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Star an der Bar

„Der Prinz“ feiert am 23. März Premiere im Abaton. Als Gäste werden Regisseur Mahmoud Behraznia und Hauptdarsteller Jalil Nazari erwartet.

Von Afghanistan nach Altona: Ein nicht gerade alltägliches Flüchtlingsschicksal erzählt der Filmemacher Mahmoud Behraznia in Der Prinz, dessen Protagonist Jalil Nazari in Altona als Pizzabäcker tätig ist. Der 1980 geborene Afghane flüchtete mit 17 Jahren aus Furcht vor den Taliban in den Iran, wo er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt. Bis ihn das Kino entdeckte und er in dem iranischen Spielfilm Djomeh die Hauptrolle erhielt. Das Werk des Regisseurs Hassan Yektapanah wurde in Cannes aufgeführt und mit der Caméra d’or prämiert, wodurch sich für den frisch gekürten Filmstar ganz neue Perspektiven auftaten. Zur Deutschlandpremiere am 23. sowie zur Matinee am 29. März werden Jalil Nazari und sein Regisseur Mahmoud Behraznia als Gäste erwartet. Am 2. April startet der Film dann offiziell in deutschen Kinos.

 

Evan Dando

Der ehemalige Indie-Rock-Posterboy und Sänger der Lemonheads singt seine Songs (und ein paar ausgewählte Cover-Versionen) live im Molotow.

Na klar, Evan Dando zehrt bis heute an seinem Ruhm aus den Neunzigern. Aber der reicht ja auch für mindestens ein ganzes Leben. Als die Lemonheads schließlich ihn zum Sänger erkoren, machte er die Band zu MTV-Stars: Das Album It’s A Shame About Ray von 1992 ist ein Klassiker, mit Evergreens wie Confetti, Rudderless, My Drug Buddy – und dem Cover des Simon-and-Garfunkel-Gassenhauers Mrs. Robinson, dessen Erfolg den Songwriter nachhaltig kränkte. Es folgten Platten wie das unterschätzte Car Button Cloth von 1996 und sein einziges richtiges Soloalbum Baby, I’m Bored (2003). Wer den Mann in den letzten Jahren häufiger live gesehen hat, sah bedröhnte Konzerte des Teilzeit-Junkies, bocklos durchgepeitschte Sets oder – wie 2012 beim Rolling-Stone-Weekender – einen zu Herzen gehenden Akustik-Abend. Er kann’s doch.

Text: Michael Weiland

 

Black Metal modern

Brille statt „corpse paint“: Mit Downfall of Gaia und Der Weg einer Freiheit präsentieren sich zwei aktuelle Bands des Genres live im Logo.

Black Metal macht sich wieder breit. Was Anfang der 1990er als reine Lehre vorwiegend aus Norwegen über den Rest der Welt schwappte (und für einen vorerst letzten Schock in der Popmusik sorgte – inklusive Neonazis und Okkultismus sowie Mord und Totschlag), hat sich in den vergangenen 20 Jahren musikalisch mehrfach diversifiziert, indem hier auch Elemente aus Metal-fremden Genres Einzug erhielten. „Post-Black-Metal“ und „Blackgaze“ sind nur zwei Stichworte in diesem Zusammenhang. Im Logo präsentieren sich am 22. März zwei Bands, die ebenfalls zur neueren und wahrscheinlich eher undogmatischen Black-Metal-Schule zählen. Bart und Brille anstatt Kruzifix und corpse paint: Downfall of Gaia kommen aus Berlin, Hamburg und New York. Sie sind beim legendären Metal-Blade-Label unter Vertrag, ihr Sound gilt als innovativ. Die zweite Band nennt sich Der Weg einer Freiheit (was ja eher „Hamburger Schule“ und NDW assoziieren lässt) und kommt aus Würzburg. Ihr neues Album Stellar steht ab sofort in den Läden. Wer wissen möchte, wie sich moderner Black Metal aus deutschen Landen im Jahr 2015 anhört: Dieser Abend wäre eine Gelegenheit.

 

Your Army

Heute auf Club-Tour, morgen auf großen Festival-Bühnen: Vier Briten eifern Vorbildern wie Skunk Anansie und Guano Apes nach.

Your Army kommen aus England und sind einer dieser Formationen, die aus drei hart rockenden Männern im Hintergrund und einer Frontfrau mit enormer Stimme bestehen. Deswegen werden die vier Briten hier und dort gern in einem Atemzug mit Guano Apes und Skunk Anansie genannt. Ein Mitglied letzterer Band produzierte das aktuelle Album von Your Army, das gerade neu auf dem Markt ist. Es trägt den Titel Sicker Than Us und knallt ganz amtlich, enthält aber auch unverzerrte und sehr melodiöse Momente. Zurzeit befindet das Quartett auf Club-Tour durch Deutschland. Und es ist anzunehmen, dass auch der eine oder andere Festival-Gig im Sommer folgen wird. Sollte alles nach Plan laufen, gewinnt die Band dadurch eine Menge Fans dazu. Dann sieht man sich im nächsten Jahr wieder – allerdings im großen Saal der Markthalle.

 

„Die tote Stadt“

Eine unglückliche Liebesgeschichte in Brügge – Premiere ist am 22. März. Weitere Vorstellungen finden am 25., 28. und 31. März statt.

Regenwetter, dunkle Straßen und Kanäle. Nein, die Geschichte spielt nicht in Hamburg. Schauplatz dieser unglücklichen Lovestory ist Brügge, die der Protagonist als Die tote Stadt erlebt – ein Spiegelbild seiner Seele: Paul hat sich nach dem Tod seiner über alles geliebten Frau Marie ins flandrische Brügge zurückgezogen. Dort trifft er die Tänzerin Marietta, die Marie zum Verwechseln ähnlich sieht. Fortan soll sich die Lebendige in die Verstorbene verwandeln, Kleider der Toten helfen beim Selbstbetrug. Erwartungsgemäß wird die Illusion bald brüchig, denn die Ersatzfrau weicht von der ihr zugedachten Rolle als Kopie ab… Die tote Stadt machte den 23-jährigen Komponisten Erich Wolfgang Korngold nach der Uraufführung 1920 mit einem Schlag berühmt. Die Opern des österreichischen Wunderkinds gehörten damals (neben jenen von Richard Strauss) zu den meistgespielten im deutschsprachigen Raum. Doch der jüdische Künstler musste vor den Nazis in die USA fliehen – und machte dann dort Karriere: vier Oscar-Nominierungen und zwei Oscars für seine geniale Filmmusik.

Text: Dagmar Ellen Fischer

 

„Die Sehnsucht…

…der Veronika Voss“: Thalia-Ensemblemitglied und TV- und Kinostar Victoria Trauttmansdorff könnte als alternde Filmdiva nicht schöner scheitern.

Bastian Kraft ist Regisseur und Bilderzauberer, der es liebt, anhand von Videoprojektionen auf der Bühne mit Illusion und Wirklichkeit zu spielen – zuletzt in der hochgelobten Inszenierung des Käthchens von Heilbronn. Die Sehnsucht der Veronika Voss ist eine Hommage an Rainer Werner Fassbinder, der die Figur der Veronika Voss an der Biografie des ehemaligen UFA-Stars Sybille Schmitz angelehnt hat, die sich nach dem Ende des Dritten Reiches vergeblich um ein Comeback bemühte. Victoria Trauttmansdorff – bekannt unter anderem aus dem Tatort oder aus Hannah Arendt – liebt es, Frauen mit Abgründen zu spielen: „Ich bin keine Heldendarstellerin. Die Zerrissenen, Zukurzgekommenen haben mich immer viel mehr interessiert als die Naiven“, sagte Trauttmansdorff kürzlich in einem Interview. Aber auch wenn Veronika scheitert, so scheitert sie mit Glamour. Premiere ist am 22. März. Weitere Vorstellungen gibt es am 31. März sowie am 17. und 21. April.

 

Bilderbuch

Die vier Wahl-Wiener begeben sich auf ihre erste Headliner-Tour durch Deutschland. Ihr Konzert am 22. März im Mojo Club ist bereits ausverkauft.

Dass man nach Falco Österreich als Herkunftsland für Popmusik weitgehend links liegen gelassen hat, erweist sich als schwerer Fehler (oder zumindest als kleines Versäumnis). Erst Ja, Panik, neulich Wanda, dazwischen grätschten Bilderbuch: Eine sexy Indie-/Elektropopgruppe mit herrlich unbescheidenem Auftreten und ausreichend tollen Songs, damit sie das dürfen. Nach Nelken & Schillinge von 2009 und Die Pest im Piemont (2011) ist nun kürzlich ihr neues Album erschienen. Es heißt Schick Schock und befindet sich (mit den bereits bekannten Hits Plansch und Maschin) zurzeit auf Platz 1 der österreichischen Album-Charts. Jetzt ist die erste Headliner-Tour durch Deutschland fällig. „Es gibt zu wenig Sex in der deutschsprachigen Musik“, behaupten die vier Wahl-Wiener vollmundig. Mal schauen, ob es nach dieser Tour anders aussieht.

 

20 Years …

…of professional Djing-Party: Raven wie in den Neunzigern – mit Oliver Lieb, DJ Talla 2XLC und Sunbeam im Edelfettwerk.

Wenn es bei den folgenden Namen im Gedächtnis klingelt, hat man mit Sicherheit schon einige Feierjahre auf dem Buckel. Palladium, EFX, U.N.I.T. dürften den meisten unter 30-Jährigen wohl eher keine Begriffe sein. Dabei gehören sie zu den Clubs, die in den neunziger Jahren elektronische Musik nach Hamburg brachten. Im Edelfettwerk können heute alle Raver von damals in die Zeitmaschine steigen und zu den Sounds der frühen Techno-Jahre abfeiern. Und weil die Veranstalter der 20 Years of professional Djing-Party großen Wert auf Authentizität legen, ist auch das Line-up mit u.a. Oliver Lieb, DJ Talla 2XLC oder Sunbeam ungefähr so besetzt, als würden wir uns Mitte der Neunziger, der goldenen Ära des Technos, auf einem G-Move-Wagen befinden. Bleibt nichts anderes zu sagen als: Hands up!

Text: Ole Masch

 

King Kong

Die Hamburger Kinderbuchautorin Kirsten Boie wird 65 Jahre alt – und stellt bei der Gelegenheit gleich den langersehnten neuesten „Möwenweg“-Band vor.

King Kong war für mich lange Zeit nicht der berühmte Riesenaffe, sondern, ganz klar: ein Meerschwein. Es gehörte dem Jungen Jan-Arne und gemeinsam erlebten sie die spannendsten Abenteuer. Nachdem ich Kirsten Boies Geschichten vom Reise-, Krimi- und Liebesschwein gelesen hatte, stand für mich schnell fest: Hamster sind doof, Meerschweinchen cool! Vor allem die langhaarigen, kuscheligen. Ich bekam auch eins und nannte es, natürlich, King Kong. Bestimmt ist es vielen, vielen Kindern seitdem genauso ergangen. Und wenn sie kein Meerschweinchen wollten, dann hatten sie vielleicht den Traum, so mutig zu sein wie der kleine Ritter Trenk oder das Piratenmädchen Seeräubermoses. Mitte der achtziger Jahre begann die Hamburgerin Kirsten Boie, Kinderbücher zu schreiben. Damals arbeitete sie noch als Lehrerin. Weil sie gemeinsam mit ihrem Mann ein Kind adoptieren wollte, musste sie ihren Beruf aufgeben – so verlangte es das Jugendamt. Heute wäre das zu Recht Anlass für einen kollektiven Aufschrei. Andererseits hätte Kirsten Boie dann vielleicht auch nie beschlossen, Schriftstellerin zu werden. Es hätte keine über 100 Kinder- und Jugendbücher gegeben, die nicht nur von wilden Abenteuern erzählen, sondern auch davon, wie es ist, sich allein, überfordert, ängstlich zu fühlen. Kirsten Boie wäre auch nicht mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet worden und keine Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Also, alles richtig gemacht. Und so feiert die Schriftstellerin im März zusätzlich zum 65. Geburtstag auch noch 30-jähriges Jubiläum als Autorin. Und ihr neuestes Buch Ferien im Möwenweg. Deshalb: Herzlichen Glückwunsch und Danke für King Kong!

Text: Julia Braune

 

Dusty Donuts

Funk und Soul, meisterhaft serviert: Die DJs Marc Hype, Jim Sharp, Naughty NMX und Runex feiern ihre Record-Release-Party im Mojo Club.

Rund, handlich, Loch in der Mitte – kapiert? Das titelgebende Gebäck des Labels Dusty Donuts hat durchaus was mit 7-Inch-Vinyl, also Single-Schallplatten, gemein. Und auch wenn die Scheiben nicht gefuttert werden, sind sie doch ziemlich lecker. Hinter dem Label stecken die vier DJs Marc Hype, Jim Sharp, Naughty NMX und Runex, unterwegs zwischen London, Hamburg und Berlin. Im Mojo feiert das Quartett Label-Night und Record-Release-Party, aufgelegt wird ausschließlich mit Vinyl auf 45 Umdrehungen pro Minute: viel Funk und Soul für anspruchsvolle Freunde der Tanzmusik, meisterhaft gemixt und gescratcht. Die Feier am 21. März steigt anlässlich der Veröffentlichung der dritten Single des Labels. Die ersten zehn Gäste, die am Einlass eine 45-Vinyl-Single abgeben, erhalten zum Tausch eine der streng limitierten Dusty-Donuts-Singles (kosten sonst 15 Euro) und freien Eintritt.

Text: Michael Weiland