Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT
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Zeitsprung

Zeitsprung: In Deutschland

Von 16. April 2014 um 15:00 Uhr

Aus dem Chinesischen übersetzt, bedeutet mein Name »in Deutschland«: Als ich geboren wurde, studierte mein Vater gerade in Berlin. Im Sommer 2000 bin ich das erste Mal mit meiner Familie nach Berlin gereist. Ich war stark fasziniert von der vielfältigen Kulturszene, und von da an stand für mich fest, dass ich auf jeden Fall wieder zurückkommen wollte. Zwölf Jahre später kam ich endlich als Austauschstudentin nach Berlin. Kurz vor meinem 21. Geburtstag besuchten mich meine Eltern, und da hatten wir spontan die Idee, das Bild mit der silberfarbenen Skulptur nachzustellen.

Fang-De Chen, Taipeh, Taiwan

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Zeitsprung: Der Eisenbahner

Von 9. April 2014 um 15:00 Uhr

Auf beiden Bildern sieht man meinen Vater bei der Ausübung seines schönsten Hobbys. Er selbst hatte die Idee, das Foto, das ihn als achtjährigen Buben zeigt, 70 Jahre später so genau wie möglich nachzustellen. Der alte Mann ging also freiwillig zu Boden und ließ sich von mir geduldig in die richtige Position dirigieren. Noch heute nutzt er jede längere Abwesenheit meiner Mutter, um im heimischen Wohnzimmer ein gut durchdachtes Gewirr aus Gleisen und Oberleitungen aufzubauen.

Martin Köhler, Mannheim

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Zeitsprung: Totengedenken

Von 2. April 2014 um 15:00 Uhr

Am 10. März spazierte ich mittags durch den Schlosspark Charlottenburg und kam auch am Mausoleum der Königin Luise vorbei – (das leider nur im Sommer geöffnet hat, weshalb man die meisterliche Grabskulptur von Christian Daniel Rauch erst ab April wieder besuchen kann). Doch als ich nach gut einer Stunde auf meinem Rückweg wieder den Blick auf das in der Sonne liegende Denkmal richtete, sah ich, wie sich eine Frau an der Eingangstür zu schaffen machte. Und als sie zur Seite trat, stand dort ein wunderschöner Strauß aus weißen Lilien und Rosen! Die Frau wollte gerade davoneilen, als ich sie ansprach. Es stellte sich heraus, dass sie als Stadtführerin arbeitet und – in der preußischen Geschichte sehr bewandert – dieses private Gedenken jedes Jahr zum Geburtstag der Köni­gin zelebriert.

Barbara Noculak, Berlin

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Zeitsprung: Paris

Von 26. März 2014 um 15:00 Uhr

Als ich im Februar 1961 zum ersten Mal in Paris war, herrschten frühlingshafte Temperaturen. Ich war gerade 18 Jahre alt, und statt zu Hause Abitur zu machen, begann ich, dort als Au-pair zu arbeiten. Die Place de la Concorde, auf der die Aufnahme entstand, wurde damals übrigens, wie man sieht, noch als Parkplatz genutzt! Im Februar 2013 war ich wieder in Paris. Es war viel kälter – und ich etwas älter. Wir feierten meinen 70. Geburtstag. Au-pair – grand-mère. Wie schnell die Zeit vergeht!

Waltraud Greiner, Kirchheim

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Zeitsprung: Freundinnen

Von 19. März 2014 um 18:00 Uhr

Meine amerikanische Freundin Kristina Henoch (jeweils rechts im Bild) und ich, wir kennen uns seit einem Schüleraustausch. 1983 war ich in der Oberstufe der Graf-Friedrich-Schule in Diepholz, sie Schülerin der Unionville High School in Kennett Square, Pennsylvania. Wir besuchten uns gegenseitig für jeweils drei Wochen, seitdem sind wir – und inzwischen auch unsere Familien – befreundet. Wir schrieben uns zunächst auf blauem Luftpostpapier, denn telefonieren war viel zu teuer. Heute läuft alles per E-mail, unsere Teenager-Töchter skypen. Im Herbst vergangenen Jahres haben wir Jubiläum gefeiert – und es war so wunderbar wie vor dreißig Jahren! Wer hätte gedacht, dass aus so einem kurzen Austausch eine so lange Freundschaft entstehen würde!

Frauke Lobin, Lüdenscheid

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Zeitsprung: Arbeitswelten

Von 12. März 2014 um 15:00 Uhr

Auf dem linken Bild sehen Sie meinen Arbeitsplatz im Analogzeitalter (1984). Ich war damals als Werkstudentin in der Buchhaltung eines großen Chemie-Unternehmens beschäftigt und verzierte die papierne Schreibtischunterlage mit reichlich bunten Mustern. Rechts: mein Desktop im Jahr 2014. (Ich arbeite als Organisationsberaterin.) Andere Zeiten: Im Büroalltag der Digital-Ära spielen Stifte keine sichtbare Rolle mehr.

Ulrike Fleischmann, Romrod, Hessen

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Zeitsprung: Alaaf!

Von 4. März 2014 um 18:00 Uhr

Man glaubt es kaum, aber zwischen diesen beiden Fotos liegt nur eine Viertelstunde. Ich hatte gerade das Waschbecken einer Generalreinigung unterzogen, als meine Kinder mich fragten, ob sie sich schminken dürften. Kurz darauf sah unser Becken dann so aus, als wäre ein ganzer Karnevalszug hindurchmarschiert. Aber, was soll’s. Und so ist’s ja eigentlich auch viel bunter, schöner, und irgendwie lebendiger… !

Jürgen Nielsen, Köln

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Zeitsprung: Das alte Radio

Von 26. Februar 2014 um 12:00 Uhr

Angeregt durch das Buch Die Kultur der Reparatur, erinnerte ich mich an das alte Radio meiner Eltern, ein Grundig 3010. Das Radio war nur 1952 und 1953 gebaut worden und kostete damals 345 Mark. Als ich es völlig verstaubt auf dem Dachboden fand, habe ich es gesäubert und zum Radiohändler in unserem Dorf gebracht, um es reparieren zu lassen. Der Seniorchef begrüßte mich mit den Worten: »Ja, wir können das noch!« So sehen Sie mich auf dem einen Bild als Zweijährigen mit meiner Mutter und dem Radio dahinter zu Weihnachten 1953. Das andere Bild zeigt mich heute, zufrieden mit dem Radio, bei dem praktisch nichts defekt war, das lediglich einer Überholung der Kontakte bedurfte. Besonders freut mich, dass ich es nicht im Internet gekauft habe, sondern dass es das Radio meiner Eltern ist!

Bernd Auerbach, Vogt, Baden-Württemberg

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Zeitsprung: In Luxor

Von 18. Februar 2014 um 15:00 Uhr

1969, während meines Studiums an der Technischen Universität (damals Hochschule) in Graz fuhr ich mit einer Reisegruppe der Hochschülerschaft nach Ägypten und war tief beeindruckt von den Tempeln in Luxor. 2013, kurz vor meiner Pensionierung als Professor derselben Universität, war ich – für ein Projekt »Green Innovation and Entrepreneurship in Egypt« – erneut in Luxor und wieder überwältigt von der Kunst und den Fähigkeiten der alten Ägypter. Ich wünsche mir, dass dieses Land wieder zu seiner einstigen Größe zurückfinden möge.

Hans Schnitzer, Graz, Österreich

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Zeitsprung: Cyrille und der Schnee

Von 10. Februar 2014 um 15:00 Uhr

Im Dezember 2012 besuchte ich meinen Bruder in Weimar, und auf einem Spaziergang bat ich ihn, mich im Schnee zu fotografieren. Damals skypte ich fast täglich mit Cyrille, den ich einige Monate zuvor während meines Praktikums in Kamerun kennengelernt hatte. Ich wollte ihm mit diesem Foto einen Eindruck vom deutschen Winter vermitteln. Wir hofften, dass er mit einem DAAD-Stipendium nach Deutschland würde kommen können. Doch bald darauf wurde sein Antrag abgelehnt. Wir standen vor dem Nichts und mussten uns entscheiden. Im vergangenen Juni haben wir in Kamerun geheiratet. Jetzt leben wir zusammen in Freiburg, und Anfang Dezember 2013 hat Cyrille seinen ersten Spaziergang im Schnee gemacht.

Hedwig Scharlipp, Freiburg im Breisgau

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