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Das Delfin-Dreamteam

 

Haben Sie schon mal gesehen, wie schlau Delfine gemeinsam jagen? Immer wieder sieht man Videos davon, etwa bei der BBC: Ein Delfin taucht ab, schlägt mit dem Schwanz und Dutzende Fische springen aus dem Wasser – direkt ins Maul der anderen Jäger oder ins eigene. Sind solche Tricks angeboren? Oder lernen die Meeressäuger das von ihren Eltern? All das wüsste man vielleicht nicht, hätte ein Hobby-Fischer das Spektakel vor 40 Jahren nicht gefilmt. Und hätte er nicht eine Biologin getroffen, die genauer wissen wollte, wie Teamwork bei Delfinen funktioniert.

Heute ist Stefanie Gazda eine anerkannte Delfin-Forscherin. Gerade erst hat sie eine Studie dazu veröffentlicht, wie viel effizienter Delfine jagen, wenn sie sich zusammentun und ihre Beute einkesseln (Marine Mammal Science: Gazda, 2016). Ihre Karriere verdankt sie einem Hobby-Fischer: Frank Cox. Vor fast 40 Jahren traute der seinen Augen kaum, als er sah, wie ein Delfin einen Schwarm Fische aufscheuchte, direkt in die Mäuler der anderen. Zufällig hatte Cox eine Videokamera dabei.

Seine Aufnahmen schickte er Forschern – doch fast zehn Jahre lang interessierte das niemanden. Bis Stefanie Gazda, damals noch Studentin, das Video sah. Sie reiste zu Cox nach Florida und erforschte von da an, was die Delfine dort taten. Das Hakai Magazine – ein Blog einer privaten US-Stiftung, die Forschungsprojekte und NGOs fördert – hat die Geschichte ausgegraben.

Gemeinsam entdeckten Gazda und Cox damals zwei Delfin-Gruppen, die genau so jagten, wie der Fischer es gefilmt hatte. Nie zuvor hatten Biologen so ein Verhalten beschrieben: Je ein Delfin trieb die Fische zu den anderen im Team, die ihre Körper aneinandergereiht hatten und so eine Wand bildeten. Um diese Barriere zu umgehen, sprangen die Beutefische aus dem Wasser. In diesem Moment tauchte der Delfin auf, der sie zusammengetrieben hatte, und schnappte sich die Fische aus der Luft.

Jeder Delfin hat seinen Job

Heute ist klar: Bei dieser Art von Jagd hat jeder Delfin dieselbe ganz bestimmte Aufgabe. 2005 wurde die Doktorarbeit von Gazda in einem Fachmagazin veröffentlicht (PNAS: Gazda et al., 2016) – den Rentner Cox, der bis zu diesem Zeitpunkt nie etwas mit Forschung zu tun gehabt hatte, machte die Biologin zum Co-Autoren.

Später arbeitete Gazda im New England Aquarium in Boston, bis sie für ihren PhD nach Florida zurückkehrte. Diesmal wollte sie zeigen, dass die Delfine zusätzlich Barrieren nutzen, um mehr Fische zu fangen. Einige machen sich Schwammbänke zunutze, andere wirbeln Schlamm auf und erschaffen so selbst Barrieren. Ansonsten ist das Prinzip ähnlich: Die Fische versuchen auszuweichen, springen aus dem Wasser und werden gefressen (zu sehen im BBC-Video).

Hobby-Fischer Frank Cox bekam von dieser letzten Veröffentlichung nichts mehr mit, denn er starb im Jahr 2011. Gazda nahm dessen Schäferhündin auf. Das sei sie ihm schuldig gewesen, sagte sie dem Hakai Magazine. Schließlich wäre ihr Leben ohne Cox und sein Video völlig anders verlaufen.

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