Urbanes Storytelling: Der Hip-Hop-Künstler marschiert stramm in Richtung Blues, Pop und Jazz. Das passt prima auf die Bühne des Mojo Clubs.
Wer Obaro Ejimiwe alias Ghostpoet noch nie live gesehen hat, für den war sein neues Album Shedding Skin ein kleiner Schock: Vom elektrifizierten, dunklen Hip-Hop à la Roots Manuva ist nur noch seine charakteristische dunkle Stimme geblieben, die Songs hingegen sind allesamt Richtung Blues, Pop und Jazz gewandert. Wer hingegen Zeuge einer seiner vergangenen Bühnenshows wurde, erschien dieser Schritt folgerichtig. Bereits dort schien er sich in der jetzt auch auf Albumlänge umgesetzten Bandbegleitung überaus wohl zu fühlen. Prall und reif klingen die Stücke des Londoners, der sich in den vier Jahren seit Peanut Butter Blues & Melancholy Jam eine ganze Armada aus überwältigenden Live-Krachern zusammengezimmert hat. Vom Hip-Hop-Künstler zum Urban Storyteller – eine Entwicklung, die sich bei Ghostpoet gut und organisch anfühlt und -hört.
Text: Marco Fuchs
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Das Musical von Stephan Dolginoff basiert auf der wahren Geschichte zweier hochbegabter Studenten, die zu Mördern werden.
Hochbegabte Menschen denken komplex und langweilen sich schnell. Im Falle der Studenten der University of Chicago, Nathan Leopold (Guy Woolf, Foto) und Richard Loeb, endete die Suche nach dem Kick tödlich. Im Jahr 1924 entführten und ermordeten sie einen Schuljungen. Sie hielten sich für Übermenschen und hatten keine Angst davor, geschnappt zu werden. Stephan Dolginoff bringt die wahre Geschichte zum ersten Mal als Musical Thrill me auf die Bühne. Das Stück des vielfach ausgezeichneten New Yorker Komponisten und Autors läuft im English Theatre Of Hamburg. Pianoklänge und in englischer Sprache gesungene Texte erzählt den Werdegang der „Thrill Killers“ vor und nach der Tat.
Text: Adriana Jodlowska
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Quo vadis Stadt? Die Gebäude Hamburgs werden in über 200 Veranstaltungen unter die Lupe genommen.
Über die Verhältnisse lautet das Motto des 8. Hamburger Architektursommers. Mehr als 200 Veranstaltungen umfasst das drei Monate andauernde Programm. Es stellt unter anderem die Frage nach dem Wohnen. Was ist in Zukunft möglich – und welche Beziehung haben wir eigentlich zum architektonischen Bestand wie den Bauten der Nachkriegsmoderne?
So thematisiert die Ausstellung Von Rindern und Schafen (Foto) die Umgestaltung der Rindermarkthalle auf St. Pauli; auf den Kritikerspaziergängen werden Architektur und Städtebau der HafenCity unter die Lupe genommen. Dienstags lädt der aus England stammende und in der Hamburger Neustadt lebende Architekt und Zeichner Stephen Perry zum Spaziergang. The Urbansketcher öffnet eine Tür zu seinem Viertel und gibt Tipps zum Skizzieren mit Bleistift und Tinte. Treffpunkt: Großneumarkt auf dem Platz vor der Eisdiele.
Der Hamburger Architektursommer ist in jedem Fall eine gute Gelegenheit, die Stadt, die wir täglich nutzen und durchlaufen, neu zu betrachten. Und besser zu verstehen.
Es ist eine gute Idee, die musikalische Woche akustisch einzuläuten. Gelegenheit dazu bietet die Astra-Stube mit vier Acts, die keine Verstärkung nötig haben.
Die Band Owls By Nature kommt aus Kanada und irgendwie denkt man bei Herkunft und Namen des Quintetts an Lagerfeuer und zartes Gitarrengezupfe. Teilweise behält man recht. Owls By Nature stehen für Anthmatic Folk Rock, also durchaus draußen-sein-taugliche Klänge und tatsächlich spielen auch Gitarren in sämtlichen Ausführungen eine Rolle. Ihr Sound ist aber nicht gemütlich, romantisch, beschaulich, sondern flott, rockig, energetisch – zumindest in den schnelleren Nummern, die Musiker können auch die Füße stillhalten. In die Astra-Stube bringen die sechs Männer aus Edmonton die Stücke ihres aktuellen Albums Everything Is Hunted mit. Ebenfalls am Start sind an diesem akustischen Abend The Lion and The Wolf, das Solo-Projekt Worst Days Down von Ben Sir und der Hamburger Singer-Songwriter John Allen, der sich auch im Folk, Country, Punk und Americana zu Hause fühlt.
Text: Lena Frommeyer
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Alles neu am Tschaikowskyplatz: Jean-Pierre Böge eröffnete hier sein Restaurant für Speisen aus regionalen Zutaten, die man probieren sollte.
Im Gebäude einer russisch-orthodoxen Kirchengemeinde am Tschaikowskyplatz hat Jean-Pierre Böge (Foto) über zwei Etagen sein Restaurant Jungspund eröffnet. Dort bietet er mit seinem Team – durchaus jung, aber auch erfahren – Speisen aus regionalen Zutaten. Das Fleisch beispielsweise liefert Jungbauer Peter Wartmann vom Lindenhof direkt, und auch sonst kommen die Produkte aus dem Umland und ohne Zwischenhändler oder Großmarktaufenthalt ins Restaurant.
Durch ein Fenster in der robust gestalteten Holzwand, die im Erdgeschoss Hausbar von Küche trennt, kann man dem ebenfalls jungen Koch Tim Woitaske zugucken, wie er die Gerichte zubereitet – von veganer Kartoffelsuppe über Rindercarpaccio bis zu Kabeljau auf Heidelbeerrisotto. Die jung gestaltete Speisekarte umfasst viele Klassiker, die weder zu hip noch zu altbacken umgesetzt werden. Wie die hausgemachte grobe Kalbsbratwurst mit Kartoffelpüree und Zwiebelsauce (10,50 Euro), die mit ihrem dominanten Fenchelaroma überrascht. Ein guter kulinarischer Start in die Woche.
Flanellhemden raus: Die Vorreiter des Grunge aus Seattle kommen ins Uebel & Gefährlich – nicht mit neuem Album aber was soll’s.
Sie sind die „immer noch beste, sympathischste, nerdigste und kompromissloseste Grungeband aller Zeiten“, zumindest nach Meinung des SZENE HAMBURG-Autors Ingo Scheel. Allerdings ließen sich Mudhoney seit Mitte der 1990er Jahre verdammt selten in Hamburg blicken. Die vier Musiker aus Seattle scheinen die Clubs der Elbe zu vermissen. Mark Arm und Co. flogen vor zwei Jahren endlich wieder über den großen Teich – gut gelaunt, musikalisch nach wie vor überzeugend und mit einer neues Scheibe namens Vanishing Point. Ihre 2015er Tour wird zwar nicht von einem neuen Album gekrönt, aber was soll’s. Die Grungevorreiter, die – Gott sei Dank – nie richtig exzessiv gehypt wurden, sind immer willkommen.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Karl Schmidt ist wieder da: Sven Regeners Romanheld kommt aus Berlin zurück, direkt auf die Bühne des Altonaer Theaters.
Karl Schmidt, der beste Freund von Herrn Lehmann, taucht wieder aus dem Untergrund Hamburg-Altonas auf. Die bekannte Figur aus Sven Regeners gleichnamigem Roman war seit dem Mauerfall in psychologischer Behandlung: zu viele Drogen, zu viele Partys, zu viele durchzechte Nächte in Berlin-Kreuzberg. Als stets nüchterner Tourbus-Fahrer eines verschwurbelten Haufens von Techno-Freaks bricht er zu einem Roadtrip quer durch Deutschland auf, unterlegt von coolen Beats und bizarren Dialogen. Eine gute Gelegenheit, um seinem langweiligen Hilfshausmeisterjob zu entkommen.
Der Frontmann der Band Element of Crime, der durch sein Romandebüt Herr Lehmann und den gleichnamigen Film auch als Autor bekannt geworden ist, lieferte die unterhaltsame und melancholische Romanvorlage. Die Bühnenfassung zu seinem Roman Magical Mystery, die im Altonaer Theater zu sehen ist, entstand in Zusammenarbeit mit Anja Del Caro und Regisseurin Mona Kraushaar, die 2014 mit dem Rolf-Mares-Preis ausgezeichnet wurde.
The Beat Goes On: Das B-Movie erklärt den Mai zum englischen Monat und bringt eine ausgezeichnete Filmreihe auf die Leinwand.
Jugendkulturen im Kino – das ist eine lange Geschichte, die im Wesentlichen von US-amerikanischen Filmen dominiert wird, spätestens seit Marlon Brando und James Dean. Doch während in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren nahezu jedes kontinentaleuropäische Land die Vorlagen der Juvenile Delinquent-Dramen und Rock-’n‘-Roll-Musicals aus Hollywood bloß imitierte, entwickelte sich auf den Britischen Inseln, wo zuvor allein Cliff Richard als James-Dean-Verschnitt die Jugendvorstellungen dominiert hatte, mit der Beat-Musik auch ein eigenständiges Pop-Art-Kino.
Das B-Movie zeigt bis zum 30. Mai insgesamt acht Filme, darunter als Hamburger Erstaufführung Here We Go Round the Mulberry Bush, eine Teenager-Story aus dem Swinging London von Clive Donner, oder Klassiker wie Performance (mit Mick Jagger), Quadrophenia (mit The Who) (Foto) und die Beatlemania-Satire A Hard Day’s Night, die den Jugendkult um die Liverpooler „Pilzköpfe“ persiflierte. Am 3. Mai zeigt das B-Movie If von 1968, mit dessen Schüleraufstand die Kulturrevolution endgültig auch auf der Leinwand ausbrach.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Ein Tag der Feste: Vom Kulturflohmarkt „FlohZinn“ über den Nachbarschaftsmarkt „Hallo Frau Nachbar“ zum „Holsten Brauereifest“.
Startschuss für den Nachbarschaftsmarkt in den Schanzenhöfen: Das Team von Hallo Frau Nachbar schmückt von Mai bis September jeden ersten Sonntag im Monat die Backsteingebäude mit bunten Fähnchen und lokale Anbieter bauen ihre Waren auf. Der Markt ist eine Plattform für Selbstgemachtes und Handgefertigtes sowie Treffpunkt zum Frühstücken, Kaffeetrinken, Mittagessen, für Kinderspiele oder einen Klönschnack mit den Nachbarn.
Ab 12 Uhr hört man vom Brauereigelände an der Holstenstraße Musik herüberschallen. Beim 5. Holsten Brauereifest spielen am 2. und 3. Mai viele Bands, unter anderem Stefan Gwildis & Band sowie Caught Indie Act. Der Eintritt ist frei.
Südlich der Elbe ist auch derbe was los. In den Hallen und auf dem Hof der Wilhelmsburger Zinnwerke wird beim FlohZinn von 9 bis 17 Uhr gefeilscht, gespielt und geschmaust. Der Comicbus ist vor Ort, es gibt einen DJ- und Seemannsgarn-Battle. Außerdem spielt Tornado Rosenberg Gitarre und das Team der Kaffeeklappe von Volker von Witzleben backt wieder vieeeel Kuchen.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Die Hansestadt im Film: Im Abaton stellt Joachim Paschen seine filmische Zeitreise ins erste Hamburger Nachkriegsjahr vor.
Vor genau 70 Jahren, am 3. Mai 1945, war der Krieg in Hamburg vorbei. Die „Festung Hamburg“ kapitulierte und ergab sich der britischen Armee. Hoppla, wir leben!, ist das Motto einer filmischen Zeitreise in das Hamburg vor 70 Jahren, die das Abaton-Kino zeigt. Die Kurzfilme und Wochenschauen, entstanden unmittelbar nach Kriegsende, zeigen eine schwer zerstörte Stadt, in der sich langsam neue Aktivitäten regen. Joachim Paschen vom Film- und Fernsehmuseum Hamburg hat diese Collage von Bildern, Plakaten, Radiosendungen und Filmausschnitten zusammengestellt und führt in der Matinee durch das Programm, das in eindrucksvollen Bildern an das Ende des Krieges und den wirtschaftlichen und kulturellen Neubeginn in der Hansestadt erinnert.