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US-Polizisten töteten 706 Menschen in neun Monaten

 

In neun Monaten starben 706 Menschen durch Polizeigewalt

Wenn der Staat versagt, muss die Zivilgesellschaft einspringen. Auf Grundlage dieser Feststellung sammelt die Washington Post seit Januar 2015 alle Todesfälle in den USA, die im Zusammenhang mit Polizeigewalt stehen. Ein ähnliches Projekt läuft beim britischen Guardian. Die Motivation dazu stammt aus unzureichenden Statistiken der Behörden: Zwar sammelt das FBI die Zahlen ebenfalls, allerdings hat die Bundespolizei selbst zugegeben, dass die Daten nicht komplett sind.

Diese Beschreibung der offiziellen Statistiken ist noch zurückhaltend. 2015 zeichnete die Washington Post durch die Analyse von Medien- und Polizeiberichten und Gerichtsakten mit 990 Toten mehr als doppelt so viele Fälle auf wie das FBI. Im laufenden Jahr deuten bisher 706 Todesfälle – zuletzt die Schüsse von Charlotte – darauf hin, dass sich an dem Ausmaß nichts ändern wird. Zum Vergleich: In Deutschland wurden zuletzt etwa sieben Menschen pro Jahr von Polizisten getötet.

Besonders häufig sind demnach Schwarze von tödlicher Polizeigewalt in den USA betroffen. Rund ein Viertel der in diesem Jahr Getöteten waren Afroamerikaner, etwa 45 Prozent waren Weiße. Bei einem Bevölkerungsanteil von 13 Prozent ist der Anteil der Schwarzen deutlich überproportional. Die Statistik gibt auch Aufschluss über andere Merkmale: Opfer von tödlicher Polizeigewalt sind demnach fast immer männlich und häufiger unter 30. Sie waren in nur etwa 50 Prozent der Fälle bewaffnet und rannten in einem Drittel der Fälle vor den Polizeibeamten davon, bevor sie getötet wurden.

Weitere Fundstücke aus dem Netz gibt es im Teilchen-Blog.

12 Kommentare

  1.   Icke123

    Oh man – der eigentliche Grund ist, dass in den USA scharfe Waffen verbreitet sind. Es gab und gibt viele Fälle, bei denen zunächst völlig harmlos aussehende Menschen plötzlich kaltblütig Polizisten erschießen.

    Die Polizisten haben auch Angst um ihr Leben. Das führt dazu, dass sie dann vetl. selbst vorher schießen, wenn sie Angst haben, das Gegenüber könnte sie plötzlich erschießen.

    Die USA werden dieses Problem nie los werden, solange Schusswaffen einfach legal erworben werden können.

  2.   Betta-Splendens

    Es wäre schon interessant zu wissen wie viele Polizisten im Dienst getötet oder angeschossen wurden. Auch im Vergleich zu Deutschland. Warum wird das nicht gleich mit aufgeschrieben?

    Dass die Getöteten vorwiegend jung und männlich sind könnte daran liegen, dass auch Gewaltkriminelle vorwiegend jung und männlich sind. Der überproportional hohe Anteil afroamerikanischer Getöteter könnte daran liegen, dass auch die Kriminalität in den ärmeren und überproportional von Schwarzen bewohnten Stadtvierteln höher ist.

    Das hätten die Journalisten doch alles gleich mit recherchieren können um die Zahlen dementsprechend im Zusammenhang analysieren zu können.

  3.   Dieter Drabiniok

    Erschreckend diese Zahlen! Und typisch, die ersten beiden Reaktionen darauf.

  4.   god

    https://www.theguardian.com/us-news/2016/jul/19/gun-control-police-open-carry-law

    selbst die polizei möchte strengere waffengesetze. ein griff nach hinten könnte in der nächsten sekunde entweder den verlangten perso, oder eine glock bedeuten.
    in einem solchen land ist es nicht verwunderlich, dass solche statistiken zustande kommen, zumal viele eben auch waffen bei sich führen.

    aber egal, berichten wir doch lieber von den ausschreitungen, ausgelöst durch polizei und lassen gekonnt weg, mit welcher brutalität die pazifistischen horden gebrandschatzt haben.

  5.   JohanDieterich

    Könnte auch was damit zu tun haben, dass die Polizeiausbildung in den USA 2-6 Monate dauert und in Deutschland 2-3 Jahre.Wodurch in Deutschland ein Polizist einfach besser auf Stresssituationen vorbereitet ist.
    PS: In Deutschland wurden im Jahr 2105 zehn Menschen durch die Polizei erschossen.

  6.   sid

    vorsicht.
    in einer eskalation partei zu ergreifen ist unklug.
    ich selbst habe keinerlei sympathie für rassistisches gedankengut – ganz im gegenteil. wenn allerdings der im link veröffentlichte killrate-vergleich von schwarzen und weissen teenagern nur halbwegs realistisch ist, evtl sich seit 2007 noch verdeutlicht hat, dann hat das auswirkungen … ganz egal, ob die us-cops einfacher oder gröber gestrickt sind als unser personal in deutschland.
    http://www.sueddeutsche.de/panorama/studie-zu-gewalt-in-den-usa-schwarze-taeter-schwarze-opfer-1.378459

  7.   Nordlicht-MV

    Ich finde es immer wieder amüsant, wie man so eindimentional berichten kann. Nur Dummköpfe setzen den Bevölkerungsanteil im Verhältnis zu den Opfern. Denn nicht ob jemand schwarz ist oder weiß, macht jemand zum potentiellem Ziel, sondern ob jemand kriminell ist bzw. in einer kriminellen Gegend wohnt. Dort wo mehr Armut vorhanden ist, ist die Gegend von einer höheren Kriminalität geprägt. Auch in Deutschland gibt es solche Kieze. Also man müsste eher schauen, wie groß der Anteil der Schwarzen in diesen Ghettos sind. Dann relativiert es sich.
    Das größte Problem ist aber, dass die Polizei nicht besoinders gut ausgebildet ist und viel häufiger damit reczhnen muss, dass jemand eine illegale Waffe hat. Daher sitzt der Colt lockerer.
    Das nun die „Opfer“ mä#nnlich und unter 30 sind, dann ist nicht ungewöhnlich. Auch inh Deutschland ist diese Gruppe überproportional in den Kriminalitätsstatistiken vertreten.

  8.   sid

    @nordlicht
    mal abgesehen davon, dass der artikel keinen b/w-proporz enthält, bzw. dies nicht mit einbezieht (anteil der „weissen“ in den usa ca 80%) … ein cop in den usa muss in alle viertel gehen. und wenn es vor allem arme/schwarze viertel sind, wo geballert wird, dann kann man ihm das ja gerne in abendkursen über statistische betrachtungsweisen beruhigend erklären … evtl. bewegt ihn aber vor allem, dass bei einem schwarzen streetkid eine 400% höhere wahrscheinlichkeit besteht, dass er im konflikt eine wumme zieht

  9.   Skeiron

    „Overall in 2015, black people were killed at twice the rate of white, Hispanic and native Americans. About 25% of the African Americans killed were unarmed, compared with 17% of white people. This disparity has narrowed since the database was first published on 1 June, at which point black people killed were found to be twice as likely to not have a weapon.“

    Der Guardian spricht für 2015 von etwa 25% unter den Afro-Amerikanern und 17% unter den Weißen die unbewaffnet waren.

    Logischerweise waren demzufolge 75% der Afro-Amerikaner und 83% der Weißen Personen die getötet wurden bewaffnet.

    Wie genau kommt der Autor hier auf die Aussage dass nur 50% bewaffnet sind?

  10.   DIN EN ISO

    Korrigieren Sie mich, wenn ich so früh am Morgen einem Denkfehler unterliege, aber wenn Schwarze auch einen überproportionalen Anteil der Kriminellen und Straftäter ausmachen, ist es doch nur die logische Folge, dass sie mit überproportionalem Anteil in tödliche Konflikte mit der Polizei geraten. Bei 47% Anteil unter Mördern und 40% Anteil der Gefängnisbevölkerung können sie doch froh sein, wenn sie nur 25% der von Polizisten getöteten Menschen ausmachen.

    In Wahrheit ist der durchschnittliche amerikanische Cop nämlich schon zurückhaltender im Umgang mit Schwarzen, weil er weiß, dass jedes Fehlverhalten anders als bei anderen Hautfarben zu einem Medienspektakel und zivilen Unruhen führen kann.

    Schauen Sie sich mal den Fall Zimmerman an, der Mann war nichtmal Cop, sondern nur Sicherheitsangestellter und hat sich rechtmäßig selbst verteidigt, und das Bild, das von ihm und den Begebenheiten in den Medien gezeichnet wurde, war absolut verzerrt und hat den Streit darum nur weiter angefacht.