Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT
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Zeitsprung

Zeitsprung: Der Apfelbaum

Von 30. Oktober 2014 um 16:00 Uhr

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Im Jahre 1942 – zufällig auch mein Geburtsjahr – verewigte der Maler Eduard Gabelsberger (1861–1950) den schiefen kleinen Apfelbaum in seinem Garten. Es wird erzählt, der Baum habe dort nicht stehen bleiben wollen – wegen Wasseradern oder irgendwelcher Energiefelder. Und weil er mit den Füßen nicht wegkonnte, habe er es mit seiner Krone versucht.
Heute, nach 72 Jahren steht der Baum immer noch an seinem Platz. Oder: Er liegt beinahe. Innen ist er durchgehend hohl, aber er wird umhegt und gepflegt, blüht so manches Jahr und trägt dann köstlich duftende, wohlschmeckende Früchte.
Ich hoffe sehr, er stirbt nicht vor mir!

Frigga Dettmer, Dießen am Ammersee, Oberbayern

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Zeitsprung: Das Salettl

Von 26. Oktober 2014 um 18:00 Uhr

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Manches alte Haus kann nur noch ein Freilichtmuseum retten. Für das Salettl von Passau-Mariahilf, 1881 an der frequentierten Straße nach Schärding errichtet, schien nach 129 Jahren das Ende gekommen. Ein Stützgerüst bewahrte es gerade noch vor dem Einsturz.
Getrunken und getanzt wurde in diesem lichten Sommer-Tanzsaal zuletzt im Kriegsjahr 1915. Als die benachbarte Schule 1918 zum Lazarett wurde, verlegte man den Unterricht in den Tanzsaal. 1924 zog eine Autolackiererei ein, die 1976 schließen musste. Zuletzt diente das Gebäude dem zugehörigen Wirtshaus noch als Brennholzschuppen. Dann stand das Salettl – so werden in Bayern dergleichen Sommerbauten genannt – jahrzehntelang leer und verfiel.

Von der bayerisch-österreichischen Grenze ist es nun an die bayerisch-böhmische Grenze gewandert: Die Zimmerer des Freilichtmuseums Finsterau haben Balken für Balken abgetragen, kaputte Bauteile ersetzt und am neuen Ort alles wieder aufgebaut. Ein Wirtshaus samt Biergarten mit hochgewachsenen Linden gab es da schon, direkt daneben steht jetzt das Salettl. Die kunstvoll maserierten Türen wurden restauriert, ein Kirchenmaler hat die reiche Farbfassung an den Wänden und Balken erneuert.

Seit ein paar Monaten wird wieder gefeiert im Salettl von Passau-Mariahilf.

Martin Ortmeier, Finsterau im Bayerischen Wald

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Zeitsprung: Ost-West-Freundschaft

Von 20. Oktober 2014 um 18:00 Uhr

Vor 25 Jahren fiel die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland, und vielleicht erinnert sich noch jemand an die Aktion, die die ZEIT damals startete: Westdeutsche Abonnenten wurden dazu aufgerufen, ostdeutschen Lesern für ein halbes Jahr die ZEIT zu sponsern. Dank dieser Idee entstand zwischen unse- rer Familie aus Jänschwalde (Brandenburg) und Familie Perchermeier aus München eine tolle, bereits 25 Jahre währende Freundschaft.
Die Abonnenten-Paarungen wurden wie bei einer Kontaktanzeige nach Interessen und Berufen zusammengestellt. Die Perchermeiers (Arzt und Lehrerin, damals ein Kind, zwei weitere sollten noch folgen) wurden dabei meinen Eltern (Arzt und Kindergärtnerin, drei Kinder) »zugeteilt«. Keiner hatte Ost- beziehungsweise Westverwandtschaft, umso größer war die Freude bei meiner Familie, als plötzlich eine Einladung nach München kam.
Im Sommer 1990 machten wir uns auf. Ein Trabbi auf der Autobahn, mit drei kleinen Kindern – die an uns vorbeiziehenden Wessis schüttelten den Kopf. Unsere Familienkutsche schaffte es aber ohne Anschieben in den Westen.
Hier prallten zwei verschiedene Lebensentwürfe aufeinander: Meine Eltern waren gerade 30 Jahre alt, das älteste Kind aber bereits fünf. Perchermeiers waren zehn Jahre älter und hatten erst eine einjährige Tochter. Trotzdem – oder gerade deshalb – war die Vermittlungsaktion ein Erfolg: Für uns wurden dadurch Ost und West auf persönlicher Ebene zusammengebracht! Und die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 feierten wir schon zusammen in Leipzig. Es folgten jährliche Unternehmungen mit Spreewald-Paddeltour, Wanderung auf die Zugspitze, Skifahren, Oktoberfest, Einladung zur Einschulung und zur Silberhochzeit… Mittlerweile sind wir Kinder erwachsen. Meine Schwester studiert in München Medizin, genau wie die älteste Tochter von Perchermeiers. Die jüngste Tochter studiert Biologie in Jena – und hat durch uns meinen Cousin kennengelernt. Jetzt sind die beiden seit fast zwei Jahren ein Paar.
Nach 25 Jahren sind unsere Familien also fast verwandt!

Anne Holzschuh, Jänschwalde, Brandenburg

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Zeitsprung: Pedalo

Von 19. Oktober 2014 um 09:00 Uhr

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Als Kind war ich klein und schwächlich, deshalb suchte meine Mutter (Ruth Weidenbach) nach einem Spiel- und Sportgerät, um mich zu kräftigen. Es fand sich nichts Passendes, weshalb sie mit meinem Vater (Richard Weidenbach), der als Grafiker bei WMF arbeitete und technisch sehr begabt war, schließlich selbst ein passendes Vehikel entwickelte: das Pedalo. Meine Eltern begannen es auch zu vermarkten, waren davon aber bald überfordert – insbesondere als die ersten Plagiate auftauchten. So verkauften sie ihre Erfindung an die Firma Holz-Hoerz, die das Pedalo bis heute im Programm hat. An seinem kommerziellen Erfolg haben wir seither zwar keinen Anteil mehr, dennoch freue ich mich jedes Mal (ich bin Erzieherin von Beruf), wenn ich Kinder mit einem Pedalo spielen sehe, und natürlich fahre ich – auch nach 50 Jahren noch – ab und zu selbst gerne damit.

Winni-Sophie Gunzenhauser, Kuchen, Baden-Württemberg

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Zeitsprung: Fahrrad

Von 5. Oktober 2014 um 18:00 Uhr

Das Bild links zeigt unseren Sohn Lukas auf einem Kinderrad, das er kurz vorher von seiner älteren Schwester übernommen hatte. Und auch für sie hatten wir das Rad schon gebraucht erworben. Als Lukas dem Rad dann entwachsen war, verkauften wir es weiter, und zwar an eine Frau, mit der wir damals beruflich zu tun hatten. Es sollte fortan ihrem Enkelkind gehören – damit schien die Fahrradgeschichte für uns zu Ende.
2014 knüpften wir Kontakt zu einer Familie, die seit Kurzem in einer Flüchtlingsunterkunft wohnt. Ahmed, 4, und seine Eltern kommen aus Syrien und sind erst seit ein paar Wochen hier. Über einen E-Mail-Verteiler erfuhren wir, dass zwei Kinderräder abzugeben seien. Name und Adresse verrieten uns, dass wir die Spenderin kennen. Und tatsächlich ist das eine Fahrrädchen das, das wir ihr vor fast 20 Jahren verkauften. Dank sorgfältiger Wartung hat es derweil fünf Enkelkindern treue Dienste geleistet. Das nicht mehr ganz zeitgemäße Mintgrün des Rahmens war zwischenzeitlich durch eine orangerote Lackierung ersetzt worden.
Der kleine Ahmed kann zwar noch nicht Fahrrad fahren, aber wir sind sicher, auf einem so kindererfahrenen Rad wird er es in kürzester Zeit erlernen.

Heike und Georg Schiller, Schöffengrund, Hessen

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Zeitsprung: Apfelbäumchen

Von 30. September 2014 um 18:00 Uhr

Meine Sucht sind nicht Schokolade oder Nikotin, sondern Äpfel. Also warum nicht einen eigenen Apfelbaum anpflanzen? Endlich, nach über einem Jahr des Probierens keimte am 28. April ein kleiner Apfelkern, und in den folgenden Wochen konnte ich ihm förmlich beim Wachsen zusehen.
Ich bin unglaublich stolz. So muss sich Mutterschaft anfühlen. Spätestens wenn mein Bäumchen Früchte trägt, sollte ich aus meiner kleinen Berliner Altbauwohnung in die Uckermark ziehen.

Evelin Valentin, Berlin

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Zeitsprung: Porträt einer Dame

Von 29. September 2014 um 13:40 Uhr

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1960 – ich war 19 Jahre alt, absolvierte eine Buchhändlerlehre und wohnte noch zu Hause bei meinen Eltern in Oldenburg. Da stand eines Tages ein unbekannter Mann vor der Tür und hinterließ ein Bild mit der Bitte, es an die Porträtierte (mich!) weiterzugeben. Mir war es etwas unheimlich, von jemand gemalt worden zu sein, den ich gar nicht kenne. Bei welcher Gelegenheit bloß hatte er mich ausgespäht? Überdies fand ich mich auf dem Bild recht brav. Niemals trug ich solch eine weiße Kappe! So verschwand das Gemälde auf dem Dachboden. Jahre später fand ich das Bild beim Aufräumen wieder. Dann stand ein Umzug an, also verschenkte ich es an eine Freundin, die es (selbst über mehrere Umzüge hinweg) liebevoll hütete. 2014 zog sie dann erneut um, diesmal nach Oldenburg, und bei dieser Gelegenheit schenkte sie mir mein Bild zurück. Nach über 50 Jahren also hängt es jetzt in meinem Haus und hat meinen Kindern eine schöne Geschichte zu erzählen. Eigentlich schade, dass wir nichts über den Maler wissen (das Bild ist nicht signiert), aber vielleicht findet sich der unbekannte Künstler ja noch – es wäre zu schön.

Helga Brandhorst, Oldenburg, Niedersachsen

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Zeitsprung: Großer Bruder

Von 24. September 2014 um 15:00 Uhr

Auf dem Bild links, das vor 41 Jahren entstand, wacht mein neun Jahre älterer Bruder Roland über mich. 2013 hatte ich das Glück, zum zweiten Mal Mutter zu werden. Und nun wacht mein fast 13 Jahre alter Sohn James über seine kleine Schwester Mila Matilda. Das ganze Gerede vom zu großen Altersabstand ist für mich unverständlich. Ich hatte ein Leben lang einen Beschützer, meinen GROSSEN Bruder. Und wie man sieht, wiederholt sich alles: Mein Sohn liebt seine kleine Schwester und geht auf in seiner Rolle als GROSSER Bruder.

Romy Amori, Berlin

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Zeitsprung: Held meiner Kindheit

Von 18. September 2014 um 15:00 Uhr

Ein Held meiner Kindheit, neben Bill Bo und den Mainzelmännchen, war Lurchi. Schuhekaufen mit Mama hasste ich. Aber wenn man danach mit einem neuen Abenteuerheft von Lurchi aus dem Laden entlassen wurde, waren selbst die schlimmsten Schmerzen der Anprobe mit meterlangen Schuhlöffeln verkraftbar. Die Heftchen erzählten in gereimter Form und in kindgerechter Schreibschrift die Abenteuer von Lurchi und seinen Freunden. Alle endeten jeweils mit der Zeile: “Und lange schallt’s im Walde noch: Salamander lebe hoch!” Als ich vor ein paar Tagen meiner inzwischen 88-jährigen Mutter von einem Feuersalamander erzählte, den ich vor Kurzem in einem Seitental der Jagst fotografiert habe, kramte sie aus einer alten Spielkiste die kleine Gummifigur hervor, die mir damals eine Schuhverkäuferin geschenkt hatte: Lurchi!

Stefan Labude, Kirchberg an der Jagst

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Zeitsprung: Klare Entscheidung

Von 12. September 2014 um 15:00 Uhr

Ein Sonntagnachmittag im Garten, die ganze Familie ist versammelt. Der Schwager hat einen großen Fisch in der Elbe gefangen, der hängt jetzt im Räucherofen. Schönes Wetter, plaudern, essen. Als dann doch einige Wolken heraufziehen und bald die ersten Tropfen fallen, zögern wir: Schnell alle Sachen zusammenpacken und ins Haus gehen? Das wäre naheliegend, aber auch sehr schade.
Der Regen wird stärker, jetzt müssen wir uns wirklich entscheiden! Und da kommt jemand mit einer Handvoll Regenschirme aus dem Haus. Die sind schnell verteilt, alle sitzen wieder im Trockenen, die
Gespräche werden fortgesetzt. Nun begleitet vom gemütlichen Klang der Regentropfen. Und auch die Kleinen lassen sich nicht stören: Sie planschen gut beschirmt in ihrem Ballbecken.

Jörg Lipskoch, Halle an der Saale

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