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Wenn die alten Damen nicht wären

Am Tisch mit Püree, Kondensmilch und Marmorkuchen. Unser Kolumnist entdeckt, dass ohne die betagten Nachbarinnen in seinem Viertel gar nichts läuft und schickt uns ein Fax.

Die alten Damen meines Viertels haben keinen Witwenbuckel. Ihre Männer gingen in Rente, im zweiten oder dritten oder fünften Jahr fielen sie tot um: im Garten vor dem Schuppen, im Wohnzimmer zwischen Sessel und Beistelltisch. Ein Rentner wurde vom herabfallenden Ast erschlagen, er wagte sich im Sturm hinaus. Tod ist nicht schön, sagt die Witwe, sie starrt auf die Kondensmilch im Sahnekännchen: weißes Porzellan, fahlgelbe Wohlstandsmilch. Sie empfängt mich zur späten Morgenstunde, wir essen. Fleisch in Scheiben, Püree. Krieg überlebt, Politik überlebt, Arbeit überlebt. Für bisschen Geld wäscht sie Kleider anderer Leute. Arbeiterinnenhände, wenige Altersflecken, Haar hochgesteckt, stolze Dame. Ihre Tüten trägt sie allein nach Haus. Sie ist eine empfindsame Herrin. Weiter„Wenn die alten Damen nicht wären“