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Bundesbankpräsident mutiert zum Cheflobbyisten

 

Es ist etwas Besonderes, wenn sich der Bundesbankpräsident ans Volk wendet. Das tut er äußerst selten, weil die normalen Irrungen und Wirrungen der Geldpolitik nun wirklich nicht interessant sind. Heute war es mal wieder so weit. Über die BILD-Zeitung sprach Axel Weber zur deutschen Bevölkerung (Teil zwei des Interviews folgt morgen!). Botschaft eins: Der Aufschwung ist da, die deutsche Wirtschaft wächst dieses Jahr mit einer Zwei vor dem Komma (Applaus, Applaus). Warum die Bundesbank das erst jetzt merkt und bislang eher zu den Wachstumsskeptikern (1,5 Prozent) gezählt hat, verrät er nicht.

Botschaft zwei: Schön, dass die Regierung nächstes Jahr die Finanzen zu konsolidieren gedenkt. Besser als es über die kräftige Anhebung der Mehrwertsteuer zu tun, wären allerdings Einschnitte bei den Ausgaben. Dort könnte locker mehr gespart werden. Dass der Haushalt auch über ein kräftiges Wirtschaftswachstum konsolidiert werden kann, so haben das beispielsweise England und Amerika in den 90er Jahren gemacht, verschweigt „Deutschlands einflussreichster Banker“ (BILD).

Der Hammer aber ist Botschaft drei: „die mäßige Lohnpolitik muss unbedingt fortgesetzt werden.“ Und weiter: „Deutlich mehr Einstellungen sind nur möglich, wenn Arbeit nicht noch teurer wird.“ Auf die berechtigte Nachfrage, wie der Konsum denn anspringen solle, wenn die Leute nicht mehr Geld in der Tasche hätten, folgt eine entlarvende Antwort: „Die Unternehmen können in Deutschland keine Arbeitsplätze dauerhaft finanzieren, die nicht auch durch ihre Produktivität im internationalen Wettbewerb bestehen können. Die mäßige Lohnpolitik ist eines der deutschen Erfolgsrezepte. Deshalb ist der Standort Deutschland ganz klar gestärkt aus den schwierigen letzten Jahren herausgekommen.“ So spricht der Cheflobbyist der deutschen Exportindustrie, aber doch kein Bundesbankpräsident!

Nie würde ein Bundesbankpräsident für kräftige Lohnerhöhungen plädieren, das liegt an der Asymmetrie im Kapitalismus: Hohe Gewinnsteigerungen stören die Notenbanker nicht, da sie die Inflation nicht tangieren, hohe Lohnsteigerungen dagegen sind der Treiber der Inflation schlechthin. Deshalb will keine Notenbank der Welt, die sich dem Kampf der Inflation verpflichtet fühlt, kräftige Lohnerhöhungen sehen. Doch zwischen kräftigen Lohnerhöhungen und mäßigen, gibt es ja auch noch normale. Und normal wären Inflationsausgleich zuzüglich ein Anteil am Produktivitätsfortschritt. Doch selbst die will Weber nicht sehen. Fragt sich warum?

  1. Dass sich die deutschen Unternehmen keine höheren Löhne leisten können, ist reine Folklore. In den vergangenen 25 Jahren lagen die Stückgewinne der deutschen Industrie noch nie so hoch wie zurzeit. Das hat Sylvain Broyer von der französischen Investmentbank Ixis berechnet. Stückgewinne sind das Pendant zu Lohnstückkosten, also wie viel Gewinn pro produzierter Einheit hängen bleibt. Da ist durchaus Luft für normale Lohnerhöhungen drin.
    Stueckgewinne Dt Verarb Gewerb
  2. Weber zählt im Interview einen festeren Euro-Wechselkurs und die Abschwächung in Amerika und China zu den Risikofaktoren des Wirtschaftswachstums. Wie bitte soll Deutschland nächstes Jahr wachsen, wenn die Risiken eintreten und die Binnennachfrage wegen fehlender Lohnerhöhungen und Steuerbelastungen ebenfalls ausfällt. Weber scheint vergessen zu haben, dass der private Verbrauch 60 Prozent zum BIP beisteuert.
  3. Die zunehmenden Spannungen innerhalb Eurolands, auf die ich im Blog schon häufiger eingegangen bin, verschärft der Bundesbankpräsident mit seiner Forderung.
  4. Wie gefährlich „das deutsche Erfolgsrezept“ der Exportförderung ist, hat unlängst Adam Posen vom IIE in einem Gastbeitrag der Financial Times gezeigt. Der Wohlstand der Bürger werde angefressen, alte Strukturen erhalten, neue, gut bezahlte Arbeitsplätze verhindert, kurzum: Eine solche Strategie wie Deutschland sie verfolgt sei selbstzerstörend! Ein absolut lesenswerter Beitrag, den mal jemand Axel Weber in die Arbeitsmappe legen sollte.

13 Kommentare

  1.   marcc

    Sind Bundesbaenker nicht per Gesetz beratungsresistent, Aeh… weisungsungebunden? 😉

  2.   Florian

    Also verstehe ich Sie richtig:
    Die "Stueckgewinne" der deutschen Industrie haben in 25 Jahren um 25% zugenommen.
    Und daraus folgern Sie, es waere Luft fuer weitere Lohnerhoehungen?

    Abgesehen davon, dass mir 25% in 25 Jahren nicht uebermaessig viel erscheint (die Bruttoloehne sind in dieser Zeit sicherlich wesentlich staerker gestiegen) fehlt mir an dieser Stelle nun doch die Kausalkette.
    Deutschland befindet sich in einer globalisierten Welt und ist mit seinen wichtigsten Handelspartnern ueber den Euro mit einem fixen Wechselkurs verbunden.
    Wenn man auf die "Stueckgewinne" abstellt, dann ist in einer solchen Welt die entscheidende Frage doch vielmehr, ob die Netto-Stueckgewinne in Deutschland niedriger oder hoeher sind als im Ausland.
    Die Gewinn-ENTWICKLUNG der deutschen Industrie ist dabei nicht relevant. Oder glauben Sie wirklich, ein Industrieunternehmen zahlt freiwillig hoehere Lohnstueckkosten in Deutschland als im Ausland, nur weil es gut verdient? Das ist nun wirklich eine naive Sichtweise. Ein Industrieunternehmen schafft schlicht dort Arbeitsplaetze, wo dies am profitabelsten moeglich ist.

    Noch ein Nachtrag:
    "Stueckgewinne" ist eine gefaehrliche Kennzahl, weil im Nenner eben "Stueck" steht.
    In einer schrumpfenden Industrie fallen natuerlich immer erst einmal die unprofitabelsten Betriebe weg. Daher steigen in einer schrumpfenden Industrie natuerlich die "Stueckgewinne".
    Daher koennen die Stueckgewinne auch dann steigen, wenn die Branche international nicht wettbewerbsfaehig ist.
    Aus steigenden Stueckgewinnen abzuleiten, dass Lohnsteigerungen angebracht sind, ist daher verfehlt.

  3.   Kramladen

    @ von Heusinger

    Weil Sie noch auf das Argument mit dem Merkantilismus eingegangen sind, dem sich Deutschland ergibt (und, wie Posen schreibt, zumindest rhetorisch auch die USA). Ich glaube, im Prinzip versteckt sich hinter dem in Deutschland praktizierten Merkantilismus ein antiquiertes Verstaendnis von Oekonomie.

    Seit Ricardos komparativen Kostenvorteilen geht es darum, dass gegenseitiger Handel beiden Vorteile bringt – der freie Handel ist eine Win-Win-Situation, weil beide Laender bei gleichem Einkommen mehr konsumieren koennen. Diese Sichtweise betont die relativen Vorteile im gemeinsamen Handel – beide gewinnen.

    Die politische Logik der Macht ist aber eine andere. Sie betont die absoluten Vorteile. Es mag sein, dass man im freien Handel ein wenig gewinnt. Wer aber mehr gewinnt, hat mehr Macht und kann gefaehrlich werden. Das Ganze wird als Nullsummenspiel aufgefasst (manche glauben sogar, dass es tatsaechlich eines ist): was der eine gewinnt, verliert der andere. Oder: Wenn der andere mehr gewinnt, ist es egal, ob ich auch ein wenig gewinne. Ich gewinnne vor allem: Weniger als er.

    Ich glaube, das ist die Logik hinter dem Merkantilismus und der Ideologie der "Wettbewerbsfaehigkeit".

    In dieser Sichtweise konkurrieren nicht Unternehmen, sondern Staaten gegeneinander. Das ist aber kein oekonomisches, sondern ein machtpolitisch-politisches Bild. Dabei betonen Staaten (zum Glueck) nicht mehr militaerische, sondern oekonomische Macht.

    Das ist nicht mit optimaler Allokation und Nutzenmaximierung zu vereinbaren, scheint aber eine grundsaetzliche politische Kalkulation zu sein.

    Schade nur, dass auch viele Oekonomen nicht die oekonomische Rationalitaet dahinter klar machen, dass – wie Adam Smith schon gesagt hat – aller freier Handel nicht darum geht, viel zu exportieren, sondern viel zum Konsum zu importieren. Wir wollen mehr zu geringeren Preisen, das ist der Vorteil, den uns der Handel bringt.

    Auf Deutschland angewandt: Wuerde man von der Exportversessenheit wegkommen, die ja die Politik – scheinbar auch die ach so unabhaengige Zentralbank – vollkommen uebernommen hat, und hoehere Loehne zahlen, wuerde auch die Binnenkonjunktur und der Import anspringen. Das wuerde uebrigens auch ein wichtiger Beitrag dazu sein, die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft auszugleichen.

    Aber in Deutschland meint man ja immer noch, in einer kleinen offenen Volkswirtschaft zu leben, als haette die drittgroesste Volkswirtschaft der Welt kein Gewicht. Wenigstens in diesem Punkt waere deutsches Selbstbewusstsein, vor allem aber Verantwortungsgefuehl fuer Europa und die Weltwirtschaft mal angebracht.

    Fuer alle, die immer noch glauben, Wachstum haette nichts mit Loehnen zu tun, hier eine Studie der EU-Kommission zur Lohnsituation in Europa, in der es explizit darum geht, dass das schwache Wachstum der Union und auch Deutschlands sehr wohl einiges mit den zu geringen Lohnabschluessen (und uebrigens auch der Hauruck-Reformen) zu tun hat:

    ec.europa.eu/economy_finance/publications/
    economic_papers/2006/ecp252en.pdf

    Gruesse,

    Kramladen

  4.   greenjg

    "Schade nur, dass auch viele Oekonomen nicht die oekonomische Rationalitaet dahinter klar machen, dass – wie Adam Smith schon gesagt hat – aller freier Handel nicht darum geht, viel zu exportieren, sondern viel zum Konsum zu importieren. Wir wollen mehr zu geringeren Preisen, das ist der Vorteil, den uns der Handel bringt.

    Auf Deutschland angewandt: Wuerde man von der Exportversessenheit wegkommen, die ja die Politik – scheinbar auch die ach so unabhaengige Zentralbank – vollkommen uebernommen hat, und hoehere Loehne zahlen, wuerde auch die Binnenkonjunktur und der Import anspringen. Das wuerde uebrigens auch ein wichtiger Beitrag dazu sein, die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft auszugleichen."

    Ich glaube Sie verkennen die Lage etwas … freier Handel in allen Ehren … und komperative Kostenvorteile … eine gute Sache .. wenn aber der Kostenvorteil ein Trugschluss ist … Stichwort: "Pegging the Yuan to the Dollar" … dieser "Schwachsinn" hat etliche Mrd. Dollar aus Europa und USA nach China und Asien transferiert … deshalb auch die "angeblich" niedrige Inflation … das ist einer der Gruende warum die Binnenkonjunktur in Deutschland am Boden ist … Kauftkraft kommt nach Investitionen .. Investitionen fliessen in Deutschland seit Jahren nicht mehr … Der Ruf nach mehr Geld macht die Sache nur noch schlimmer … einer der Gruende warum wir mit Zinssorgen leben muessen .. ist das langsame aufwerten des Yuan gegenueber den ohnehin ueberbewerteten Dollar … Konsumieren koennen wir erst wenn USA weniger konsumiert (die Wirtschaft also in die Rezession geht) und China, Japan und Asien Ihre Waehrungen dem freien Markt ueberlassen … dabei werden wir eine Umschichtung einiger Arbeitsplaetze von Asien nach Europa und USA erleben und Kapital fliesst wieder in Europa … Nicht andersrum … Loehne sind ein Regulativ … kein Umverteilungsinstrument !!!! Die Umverteilung erfolgt ueber die Maerkte …

    mfg,

    greenjg


  5. […] Auch Prof. Dr. Axel Weber, Präsident der Deutschen Bundesbank, kämpft gegen die Inflation. Er fordert weitere Zurückhaltung bei den Löhnen, um Sekundäreffekte der Preiserhöhungen, und somit eine Preisspirale zu verhindern. Und damit das jeder mitbekommt und auch glaubt, macht er das sogar in einem zweiteiligen Interview mit der Bild (Teil 1 | Teil 2). Kommentare dazu gibt es im Herdentrieb bei ZEIT.DE. Wen so etwas nicht interessiert, für den gibt es andere spannende, wichtige und weltbewegende Nachrichten, ebenfalls bei Bild. […]

  6.   Kramladen

    @ greenjg

    Damit bestaetigen Sie ja nur meinen Punkt: Seinen Wechselkurs kuenstlich niedrig zu halten (China mit seinem unterbewerteten Peg zum Dollar, Deutschland mit seinem durch massive Lohnzurueckhaltung niedrig gehaltenen realen Wechselkurs) ist ein politisches Instrument, dass schlicht merkantilistisch und politisch motiviert ist.

    Alles auf den Export zu setzen ist eben nur so lange moeglich, wie jemand immer bereit ist, das auch zu importieren und dafuer zu zahlen. Wenn das nicht mehr geht, Prost, Mahlzeit. Die Zwischenkriegsjahre haben uns gezeigt, was passiert, wenn alle ihre Grenzen dicht machen und nur noch exportieren wollen. Exportieren ist zur Ideologie geworden. Der Export ist die einzige expansive Nachfragepolitik, die orthodoxe Wirtschaftspolitik noch zulaesst.

    Ich unterstelle Ihnen aber auch, dass Sie zu sehr im Kuchen denken, der die ganze Zeit konstant bleibt. Wenn der Kuchen nicht waechst, wird nur umverteilt, dann geht Ihre Logik auf. Wenn der Kuchen groesser wird (zum Beispiel durch Binnenwachstum) koennen wir auch mehr konsumieren, ohne dass die USA und China auf Konsum verzichten muessen.

    Sie muessten mir noch mal erklaeren, warum wir erst mehr konsumieren koennen, wenn die USA weniger konsumiert. Das verstehe ich nicht. Wir sollten mehr konsumieren, wenn die USA weniger konsumieren, d’accord, aber warum koennen wir das erst dann, wenn die USA weniger konsumieren. Darf ich erst wieder in den Urlaub fahren, wenn Ford Pleite ist?

    Gruss,

    Kramladen

  7.   greenjg

    @Kramladen,

    "Damit bestaetigen Sie ja nur meinen Punkt: Seinen Wechselkurs kuenstlich niedrig zu halten (China mit seinem unterbewerteten Peg zum Dollar, Deutschland mit seinem durch massive Lohnzurueckhaltung niedrig gehaltenen realen Wechselkurs) ist ein politisches Instrument, dass schlicht merkantilistisch und politisch motiviert ist."

    Zustimmung … aber unser Problem … muessen wir etwas differenzieren … Eurointern … unsere Exporte sind kreditschoepfend Induziert .. die niederigen Eurozinsen fuer Spanien, Griechenland und Italien … siehe M3 fuer diese Laender … das scheint nun zu versiegen … da wir aber gegen den Osten und China Manipulationen ausgesetzt sind .. koennen wir nur mit einer Manipulation reagieren … sonst bricht der Laden auseinander … die Amerikaner haben sich gehen lassen und stehen jetzt vor einem Truemmerhaufen … die Industrieproduktion ist dezimiert und Investitionen sind keine geflossen .. aber die Geldmenge ist regelrecht explodiert … nach China … China und Indien halten die Loehne in Schach … Deutschland hat auch die Probleme … Tarifkartell … demnach reagieren die Loehne nicht nach den Beduerfnissen … siehe Aertztestrreik .. Krankenschwestern und Aertzte wurden Jahrelang gleich behandelt … der Mangel an Aertzt rechtfertigte jedoch eine hoehere Entlohnung … nun haben wir den Salat … das gilt fuer Andere Berufzweige auch … deshalb meine These: Lohn ist ein Regulativ und kein Verteilungsmechanismus .. bzw. der Verteilungsmechanismus ist der Markt .. und Gewerkschaften folgen nicht dem Markt … sondern einer "Politik".

    "Alles auf den Export zu setzen ist eben nur so lange moeglich, wie jemand immer bereit ist, das auch zu importieren und dafuer zu zahlen. Wenn das nicht mehr geht, Prost, Mahlzeit. Die Zwischenkriegsjahre haben uns gezeigt, was passiert, wenn alle ihre Grenzen dicht machen und nur noch exportieren wollen. Exportieren ist zur Ideologie geworden. Der Export ist die einzige expansive Nachfragepolitik, die orthodoxe Wirtschaftspolitik noch zulaesst."

    Oder einfach selber investieren und konsumieren .. ist in Ordnung .. aber genau das war das Problem .. Investitionen sind nicht geflossen … denn Europa … vor allen Dingen Deutschland war nicht mehr Wettbewerbsfaehig … nun haben wir die Wahl … den sich aufzeichnenden Vorsprung zu nutzen, indem wir den in Arbeit mehr zu geben .. um es denen dann ueber steigende Beitraege wieder weg zu nehmen oder wir lassen Investitionen "kommen" die Arbeit schaffen und die Lohnzuwaechse erfolgen durch fallende Beitraege! Das war der niederlaendische Weg! Nicht desto trotz wir koennen den Prozess beschleunigen … durch Strukturreformen … denn geringqualifizierte haben hierzulande keine Chance … einmal wegen der hohen Lebenshaltungskosten (Vom Staat veranlasst) und die hohen Belastungen auf den Faktor Arbeit, der ein mickriges freies Verfuegbareeinkommen beschert … und das bei hohen Sozialleistungen … Das Angebot aber ist da .. und schlummert in den Statistiken … und da bringt Weiterqualifikation bei der BA einem nicht viel …

    "Ich unterstelle Ihnen aber auch, dass Sie zu sehr im Kuchen denken, der die ganze Zeit konstant bleibt. Wenn der Kuchen nicht waechst, wird nur umverteilt, dann geht Ihre Logik auf. Wenn der Kuchen groesser wird (zum Beispiel durch Binnenwachstum) koennen wir auch mehr konsumieren, ohne dass die USA und China auf Konsum verzichten muessen."

    hhhmmm … Ihre These geht von Konsum aus … meine geht von Investitionen … Investitionen sorgen dafuer, dass der Kuchen waechst … nicht der Konsum .. er ist eine Folge von Investitionen …

    Desweiteren ist das Problem … China oder Polen produzieren fuer uns mit … und wenn China seine Bindung zum Dollar nicht loest … kann es nicht funktionieren …

    Ich wiederhole nochmal zum "mitschreiben" ;-= Senkt die Investitionskosten … Investitionskosten sind nicht gleich Loehne … sondern alle Kosten die anfallen bis eine Kapazitaet bzw. Verbesserung steht … das schliesst Zinsen auch mit ein … aber der richtet sich nach der "Effektivitaet" der Wirtschaft … Stichwort … mehr Markt im Enerigesektor … mehr Markt im Gesundheitssektor … mehr Wettbewerb ueberall … Buerokratie abbauen .. und zwar rasant … Steuerreform voranbringen … dann deflationieren die Investitionskosten die innerdeutschen Renditen steigen und die Loehne relativieren sich … aber da muss an allen Seiten gezogen werden .. nicht nur an einer …

    "Sie muessten mir noch mal erklaeren, warum wir erst mehr konsumieren koennen, wenn die USA weniger konsumiert. Das verstehe ich nicht. Wir sollten mehr konsumieren, wenn die USA weniger konsumieren, d�accord, aber warum koennen wir das erst dann, wenn die USA weniger konsumieren. Darf ich erst wieder in den Urlaub fahren, wenn Ford Pleite ist?"

    Der Rohstoffmarkt zeigt Risse … und da die Amerikaner mehr konsumieren als sie bereit bzw. faehig sind zu liefern … und wir mehr liefern als wir verbrauchen … koennen wir mehr konsumieren bzw. investieren … das geht aber nur wenn einer verzichtet .. dafuer muessten die Amerikaner kuerzer tretten .. sonst gehen die Rohstoffpreise durch die Decke … und das bedeutet entweder die Herrn der Schoepfung in Washington die T-Bills und Dollarscheine um die Ohren schmeissen oder die Herrn bremsen Ihre Wirtschaft bis der Handelsdefizit … versiegt … wenn aber der Yuan aufwertet … wird die Kaufkraft der Chinesen steigen .. und es wird zu einem Unternehmenssterben in China kommen … es sei denn China kann den Konsum steigern … was schwierig wird … dafuer muessen wir uns Wappnen .. denn der Anstieg der Kaufkraft in China wird Rohstoffe auf sehr hohem Niveau stabil halten bzw. steigen lassen wenn die Amerikaner nicht kuerzer tretten ..

    Also: Mehr in die Regenerative Energie Forschung pumpen … Kraftwerke modernisisern, Stromnetzte mit Kommunikationsnetze versehen … fuer eine dezentral gesteuerte Energieversorgung ermoeglichen … Stromboerse im Netz … Haeuser Daemmen …. Autos mit geringerem Verbrauch kaufen (www.loremo.de) … und und und und .. was nuetzt mir das sparen fuers Alter …. wenn die Lebenshaltungskosten mir davon laufen … dafuer muss ich investieren und nicht sparen .. und der Staat muss mir eine Planbarkeit liefern … und kein Hartz IV und ich nehme dir alles weg ausser Almosen …

    mfg,

    greenjg

  8.   MK

    @greenjg

    Schaffen Sie es eigentlich auch in ganzen Saetzen zu schreiben? … Stakkato … Schnell … Kurze Saetze … Weltuntergang morgen! … jetzt oder nie … Mehr … Weniger … ist … ziemlich … unuebersichtlich!

    _Tarifkartell … demnach reagieren die Loehne nicht nach den Beduerfnissen … siehe Aertztestrreik .. Krankenschwestern und Aertzte wurden Jahrelang gleich behandelt â�¦ der Mangel an Aertzt rechtfertigte jedoch eine hoehere Entlohnung .. nun haben wir den Salat …_

    Aerztemangel? Gestern kam ein schoener Beitrag in Frontal 21 ueber das niederlaendische Gesundheitssystem – und wie es mit der haelfte der Aerzte auskommt.
    Und so lange man in D noch ein "1,0" Abitur haben muss um Medizin zu studieren kann es kaum so sein das der Arztberuf wegen fieser "Tarifkartelle" unterbezahlt ist.
    Die eigentlichen Probleme hat der Abschluss bei den Aerzten natuerlich auch nicht geaendert – und die angeblich so unmenschlichen Arbeitsbedingungen wollten die Aerzte am Ende auch lieber behalten.

    Das Gerede vom Tarifkartell ist vollkommen humbug – gerade in Deutschland haben die Tarifparteien in den letzten 10 Jahren durch beeindruckende Zurueckhaltung bei den Lohnerhoehungen geglaenzt (siehe Zahlen hier im Blog) und das bei einem Zehntel der Streiktage der USA. Mit anderen Worten: Hier wurde 90% weniger gestreikt als in den USA.
    Herrn Heusingers Analyse ueber die Veraenderungen sind da schon sehr treffsicher – mit kleinen Gewerkschaften wird sich das naemlich zunehmend aendern, weil sie noch viel staerker partikularinteressen Vertreten (genau das ist der Sinn kleinerer Gewerkschaften)

    _Investitionen sorgen dafuer, dass der Kuchen waechst … nicht der Konsum .. er ist eine Folge von Investitionen …_

    Komsum ist eine Folge von Investition? Konsum ist Konsum und Investition ist Investition.
    Und der Kuchen waechst wenn zB cp. in Periode 2 mehr konsumiert wurde als in Periode 1 – oder wenn mehr investiert wurde – oder beides.
    Aber falsch ist: "Konsum ist eine Folge von Investition"

    _… mehr Wettbewerb ueberall … Buerokratie abbauen .. und zwar rasant … Steuerreform voranbringen …_

    vs.

    _Mehr in die Regenerative Energie Forschung pumpen … Kraftwerke modernisisern, Stromnetzte mit Kommunikationsnetze versehen … fuer eine dezentral gesteuerte Energieversorgung ermoeglichen … Stromboerse im Netz … Haeuser Daemmen … Autos mit geringerem Verbrauch kaufen (www.loremo.de) … und und und und_

    Mehr Markt oder mehr "in die Regenerative Energie Forschung pumpen"? Forschungsfoerderung ist immer: "Mehr Staat"

    Dabei war die behauptete Dichotomie Markt/Staat schon immer bloedsinn. Oder auch: "Es ist noch kein Markt vom Himmel gefallen" – ‚Markt‘ existiert nur im institutionellen Rahmen eines Staates und wo Markt sein soll muss auch immer Staat sein.

  9.   greenjg

    "Aerztemangel? Gestern kam ein schoener Beitrag in Frontal 21 ueber das niederlaendische Gesundheitssystem – und wie es mit der haelfte der Aerzte auskommt.
    Und so lange man in D noch ein ‚1,0‘ Abitur haben, muss um Medizin zu studieren, kann es kaum so sein, dass der Arztberuf wegen fieser "Tarifkartelle" unterbezahlt ist.
    Die eigentlichen Probleme hat der Abschluss bei den Aerzten natuerlich auch nicht geaendert – und die angeblich so unmenschlichen Arbeitsbedingungen wollten die Aerzte am Ende auch lieber behalten."

    Die Sendung habe ich auch gesehen. Es war interessant. Der entscheidende Punkt ist aber, dass die Niederlaender das effektive System suchen mussten. Gefunden haben sie ihn, weil sie die Freiheit der Gestaltung hatten und den Zwang durch den Wettbewerb. Erst die Effenktivitaet des Systems macht es moeglich, hohe Loehne an die zu zahlen, die man BRAUCHT!

    "Das Gerede vom Tarifkartell ist vollkommen humbug – gerade in Deutschland haben die Tarifparteien in den letzten 10 Jahren durch beeindruckende Zurueckhaltung bei den Lohnerhoehungen geglaenzt (siehe Zahlen hier im Blog)"

    Richtig. Das waere auch ohne Tarifkartell passiert. Wissen Sie noch : Streik im Osten fuer 5% der IG-Metall, der in die Hose ging. Es ging in die Hose, weil die Mitglieder nicht mitgemacht haben. Warum? Weil Sie Angst um Ihre Arbeitsplaetze hatten und wussten, dass sie zu "teuer" waren.

    "und das bei einem Zehntel der Streiktage der USA. Mit anderen Worten: Hier wurde 90% weniger gestreikt als in den USA."

    Tarifkartell hat mit Tarifrecht und vor allen Dingen Tarifregelwerk nichts zu tun. Die meisten Streiks in Frankreich und USA erfolgen ausserhalb eines Regelwerks. Es gibt keine Deseskalationsphase. Das ist eindeutig ein riesen Vorteil des Standortes Deutschland, der leider immer wieder unterschaetzt wird.

    "Herrn Heusingers Analyse ueber die Veraenderungen sind da schon sehr treffsicher – mit kleinen Gewerkschaften wird sich das naemlich zunehmend aendern, weil sie noch viel staerker partikularinteressen Vertreten (genau das ist der Sinn kleinerer Gewerkschaften)"

    Und genau da sind wir an meinem Punkt. Der Kleinste gemeinsame Nenner von Partikularinteressen ist der Individuum. Wenn das Individuum sich entschliesst sich zu "buendeln", dann soll er das Recht haben, dies zu tun und der Arbeitgeber hat das zu respektieren. Was ist aber mit denen (inzwischen eine absolute Mehrheit!), die mit den Betonkoepfen wie Herrn Peters und Bsirske nicht einverstanden sind? Haben die nicht das Recht alleine zu entscheiden, von wem Sie tariflich "regiert" werden. Wenn ein Mitarbeiter Angst bekommt, den Arbietsplatz zu verlieren, weil die IG-metall nun 7% fordert, der kann sich nicht wehren, seine Leistung moeglicherweise ueber Marktwert (Preis den ein Unternehmen bereit ist zu zahlen) anzubieten. Warum kann er vielleicht nicht eine "Buendelung" nachgehen, die eher eine Weiterbildung anbietet, die ihm moeglicherweise mehr bietet … und der seinen Interessen eher representiert. Sie reden von Demokratie, aber genau dort herrscht Diktatur!

    "Komsum ist eine Folge von Investition? Konsum ist Konsum und Investition ist Investition.
    Und der Kuchen waechst wenn zB cp. in Periode 2 mehr konsumiert wurde als in Periode 1 – oder wenn mehr investiert wurde – oder beides.
    Aber falsch ist: ‚Konsum ist eine Folge von Investition‘ "

    Sie machen sich das alles etwas zu einfach. Ich kann nur was konsumieren, was ich erstmal produziere. Produzieren kann ich nur was, wenn ich die Kapazitaet habe. Kapazitaeten habe ich erst wenn ich investiert habe. Kapazitaeten koennen auch Verbesserungen sein. Aber da kann man sich glaube ich zu tode argumentieren. Keynes und seine Kontrahenten lassen gruessen. 😉

    Uebrigens Investitionen sind auch eine art von Konsum. 😉

    "Mehr Markt oder mehr ‚in die Regenerative Energie Forschung pumpen‘? Forschungsfoerderung ist immer: ‚Mehr Staat‘ "

    Forschung kann auch aus dem privaten Sektor kommen. Wenn man aber den Buerger aussaugt, dann kann er natuerlich diesen Wunsch nicht nachgehen. Demnach ist Forschungsfoerderung nicht immer mehr Staat. Der Staat kann durch Staatsrueckzug auch die Forschung foerdern. Bsp. Bei uns soll eine Testanlage fuer Biogas gebaut werden. Die Staat (Stadt) hat es verboten!

    "Dabei war die behauptete Dichotomie Markt/Staat schon immer bloedsinn."

    Was ist das denn das fuer eine Logik. Grins.

    "Oder auch: ‚Es ist noch kein Markt vom Himmel gefallen‘ – ‚Markt‘ existiert nur im institutionellen Rahmen eines Staates und wo Markt sein soll muss auch immer Staat sein."

    Der beste Gegenbeweis ist die Schwarzarbeit! Markt kann es auch ohne Staat geben. Fragen Sie sich, was Sie taeten, wenn Sie mit einem anderen Menschen auf einer einsamen Insel stranden, und Sie haben zwei Steak und er zwei Bier. 😉 Dass der Staat gibt der marktwirtschaft erst eine stabile und zuverlaessige Basis, wenn denn er sichert die Vertragsfreiheit und dessen Einhaltung. Geht er aber darueberhinaus, dann schiesst er oft daneben.

    mfg,

    greenjg

    P.S.: Das Telexformat ist eine schlechte Angewohnheit von mir. Ich gelobe Besserung. 😉

    Sorry fuer die zahlreichen Fehler. Ich habe den Beitrag zu schnell geschrieben.

    Gelobe auch hier Besserung! 😉

  10.   Jeju Vogt

    Also dieser Absatz im letzten Artikel ueber das niederlaendische Gesundheitssystem ist ganz falsch:

    "Die Sendung habe ich auch gesehen. Es war interessant. Der entscheidende Punkt ist aber, dass die Niederlaender das effektive System suchen mussten. Gefunden haben sie ihn, weil sie die Freiheit der Gestaltung hatten und den Zwang durch den Wettbewerb. Erst die Effenktivitaet des Systems macht es moeglich, hohe Loehne an die zu zahlen, die man BRAUCHT!"

    Fakt ist:
    Das niederlaendische Gesundheitssystem ist wahnsinnig staatsgesteuert und paternalistisch. Spezialisten gibt es nur in Krankenhaeusern. Ueberweisung gibt es nur vom Hausarzt (den man nicht einfach mal so wechseln kann…) ansonsten wird der Spezialist nicht bezahlt. Die Anzahl der Aerzte wird kuenstlich knapp gehalten, indem die Anzahl der Ausbildungsplaetze seit Jahrzehnten begrenzt wird. (Im Eigeninteresse der Aerzte?). Die Gesundheitsreform Anfang dieses Jahres bietet in der Tat sehr interessante Ansatzpunkte, aber die meisten Strukturen aus dem alten System wurden jetzt erst einmal ins neue uebernommen.

    Das interessante ist, dass in der Vergangenheit durch eine paternalistische Steuerung die Kosten sehr niedrig gehalten wurden. Aber ich wette die meisten Deutschen wuerden sich in diesem System nicht wohlfuehlen, wenn sie nicht damit aufwachsen. (Fragen sie mal eine Niederlaenderin ob sie in ihrem Leben schon mal bei einem Frauenarzt war. Einen Abstrich nimmt hier auf Anfrage der Hausarzt.)

 

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