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Lamb

Das nord-englische TripHop-Duo präsentiert die Tracks seines neuen Albums „Backspace Unwind“ live im Mojo Club.

In den Neunzigern bezog das nord-englische Duo Lamb seine Spannung aus den beiden Polen Andy Barlow und Louise Rhodes: Er programmierte harsche Beats, über die sie beeindruckend unbeeindruckt sang. Damit füllten sie mehrere erfolgreiche Alben und konnten so manchen Track auch in der Werbung unterbringen (zum Beispiel in Clips für Opel und Audi sowie für das PC-Spiel Tomb Raider). Nach einer Pause von mehreren Jahren, in denen sich Barlow und Rhodes ihren jeweiligen Solokarrieren widmeten, sind die beiden seit 2010 wieder eine Band, die auch noch so klingt, als würde sie endlich wieder an einem Strang ziehen. Das macht die Tracks zwar etwas weniger spannend, als Elektropop-Duo mit neu gefundener Harmonie klingen Lamb aber auch 2014 ausgezeichnet. Das gilt vor allem für das aktuelle Album Backspace Unwind – und hoffentlich auch für ihre Live-Darbietung im Mojo Club.

 

DJ ND

Saturday Night Wildstyle: Der DJ und Turntable-Virtuose zeigt sein Können am 29. November im Moondoo. Zweiter Plattendreher des Abends: Miami Nice.

Als Resident der Brüsseler Radioshow Extravadance und Einheizer von Shows von Rihanna, Nas, Kelis, Fatman Scoop oder Avicii dürfte DJ ND sehr genau wissen, was er tut. Neben seinen technischen Skills an Mixer und Plattenspielern spielt der Mann, der unter anderem Jazzy Jeff und Gang Starrs DJ Premier zu seinen Einflüssen zählt, auch in punkto Selection ganz vorne mit. Rap, RʼnʼB, Electro, Dubstep und Trap sind die Säulen seiner energiegeladenen Sets, die er weltweit zum Besten gibt. Seine eigenen Produktionen erscheinen auf Hardfunk-Records. Außerdem teilt er sein Turntable-Wissen mit anderen: An der neu gegründeten ND Academy (und heute live vor Ort), können sich Nachwuchs DJs Skills beim Champion abgucken. Nicht ohne Grund lautet das Motto des Abends Saturday Night Wildstyle. Mit von der Partie ist neben DJ ND auch Miami Nice aus St. Pauli.

Text: Gaby Olofson

 

Von Spar

Die Kölner haben ein neues Album: „Streetlife“ legt sich, wie gewohnt, musikalisch nicht fest. Den Beweis gibt es am Freitag im Pudel Club.

Von Spar können alles sein, was du willst. Und sind im entscheidenden Moment vermutlich immer wieder etwas anderes, als du erwartet hast. Ein Chamäleon, das sich perfekt angepasst durch die Musikstile der letzten Jahrzehnte schleicht, vorbei an Electropunk, Pop, Indie- und Krautrock, um im nächsten Moment auf Discobeleuchtung umzustellen und zu tanzen (entgegen dem Vorurteil, Chamäleons könnten das nicht). Mit Streetlife haben die Kölner von Von Spar beim Berliner Label Italic Recordings nun ihr viertes Album veröffentlicht, das sie im Pudel Club live präsentieren. Dort passen sie schließlich hervorragend hin, in die zugekritzelte Experimentierbude. Um dem Abend noch einen passenden Hut aufzusetzen, betritt im Anschluss Richard Fearless (kennt man als eine Hälfte des Duos Death In Vegas) die Bühne.

Text: Miriam Mentz

 

„Welt-Klimakonferenz“

Vor dem internationalen Gipfel im Dezember simuliert das Künstlerkollektiv Rimini Protokoll mit Experten aus Forschung und Politik im Schauspielhaus das „Hauen und Stechen“.

„Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel spürt. Und die letzte, die etwas dagegen tun kann“, sagte US-Präsident Barack Obama im September 2014 beim Sondergipfel der UN zum Klimaschutz in New York. Das weiß mittlerweile jedes Kind. Getan wird aber global zu wenig, um den Prozess tatsächlich aufzuhalten. Die nächste Chance für ein Abkommen bietet die internationale Klimakonferenz im Dezember 2014 in Perus Hauptstadt Lima. 190 Nationen versuchen da, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Dieses Großereignis folgt seinen eigenen Regeln – oder, bringen wir es auf den Punkt: Das ist das reinste Hauen und Stechen. Da wird um Zahlen und Formulierungen gerungen und in Grüppchen, neben dem großen Plenum, werden die Geschäfte abgeschlossen. Das Künstlerkollektiv Rimini Protokoll spielt so eine Konferenz beispielhaft auf der Bühne des Schauspielhauses nach. Drei politische Wochen fassen sie zu einer dreistündigen, modellhaften Simulation zusammen. Die Zuschauer werden zu Delegierten, gehen in kleinen Gruppen durch das Theater zu länder- und themenspezifischen Meetings. Zwanzig Experten aus Klimaforschung (wie dem Max-Planck-Institut), Politik und gesellschaftlichen Organisationen führen die Gäste und klären auf: Wie läuft die Konferenz ab? Welche Delegationen sind die Blockierer von Entscheidungen? Wer will was?

Text: Lena Frommeyer

 

Die Zimmermänner

Die Hamburger Intelligent-Pop-Institution um Detlef Diederichsen, Rica und Timo Blunck tritt im Hafenklang auf. Das Konzert ist ausverkauft.

Verve, Charme und ein Hauch von jugendlicher Unbeschwertheit: Mit Ein Hund namens Arbeit ist den Zimmermännern – immerhin schon seit 1980 mit längeren Unterbrechungen aktiv – ein wirklich tolles neues Album geglückt, das überwiegend beschwingte Instrumentierung und die Weisheit des Alters in zwölf frechen Popsongs vereint. Stark. Auch schön: das Fünf-CD-Boxset Die Wäscheleinen waren lang, welches das Schaffen der Zimmermänner von 1980–1984 zusammenfasst. Beide Tonträger sind beim Hamburger Label Tapete erschienen. Anlässlich dieser Veröffentlichungen treten Die Zimmermänner am 28. November im Hafenklang auf. Das Konzert ist jedoch ausverkauft. Wer die Band dennoch sehen möchte, sollte sich rechtzeitig Karten für den Auftritt am 10. Januar 2015 im Nachtasyl besorgen.

 

„If We Ruled The World“

Migration und Globalisierung sind die Themen des Theaterkollektivs Hajusom, das in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag mit einem Fest auf Kampnagel feiert.

Zum Hajusom-Netzwerk gehören rund 55 junge Menschen unterschiedlicher Herkunft, die mit internationalen Künstlern bereits zahlreiche Produktionen auf die Bühne brachten. Seit Jahren zeigt das Theaterkollektiv, das sich mit Migration und Globalisierung auseinandersetzt, wie transnationales Theater funktionieren kann. Ende dieses Jahres fahren sie nach Burkina Faso, um mit den Künstlern aus Ouagadougou eine Produktion zu entwickeln, die im März 2015 auf Kampnagel zu sehen sein wird. Zunächst gilt es jedoch, für Hajusom die Erfolge des Jahres 2014 zu feiern: ihren 15. Geburtstag und den mit 20.000 Euro dotierten Max-Brauer-Preis, mit dem sie für ihr kulturelles Engagement ausgezeichnet wurden. Außerdem hat Hajusom im Verlag Theater der Zeit das Buch Masters of Paradise veröffentlicht, das sich mit dem modernen Nomadentum auf und hinter der Bühne auseinandersetzt. Das nehmen die jungen Theatermacher zum Anlass, um ein politisches Festival unter dem Motto Migration-Flucht-Utopie auf die Beine zu stellen. Neben Konzerten, einer Rauminstallation und einer Kinovorstellung stehen Diskussionsrunden und Kunstaktionen im Freien auf dem Programm sowie eine Gala-Performance.

Text: Natalia Sadovnik

 

„Züri brännt“

Punk, Protest und Straßenschlachten: Das Lichtmeß-Kino zeigt eine Videodokumentation über den heißen Sommer 1980 in Zürich.

Jugendunruhen in Zürich, 1980: Als damals der Umbau des Opernhauses mit 60 Millionen Franken subventioniert werden sollte, erlebte die Schweizer Bankenmetropole einen heißen Sommer. Der Opernhauskrawall war nur eine von zahlreichen 
Demonstrationen, Besetzungen und anderen Aktionen, mit welchen die Jugendlichen 
im „heißen Sommer“ 1980 gegen die „Behäbigkeit und den verstaubten Mief des 
konservativen Bürgertums in der Zwingli-Stadt“ aufbegehrten. In den Straßen von Zürich kam es zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen, die während eines Jahres immer wieder aufflammten. Züri brännt verkündete nicht nur ein Punk-Stück der Zürcher Band TNT, ebenso explosiv geriet die gleichnamige Videodokumentation. Ihre Darstellung der Straßenschlachten aus Sicht der Aktivisten und ihre fantasievollen Aktionen zur Unterwanderung der Hochkultur regten damals nicht nur zu ästhetischer Nachahmung an.

 

Tagebuchlesung

Der Verein Clubkinder bringt Menschen dazu, aus den Aufzeichnungen ihres Teenager-Ichs vorzulesen. Kelly Familie, Herzschmerz, Zoff – wir waren doch alle gleich…

Wenn man den Freund der besten Freundin geküsst hat, seinen Po zu dick und die Brust zu flach fand oder für den Sportlehrer schwärmte, dann schrieb man das als Teenager in sein Tagebuch. Mit einem Schnappschloss vor neugierigen Blicken geschützt lag das gute Stück versteckt im Jugendzimmer. Gibt es das wohl heute noch bei Heranwachsenden – ein klassisches Tagebuch? Oder bloggen die lieber? Wie auch immer… Regelmäßig lädt der gemeinnützige Verein Clubkinder zur Tagebuchlesung. Meist sitzen dann Mitglieder der Generation Y auf der Bühne und lesen vor, was ihr Teenager-Ich damals bewegte. Es wird peinlich, herzzerreißend, altklug – auf jeden Fall lustig. Die nunmehr 12. Ausgabe soll einem besinnlichen Motto gewidmet sein, die Einnahmen dienen (wie immer) als Spende dem guten Zweck. „Ich habe mich in Angelo Kelly verliebt.“ „Wenn einer in dich hineingucken will, außer ich, darfst du dich nicht aufmachen lassen.“ Man darf sich auf Sätze wie diese freuen. Vielleicht haben wir uns ja seitdem gar nicht so sehr verändert.

 

Kate Tempest

Spoken-Word-Poetry zwischen James Joyce und Wu-Tang Clan: Die 28-jährige Britin stellt ihr Debütalbum live im Molotow vor.

Wo hört Spoken-Word-Poetry auf und wo fängt Rap an? Der Übergang ist seit jeher fließend. Und spätestens seitdem sich Rap Ende der 1990er Jahre in alle möglichen musikalischen Richtungen weiterzuentwickeln begann und MCs über den HipHop-Tellerrand zu blicken gelernt haben, scheinen die Grenzen endgültig verwischt. Die 28-jährige Kate Tempest aus London ist auf dem weiten Feld der Wortkunst zu Hause. Literatur und Rap, James Joyce und der Wu-Tang Clan sind ihr gleich wichtig. Dass sie mit diesem freidenkerischen Ansatz den Ninja-Tune-Label-Ableger Big Dada für eine Plattenveröffentlichung gewinnen konnte, will da nicht weiter verwundern. So erschien dort kürzlich ihr Everybody Down betiteltes Debütalbum, das sie nun auf einer Europa-Tournee live vorstellt. Über ihren Zwischenstopp im Molotow freuen wir uns.

 

 

„Grotesken des Alltäglichen“

Vier Positionen am Rande des guten Geschmacks: Im Gängeviertel zeigen Künstler verstörende Absurditäten des täglichen Lebens. 

Die „Ästhetik des Absonderlichen“ hat es den vier KünstlerInnen angetan, die ab dem 27. November gemeinsam in der Galerie Speckstraße ihre Werke ausstellen. Die Bilder, Collagen, Skulpturen und Videos von Maaike Dirkx, Jens Rausch, Boje Arndt Kiesiel und Nino Svireli spüren den Verführungen der Konsumwelt und anderen Absurditäten des täglichen Lebens nach, „zitieren dabei teils ironisch, teils verstörend das unersättliche Verlangen nach ‚mehr'“ (Veranstalterinfo) und liefern Antworten auf Fragen wie: Warum ist die Cornflakes-Packung nicht nur für Kinder so verführerisch? Inwiefern stellen Plastik-Umverpackungen ein Spiegelbild unserer Zeit dar? Und warum steckt in jedem absurd-grotesken Dialog auch immer ein Moment der Poesie? Die Ausstellung läuft noch bis zum 6. Dezember.