Wer kriegt den größten Fame ab? Im Fundbureau steigt eine große HipHop Jam Session, die in Hamburg Station macht. Word!
Erlebt man ja nicht alle Tage, so einen Live Freestyle Battle. Zwei Rapper stehen auf der Bühne, eins gegen eins, und werfen sich nacheinander kunstvolle Diss-Tiraden an den Kopf. Im Fundbureau findet am 29. April die 1on1 Freestyle-Battle vs. Jam Session 2015 statt – der letzte Stopp vor dem Finale in Köln. Hamburger Rapper messen sich hier aneinander. Nur einer kann neuer deutscher Meister im Freestyle-Rap werden. Der Gewinner (Sind da echt nur männliche Teilnehmer?) darf im Sommer beim Out4Fame Festival in Hünxe (Ruhrgebiet) teilnehmen und sich eine Bühne mit dem Wu-Tang Clan, Samy Deluxe und Eko Fresh teilen.
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Problematisches Beziehungsgefälle: Bastrian Krafts „Käthchen von Heilbronn“ am Thalia Theater ist alles andere als eine Schnulze.
Wie kann sie sich nur so erniedrigen? Unermüdlich rennt sie diesem Mann hinterher, der sie behandelt, als sei sie ein Hund! Manchmal gibt es für das Käthchen von Heilbronn ein paar Streicheleinheiten von dem Grafen Friedrich Wetter vom Strahl, dann wieder harsche Worte und sogar Hiebe mit der Peitsche. Bastian Kraft inszeniert am Thalia TheaterDasKäthchen von Heilbronn und damit ein für heutige Zeiten ziemlich problematisches Beziehungsgefälle. Es geht um den Traum von der großen Liebe eines jungen Mädchens, der nach vielen Irrungen und Wirrungen wahr wird. Durch ihre absolute Hingabe ist Käthchen stark; keine Sekunde zweifelt sie an der Wahrhaftigkeit ihres Traums. So rührend es aber ist, dass der störrische Graf sie am Ende als wahre Braut erkennt, so problematisch ist dies auch. Wie groß dürfen die Opfer sein, die man für die Erfüllung eines Traumes bringt? Und wie geht es nach dem Erwachen weiter? Einfache Antworten gibt es selten, nicht im Traum, nicht im wahren Leben, nicht in der Liebe und erst Recht nicht im Käthchen von Heilbronn. Die Vielschichtigkeit des Kleist’schen Textes umzusetzen, ist Kraft mit seiner Inszenierung gut gelungen.
Text: Katharina Manzke
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Wissenschaftler mit Wahnvorstellungen töten Krankenschwestern – im Schauspielhaus wird Naturwissenschaft mit Thrill und Slapstick geboten.
Drei Physiker sind Patienten einer beschaulichen Schweizer Psychiatrie-Klinik. Der eine hält sich für Einstein, der zweite für Newton und dem dritten, Möbius, erscheint der König Salomo und diktiert ihm physikalische Gesetze. Ab und zu tötet einer von ihnen eine Krankenschwester. Möbius gibt allerdings nur vor, geisteskrank zu sein, denn er hat die Weltformel entdeckt, die in falschen Händen ein großes Unheil anrichten könnte. Mit viel Slapstick und Mut zum Wahnsinn inszenierte Sebastian Kreyer vor über einem Jahr Tennessee Williams’ Glasmenagerie. Der Jungregisseur, der einige Jahre lang als Regieassistent mit Karin Henkel arbeitete, knöpft sich nun einen weiteren Klassiker des 20. Jahrhunderts vor. Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt ist eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Stücke und die Frage nach dem Kontrollverlust über den technischen Fortschritt scheint aktueller denn je.
Monatlich berichtet das „Projekt Stadtkuratorin“ über seine Arbeit und bezieht Position – diesmal zu Hamburg als Kandidatenstadt für Olympia 2024.
Geschafft! Berlin ist raus! Hamburg ist Feuer und Flamme, ist offizielle deutsche Kandidatenstadt für Olympia 2024. Doch in Gesellschaft des Spektakels schrumpft selbst die olympische Idee auf eine kurzlebige Sinnstiftung. Ursprünglich sollte sich alle vier Jahre die Jugend in olympischem Frieden treffen. Heute ist Olympia auch urbane Wunschproduktion: 20.000 Fackeln um die Binnenalster. Dazu lehren Computeranimationen uns den olympischen Blick von oben: Das erleuchtete Stadion im globalen Design, das Stadtpanorama, der weite Horizont. Eine Ikone der Imagination ist die HafenCity: Straßen und Plätze heißen nach fernen Handelsplätzen oder nach Kompradoren: Die Welt in uns – die Welt zu uns: die Olympischen Spiele sind schon da, so fühlt es sich an. Nachhaltig sollen die Spiele sein und für die Bauten trifft das vielleicht auch zu. Doch in der Stadt werden soziale Spaltung und historische Ausgrenzung weiter vertieft.
Dies werden Elemente des Stadtgespräches Metropolitane Perspektiven #12 sein, zu dem das Projekt Stadtkuratorin am 29. April lädt. Zum Thema Between History and Apocalypse: Stumbling spricht Premesh Lalu, Direktor des Centre for Humanities Research, University of the Western Cape, Kapstadt.
Lärm! Die angeblich lauteste Band New Yorks legt den Hafenklang in Schutt und Asche – dröhnend, chaotisch und düster ist ihr neues Album.
Im Hafenklang treten Bands mit angsteinflößenden Namen auf. Nach den Bloodsucking Zombies From Outer Space am 12. April ist das Konzert von A Place To Bury Strangers am 27. April ein weiteres Beispiel. Der Umstand ist dem Genre geschuldet. Wer eine unheimlich laute Mischung aus Noise-Rock und Shoegaze auf die Bühne bringt, der braucht auch einen unbequemen Titel. Wer würde schließlich zu einem Gig von (beispielsweise) A Place To Pet Unicorns kommen, wenn einem eher nach Mord und Totschlag zu mute ist? Niemand. A Place to Bury Strangers stellen im Hafenklang ihr neues Album Transfixiation vor. Das Trio soll die lauteste Band New Yorks sein. Wer also keinen Bock auf Eintritt zahlen hat, kann sich auch in Blankenese an die Elbe setzen und die Lauscher aufsperren. Vielleicht schallen ja die chaotischen und düsteren Kompositionen die Elbe hoch.
Text: Lena Frommeyer
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Vampirfilm im Studio: An der Seite einer Rächerin mit Kopftuch und spitzen Zähnen glänzt der Hamburger Schauspieler Arash Marandi.
Die in England geborene, in den USA lebende iranisch-amerikanische Regisseurin Ana Lily Amirpour hat dem modischen Appeal des Kopftuchs einen Pop-Faktor hinzugefügt: In ihrem Kinodebüt A Girl Walks Home Alone at Night wird der Tschador, was die Maske einst für Zorro und das Cape für Superman waren: das Signalelement eines Rächers für Gerechtigkeit, der in diesem Fall weiblichen Geschlechts ist – denn das namenlose Mädchen (Sheila Vand), um das es hier geht, ist eine Vampirin.
In schwarzweißen Cinemascope-Kompositionen schildert Amirpour den Kampf der jungen Frau gegen die sinistre Männerwelt einer Bad City genannten Kleinstadt, die aus Dealern, Drogensüchtigen und Gewalttätern besteht. Allein der junge Arash (verkörpert durch den Hamburger Schauspieler Arash Marandi, Absolvent der hiesigen Hochschule für Musik und Theater) kann neben einem weißen T-Shirt auch ein blütenreines Gewissen vorweisen.
„The best black and white indie iranian western skateboarding vampire movie I’ve seen in quite a while„, schreibt ein Kritiker unter dem Trailer zum Film:
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Zum Teufel mit der bürgerlichen Moral! Das Stück im Jungen Schauspielhaus zeigt eine Alternative zum kranken Ehr-Modell.
„Ehre“ gehört zu jenen Worten, die mit neuem Gehalt gefüllt werden müssen. Denn kein Mensch sollte aus Gründen des sogenannten Ehrverlusts sein Leben verlieren. Das dachte sich schon Friedrich Hebbel im 19. Jahrhundert und prangerte in seinem Drama Maria Magdalena die Falschheit bürgerlicher Moral an: Aus Angst vor dem Urteil anderer behandelt ein Vater seine beiden Kinder unmenschlich – der gute Ruf der Familie ist wichtiger als das Wohl seiner Mitglieder. Und weil das heute immer noch einige Rückständige so sehen, wird das Junge Schauspielhaus nicht müde, von solchen Schicksalen zu erzählen – selbst wenn sie 170 Jahre alt sind: Ein Handwerksmeister verstößt seinen Sohn, der im (falschen) Verdacht steht, ein Dieb zu sein; und seiner Tochter droht er mit Selbstmord, falls auch sie ihm noch Schande machen sollte – tatsächlich ist sie ohne potenziellen Ehemann schwanger … Regisseur Alexander Riemenschneider stellt für Zuschauer ab 14 Jahren eine Alternative zum kranken Ehr-Modell vor: die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie man leben will.
Greenwashing war gestern: Am Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe ergreifen Autoren, Journalisten und Politiker das Wort.
Eigentlich sollte er ja selbst kommen. Denn er war – zusammen mit Nina Hagen und Feridun Zaimoglu – der erste, der 2011 gegen Atomstrom las: Günter Grass und seine beiden Mitleser wollten damals nicht auf die Theaterbühne, sondern an den Ort des Geschehens, den Tatort, an die offene ökologische Wunde. Deshalb fand die erste Lesung vor 2.000 Zuhörern im Schatten des Vattenfall-Atomreaktors in Krümmel statt. Im Gedenken an diesen Jahrestag und zu Ehren des kürzlich verstorbenen Grass wird es am 26. April eine ganz besondere Veranstaltung bei Lesen ohne Atomstrom geben, eine konzertante Lesung im Ohnsorg-Theater, mit Nina Hagen, Rainer Burchardt, Feridun Zaimoglu, Benjamin Lebert, David Bennent und anderen.
Wer den Sonntag schon literarisch beginnen möchte, kann nach dem Frühstück gleich in die Zentralbibliothek gehen. Dort beginnt um 11 Uhr der Erneuerbare Presseclub mit Gregor Gysi, dem ARD-Reporter Sascha Adamek, Jürgen Roth sowie den beiden Stern-Rechercheuren Wigbert Löer und Oliver Schröm.
Wildes Wilhelmsburger Wasser: Der Stadtkultur Hafen e.V. erkundet bei einer Bootsfahrt das kulturelle Potenzial des Veringkanals.
Nachdem bereits die Uferzonen des Veringkanals quasi tanzend erkundet wurden, lädt der Stadtkultur Hafen e.V. nun zum zweiten Teil seiner „Wahrnehmungsspaziergänge“ auf dem Wasser. Soll heißen: Rudern auf dem Veringkanal. Ein schwimmender Untersatz ist dafür natürlich von Vorteil, aber nicht Pflicht: Leichtmatrosen ohne Boot und auch Kapitäne ohne Mannschaft können sich unter info@kanalgang.de melden, um zueinander zu finden. Wer es nicht um 14 Uhr zur Schleusung an die alte Schleuse schafft, kann das fröhliche Ruderrudel auch eine Stunde später auf der Höhe der Soulkitchen-Halle antreffen. Es lockt eine Floating Bar und natürlich musikalische Untermalung. Später gibt’s auch Fischbrötchen auf der Maknete Schute im Hof der Honigfabrik. Fehlt nur noch gutes Wetter.
Ein Fanatiker will auf einer Insel eine eigene Gesellschaft gründen. Jan Bosse erzählt im Thalia Theater das Leben eines Aussteigers.
Der junge Nürnberger August Engelhardt möchte sich von der Gesellschaft abschotten, die Anfang des 20. Jahrhunderts mit ganzer Kraft in die Moderne steuert. Deshalb kauft er eine Kokosplantage auf der Insel Kabakon, der wilhelminischen Kolonie Deutsch-Neuguinea. Die Kokosnuss hält August für eine vollkommene Frucht, die den Menschen zu einem gottähnlichen Wesen machen kann. Eine bessere, reinere Zivilisation soll auf der Insel entstehen. Christian Krachts Roman ist eine Enzyklopädie europäischer Geistesgeschichte und verweist auf ein anderes, späteres Experiment der deutschen Geschichte, das statt der Kokosnuss die Reinheit der Rasse ins Zentrum erhob. Das Bühnenwerk Imperium von Jan Bosse erzählt die Geschichte eines autonomen Utopisten und die eines Fanatikers.
Text: Adriana Jodlowska
Die Vorstellung am 26.4. ist ausverkauft, für den 27.4. gibt es noch Tickets.