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A Wall Is A Screen

Manche Häuserfassade sieht trostlos aus. Große, rissige Flächen von ergrautem Putz ignoriert man lieber, eilt an ihnen vorbei. Oder man rückt sie für einen Abend ins rechte Licht, lässt via Projektor Geschichten auf ihnen tanzen. Bei der mobilen Filmveranstaltung A Wall Is A Screen werden Gemäuer zur Leinwand – in der Gruppe ziehen die Teilnehmer durch die Stadt, um Filme, Vorführformat und Architektur miteinander zu synchronisieren. Am 24. Mai widmen sie ihre Tour Zurück in die Zukunft dem 30. Geburtstag des KurzFilmFestivals Hamburg mit einer Format-Retrospektive. Nostalgie und Wehmut schwingen in ihrer Erklärung mit: „Viele Orte, an denen A Wall is a Screen schon einmal Filme gezeigt hat, gibt es mittlerweile nicht mehr.“ Bevor es auch den Variationen an Filmformaten so ergehe, wolle man Super-8, 16mm, 35mm und VHS mit Original-Technik noch einmal zum Leben erwecken. Als Kulisse dient diesmal das Industriegebiet zwischen Stresemannstraße und Diebsteich in Altona mit seinen Gewerbehöfen, die nach und nach von Kultur und (Kreativ-)Wirtschaft bezogen werden.

Text: Lena Frommeyer

 

Stadtfest St. Georg

Der Stadtteil gilt ja eh als ziemlich lebhaftes Pflaster. Zwischen Hansaplatz und Schauspielhaus, indischem Supermarkt und Refugee-Camp, Schwulenbars und Rotlicht steigt am 24. und 25. Mai ein Stadtfest. Zwei Bühnen werden in St. Georg aufgebaut – die Kulturbühne auf dem Carl-von-Ossietzky-Platz ist Plattform für Stadtteilkultur und Bands wie die Rock-’n‘-Roll-Blues-Punker Der Fall Böse aus St. Pauli, die am Samstag um 20.15 Uhr spielen. Die Pepe Newcomerbühne (Lange Reihe/Ecke Baumeisterstraße) ist für Nachwuchsbands aus Hamburg und Umgebung reserviert – beispielsweise am Sonntag um 15 Uhr für das Singer-Songwriter-Duo Gutbier & Vogeler (Foto). An beiden Tagen reihen sich in der Baumeisterstraße von 10 bis 18 Uhr die Flohmarktstände aneinander. Liebe Fußballfans: Am Samstag steht ein Bierwagen mit Bildschirm an der Straßenecke Lange Reihe / Schmilinskystraße und zeigt das Champions-League-Finale ab 20.45 Uhr. Wer ab 23 Uhr weiterfeiern möchte, steuert die Aftershowparty POP-Kantine mit dem Berliner Travestiekünstler Ades Zabel im Deutschen Schauspielhaus an. Das vollständige Programm gibt’s hier.

Text: Lena Frommeyer

 

Dieter Meier „singt“

Erst Jurist, Banker und Berufspokerspieler, dann Konzeptkünstler, Darsteller und Sänger (besser gesagt: Vokalist) bei den Elektro-Pop-Pionieren Yello, schließlich Bio-Bauer, Rinderfarmer und Winzer. Dieter Meier hat in den letzten 50 Jahren so einiges angestellt und dabei – zumindest als öffentliche Person – stets eine gute Figur gemacht. Kaum zu glauben, aber wahr: Mit schlappen 69 Jahren hat der gebürtige Schweizer sein erstes Solo-Album heraus gebracht. Es heißt Out of Chaos und der Titel dürfte alles andere als biografisch gemeint sein – scheint der Mann sein Leben doch relativ gut im Griff zu haben. Erstaunlicherweise begibt sich das kauzige Multitalent, das bisher nur selten als Live-Sänger zu sehen war, nun auf Tournee, um sein neues Werk vorzustellen. Darauf darf man gespannt sein. In diesem Fall gilt: Je normaler der Konzertabend verläuft, desto größer die Überraschung.

Text: Michele Avantario

 

Nirvana-Party

Am 5. April 1994 nahm sich Kurt Cobain im Alter von 27 Jahren mithilfe einer Schrotflinte das Leben. Drei Jahre zuvor war ihm mit der Gruppe Nirvana der weltweite Durchbruch gelungen. Damit nicht genug, ließ ihn der Hit Smells Like Teen Spirit unfreiwillig zum Sprachrohr einer ganzen Generation aufsteigen. Dieser von Cobain selbst skeptisch betrachtete Kult wirkt bis heute nach – und zwar nicht nur bei altgewordenen Grunge-Rockern, die Anfang der neunziger Jahre ihre beste Zeit hatten, sondern auch bei erstaunlich vielen jungen Leuten, die damals gerade erst gezeugt werden mussten. So ist es kein Wunder, dass bei entsprechenden Veranstaltungen auch heute noch langhaarige Knirpse in Nirvana-Shirts zu sehen sind. Und man kann davon ausgehen, dass der Altersdurchschnitt bei der Nirvana-Party im Kaiserkeller nicht über 35 Jahren liegt. Wetten?

Text: Michele Avantario

 

Elbjazz-Festival

Natürlich geht es beim Elbjazz hauptsächlich um den zweiten Wortbestandteil, aber der Fluss im Titel hat schon seine Berechtigung: Ein schöneres Jazz-Festival wird sich in Deutschland kaum finden. Hauptanziehungspunkt des über den gesamten Hafen ausgebreiteten Veranstaltungsgebiets ist sicherlich das Gelände von Blohm + Voss, wo auch die Hauptbühne steht – zu erreichen mit einer schaukeligen Barkassenfahrt oder durch den Alten Elbtunnel. Dieses Jahr sind unter anderem Soul-Überflieger Gregory Porter und die norwegische Sängerin Rebekka Bakken zu Gast an und auf der Elbe. Mehr als 40 weitere Künstler sind bestätigt, darunter Dianne Reeves, Hugh Masekela, Avishai Cohen, Raul Midón, Raphael Gualazzi, Ulita Knaus, Girls In Airports, das Andromeda Mega Express Orchestra sowie die Hamburger Free-Jazz-Formation PiHo HuPo.

Text: Michael Weiland

 

Europe, the City Is Burning

Die Stadt verändert sich – baulich, sozial und politisch. Das internationale Symposium Europe, the City Is Burning bietet Raum für die Diskussion von Veränderungsprozessen im Urbanen und ist Eröffnungsveranstaltung des Projekts Stadtkuratorin Hamburg, welches das Programm Kunst im öffentlichen Raum von 1981 neu ausrichten soll. Im Fokus steht an drei Tagen die Frage: „Welche Konzepte von Öffentlichkeit und Raum bringen künstlerische Praktiken heute hervor?“ Gegenstand sind dabei die Entwicklungen der Stadt Hamburg, aber auch die Rückeroberung der Stadt als demokratischen Raum durch zivilgesellschaftliche Bewegungen, wie man sie in Athen oder Istanbul beobachten konnte. Am Freitag ab 19 Uhr referieren der Künstler Lawrence Weiner (New York, Amsterdam) und Ute Meta Bauer, die Direktorin des Centre for Contemporary Art an der Nanyang Technological University in Singapur. Am Sonntag um 14 Uhr spricht der Hamburger Künstler Christoph Schäfer über die Gezi Park Fiction. Das vollständige Programm finden man hier.

Text: Lena Frommeyer

Das Projekt findet  unter der künstlerischen Leitung von Kuratorin Sophie Goltz statt. 

Lawrence Weiner: The means to answer questions from Louisiana Channel on Vimeo.

 

Schimmelpfennigs „SPAM“

Der Blödsinn, den man täglich in sein Handy plappert oder den man von seinen Mitmenschen in Bus und Bahn mithört, ist ärgerlich. Wirklich abartig ist allerdings, unter welchen Bedingungen Mobiltelefone produziert werden: Das für die Funktionsfähigkeit nötige Erz Coltan wird in Afrika unter menschenunwürdigen Voraussetzungen abgebaut. „Kein Blut im Handy“, fordern zudem Menschenrechtsorganisationen, die kritisieren, dass mit dem erwirtschafteten Geld der Bürgerkrieg in Krisengebieten wie dem Kongo „gefüttert“ wird. Roland Schimmelpfennig, einer der bekanntesten deutschen Gegenwartsdramatiker, beleuchtet in SPAM beide Seiten: Während die einen in der Coltan-Grube verschüttet sind, fahren die anderen in einer U-Bahn in ihr Unglück. Das Bühnenbild für die Auftragsarbeit für das Schauspielhaus kommt von Altmeister Wilfried Minks.

Text: Hanna Klimpe

 

Wolfskinder

Wer nicht von seinen Eltern, sondern von einem Rudel Wölfen in der Wildnis aufgezogen wurde, den nennt man Wolfskind. Jeder von uns kennt mindestens eine Geschichte über diese verlorenen oder verstoßenen Kinder. Aber nicht nur im Märchen, auch in der realen Welt fehlt es dem Nachwuchs manchmal an sozialen Kontakten, an Bezugspersonen, an einem stabilen Zuhause. Der Fotograf Fabian Weiß porträtierte Jugendliche, die in instabilen Verhältnissen aufwuchsen. Viele von ihnen sind heute verhaltensauffällig und vorbestraft, leben in Heimen, in Pflegefamilien, aber auch Arrestanstalten oder auf der Straße. Er besuchte die Jugendlichen in Einrichtungen, die oft abseits der großen Städte liegen, manche werden gar in Polen oder Schweden untergebracht – weit weg von ihrer Heimat. Dann heißt es: raus aus der Stadt, rein in die tiergestützte Therapie auf dem Bauernhof wie bei dem 15-jährigen Felix (Foto), der auf dem Hof seiner Pflegefamilie in Mecklenburg-Vorpommern „Hühner fliegen lässt“. Die Fotografien der Reihe Wolfskinder, die Fabian Weiß ab dem 22. Mai in der Freelens Galerie ausstellt, kommen keiner kitschigen Sozialreportage gleich. Sie zeigen die Jugendlichen in banalen Alltagssituationen.

Text: Lena Frommeyer

 

Die Wahrheit über …

Lars Dahms und Sven Amtsberg wirbelten in den Archiven der Stadt ordentlich Staub auf, um die Geschichten Hamburger Stadtteile zu recherchieren. Diesmal erzählen die Stadtführungsentertainer Die Wahrheit über Hammerbrook. Das war nämlich so: Über dem Stadtteil kreisten einst gleichnamige Riesenvögel – halb Hammerhai, halb Bär, halb Vogel. Der Hammerbrook war ein sehr tollpatschiger Vogel, der sich bei seinen Landemanövern im dicht besiedelten Stadtgebiet selbst verletzte und auch Gebäude zerstörte. Aus Angst versuchte er, auf das Landen zu verzichten, und kreiste so lange am Himmel, bis er vor Erschöpfung zu Boden fiel, Hausdächer durchschlug, Passanten unter sich begrub oder die Elbe staute. Deshalb baute man Hochhäuser, auf denen die Vögel besser landen konnten. Weil die Tiere aber dennoch dumm waren, vergaßen sie, sich zu paaren und starben aus. Um dieses fast vergessene Kapitel der Stadtgeschichte zu ehren, ziehen Lars Dahms und Sven Amtsberg am 22. Mai in Kostümen durch den Stadtteil und suchen mit ihren Gästen nach Spuren der Existenz des majestätischen Vogels. „Es wird melancholisch“, versprechen die beiden.

Text: Lena Frommeyer

Treffpunkt: S-Bahn Hammerbrook, Ausgang Frankenstraße

 

HFBK im Westwerk

Über Musik zu schreiben sei ungefähr ebenso sinnlos wie zu Architektur tanzen zu wollen, hat jemand Schlaues mal gesagt. Und wie steht’s mit der Bildenden Kunst? Dort werden in der Regel viele Worte verloren, wenn es um die Konzepte der Künstler und ihre Werke geht. Denn wenn sich ein Werk nicht von selbst erschließt, können ein paar erklärende Worte fürs Verständnis sehr hilfreich sein. Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen, dann stiften Worte noch mehr Verwirrung: „Dehnt sich der Moment der kosmischen Gestalt, so war sie schon Form. Ist die Form eine sichtbare Idee, war sie schon Skulptur. Wird eine Form zur Skulptur, ist sie schon lange Urwasser. Urwasser leuchtet.“ Okay, meinetwegen … Bis Ende Mai sind im Westwerk ausgewählte Arbeiten der Klasse von Prof. Pia Stadtbäumer (HfBK) unter dem Motto be water, my friend zu sehen. „Gemeinsam ist diesen Arbeiten ihre thematische Beschäftigung mit einer Momentaufnahme des kosmischen Zusammenspiels der Welt.“ Na, dann – auf einen Drink am schönsten Tresen der Stadt lohnt sich der Besuch allemal.

Text: Michele Avantario

Ausstellung bis 31. Mai