Kunstausflug! Nach 45 Minuten Zugfahrt erreicht man Glückstadt und damit die Schau der in Hamburg lebenden Hoda Tawakol im Palais für aktuelle Kunst.
Hoden, die im schönsten Rosarot glänzen? Pinkes Candy? Eine Anspielung auf Eierstöcke? Auf keinen Fall aber einfach nur schnöde Ballons, die Hoda Tawakol in Nylon zur Skulptur Is that a gun in your pocket? übereinandergeschichtet hat. Sie ist schimmernder Fetisch und Zentrum ihrer Schau im Palais für aktuelle Kunst in Glückstadt. Verbergen, zeigen, maskieren oder sichtbar machen sind die Themen der gebürtigen Ägypterin, die in Hamburg lebt, elastisch sind oft ihre Materialien, die sie spannt, zerschneidet, löchert und mit denen sie Dinge umhüllt. Gleichzeitig mit dem Material-Collagisten Thorsten Brinkmann zeigt sie ihre Arbeiten. In zwei Einzelschauen, die sich gut wie eine gemeinsame ergänzen. Material ist zentrales Element, wird umgedeutet, neu arrangiert, vorgeführt, geneckt und zu etwas zusammengefügt, was es vorher nie war. Vor allem wenn Brinkmann sich in seinen Portraits of a Serialsammler als barocker Edelmann voller visueller Brüche präsentiert, mit verhülltem Kopf und Plastikmüll-Prothese und inmitten von Alltagsgegenständen. Im Palais verbindet er unter dem Titel Pose Poshly Positurs aktuelle Arbeiten zu den Themen Wagner und Kampf.
Unter dem Motto „We bring surfing to the city!“ treffen sich Boardsport-Fans an der Elbe und feiern die Bretter, die die Welt bedeuten.
In Hamburg hat sich die Festivalreihe rund um den Surf- und Skatesport eine Location in authentischer Wassernähe gesucht: Mit direktem Hafenblick wird noch bis zum 20. Juli am Seaways Terminal dem Boardsport in allen Facetten gefrönt. Zum Surf- & Skate-Contest finden sich Größen aus allen Bereichen der Szene ein: Am Wochenende vor dem offiziellen Start wurde der König der Küste auf der stehenden Welle im Sportpark Bispingen gekürt. Skater kommen direkt auf dem Festivalgelände im Iriedaily-Skatepark mit Ankerplatzkulisse auf ihre Kosten. Neben den sportlichen Events bringen Konzerte, Ausstellungen, die Trade-Show, ein Nachtflohmarkt und internationale Filmpremieren das Lebensgefühl der Surfer und Skater in die Stadt – hier geht’s zum Programm. Die dazugehörige Party gibt’s am 19. Juli im unterirdischen Mojo Club: Hier heizt das Beginner Soundsystem mit seiner Mischung aus HipHop, Funk, Reggae, R&B und Elektro den Feierhungrigen ein.
Text: Alissa Schrumpf
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Die preisgekrönte A-Cappella-Truppe schmettert im Schmidt Theater nur mit der Kraft ihrer Stimmen Rock- über Pop- bis Klassik-Songs.
Als Muttis Kinder bezeichnen sich Claudia Graue, Marcus Melzwig und Christopher Nell. Wenn die selbst ernannten „viereiigen Drillinge“ tatsächlich eine Brut wären, müsste man ihren Eltern viel Humor und verbale Durchschlagskraft wünschen. Ihre Stimmen haben zusammengenommen nämlich solche Kraft, dass sie ein Einfamilienhaus schon mal zum Einstürzen bringen könnten. Doch das ist nicht die Absicht der drei Musiker aus Berlin und Dortmund. Stattdessen unterhalten sie ganz ohne Instrumente und sonstige Hilfsmittel volle Theatersäle. Die A-Cappella-Truppe hat vor allem Auftritte im europäischen Raum, reiste aber auch schon auf Festivals nach Taiwan und Singapur. Bei Wettbewerben haben die Musiker, deren Repertoire von Rock und Pop bis zu Klassik und Jazz reicht, schon viele Preise eingeheimst. Unter anderem gewannen sie 2013 den ersten Preis und den Publikumspreis beim A-Cappella-Wettbewerb in Ulm. Ins Schmidt Theater kommen Muttis Kinder mit ihrem Programm Zeit zum Träumen – Unveröffentlichte Hits.
Text: Katharina Manzke
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Im Musikpavillon in Planten un Blomen unterhalten Krimis und erotische Gedichte der Hamburger Schriftsteller Gunter Gerlach und Christian Maintz.
Duftende Blumen, rauschende Blätter und die laue, warme Abendluft – Planten un Blomen zählt wohl zu den lauschigsten Sommernachtsorten in dieser Stadt. Im Musikpavillon findet hier des Öfteren das Wortpicknick statt, eine Lesung mit Hamburger Schriftstellern. Heute wird es dort, aller Idylle zum Trotz, unter dem Motto Sex & Crime kriminell und ein bisschen schlüpfrig. Der preisgekrönte Krimiautor Gunter Gerlach gibt Einblicke in seinen letzten Roman Der Mensch denkt. In dem spannenden Hamburg-Krimi mordet ein Serienkiller im Karoviertel, aber der Protagonist Fred Peters kann Gedanken lesen und kommt dem Täter so auf die Schliche. Außerdem zu Gast ist der dreifache Wilhelm-Busch-Preisträger Christian Maintz. Er wird einige seiner Gedichte vortragen. Meistens handeln diese von der Liebe in allen denkbaren Konstellationen, etwa zwischen Mann und Frau, Jüngling und Mathelehrerin, Tausendfüßer und Kellerassel. Nur von geistiger Nahrung muss man beim Wortpicknick nicht zehren. Vor Ort gibt es kleine kulinarische Köstlichkeiten, man kann sich aber auch eigene Verpflegung mitbringen. Die Teilnahme an der Lesung kostet nichts, eine Hutspende ist erwünscht.
Eigentlich wollte die Band jemanden, der auf Tour ein bisschen mitfilmt – bekommen haben sie mit „Mistaken For Strangers“ eine witzige und bewegende Familienaufstellung.
Man sagt, dass mancher Bildhauer seine Skulptur einfach nur aus dem unbehauenen Klotz befreien muss – sie steckt ja bereits drin. Ganz so einfach war es beim Filmdebüt von Tom Berninger wohl nicht: Den Berg Material hatte er wohl. Aber was damit anfangen? Aber von vorne: Tom ist der jüngere Bruder von Matt Berninger, der eine Art Rockstar im dreiteiligen Anzug ist. Seine Band The National füllt mit melancholischen Songs Hallen (und in Hamburg zuletzt den Stadtpark). Tom ist eher untersetzt, steht auf Metal und wohnt noch bei seinen Eltern. Das ist die Ausgangslage der brillanten, tragikomischen Doku Mistaken For Strangers. Der Bruder im Rampenlicht nimmt den Underachiever mit auf Tour – als Roadie und als Filmer. Vielleicht springt ja ein bisschen Bonusmaterial für eine kommende DVD oder dergleichen dabei heraus. Tom erweist sich allerdings als haltlos ungeeignet für alles Organisatorische und führt eher irritierende als einsichtsvolle Band-Interviews. Jedenfalls solange, bis er gefeuert wird. Mistaken For Strangers wird als Konzert-Dokumentation verkauft, dabei könnte es kaum weniger um Musik gehen. Stattdessen behandelt der Film die Liebe und das Verantwortungsgefühl unter Brüdern, hochkomisch, aber mit viel Herz. Dass man dem Film beim eigenen Scheitern zuzuschauen glaubt, um am Ende ein aus vielen Stunden destilliertes, triumphal aufrichtiges Kino-Erlebnis genossen zu haben, das ist die faszinierende Qualität. Und das eigentliche Happy End.
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Der Rapper gilt als einer der geschicktesten Erzähler des Genres und tourt mit seinem Über-Album „Illmatic“, das vor 20 Jahren das Licht der Musikwelt erblickte.
Anwärter auf den Titel Das wichtigste Hip-Hop-Album aller Zeiten gibt es einige: Public Enemys It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back etwa, Paid In Full Back von Eric B & Rakim oder auch N.W.A.s Straight Outta Compton. An dieser Stelle legen wir uns allerdings mal fest und küren Nas’ Illmatic (1994) zur absoluten Nummer 1. Auch 20 Jahre nach Erscheinen hat das Album nichts von seiner Relevanz eingebüßt und fesselt mit Kompromisslosigkeit, Authentizität und Poesie von der Straße. Selbst die Chefnörgler von Pitchfork.com feierten das Album einst in einer Nachbetrachtung als „akribische Essenz dessen, was Hip-Hop großartig macht“. Was nicht zuletzt auch daran liegen könnte, dass für die Aufnahmen von Illmatic mit unter anderen DJ Premier, Pete Rock und Q-Tip drei absolute Produzenten-Schwergewichte an den Reglern saßen. Das verspricht eine richtig dicke Jubiläumssause in der Großen Freiheit 36 zu werden.
Text: Jan Kahl
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Ein Open Air im Schanzenpark irgendwo zwischen Sport und Party – stets mit ausreichend Flüssigkeitsversorgung.
Discoturnen? Das erinnert unweigerlich an die Achtziger, neonfarbene Stulpen und tanzende Mädels in Aerobicanzügen. Die Ästhetik hat sich seitdem (zum Glück) verändert, die Idee ist irgendwie gleich geblieben: Zu Party gehört Tanz und Tanz ist immer noch Sport. Also „auf die müden Glieder“ und ab zur Open Air Party des Clubheims im Schanzenpark. Unter freiem Himmel und mit einem Drink bewegt es sich ohnehin am besten. Sportsgeist ist erwünscht, falsche Bescheidenheit dagegen nicht – die Veranstaltung finanziert sich ausschließlich über den Getränkeverkauf. Die Discoturner erwartet ein feines Line-up: Epikur, FiPS, Flaschengeist, Matvrak und Bunter Spielplatz stehen in den Startlöchern. Zugegeben, beim ein oder anderen könnte es Abzug in der B-Note geben, aber dieser Samstag steht ganz im Sinne des olympischen Gedanken: Dabei sein ist alles.
Text: Tanja Ehrlich
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Die Rapper aus Down Under werden im Uebel & Gefährlich wohl auch Material ihres nächsten Longplayers, „Walking Under Stars“, auf Hamburg loslassen.
Vermutlich gibt es angenehmere Situationen für Hip-Hop-Crews, als am gleichen Abend wie Nas in ein und derselben Stadt zu spielen – und dann auch noch gerade mal gefühlte 1.000 Meter voneinander entfernt. Auf der anderen Seite: Sollte das Konzert von Nas ausverkauft sein, müsste der Abend für die Verprellten so zumindest noch lange nicht gelaufen sein. Dann gehts halt zu Hilltop Hoods ins Uebel & Gefährlich. Nach knapp zwanzig Jahren im Business schaffte es das Trio aus Adelaide, Australien erstmals 2009 nach Deutschland, seitdem machen MC Suffa, MC Pressure und DJ Debris in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder Halt in hiesigen Clubs. Abgesehen von drei Nummer-eins-Alben in der Vergangenheit wird der Abend heute wohl auch stark vom neuen Material ihres anstehenden siebten Longplayers, Walking Under Stars, geprägt sein. Den Support übernehmen Down-Under-Kollege Illy sowie Hamburgs aktuelle Vorzeige-Crew Eljot Quent.
Text: Jan Kahl
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Der junge Singer/Songwriter aus Hamburg spielt seinen Post-Grunge-Folk live in der Astra-Stube. Mit dabei: die Kölner Band Kapitel 7.
Unter dem Motto Hamburger Sommer veranstaltet die Astra-Stube seit einigen Jahren eine Konzertreihe, die vor allem lokalen MusikerInnen und Bands die Möglichkeit gibt, im kleinen Club unter der Sternbrücke live aufzutreten. Für dieses Jahr ist die Reihe bereits in vollem Gange. Am 14. Juli gibt sich dort der Singer/Songwriter Sami Bouamrane die Ehre. Der Hamburger bezeichnet Grunge als den „dreckigen kleinen Bruder der Rockmusik“ und seinen eigenen musikalischen Stil als Post-Grunge-Folk. Anfang 2013 hat er seinen ersten Tonträger herausgebracht. Mit Kapitel 7 ist ein befreundetes Quartett aus Köln mit von der Partie, das bis vor Kurzem ebenfalls noch eher ein Solo-Act war. Zum „ersten Bandkonzert“ in voller Besetzung, inklusive Geburtstagsreinfeierei, laden nun Sami Bouamrane und Kapitel 7 in den lauschigsten Live-Club der Stadt.
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Das Reggae-Label zelebiert sein Jubiläum – die ebenso alte Rote Flora und das nur geringfügig jüngere Dubcafé gratulieren und feiern mit.
Die Verbrüderung von Punk und Reggae hat eine lange Tradition, die irgendwann in den siebziger Jahren zwischen Kingston, London und New York begonnen haben muss. Kein Wunder also, dass unter anderem in der „punkigen“ Roten Flora die ersten groß angelegten Reggae-, Ragga- und Dub-Parties der Stadt veranstaltet wurden. Das ist jetzt ungefähr so lange her wie die alte Flora „rot“ ist, nämlich ganze 25 Jahre. Wenn das mal nicht ein guter Grund zum Feiern ist … Das haben sich auch die Macher des Labels Ire Hi-Fi gedacht, die nun zur ausgiebigen Rasta-Party in das Schulterblatt laden. Der Jubiläumstanz beginnt bereits um 16 Uhr im Flora-Garten. Nach Sonnenuntergang darf die Crowd dann innerhalb der Gemäuer bis zum Morgengrauen und darüber hinaus weiter rocken. Mit von der Partie ist auch das Flora-interne Dubcafé, das in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag feiert.
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