‹ Alle Einträge

Hoaxmap widerlegt Gerüchte über Flüchtlinge

 
Die Hoaxmap widerlegt Gerüchte über Flüchtlinge
Neues aus der Gerüchteküche: Hoaxmap zeigt, welche Gerüchte über Asylsuchende kompletter Unsinn sind. © Screenshot Hoaxmap.org

Immer wieder erreichen uns bei ZEIT ONLINE Nachrichten wie diese: "Ich habe gehört, dass in Stadt XY Flüchtlinge ein Mädchen vergewaltigt und ermordet haben. Könnt ihr der Sache nachgehen?" Das allermeiste davon ist, vorsichtig ausgedrückt: Unsinn. Falschinformationen werden zum Teil bewusst gestreut (die Kollegen von Spiegel Online haben kürzlich in einem lesenswerten Text aufgeschrieben, wie diese Propaganda verbreitet wird). Viele Menschen glauben diese Gerüchte, erzählen sie weiter, posten sie auf Facebook, verbreiten sie auf Twitter. Die Behauptungen vergiften das ohnehin schon angespannte Klima in Deutschland. Die Unternehmensberaterin Karolin Schwarz sammelt deshalb mit einem Bekannten widerlegte Falschmeldungen in einer interaktiven Karte, der Hoaxmap.

Seit dem 8. Februar ist die Hoaxmap online – und momentan hat sie knapp 190 Einträge: "Frau in hannoverscher Unterkunft für Geflüchtete vergewaltigt und ermordet"? Widerlegt. "Schwäne aus dem Hainspitzer See landen in Kochtöpfen Geflüchteter"? Falsch. "Panzerfaust bei Razzia in Schweinfurter Unterkunft für Geflüchtete entdeckt"? Unsinn. Und das sind nur drei der teilweise hanebüchenen Falschinformationen über Asylsuchende in Deutschland. Das Prinzip ist immer gleich. Ein Gerücht wird benannt, einem Ort zugeordnet und widerlegt – häufig durch einen Regionalzeitungsbericht.

Die Idee zu der Karte hatte Schwarz während ihrer Arbeit in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Leipzig. "Wenn man Leuten erzählt, dass man mit Flüchtlingen arbeitet, dann kommen ganz automatisch Gerüchte, mit denen man konfrontiert wird", sagte die 30-Jährige dem Evangelischen Pressedienst. Seitdem sucht sie auf Twitter und in Suchmaschinen nach Behauptungen und versucht, Falschaussagen zu widerlegen.

Ob sie mit ihrer Arbeit diejenigen aufklären kann, die – teilweise auch aus echter Sorge heraus – solche hanebüchenen Behauptungen weiterverbreiten? "Nicht alle, die den Gerüchten auf den Leim gehen, sind Überzeugungstäter", sagte Schwarz zu SZ.de. "Wir hoffen, dass sich einige von Fakten überzeugen lassen und ihre Meinung überdenken."

Der Twitter-Account @hoaxmap meldet übrigens jeden neuen Eintrag auf die Seite.

Mehr Teilchen finden Sie hier.

 

 

 

 

49 Kommentare

  1.   Zeit...

    … für eine Tüte Popcorn, wenn die Rechtsaußengesinnten gleich wieder die Kommentarspalte fluten :D

  2.   andrerae

    Super Aktion!

  3.   Simplizissimus

    Ich wünsche der Initiatorin Kraft und Durchhaltevermögen. Aufklärung ist das beste Mittel gegen die selbsternannten Verfechter der Aufklärung.

  4.   Freigeist_1974

    Tolle Idee und Hochachtung an Frau Schwarz und ihren Bekannten, dass sie sich dieser Sysiphos-Aufgabe stellen. Fundierte Informationen zu sammeln, ist so viel mühsamer als Gerüchte zu streuen.

  5.   Stolz auf...

    Gute Sache, nur leider sind die rechten auch Realitätsverweigerer, könnte man meinen.
    Im Wahn glauben die natürlich alles, aber das Gefährliche ist, dass diese Falschmeldungen immer beim Leser hängen bleiben. Ob das dann später als gelogen enttarnt wird, spielt keine große Rolle mehr.
    Den Lügnern kann man nur mit Wahrheit das Handwerk legen! Und man muss hoffen, dass nicht viele Deutsche dieser miesen Masche von rechts auf den Leim gehen.

  6.   Gut_So

    Selbst wenn es nur bei einem Teil der Gerüchte gelingt, sie als Unsinn zu entlarven, ist das schon ein Gewinn.
    Einen echten Braunen könne sie damit zwar nicht beeindrucken, der weiss ja auch ohne Faktenwissen, dass da ausnahmslos Schmarotzer und Verbrecher zu uns kommen, aber bei jeder neuen Lüge dieser Art könnte man auf die bekannten Lügen verweisen, das hilft ganz sicher.

  7.   topada

    Seid doch bitte so lieb und gebt ihr etwas ZEIT Online Serversaft ab :-)

  8.   raganaroek

    Hmm … dann ist wahrscheinlich der Artikel aus der WELT, den ich gerade in meinem Newsreader fand auch falsch: http://www.welt.de/politik/deutschland/article152043117/Frauen-und-Christen-fluechten-aus-den-Unterkuenften.html
    Wahrscheinlich sollte ich nur noch ZON lesen. Mal im Ernst – warum berichtet ZON hierüber nicht?

  9.   bramante

    Im Prinzip gute Aktion.

    Nur werde ich den Eindruck nicht los, dass sie auch dazu verwendet wird, von tatsächlichen Delikten abzulenken bzw. diese zu relativieren. Ich gebe dabei nur zu bedenken, dass es erschreckend viele Berichte beispielsweise über sexuelle Belästigung und Missbrauch in Flüchtlingslagern gibt. Und wenn man sich die Herkunftsländer einmal unter dem Gesichtspunkt Frauenrechte ansieht wundert das auch nicht.

    http://www.emma.de/artikel/frauen-auf-der-flucht-330579

    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/nuernberg-erste-unterkunft-fuer-homosexuelle-fluechtlinge-a-1075019.html

    Ich bitte das nicht falsch zu verstehen – natürlich gibt es dort zahlreiche Menschen, die sich nicht zu solchen Auswüchsen hinreissen lassen, die Tendenz zu patriarchalisch-konservativen Denk- und Handlungsmustern inkl. einer erhöhten Bereitschaft zu Gewaltanwendung ist dennoch unverkennbar (habe selbst mehrere Jahre im Nahen Osten gewohnt). Will sagen, ebenso sehr wie man nicht sagen kann, dass alle Flüchtlinge unintegrierbare Haudraufs sind, kann man die oben erwähnte Tendenz und deren Potential für Missstimmungen nicht ignorieren und relativieren.

  10.   zeitungszonk

    und dazu bitte noch eine übersichtskarte, die die tatsächlich bekannten straftaten von flüchtlingen/ asylbewerbern dokumentiert. dann kann sich jeder seine meinung bilden, ob und wie kriminell die schutzsuchenden tatsächlich sind oder ob das alles nur rechte panikmache ist.