Das Ensemble Nico and the Navigators variiert ein Stück des bekannten Autors. „Die Stunde da wir zu viel voneinander wussten“ läuft auf Kampnagel.
Der Titel Die Stunde da wir nichts voneinander wussten erscheint geradezu programmatisch. Besteht Peter Handkes Stück doch „nur“ aus 60 Seiten Nebentext für zwölf Schauspieler, die er in wechselnden Rollen in einem endlosen Reigen von meist absurd überzeichneten Alltagsszenen stumm über einen lichten Platz flanieren lässt. Dies allerdings in einer so überbordenden Reichhaltigkeit von Details, dass die Fülle der Leben und Schicksale dahinter schier überwältigt. Gesprochen wird nicht, dafür aber unentwegt kommuniziert … oder?! Jetzt bietet sich die seltene Gelegenheit, diese Frage an zwei unterschiedlichen Versionen zu überprüfen. Am Thalia Theater inszenieren die estnischen Regisseure Tiit Ojasoo und Ene-Liis Semper Handkes Stück als ebenso verstörende wie poetische europäische Utopie. Auf Kampnagel variiert es das Berliner Theaterensemble Nico and the Navigators in Die Stunde da wir zu viel voneinander wussten als Folie medialer Überforderung und kommunikativen Scheiterns.
Text: Reimar Biedermann
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Das 6. Sci-Fi-Horror-Filmfestival Hamburg endet am Sonntag mit zwei 35mm-Klassikern im Metropolis – u.a. „Draculas Rückkehr“.
Wie die Zombis im Kaufhaus strömen horroraffine Cineasten durch Hamburgs Straßen mit Kurs auf das Metropolis Kino. Dort gastiert vom 23. bis 26. April das 6. Hamburger Sci-Fi-Horror-Filmfestival Monster Machen Mobil. Gezeigt werden neun Klassiker in 35mm-Fassungen mit deutschem Ton, zudem Trailer der 1950er, -60er und -70er Jahre, Kurzfilmchen sowie Cartoons. Los geht es am ersten Festivaltag mit der Vorstellung von Kampf um die 5. Galaxis um 21.15 Uhr. Das Festival endet am 26. April mit zwei Vorstellungen – quasi zum Frühstück Sador – Herrscher im Weltraum um 11.30 Uhr und im Anschluss Draculas Rückkehr um 13.30 Uhr. Wie gut, dass es im Kino auch tagsüber dunkel ist.
Text: Lena Frommeyer
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Jazz-Profis und Filmemacher aus New York arbeiten mit Hamburger Schülern. Die Performance wird auf Kampnagel gezeigt.
Eigentlich kommt das Projekt Subway Moon aus New York. Professionelle Jazz-Musiker und Filmemacher stellen dort mit Schülern aus aller Welt eigene Musik-, Film-, Poetry- und Performance-Projekte auf die Beine. Nun kommt der Initiator, der amerikanische Musiker und Komponist Roy Nathanthon, mit seiner Band Sotto Voce und dem Videokünstler Andrew Gurian nach Hamburg, um hier eine Hamburger Version von Subway Moon zu entwickeln. Dabei stehen „die U-Bahnen als pulsierende Adern der Städte im Fokus, die Utopien und Assoziationen urbanen Lebens verknüpfen“, so heißt es in der Ankündigung. Subway Moon ist ein Beitrag, der im Rahmen des Youngstar Festivals auf Kampnagel gezeigt wird. Hamburger Schüler – unterschiedliche Herkunft, unterschiedliche Stadtteile, unterschiedliche Schulformen – arbeiten mit international renommierten Künstlern zusammen.
All killer, no filler: Das Duo Infernale, Jens Schulz und Ulf Reh, serviert im Monkeys Music Club groovigen Soul der Sechziger und Siebziger.
„45’s my life“ ist das selbstverständliche Pflichtbekenntnis für die beiden Soul-Männer Jens Schulz und Ulf Reh, die schon den legendären Spellbound Club ins Schwitzen brachten. Jetzt haben sie für eine lange Samstagnacht ihre Köfferchen mit feinstem Vinyl gepackt, um eine weitere Episode der Serie This Is Soul im Monkeys Music Club einzuläuten. Diese Folge spielt in den Sechzigern und Siebzigern, ihre Protagonisten sind Soul und R’n’B mitsamt der ganzen groovenden Verwandtschaft. Der neue Club im ehemaligen Kir hat sich ja schon einen Namen gemacht und steht nicht nur für Soul und Funk, sondern für alles, was sich zwischen Early Reggae und Rocksteady bis New Wave bewegt – ein großes Universum, in dem am Pult nur ein Gesetz gilt: All killer, no filler.
Labelnacht im Uebel & Gefährlich: Dominik Eulberg lädt zu einem Spaziergang durch den elektronischen Wildpark und bringt Kollegen mit.
Minimal ist was zum Putzen, nicht für den Club. Sagt Dominik Eulberg. Techno muss losgehen, wofür geht man sonst tanzen? Dafür hat der passionierte Ornithologe und Ravemeister in den vergangenen Jahren beharrlich an seinem sehr eigenen Stil gefeilt, der ihn zum mehrfach ausgezeichneten und international gefragten DJ gemacht hat. Seit seiner ersten Scheibe aus dem Jahr 2003 mischt er umweltfreundliche Expertise und Vogelgezwitscher unter seine Tracks. Eulbergs Sets sind eine Art Spaziergang durch den elektronischen Wildpark, wo jedes Knacken im Gehölz, jedes Zirpen und Flattern zu Puls, Loop und Beat wird. Also streut er fleißig Körnermischungen aus, und die Party-Vögel fressen ihm aus der Hand. Im Uebel & Gefährlich wird er unterstützt von den Kollegen von Traum Schallplatten, Riley Reinhold, Bodega und Schaefer & Søn.
Text: Nik Antoniadis
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Zwei lokale Straßenfotografen sorgen für Diskussion: Nino Vela und Daniel Nide stellen aus und laden zum Gespräch im Kulturgold e.V.
Wo endet die Kunstfreiheit? Und wo beginnt das Recht am eigenen Bild? Mit diesen Fragen werden die Straßenfotografen Nino Vela und Daniel Nide regelmäßig konfrontiert. Gemeinsam sind sie das Kollektiv Soul of Hamburg, Ende 2014 haben sie den gleichnamigen Bildband ihrer Momentaufnahmen veröffentlicht. Auf ihren Streifzügen durch die Stadt halten sie das Leben fest, ungeschönt und echt. Doch die Fotos stoßen nicht immer auf positive Reaktionen. Unter dem Motto Straßenfotografie vor Gericht – Gefahr für das kollektive Bildgedächtnis laden Vela und Nide zur Fotoausstellung und Diskussionsrunde in die Galerie Kulturgold. Zu Gast ist unter anderem Ostkreuz-Fotograf Espen Eichhöfer.
Die beiden Beatdompteure DJ Katch und Crack-T übernehmen im Moondoo die Kontrolle und mischen den Ballsaal auf.
In der Saturday Night Wildstyle-Reihe im Moondoo kommt Crack-T zu Besuch. Als einziger deutscher DJ wurde das Düsseldorfer Mitglied im Supreme Team und spielte als Resident im legendären Club Mondial im niederländischen Beek. Neben seiner Arbeit als DJ ist er Betreiber des Labels Ching Zeng, auf dem unter anderem DJ Katch veröffentlicht. Dieser ist als zweiter Headliner heute ebenfalls zugegen. Die Sets der beiden featuren HipHop, R ’n’ B, Dancehall und das ganze Spektrum an elektronischen Genres von House und Mash-up bis Moomathon. Also stylt euch wie ihr wollt, schminkt euch, womit ihr wollt, aber wer am Ende noch eine trockene Faser am Leib hat, ist selbst schuld. Auf einen wilden Samstag!
Text: Ole Masch
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Musikalischer Offenbarungseid: 56 DJs legen im Uebel & Gefährlich das Peinlichste auf, das sie auf Vinyl haben – hosted by Das Bo.
Es wird schlimm. Lotto King Karl, DJ Mad (Beginner), Cosmic DJ (International Pony), DJ Dynamite, Exel Pauly (Fettes Brot) und Luke 4000 (Seeed). Klingt eigentlich ganz ok, aber sie und 50 (!) ihrer Kollegen kommen an diesem Abend nicht ins Uebel & Gefährlich, um den Laden zu rocken – sie kommen, um ihn zu schocken. 56 DJs und DJanes versammeln sich zu einer einzigartigen Bad Taste Party und bringen die übelsten Fehltritte mit, die ihre Branche hervorgebracht hat. Songs, die bisher höchstens ihr Duschkopf gehört hat, 56 Tracks des Grauens, die die Tanzfläche nicht mit Schweißperlen, sondern mit Tränen bedecken werden. Also, auf in den Bunker, um den 56 mutigsten DJs der Stadt Respekt zu zollen, wenn sie vor versammelter Mannschaft die Hosen runterlassen.
R ’n‘ Balkan, Bucowina Dub, Balkan Pop: Shantel schießt den Mojo Club für eine Nacht in den Orbit seines Planeten Paprika.
„Yabadabaday yoboboboboy, I wanna be your disco boy!“ Muss man mehr sagen? Er hat der Welt Disco Boy und Disko Partizani beschert. Vielleicht hat er den Balkan-Pop nicht erfunden, aber mit Sicherheit hat er ihn geadelt. Seine Compilations sind Legende, seine Auftritte an den Reglern überirdisch. Wer einmal erlebt hat, wie Stefan Hantel aka Shantel die Tanzflächen der Clubs oder die staubigen Plätze von Festivals zum Vibrieren bringt, kennt die wahre Bedeutung des Wortes „Spektakel“. Im Mojo tut er, was er am besten kann, und eröffnet für eine lange, schweißtreibende Nacht einen Außenposten des Planeten Paprika unter der Reeperbahn. Sein Bucovina Club ist eine autonome Zone für Tanzwütige.
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Zart gehauchter Country-Soul: Der Sohn christlicher Missionare bringt den Sound der Südstaaten in den Nochtspeicher.
Er ist ein echter Crooner: Matthew E. White destilliert aus seiner brüchigen rauen Stimme mehr Zucker, als man es dem bärtigen, stämmigen Hünen mit dem langen Haar zugetraut hätte. Sie ist das klebrige Topping für die opulenten Arrangements des 32-jährigen Singer-Songwriters aus Virginia, dessen Sound irgendwo zwischen Country-Soul, Tropical und Gospel einzuordnen ist, wie auch sein aktuelles Album Fresh Blood, das er im März vorlegte, eindrucksvoll belegt. Dass diese Mischung ziemlich grooven kann, bewies der Sohn christlicher Missionare zuletzt mit einem Auftritt bei US-Talker David Letterman, wo er samt Band, Gospelsängern und Bläsern aufschlug. Schön, wenn die auch im Nochtspeicher dabei wären. Und natürlich ganz viel Zuckerguss.
Text: Theresa Huth
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