Auswirkungen von komplexen Entwicklungen wie der Globalisierung oder des europäischen Einigungsprozesses werden nicht immer so vermittelt, wie es sich auch Redakteure wünschen. Mitunter führt das zu unglücklichen Fehlannahmen: In Deutschland glauben zum Beispiel viele, die EU regiere zu oft in deutsche Angelegenheiten hinein. Im Rest Europas herrscht eher der gegenteilige Eindruck: Dort ist es Deutschland, das die EU-Institutionen benutzt, um seine Regeln auf dem Kontinent durchzusetzen. So oder so: Die Redaktionen können sich auf saftige Leserpost gefasst machen.

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79 Kommentare

  1.   Wolf Polzin

    Mit der Aufnahme von Millionen Flüchtlingen (prognostizierte 5 bis 10 Millionen in den nächsten Jahren allein in Deutschland) aus zerrütteten islamischen Ländern betreibt man eine unausgesprochene Islamisierung. Das ist der Grund warum unsere europäischen Nachbarn keine oder nur wenige Flüchtlinge aufnehmen wollen – trotz all dem Leid.

    Warum darf man das nicht sagen? Warum reden alle um den heißen Brei herum?

    Nach Lektüre des Korans bestaune ich alle, die aus diesem Text Friedfertigkeit, Barmherzigkeit und Mitgefühl herauslesen. Das geht meines Erachtens mehr in Richtung Piusbrüder, aber in der Hardcore-Version, und es wundert mich nicht, dass der totalitäre Islam auf der wörtlichen Auslegung des Korans besteht.

    Darf man das sagen, ohne als islamophob abgestempelt oder den rechten Dumpfbacken zugeordnet zu werden?

    Sufi-Freunde, die in bestimmte Kreisen des Islams als Häretiker gelten, lehrten mich folgendes Gedicht des längst verstorbenen Hazrat Inayat Khan:

    Ich suchte und konnte Dich nicht finden;
    ich rief vom Minarette laut nach Dir;
    ich läutete beim Steigen und Sinken der Sonne die Tempelglocke;
    ich tauchte vergeblich in des Ganges heiligen Strom;
    ich kam enttäuscht von der Kaaba zurück;
    ich sah mich auf Erden nach Dir um;
    ich suchte nach Dir im Himmel, mein Geliebter –
    doch endlich habe ich Dich gefunden
    als verborgene Perle in der Muschel meines Herzens.

    In diesem kleinen Gedicht finde ich mehr Weisheit, Toleranz und Lebensbejahung als im ganzen Heiligen Koran.

  2.   Neenee

    Wer Lügenpresse schreit, sät Hass. Hierzu bedarf es keiner sachlichen Auseinandersetzung wie wir heute an Bachmann wieder gesehen haben. Die Pegidas dieser Welt verteilen doch keine Plüschtiere, auch wenn sie offenbar erwarten, dass die Anderen, die sie anschreien, ihnen welche schenken.

  3.   Icke

    „Der Begriff „Lügenpresse“ hat von der NSDAP bis zu Pegida eine lange, bedrückende Geschichte. “

    Den Begriff Lügenpresse gab es bereits vor der NSDAP. Wer entgegen besserem Wissen anderes behauptet, der lügt!

  4.   tdhaller

    Ja schon, aber da geht es dem Koran wie der Bibel: Wenn Sie sich aus der Heiligen Schrift die richtigen Stellen heraussuchen, werden Sie es sogar schaffen, den Allmächtigen als rachsüchtige, cholerische Kopf-ab-Gottheit hinzustellen. Beide Schriften muss man eben im historischen Kontext interpretieren. Was leider Hardlinern hüben wie drüben nicht in den Schädel will.

  5.   Claudio Dorival

    Sehr schön, dass sie bei der Zeit keine Redaktionslinie haben und und ihnen keiner sagt „können Sie bitte diese Aspekte aus der Sache herausarbeiten“. Und ja, es scheint richtig zu sein: „great minds think alike“.

  6.   John Schmidt

    „Warum darf man das nicht sagen? Warum reden alle um den heißen Brei herum?“

    Erkennen Sie überhaupt die Paradoxie des Gesagten? Sie schreien es doch geradezu heraus! Ihr Brüder im Geister schreien es jeden Montagabend heraus, oder wenn sie mal wieder Asylbewerber verprügeln oder ihre Häuser anzünden.
    Niemand verbietet es Ihnen, ihre kruden und absolut haltlosen Thesen zu verbreiten. Die Mehrheit der Medien und Politiker hält diese Thesen für absoluten Schwachsinn, wird sie daher auch nicht publizieren.

    Sie schaffen es schon ganz allein, sich als islamophob und als rechte Dumpfbacke einzuordnen. Das was Sie sagen ist schlicht islamfeindlich. Also blöken Sie nicht den Slogan „Lügenpresse“ nach, sondern informieren sich, so dass auch tatsächlich eine Diskussionsbasis entsteht.

  7.   R.

    „Der Begriff „Lügenpresse“ hat von der NSDAP bis zu Pegida eine lange, bedrückende Geschichte.“

    Ich finde diese Erklärung etwas zu kurz gegriffen. Der Eindruck der Lügenpresse entsteht deshalb, weil sich die deutsche Presse in gewisser Hinsicht „verantworlich“ verhält. D.h. man hütet sich davor oder hat Angst davor durch bestimmte Meldungen und Meinungen, Legitimation für Ausländerhetze zu schaffen.
    Gleichzeitig entsteht dabei aber bei den Zuschauern und Lesern der Eindruck, dass ihnen bestimmte Informationen vorenthalten werden oder nicht geäußert werden dürfen.

  8.   Teilzeitsarkast

    >>>Gemein ist den meisten Vorwürfen, dass hinter den Redaktionen eine verborgene Instanz vermutet wird, die entscheidet, was die Journalisten thematisieren oder auslassen.

    Aber nein! Umgekehrt wird ein Schuh draus: Bestimmte Positionen im Alpha-Journalismus, die über Reichweite oder Reputation meinungsbildende Relevanz besitzen, werden in der Regel mit Personen besetzt, die ihre „Linientreue“ unter Beweis gestellt haben. Ebenso können die Inhaber dieser Stellen sehr genau einschätzen, wie weit sie von einer Blattlinie abweichen dürfen, ehe sie mit der Chefredaktion Probleme bekommen.

    https://www.youtube.com/watch?v=d1ntkEbQraU

    >>>Dass die Redakteure tatsächlich einfach schreiben, was sie relevant finden, scheint vielen kaum vorstellbar.

    Das mag schon mal vorkommen. Dominierend ist allerdings ein Kampagnenjournalismus, der eine bestimmte Interpretation des Geschehens favorisiert. Und manchmal, wie im Zusammenhang mit Pirinçcis KZ-Rede, ist es entweder pure Dummheit oder journalistische Inkompetenz, die dazu führt, der Sache einen objektiv falschen Spin zu geben, weil die Rede an sich als „nicht böse genug“ erachtet wurde.

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/katzen-des-boesen-akif-pirincci-und-die-medien-13886415.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

  9.   Yannick

    Stimmt nicht, schon wieder Unrecht, welche Ironie. Es ist Fakt das hinter jedem angestellten Autor eine Redaktion und ein Chefredakteur steht, dieser ist auch nur eingesetzt vom Besitzer des Mediums oder den Anteilseignern. In den letzten Jahren hat der Einfluss dieser Macht im Hintergrund so offen und so massiv zugenommen, dass es für einen großen Teil der Bevölkerung, glaube ca. 40% offensichtlich geworden ist und nicht mehr zu leugnen. Ist es doch die logische Konsequenz, ein Medienkonzern ist meist nur Teil eines Fonds oder Depots von Anlegern. So sollte er doch aktiv seinen Teil dazu beitragen, dass die anderen Aktien auch gut laufen. Ich handel doch selbst mit Wertpapieren, geht es VW dreckig sind die anderen oben auf, selbiges bei der Deutschen Bank. Dass viele Inhalte gelenkt und mit Meinung behaftet sind, scheint Sie nicht weiter zu stören. Aber die Wahl als Journalist hat man letzten Endes als vernuftgeleitetes Individuum immer selbst. Wenn man sich traut alles kritisch zu hinterfragen und kein Denkverbot hinnimmt, dann, nur dann hat man das recht sich Journalist zu nennen. Wer profitiert von dem Zustrom von Millionen Muslimen nach Europa, vor allen Deutschland und warum sind Grenzen auf einmal nicht mehr möglich, sinnvoll oder legitim, wer soll so etwas glauben?

  10.   Vsco

    Mal kurz darüber nachgedacht. Vorab ich bin selbst kein Freund des Wortes „Lügenpresse“ weil es den Kern der Sache meiner Meinung nach nicht trifft.

    Ich will hier mal die Ukraine-Berichterstattung zum Beispiel nehmen. Gar nicht mal die Berichterstattung über den Konflikt selbst, sondern wie mit der Kritik von Seiten der Leser umgegangen wurde – dabei ist es auch unerheblich ob man die Kritik nun teilt oder nicht.
    Viele Medien haben in der Zeit komplett auf Durchzug geschalten und fanden die einzige Erklärung darin, dass es sich bei den Kritikern nicht etwa um die eigene Leserschaft handelt, sondern es müssen bezahlte Schreiber im Auftrag Putins sein.

    Ob man sich zu der Zeit und die eigene Berichterstattung mal selbst hinterfragt hat und nur nach außen den unfehlbaren Anschein erweckte, weiß ich natürlich nicht. Allerdings hat man dabei eine Vielzahl der eigene Leser vor den Kopf gestoßen. Wer lässt sich schon gern für seine Meinung diffamieren?

    Beim Thema „Flüchtlinge“ ist Phasenweise ein ähnliches Muster zu bemerken. Da gibt es natürlich auch extreme Positionen, wo man dann auch völlig mit Recht einen rechten Hintergrund vermuten kann. Oftmals waren die Positionen, die zumindest hier im Forum vertreten waren, eher von Leuten, die tatsächlich Sorge tragen, ganz ohne fremdenfeindliche Aspekte und ebenso oftmals, hat es keine 3 Wochen gedauert, bis die benannten Sorgen sich dann auch hier in dem ein oder anderen Artikel wieder fanden.
    Allerdings wurde auch bei diesem Thema von Seiten der Medien verallgemeinert und viele in eine braune Ecke gestellt, in die sie überhaupt nicht gehören.

    ZON ist dabei sicherlich nicht die Spitze des Eisbergs, andere Medien haben da deutlich pauschaler über Kritiker geurteilt.

    Nur erweckt dieses Aburteilen und das Kategorisieren beim Leser dann eben oftmals den Eindruck zu unrecht in die ein oder andere Schublade gesteckt zu werden. Vielen ist das egal, ärgern sich und/oder kündigen schlimmsten Falls ihr Abo. Andere, in meinen Augen aber eher ein geriner Teil, hetzt dann halt gegen Presse, Pressevertreter usw. das sind meiner Meinung nach dann aber auch die Leute, die sich sowieso schon immer mal wegen irgendwas „auskotzen“ wollten – und da entlädt es sich halt dann.

    In einem gewöhnlichen Streit würde ich sagen, dass beide Seiten aufeinander zugehen sollten. Die eine Urteilt die Leserenschaft nicht per se bei Kritik ab, während die andere Seite auch mal Nachsicht zeigen soll, wenn Journalisten Fehler bei der Berichterstattung unterlaufen.
    Da ich aber mittlerweile glaube, dass der Graben in den Köpfen schon ziemlich tief ist und der Vertrauensverlust in die Medien schon ziemlich hoch, wäre für den Anfang vllt. eine weniger polarisierende Berichterstattung von Seiten der Medien nicht verkehrt. Das bringt vllt. nicht unbedingt die Leser zurück, die ohnehin schon die Verschwörung vermuten, aber das sollte zumindest nicht noch mehr Leser auf deren Seite ziehen.