Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT
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Zeitsprung

Zeitsprung: Geschäftsübernahme

Von 25. März 2015 um 15:00 Uhr

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In unserer Familie gibt es einen Kaufmannsladen, den mein Großvater etwa 1930 für meinen Vater ge­baut hat. Der Kaufmannsladen hat einen Weltkrieg überstanden und reiste 1957 offiziell mit mir aus der DDR aus. (Als Kind von »Republikflüchtigen« – meine Eltern waren vorerst ohne mich in den Westen gegangen – wurde ich ausgewiesen, durfte aber mei­ne Besitztümer offiziell mitnehmen.) Das Bild von 1956 zeigt mich mit meinen Großeltern (rechts mein Großvater, der »Erbauer« des Kaufladens). Kürzlich konnte meine zweijährige Enkelin Anna den Laden übernehmen. Aus diesem Anlass haben wir dann alle vier Generationen im und neben dem Laden foto­grafiert, die mit ihm schon gespielt haben und noch weiter spielen werden: meine Tochter Sonja, Anna, meinen Vater und mich (von links nach rechts).
Sonja hat immer sehr stolz erzählt: »Den Kaufladen hat mein Urgroßvater für meinen Opa gebaut.« In unserer konsumorientierten Zeit finde ich es schön, wenn die Dinge wegen ihrer Geschichte geschätzt werden und auch Kinder eine Idee vom Eingebun­densein in Zusammenhänge bekommen.

Elke Greven, Aachen

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Zeitsprung: Zurück

Von 19. März 2015 um 12:00 Uhr

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Anfang 2000 erhielten wir endlich unseren lange erwarteten Adoptivvorschlag für ein Waisenkind von den Philippinen. Das Bild, das wir zugeschickt bekamen, zeigt Christian im Alter von drei Jahren am Treppengeländer des Waisenhauses Concordia Children’s Services in Manila. Im Mai 2000 durften wir Christian dann dort abholen. Im vergangenen Jahr besuchten wir mit Christian zum ersten Mal wieder die Philippinen und natürlich auch das Concordia. Zwei der damaligen Erzieherinnen konnten sich noch an ihren Schützling erinnern. Mit der Leiterin und einer der beiden Erzieherinnen steht Christian auf dem neuen Foto wieder am gleichen Geländer vor dem Eingang des Concordia. Das Waisenhaus wurde inzwischen renoviert – und Christian ist gewachsen, wie man sieht.

Roland Pfister, Mörgen, Unterallgäu

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Zeitsprung: Der Gletscher

Von 11. März 2015 um 12:00 Uhr

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Im Sommer 1982 habe ich mit meiner Frau und unseren Töchtern den Briksdalgletscher in Norwegen besucht. Vergangenen Sommer waren wir noch mal dort, diesmal mit unserer Enkeltochter. Der Gletscher ist mittlerweile weit weniger imposant – ein sichtbarer Beleg für den Klimawandel.

Peter Teitje, Hamburg

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Zeitsprung: Wasserfall

Von 6. März 2015 um 15:00 Uhr

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Dies ist einer meiner Lieblingsorte, ein kleiner, versteckter Wasserfall in einem Waldstück meines Heimatorts. Hier kommt kaum jemand vorbei. Die Stelle ist so zugewachsen, dass man den Wasserfall vom Weg oben aus kaum sieht. Ich suche dieses verwunschene Plätzchen immer mal wieder auf, um Ruhe zu tanken. Dabei sind Bilder in verschiedenen Jahreszeiten entstanden.

Claudia Schellmann, Pliezhausen, Baden-Württemberg

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Zeitsprung: Besetzt

Von 27. Februar 2015 um 15:00 Uhr

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Im Mai 2009 feierte unsere Tochter mit Freundinnen ihren elften Geburtstag. Nach einem Besuch im Dresdner Arnoldbad ließen wir uns im angrenzenden Blüherpark zum Picknick nieder. Ein leerer verwitterter Sandsteinsockel lud zu einem ganz besonderen Foto der Geburtstagsgesellschaft ein. Als wir fünf Jahre später mal wieder dort vorbeischauten, war der Sockel besetzt: Im Zuge der Wiederherstellung des Parks unter denkmalpflegerischen Aspekten hatte man im Jahr 2012 die von Lorenzo Mattielli um 1744/45 geschaffene und beim Bombenangriff auf Dresden am 13. Februar 1945 sehr stark beschädigte Figurengruppe Merkur und Minerva wieder aufgestellt.

Uta Jarsumbeck, Dresden

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Zeitsprung: An der Grenze

Von 22. Februar 2015 um 12:00 Uhr

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»Bis zur Grenze 5 km, wenn Flensburg deutsch bleibt«, so steht es auf dem Schild, das Demonstranten anlässlich der Volksabstimmung vom 10. Februar 1920 vor unserem Haus aufgestellt hatten. Mein Großvater war zu diesem Zeitpunkt Arzt in Gravenstein, das nach dem Ergebnis der Volksabstimmung dänisch wurde und heute Gråsten heißt. Also zog er mit seiner Praxis nach Flensburg um, in das abgebildete Haus, in dem auch nachfolgende Generationen als Ärzte arbeiteten. Heute ist das längst Geschichte. Deutsche und Dänen leben freundschaftlich auf beiden Seiten der offenen Grenze zusammen. Und unser Haus ist ein kleines Symbol dafür, wie Verhältnisse und Beziehungen unter den Menschen sich ändern und verbessern können, wenn die Menschen es nur wollen.

Hartwig Becker, Flensburg

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Zeitsprung: Abgeschlagen

Von 17. Februar 2015 um 12:00 Uhr

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Im Jahr 1980 besuchten wir Hongkong, damals noch britische Kronkolonie. Vom höchsten Berg der Insel, dem Peak, hatten wir einen fantastischen Blick über die Insel Hongkong (im Vordergrund) und die Halbinsel Kowloon. Alles voller hoher Wolkenkratzer, die uns sehr beeindruckten. 2014 waren wir wieder da und sind natürlich auf dem Peak gewesen. Man konnte fast nichts wiedererkennen, die Häuser sind mittlerweile alle viel höher. Besonders gut sieht man das an dem Gebäude, welches 1980 das höchste war. Das Jardine-Haus ist knapp 180 Meter hoch. Schaut man genau auf das jüngere Bild, so ist dieses Haus im Zentrum des Bildes immer noch zu sehen, allerdings wirkt es wie ein Zwerg neben seinen Nachbarn, die teilweise mehr als doppelt so hoch sind. 1980 das höchste Gebäude, jetzt reicht es nur noch für Platz 150!

Klaus Liphard, Essen

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Zeitsprung: Alt geworden

Von 12. Februar 2015 um 16:00 Uhr

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1964 haben wir geheiratet. Es eilte damit, weil mir durch einen Glücksumstand in West-Berlin eine kleine Wohnung angeboten worden war. Der Wohnberechtigungsschein lag vor, aber zwei Zimmer für nur eine Person? Unmöglich! Verlobt war ich zwar schon, aber noch nicht mit der Ausbildung fertig und zu arm, um schon heiraten zu können – meinten die Schwiegereltern. Keine guten Startbedingungen für eine Ehe. Wir mussten kämpfen, bestellten schon mal das Aufgebot, bekamen die Wohnung, die Erlaubnis zur Heirat und sogar finanzielle Starthilfe vom Schwiegervater. Es war eine schwere Zeit, sowohl vor wie nach der Hochzeit. Heute stehen wir gut da, drei Kinder, sieben Enkel, keine wirtschaftlichen Sorgen.

Nur eben: alt geworden! Bei unserer goldenen Hochzeit entstanden Fotos, die wir staunend neben die alten Hochzeitsfotos halten. Mit dem jungen Brautpaar tauschen? Besser nicht. Trotz aller Klagen über das Altwerden: Es ist schon besser so!

Michael Kraatz, Zeuthen, Brandenburg

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Zeitsprung: Nasen!

Von 4. Februar 2015 um 15:00 Uhr

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Das linke Foto zeigt meinen Mann im Frühling 1988 vor dem Straßburger Münster. Frisch verliebt, verbrachten wir damals einen gemeinsamen Tag in der elsässischen Bilderbuchstadt. Ich wollte als Germanistikstudentin Goethes enthusiastischen Text Von deutscher Baukunst. Über das Straßburger Münster besser verstehen. Es war neblig und kalt, mein Mann trug als künftiger Förster seinen feschen Lodenmantel. Die unverkennbare Ähnlichkeit seiner Nase mit der des Fabelwesens fiel uns gleich ins Auge, und wir hielten sie vergnügt fotografisch fest. Das rechte Foto zeigt meinen Mann erneut vor dem Straßburger Münster, 26 Jahre später, im April 2014. Dieses Mal waren wir in Begleitung unserer ältesten Tochter angereist, die mit 19 Jahren kurz vor dem Abitur stand. Goethes Lyrik vom Sturm und Drang zur Klassik war eines ihrer Themen der schriftlichen Prüfung in Deutsch. Wir beschäftigten uns aber lieber damit, die Nase meines Mannes erneut ins rechte Licht zu rücken.

Ulrike Steenbuck, Breklum, Nordfriesland

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Zeitsprung: Der wandernde Bass

Von 29. Januar 2015 um 12:00 Uhr

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Das erste Foto zeigt mich mit dem Kontrabass vor 50 Jahren an der Seite meines Vaters beim Narzissenfest im Ausseerland (Steiermark). 1965 war er 59 Jahre alt, und ihm war es zu schwer geworden, während des Blumenkorsos musizierenderweise die Bassgeige zu tragen. Daher musste ich mit 23 Jahren den Bass übernehmen, und mein Vater spielte die Kontragitarre.

Mittlerweile bin ich auch schon über 70-jährig, habe vor vielen Jahren »Die Ausseer Geigenmusi« gegründet und (unter anderem aus Konditionsgründen) auch das Instrument gewechselt. Jetzt spiele ich die Steirische Knopfharmonika, den Bass trägt nun ein anderer. Das zweite Bild entstand im Fasching 2014, und natürlich werden wir auch heuer wieder aufspielen!

Herbert Randacher, Bad Aussee, Österreich

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