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Seifenblasen

Ein Dutzend DJs und eine 30-Kilowatt-Anlage verwandeln das Gut Herwigshof südwestlich von Hamburg in eine idyllisch gelegene Rave- und Party-Zone.

Mitten im Grünen wird auf dem alten Gut Herwigshof (knapp 60 Kilometer südwestlich von Hamburg, kurz vor Sittensen) ein Wochenende lang die 30-Kilowatt-Anlage aufgedreht. Dann stehen recht angesagte DJs an den Plattentellern. Hamburg wird dabei genauso vertreten sein wie die Hauptstadt. Das aktuelle Line-up liest sich wie folgt: Kellerkind, Dan Caster, Niko Schwind, Dapayk Solo Live, Dirty Doering, Markus Meinhardt, Martin Landsky, Ante Perry, The Glitz, Molle aka Mollono.Bass, Fabian Reichelt & Raycoux Jr., Alex Klar, Sash96, Dimo, Deo & Z-Man, Doppeljott, Laika & Strelka, Monte. Weshalb der Festival-Name? Die ersten 200 Gäste kriegen am Eingang eine Seifenblasen-Pistole in die Hand gedrückt. Weitere „laugige“ Programmpunkte bleiben eine Überraschung.

Text: Lena Frommeyer

 

Yoga.Wasser.Klang

Lockeres Bodenturnen mit gutem Sound: Rund 50 Lehrer und Studios laden zum großen Wohlfühl-Festival ein.

Ein kollektives „Ommm…“ erklingt an diesem Wochenende rund um die „Klangmuschel“ und den „Marktplatz“ in Planten un Blomen. Bei der dritten Ausgabe des modernen Entspannungs-Festivals „Yoga.Wasser.Klang“ kommt die lokale und überregionale Yoga-Szene zusammen – 50 Lehrer und Studios gestalten das Mitmachprogramm, das neben klassischem Hatha- und poppigem Jivamukti-Yoga auch Pilates-, Qigong- und Taichi-Kurse sowie Lachmeditation zu bieten hat. Die meisten der 45- oder 90-minütigen Kurse sind mit einem „S“ gekennzeichnet, d. h. hier geht es „sanft“ zu, auch Anfänger dürfen sich also trauen. Ein buntes Treiben fernab von Esoterik-Klischees, dazu gibt es lässige DJ-Sounds unter anderem von Raphael Marionneau, außerdem Wasser- und Klanginstallationen, Kindervergnügen sowie ein Potpourri an vegetarischer und veganer Verpflegung.

Text: Lena Frommeyer

 

40 Jahre Logo

„Hamburgs lauteste Sauna“ begeht ihren 40. Geburtstag mit Konzerten von Copyshop, Lotto King Karl und den englischen Prog-Rockern Haken.

1974 wurde an der Grindelallee ein Möbelhaus zu einem Studentenlokal umgebaut, in dem gelegentlich Konzerte stattfinden sollten. Das ist nun schon ganz unglaubliche 40 Jahre her und zu Essen bekommt man hier als Gast schon lange nicht mehr. Vielmehr widmet sich der als Logo (oder auch „Schuhkarton am Grindel“ oder auch „Hamburgs lauteste Sauna“) bekannt gewordene Club Konzerten mit Rockmusik unterschiedlichster Ausrichtung. Diese Tradition will man anlässlich des runden Geburtstags feierlich an mehreren Abenden weiterführen. Zum Auftakt spielt am 29. August die Hamburger Party-Band Copyshop Hits von Nena, Westernhagen, BAP und Bon Jovi. Einen Tag später rocken Lotto King Karl und die 3 Richtigen mit einem Akustik-Set die kleine Logo-Bühne. Und am 31. August sind die englischen Prog-Rocker Haken zu Gast.

Text: Jannis Hartmann

 

1984 – ein Albtraum

Der große Bruder schaut immer noch überall zu: George Orwells höchst aktuelle Schreckensvision in einer Inszenierung von Konstanze Ullmer.

1984, George Orwells 1949 erschienene düstere Schreckensvision ist gegenwärtig ein Verkaufsschlager. Als das geheime PRISM-Überwachungsprogramm des US-Geheimdienstes NSA im Juni 2013 bekannt wurde, stieg das Buch in der Liste der meistverkauften Bücher bei Amazon in den USA auf Rang 66 und in Großbritannien auf Platz 42. Nun kommt die Geschichte rund um einen totalitären Präventions- und Überwachungsstaat in der Regie von Konstanze Ullmer auf die Bühne des Hamburger Sprechwerks. Man kann dann gespannt verfolgen, wie Orwells Protagonist Winston Smith versucht, der allgegenwärtigen Überwachung zum Trotz, seine Privatsphäre zu sichern – und daran scheitert. „Big Brother is watching you“ – womit Smith vor 30 Jahren in der Fiktion zu kämpfen hatte, ist heute aktueller denn je. Das wird man auch anhand der Theaterfassung von Pavel Kohout, einem tschechisch-österreichischen Schriftsteller und Politiker, nachvollziehen können, die tatsächlich im Jahr 1984 erstmals veröffentlicht wurde.

Text: Katharina Manzke

 

Zeitreise

Die Bücherhalle Wilhelmsburg feiert ihr 111-jähriges Jubiläum – mit Geschichten von Marco Moreno sowie Live-Musik von Ulrich Kodjo Wendt und Arne „Tingel“ Theophil.

Von den Nazis „gesäubert“, im Krieg zerstört, von der Sturmflut verwüstet – die Bücherhalle Wilhelmsburg hat eine lebendige Geschichte und schon einiges hinter sich. Mehrmals sollte sie schon aufgrund von Sparplänen geschlossen werden, doch jedes Mal protestierten die Anwohner. Nicht zuletzt, weil die Bücherhalle sich stark für Integration einsetzt. Im größten Stadtteil Hamburgs hat etwa die Hälfte der Bewohner einen Migrationshintergrund und bereits in den achtziger Jahren konnten sie in der Bücherhalle eine große Auswahl fremdsprachiger Bücher ausleihen, türkischsprachige Lesungen besuchen und sogar ein Internationales Kulturfest feiern. Neben Büchern in verschiedenen Sprachen gibt es Gesprächskreise für Nichtmuttersprachler, Computerkurse für Kinder und Hausaufgabenhilfe. Nun wird die Bücherhalle 111 Jahre alt und das gilt es zu feiern. Rezitator und Performer Marco Moreno, der für Lesungen vergessener Autoren und literarische Spaziergänge bekannt ist, erzählt Spannendes aus 111 Jahren Bücherhallengeschichte und nimmt das Publikum mit auf eine Zeitreise durch Wilhelmsburg. Musikalisch wird er von den Musikern Ulrich Kodjo Wendt und Arne „Tingel“ Theophil unterstützt.

Text: Natalia Sadovnik

 

März & Moritz & 1 Gast

Kritikerin Ursula März und Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, debattieren zusammen mit ihrem Gast Richard Kämmerlings über fünf belletristische Neuerscheinungen.

Der Literaturkritiker Richard Kämmerlings ist der Einladung gefolgt, als dritter Akteur der 13. Folge von März & Moritz & 1 Gast bei der literarischen Diskussionsrunde mitzuwirken. Als verantwortlicher Redakteur für Literatur in der Welt-Gruppe und Leiter der Literarischen Welt wird er sich an diesem Abend gewiss wie zu Hause fühlen. Viermal jährlich treten März und Moritz gemeinsam mit einem Gast in Aktion, um ohne Blatt vor dem Mund über fünf Novitäten auf dem belletristischen Literaturmarkt zu sprechen. Diese Abende sind bekannt dafür, voller leidenschaftlicher, direkter und unterhaltsamer, polemischer, feinsinniger und jubilierender Momente zu stecken. Besprochen werden im Literaturhaus am Schwanenwik dieses Mal die Titel Zwei Herren am Strand von Michael Köhlmeier, Pfaueninsel von Thomas Hettche, Es bringen von Verena Güntner, Arztroman von Kristof Magnusson sowie Die Interessanten von Meg Wolitzer.

 

Nelson Romero

Im Rahmen der Uruguayischen Kunst- und Kulturwochen zeigt die Galerie Kunststätte am Michel ausgewählte Zeichnungen und Fotos von der Fußball-WM 1930.

Mal ehrlich, was wissen wir schon über Uruguay? Klar, das Land liegt in Südamerika, war Austragunsgort der allerersten Fußball-Weltmeisterschaft und 20 Jahre später hat dessen Nationalmannschaft zum zweiten Mal die Copa nach Hause geholt. Aber sonst? Einige der noch bestehenden Wissenslücken können vielleicht während der Uruguayischen Kunst- und Kulturwochen, die vom 28. August bis zum 30. September in der Galerie Kunststätte am Michel stattfinden, geschlossen werden. Einer der Höhepunkte ist sicherlich die Ausstellung, die am 28. eröffnet wird und unter anderem eine Auswahl von Zeichnungen des renommierten Künstlers Nelson Romero zeigt. In der gleichen Ausstellung kommen aber auch Freunde des runden Leders auf ihre Kosten. Zu sehen sind nämlich auch Fotos von eben jener ersten Fußball-WM im Jahr 1930 (an der die deutsche Nationalmannschaft übrigens nicht teilnahm).

 

Momentaufnahmen #2

Der „Kampf der Künste“ präsentiert den Benefiz-Poetry-Slam zugunsten von „Hinz&Kunzt“ auf der Cap San Diego – Gäste: Marco von Damghan, Paul Fejfar und andere.

Nach dem erfolgreichen ersten Momentaufnahme-Abend am selben Ort organisiert die Veranstalter-Crew der allseits beliebten Reihe Kampf der Künste nun zum zweiten Mal einen Benefiz-Poetry-Slam zugunsten des Hamburger Straßen- und Obdachlosenmagazins Hinz&Kunzt auf dem illustren Museumsfrachtschiff Cap San Diego. Unter dem Motto „Momentaufnahme #2“ stellen sich diesmal Hamburger Wortakrobaten wie Marco von Damghan, Paul Fejfar, David Friedrich und Meral Ziegler dem Slam in der Luke 4 des Museumschiffes an der Überseebrücke. Moderiert wird der Abend – wie könnte es anders sein – vom Grand Seigneur der Hamburger Poetry-Slam-Szene, Michel Abdollahi. Einen kleinen Vorgeschmack auf diesen sicher amüsanten Momentaufnahmen-Abend gibt es in der Augustausgabe von Hinz&Kunzt: ein Porträt des Slammers Marco von Damghan.

 

Niels Frevert

Ehrliche Fälschungen und paradiesischer Pop: Der Singer/Songwriter aus Hamburg tritt im Schaufenster von Michelle Records auf.

Niels Frevert hat schon lange damit aufgehört, sich zu fragen: Darf man das? Der Hamburger Songschreiber nennt seine Lieder Einwegfeuerzeugstichflamme oder Waschmaschine; auf seinem neuesten Album lässt er ein UFO auf dem Dach vom Uebel & Gefährlich landen und sinniert über die Silbenzahl des Wortes Psychiatrie. Frevert darf das, weil er nicht nur die richtigen Schlagwörter, sondern auch die Geschichten dazu findet. Ein Glücksfall als Texter, als Musiker ein Könner – Paradies der gefälschten Dinge ist wieder in jenen warmen Bandsound gebettet, der seit Du kannst mich an der Ecke rauslassen (2008) Freverts Komfortzone ist. Dieses Paradies ist Popmusik mit Ecken, Kanten und Streichern – seine Fälschungen sind ehrlicher als anderer Leute Wahrheiten. Im Schaufenster von Michelle Records, Hamburgs vielleicht feinstem Plattenladen, werden die Songs weniger opulent vorgetragen als auf Platte – dafür gibt es ein intimes Konzerterlebnis (fast) auf Augenhöhe mit dem Publikum.

 

DJ Phono

Bei Deichkind setzt er auf grell und polternd, solo spielt er lieber die behutsam berechnenden Töne. Am Donnerstag holt DJ Phono Reiselustige im Pudel ab.

Gerade im Juli bespielte DJ Phono die S-Bahn-Station Hamburg Airport. Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musikfestivals, das sonst vorwiegend ein an klassischer Musik interessiertes Publikum anzieht, verwandelte er für einige Stunden den Bahnsteig zur Tanzfläche. Das passt. DJ Phono hat eine Vorliebe für besondere Orte und Umstände. Und weiß andersherum eben auch, wie man das Besondere aus Orten, Nächten und Stimmungen herauskitzelt. Sonst als Tour-DJ und Bühnenshow-Mastermind bei Deichkind tätig, hat er sich in den vergangenen Jahren verstärkt auch seinem persönlichen Werk gewidmet und 2011 sein Debütalbum veröffentlicht. Wie seine Liveshows tänzelt dieses auf einem sorgsam aufgezogenen Spannungsbogen. Wo es bei Deichkind rumpelt und überdreht, setzt DJ Phono bei seinem Solowerk lieber auf das, was im Inneren langsam aufzublühen vermag. Er holt einen ab, wo man steht, und ohne, dass man den Übergang wirklich bemerkt hätte, findet man sich lauschend oder tanzend im Sog wieder.

Text: Miriam Mentz