Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT
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Zeitsprung

Zeitsprung: Der wandernde Bass

Von 29. Januar 2015 um 12:00 Uhr

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Das erste Foto zeigt mich mit dem Kontrabass vor 50 Jahren an der Seite meines Vaters beim Narzissenfest im Ausseerland (Steiermark). 1965 war er 59 Jahre alt, und ihm war es zu schwer geworden, während des Blumenkorsos musizierenderweise die Bassgeige zu tragen. Daher musste ich mit 23 Jahren den Bass übernehmen, und mein Vater spielte die Kontragitarre.

Mittlerweile bin ich auch schon über 70-jährig, habe vor vielen Jahren »Die Ausseer Geigenmusi« gegründet und (unter anderem aus Konditionsgründen) auch das Instrument gewechselt. Jetzt spiele ich die Steirische Knopfharmonika, den Bass trägt nun ein anderer. Das zweite Bild entstand im Fasching 2014, und natürlich werden wir auch heuer wieder aufspielen!

Herbert Randacher, Bad Aussee, Österreich

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Zeitsprung: Aus “hart” wird “zart”

Von 18. Januar 2015 um 15:00 Uhr

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Diese Inschrift »Harte Zeit (h)arte Herzen« ist mir seit Kindertagen vertraut. Sie wurde 1944 – vermutlich als Durchhalteparole – an einer Mauer meiner Geburtsstadt Mannheim angebracht. Zum Hintergrund: Mannheim war im Zweiten Weltkrieg mit über 150 Luftangriffen die wohl am meisten bombardierte Stadt auf dem Gebiet des heutigen Landes Baden-Württemberg, das barocke Schloss wurde fast vollständig zerstört. Die Inschrift dagegen überlebte Krieg und Nachkriegszeit weitgehend unbeschadet. Irgendwann jedoch entfernte jemand einen einzelnen Buchstaben, nämlich das h in der Mitte, was mich veranlasste, das Graffito fotografisch festzuhalten. Jetzt hat jemand ein z in die Lücke gesetzt und der Inschrift nach 70 Jahren einen ganz neuen Sinn verliehen. Es wurde aber auch Zeit!

Dieter Hetzel, Heidelberg

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Zeitsprung: Viele, viele Jahre

Von 12. Januar 2015 um 14:45 Uhr

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Das linke Bild zeigt vier Brüder zu Weihnachten 1940. Damals waren sie acht bis vierzehn Jahre alt. Später hatten sie viele, viele Jahre lang keine Kommunikation miteinander. Einer der Brüder ist mein Vater. Dass ich es geschafft habe, den Kontakt zwischen diesen Brüdern wieder herzustellen, war eines der besten Dinge, die ich in meinem Leben bisher getan habe. Trotz Demenz und anderer Altersgebrechen: Wenn die Brüder sich unterhalten, ist das interessant und berührend.

Christiane Rudlof, Bremen

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Zeitsprung: In einem Bild

Von 2. Januar 2015 um 18:00 Uhr

s78-zeitsprung

Mein Zeitsprung besteht aus einem einzigen Bild: Ich habe dieses Wegkreuz vor Tholey am Schaumberg einmal im Frühling fotografiert und einmal im Winter: gleiche Position, Richtung und Brennweite. Die beiden Aufnahmen habe ich in Photoshop übereinandergelegt und überblendet, sonst aber nicht bearbeitet.

Karl-Otto Franz, Tholey-Bergweiler, Saarland

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Zeitsprung: Richtig gemacht

Von 31. Dezember 2014 um 12:00 Uhr

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Eigentlich sind auf den Fotos zwei Zeitsprünge zu sehen. Ein großer, der eine Wandreklame vermutlich aus den sechziger Jahren zeigt, die in Hamburg-Eimsbüttel durch den Abriss eines Hauses freigelegt wurde. Der kleine Zeitsprung überbrückt nur rund ein halbes Jahr: Graffiti haben den ursprünglichen Zustand der Wand verändert. Die Bilder zeigen einerseits die Kultur der »Wandmalerei« im Wandel der Zeit. Andererseits drücken sie dasselbe aus: eine persönliche Botschaft ihrer Urheber, die – mit unterschiedlichen Motiven – auf sich aufmerksam machen wollen.

Mathias Thurm, Hamburg

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Zeitsprung: Sechs Brüder in den Bergen

Von 24. Dezember 2014 um 13:30 Uhr

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Wir sind sechs Brüder: Martin, Christoph, Klaus, Paul, Thomas und Kornel. Mit unseren Eltern sind wir früher viel gewandert, und bei einer dieser Touren machten wir 1972 das Foto links. Zum 70. Geburtstag unseres Vaters schenkten wir ihm ein Wochenende mit all seinen Söhnen, woraus sich die Tradition eines jährlichen Brüderwochenendes entwickelte. 2013 entstand dabei dann in Südtirol die Aufnahme auf der rechten Seite.

Kornel Hanenberg, Michendorf, Brandenburg

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Zeitsprung: Kindergesicht

Von 14. Dezember 2014 um 15:00 Uhr

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Um das Jahr 1620 herum hat Peter Paul Rubens seinen Sohn gezeichnet, im Jahr 2010 fotografierte ich meine Enkelin. Fast vierhundert Jahre liegen dazwischen. Nun könnte man darüber philosophieren, dass sich Kindergesichter über die Jahrhunderte hinweg kaum veränderten, oder darüber, wie meisterlich Rubens das typisch Kindliche in den Konturen seines Sohnes herausarbeitete. Und trotzdem, trotzdem bleibt die Ähnlichkeit frappierend.

Regina Hilsberg, Hann. Münden, Niedersachsen

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Zeitsprung: Alarm bei Goethe

Von 8. Dezember 2014 um 12:00 Uhr

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1998 verbrachten wir als Familie ein Wochenende in Weimar. Hier sitzen wir vor Schillers Wohnhaus auf einer Bank: Meine damals ein Jahr alte Schwester auf dem Schoß meiner Mutter, ich in der Mitte und mein Bruder mit stolzge­schwellter Brust daneben. Zuvor hatte er in Goethes Wohnhaus den Alarm aus­ gelöst und das gesamte Sicherheitsper­sonal von seinem Posten geholt, da er zur Freude der Touristen in Goethes Kutsche geklettert war. Im Herbst dieses Jahres haben wir das Foto erneut aufgenommen, diesmal natürlich ohne Alarm.

Sibylle Florin, Düsseldorf

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Zeitsprung: Rosenwasser

Von 3. Dezember 2014 um 15:30 Uhr

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Meine beiden Katzen haben zwei Wasserstellen, die sie auch fleißig nutzen. Aber Rosenwasser ist ihnen offenbar noch lieber: Sobald eine Vase mit Rosen auf dem Tisch steht, deren Öffnung sich dazu eignet, den Kopf hineinzustecken, um an das Wasser zu gelangen, dann tun sie das auch. Notfalls holen sie die Blumen vorher mit ihren Pfötchen heraus.

Ingrid Koebbel, Allensbach

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Zeitsprung: Wessi, Ossi

Von 22. November 2014 um 18:00 Uhr

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Meine Eltern besuchten im September 1991 Freunde in Sachsen. Wegen der Mauer hatten sie sich nur schwer treffen können; jetzt wollten sie die neue Reisefreiheit nutzen. Auf dem Rücken meines Vaters war ich auch dabei, und als ich damals als importierter Wessi von der Basteibrücke in der Sächsischen Schweiz auf die Elbe blickte, war mir noch nicht klar, dass ich genau 20 Jahre später an derselben Stelle stehen sollte. Diesmal allerdings als echter Ossi. Inzwischen nämlich studiere ich in Sachsen. So kam ich im September 2011 während einer Radtour nach Tschechien mit meiner Freundin wieder auf die Bastei. Als ich später meine Eltern in Bayern besuchte und ihnen meine Fotos zeigte, kramte meine Mutter das Kinder-Fotoalbum hervor und fand prompt das alte Bild.
Interessant ist auch der abgebrochene Felsen im Hintergrund: Der Zahn der Zeit nagt am Elbsandstein. Ebenso am Haar meines Vaters, was man allerdings beim Vergleich der Bilder nicht sehen kann. Vielleicht ist das auch ganz gut so.

Justus Ehras, Freiberg, Sachsen

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