‹ Alle Einträge

Crashkurs Deutsch-Sein

 
Integration per App: Crashkurs Deutsch-Sein für Flüchtlinge
Ankommen in Deutschland – diese App ist auch für Deutsche interessant. © John MacDougall / AFP / Getty Images

Alles ist plötzlich neu. Die Sprache. Die Menschen. Die Gewohnheiten. Die Regeln. Die Bürokratie. Es ist gar nicht so leicht, in einem fremden Land anzukommen. Für alle Neuankömmlinge in Deutschland, besonders aber für Flüchtlinge, gibt es deshalb nun eine App, die beim Einleben hilft.

Die neue App Ankommen ist ein Projekt des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Goethe Institut, Bundesagentur für Arbeit und Bayerischer Rundfunk. Die App (derzeit verfügbar für Android, auf Englisch, Französisch, Farsi, Arabisch und Deutsch) richtet sich vor allem an Flüchtlinge aus dem arabischen und persischen Raum. Sie bietet einen kleinen interaktiven Sprachkurs und vor allem Informationen, die ein Neuankömmling in Deutschland braucht. Wer sind meine Ansprechpartner? Wo kaufe ich ein? Was mache ich, wenn ich krank werde? Wo finde ich einen Integrationskurs? Und kann ich das Wasser aus der Leitung eigentlich bedenkenlos trinken? Immer wieder werden in der App auch Warnungen ausgesprochen (Schwarzfahren und respektloses Verhalten gegen Frauen können den Asylantrag gefährden), doch dann gibt es auch Ratschläge zum Geldsparen (Tagestickets sind häufig günstiger als mehrere Einzeltickets). Fördern. Fordern. Gerhard Schröder hätte es sich nicht schöner ausdenken können.

Dazu kommen Statements von Menschen, die nach Deutschland gekommen sind. Koriakes aus Syrien erzählt, dass Deutsch für ihn leichter zu lernen war als Englisch. Umul aus Somalia berichtet über Hilfe beim Einkaufen im Supermarkt. Und Niki aus Griechenland freut sich, dass man in den deutschen Parks nicht einfach so grillen darf. Es sind quasi die Prototypen des engagierten Neuankömmlings aufgeführt. Andererseits gibt es auch Berichte wie den von Hilal aus dem Irak, der sich darüber wundert, dass in Deutschland dem Gastgeber beim Abräumen des Tisches geholfen wird. In seinem Heimatland wäre das ein Fauxpas. So erfahren auch Deutsche interessante Fakten über die Gewohnheiten der Menschen, die neu bei uns sind.

Doch eines ist auch klar: Eine App ersetzt nicht den Integrationskurs, den Sprachkurs und persönliche Erfahrungen schon gar nicht. Denn Integration gelingt nur, wenn man den Blick auch mal weg vom Smartphone lenkt. Das gilt übrigens auch für Deutsche.


1 Kommentar

  1.   Daniel Mendel

    Peinliche Verdeutlichung, dass die Deutschen selbst keine Ahnung von ihrer „Werte- und Rechtsordnung“ haben.
    Beispielsweise erfinden die Macher dieser App einfach mal ein Grundrecht auf „Gleichstellung zwischen Mann und Frau“ (gemeint war wohl Gleichberechtigung).
    Was für jeden Jurastudenten wohl ein glatter 0-Punkte-Fehler wäre, wird der großen Mehrheit aller Deutschen nicht einmal auffalen, Journalisten inklusive.

    Fazit: Den Deutschen wird der Spiegel vorgehalten, Fremdschämen hoch drei.