15 Künstler beschäftigen sich im Gängeviertel mit dem, was von der Liebe übrig blieb. Die Ausstellung läuft noch bis zum 27. Juli.
Kein Weg ging 1983 an Pat Benatars Mega-Hit Love is a Battlefield vorbei, in dem sie, durchaus auf der Feminismuswelle der Zeit surfend, die Liebe als Schlachtfeld besang – und im Video dazu erst als Prostituierte arbeitete und dann einen Zuhälter langmachte. Ein Abgesang auf die Liebe ist auch die gleichnamige Schau im Gängeviertel, beziehungsweise auf deren Vermarktung, darauf wie Romantik, Emotionen und Sehnsüchte ohne jedes Gefühl vermarktet werden, durch die mediale Dauerschleife gedreht, wie sie instrumentalisiert werden und dabei ganz schleimig und klein. 15 Künstler hat Belinda Grace Gardener für die Störbilder der Liebe versammelt. Den Abgründen wird dabei ein ebenso großer Raum gegeben wie den Absurditäten, auf die emotionalen Trümmerfelder wird genauso geschaut wie auf die Glücksvision, auf das große Gefühl und das eventuelle Happy End. Das geschieht in Arbeiten von Carly May Borgstrom, die mit ihren Filmen bereits bei den Internationalen Oberhausener Kurzfilmtagen vertreten war, bei Cordula Ditz, deren Faible für Horrorfilme unübersehbar ist, ob dabei Schimmel dem Meer entsteigen oder rote Ballons fliegen oder in den abstract activism-Performances der Dänin Louise Vind Nielsen.
Text: Sabine Danek
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Die Band, die ein bayrisches Dorf namens Weilheim auf die musikalische Landkarte gesetzt hat, kommt für ihr zweites Hamburg-Gastspiel in die Altonaer Fabrik.
Die Langsamkeit haben The Notwist längst für sich entdeckt: Zwischen ihren Albenveröffentlichungen dehnt sich gerne mal ein halbes Jahrzehnt. Dabei hat die Band aus dem bayerischen Weilheim ursprünglich (gemeinhin schnelleren) Hardcore-Hintergrund. Die Lust am Krach äußert sich heutzutage eher in elektronisch-elektrischen Soundcollagen, ab und an springt auch noch einmal ein Indierock-Hit wie Kong dabei heraus (wo Console und die Acher-Brüder auf einmal wie die besseren Slut klingen, die ganz früher mal die schlechteren Notwist waren). Vor nur wenigen Wochen spielte die Band ein umjubeltes Konzert in der Laeiszhalle, kein schlechtes Ambiente für den geschmackvoll dekonstruierten Pop der Geräusch-Ästhetiker. Jetzt geht es aber wieder in den Club: In der Fabrik darf zu den Songs des aktuellen Albums Close To The Glass dann auch getanzt werden.
Text: Michael Weiland
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Kino der besonderen Art: Federico Fellinis „Schiff der Träume“ auf der Cap San Diego, im Original mit englischen Untertiteln.
Besser können Location und Thematik nicht ineinandergreifen: Die nomadenhaften Filmvorführer von Flexibles Flimmernnisten sich auf der Cap San Diego ein und zeigen Schiff der Träume (1983). Regisseur Federico Fellini katapultiert den Zuschauer ins Jahr 1914 – direkt zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs und auf den Ozeandampfer Gloria N, der vor Neapel die Leinen löst. An Bord begegnen ihm eine bunte Mischung Charaktere: Prinzen, ein krankes Nashorn, vornehme Damen, serbische Flüchtlinge und die Asche einer toten Operndiva, allesamt dem Untergang mit geweiht – genau wie das alte Europa? Fellini porträtiert die einzelnen Figuren und Ereignisse stets auf eine groteske, zum Teil ironische Art und Weise und mit beeindruckenden musikalischen Mitteln. Der Film wird im Originalton mit englischen Untertiteln gezeigt. Für themenrelevante Versorgung des leiblichen Wohls ist selbstverständlich auch gesorgt.
Beeindruckende Weltraumbilder unter freiem Himmel: Das Zeise Open Air zeigt den Science-Fiction-Film “Gravity“ im Altonaer Rathaus.
Gravity – das ist der Film, der im letzten Jahr all die Academy Awards gewonnen hat und der trotzdem kaum jemandem so recht gefallen hat. Aber vergessen wir die fragwürdigen (bis unrealistischen) Aspekte des Werkes und konzentrieren wir uns auf das, was den Film trotzdem sehenswert macht, und das sind all die eindrucksvoll gestalteten Bilder (Danke, visuelle Technik – dafür übrigens auch die Oscars). Die Ästhetik dominiert und so lässt sich der Zuschauer unweigerlich auf den langwierigen Überlebenskampf der Astronautin ein und erliegt der Spannung, die durch die paradoxe Gewissheit entsteht, dass jeder Atemzug Sauerstoff die Protagonistin dem Tod ein Stückchen näher bringt. Die Location, der Innenhof des Altonaer Rathauses unter freiem Himmel, unterstützt die Atmosphäre und Intensität der Narrative zusätzlich und macht die Vorführung zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Wer jetzt noch skeptisch ist: Da ist ja auch noch George Clooney …
Soul Music, WM-Finale auf Großleinwand und handgemachte Burger. Das Mojo übertreibt mal wieder maßlos – und das auch noch an einem Sonntag.
Es ist Sonntagabend: Nichts wie raus, unter Leute, und das WM–Finale zelebrieren. Oder doch lieber entspannt mit Soul-Sounds die Woche auf der heimischen Couch ausklingen lassen? Ein saftiger Burger mit Freunden wäre auch nicht schlecht… Aber warum überhaupt Abstriche machen, wenn man auch alles haben kann? Das Mojo trumpft am Endspiel-Sonntag mächtig auf und liefert ein Rundum-Sorglos-Programm der ganz feinen Art: Fútbol, Soul Music und Home-Made-Burger sind Hauptbestandteile von Love the team you’re with. Sportfans, Feinschmecker sowie Musikliebhaber und natürlich alle, die von allem etwas sind, kommen gehörig auf ihre Kosten. Grund genug, den Tatort mal Tatort und die Couch einfach Couch sein zu lassen und dem kultigen Untergrund-Club auf der sündigen Meile ausnahmsweise am Sonntag einen Besuch abzustatten.
Napoleon Murphy Brock, ehemaliges Mitglied von Zappas Mothers of Invention, führt die Musik seines Ex-Bandleaders live in der Katharinenkirche auf.
Ja, ja, ist schon klar: Frank Zappas Musik steht für ironische Klugscheißerei und arrogante Überheblichkeit. Auf ihn berufen sich mittlerweile schon mehrere Generationen, die den Spruch „Alles schon mal da gewesen“ leider fast schon zu Zappas Zweitnamen gemacht haben. Aber was kann schon der Musiker selbst für seine zum Teil unerträglichen Fans? Das Werk des Gitarristen, Bandleaders und Komponisten bleibt ein schier unerschöpflicher Haufen hochwertiger Akustik-Kunst – von den psychedelischen Anfängen über Jazzrock bis hin zu seinen Orchesterstücken, die Zappa kurz vor seinem Tod im Jahr 1993 realisierte. Zappas Musik ist es jederzeit Wert, aus dem Schrank geholt zu werden. Und wenn so kompetente Leute wie der ehemalige Zappa- und Captain-Beefheart-Weggefährte Napoleon Murphy Brock sie live zur Aufführung bringen, dann ist einiges zu erwarten. Brock zur Seite stehen am 16. Juli in der Katharinenkirche die American-European Mothers of Music und das String Trash Project. Auf dem Programm: Werke von Zappa, Hendrix, Gershwin, Schubert (!), Satie (!!) und J. S. Bach (!!!).
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Vier alte Jungs in Jeans, Oberhemden und V-Ausschnitt-Pullundern schmettern ihre Garagen-Beat-Punk-Soul-Nummern auf der Barkasse Hedi herunter.
Ihre Interessen: „Aale und spielen, spielen, spielen“. Musiker, die sie gut finden: The Monks, Jonathan Richman, Les Rita Mitsouko. So weit, so gut und ganz schön sympathisch. Die Spams sind vier Hamburger Herren im besten Alter, die davon überzeugt sind, dass die Welt besser wäre, wenn nur mehr Leute zu ihrer Musik die Hüften schwingen würden. Ihr Rock-’n‘-Roll/Garage-’n‘-Soul-Punk ist zwar retro bis dorthinaus, versprüht aber Charme und Witz. Bei ihrem letzten Auftritt, der im Hafenbahnhof stattfand, wurde Bassist Herr Rittersen verabschiedet und ein neuer Bassist namens Rocco vorgestellt. In neuer Besetzung gehts jetzt also auf die Hedi, um das „Leuchtfeuer am Garagenbeatpunk-Horizont“ (Selbstbeschreibung) auf die Elbe zu bringen. Oder wie es in der Sprache der Spams lautet: Knick-knack, zicke-zacke, let’s go! Dem bleibt nichts hinzu zu fügen.
Gruppenausstellung am Fleet: Ein Fotograf, ein Objektkünstler und ein Maler beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit Räumlichkeit.
The less you know the more you see – Wie wahr dieses Motto einer momentanen Ausstellung im Westwerk ist, kann jeder bestätigen, der sich Unbekanntem aussetzt und es mit großen offenen Augen entdeckt. Für die drei ausstellenden Künstler ist der Raum als solcher, bzw. Räumlichkeit, das Forschungsgebiet. Auf unterschiedliche Weise setzen sie sich mit Fragen auseinander, die diese aufwirft: Der aus Hamburg stammende Maler Swen Kählert beschäftigt sich mit Oberflächen. Er spürt ihre Beschaffenheit bis ins kleinste Detail auf und modelliert sie dann akribisch detailliert nach. Michel Lamollers Arbeiten führen von der Fotografie in die Dreidimensionalität. Der Künstler aus Berlin schneidet, schichtet und montiert seine Bilder zu Skulpturen, die er Layerscapes nennt – und fotografiert manche der Schichtungen erneut. Sowohl in Hamburg als auch in Berlin zu Hause ist Ulrich Riedel. Der Objektkünstler erschafft Skulpturen, die gleichermaßen massiv und fragil sind. Das Ornament und seine geometrischen Effekte stehen bei diesen im Vordergrund.
Der rein pflanzliche Vollsortiment-Supermarkt Veganz feiert seinen ersten Geburtstag und lädt zum Sonntagsbrunch in den Phoenixhof.
Sich vegan zu ernähren (oder zumindest darüber zu reden), ist zurzeit so angesagt, dass man manchmal aus Prinzip in eine Schweinshaxe beißen möchte. Doch das wäre nichts als falscher Trotz an falscher Stelle. Veganismus und Vegetarismus können, aber müssen nicht als Grundsatzfrage betrachtet werden. Der Tier- und damit auch unserer Welt, der Ökölogie und künftigen Generationen wäre schon geholfen, würde man den derzeitigen Konsum von Tierprodukten zumindest merklich reduzieren. Dabei kann es helfen, einen Blick in einen veganen Supermarkt wie Veganz zu werfen. Eine gute Gelegenheit hierfür ist das Sommerfest, das hier am Wochenende des 12. und 13. Julis ausrichtet und in dessen Rahmen am Sonntag zu einem großen Brunch eingeladen wird. Dieses Testessen geht von 10 bis 15 Uhr, es gibt eine Kochshow und eine Lesung. Um Anmeldung wird gebeten. Wir wünschen guten Appetit und einen bekömmlichen Sonntag.
Das Areal rund um den schrabbeligen Club am Fischmarkt wird zum Outdoor-Club für die zehnte Pudelei unter freiem Himmel mit sonnigen Jazztunes.
Kaffee trinken, spazieren gehen, Wäsche waschen – so verbringen Spießer ihre Sonntagnachmittage. Szenemenschen lassen sich unter freiem Himmel die Beats in die Glieder fahren, tanzen im Regen, trinken Bier, essen Würstchen und huldigen den Plattenpropheten am DJ-Pult. Klingt nach Pudel Garden Live – ist es auch, und zwar die zehnte Ausgabe der Feierei rund um den Golden Pudel Club. Der Park Fiktion, die zum Fischmarkt hinabführenden Treppenstufen und die schmale Betonbucht dazwischen werden zur Tanzfläche – zum Outdoor-Club, in dem sonnige Jazztunes durch die Gegend schwirren. Die kommen vom Felice Sound Orchester, das derzeit mit dem Elektroniker Viktor Marek, einem von Jacques Palmingers Kings Of Dub Rock, zusammenarbeitet. Aber auch die Berliner DJane Emika darf mal ran, sowie LC. Knabe und Rvds – eine herrliche Pudelei.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.