‹ Alle Einträge

Zschäpes Fassade und die Brandstiftung in Zwickau – das Medienlog vom Dienstag, 16. Juli 2013

 

Die Berichterstattung zum nächsten NSU-Verhandlungstag ist heute eher dünn, bemerkenswert sind jedoch drei Artikel. Zum einen „Ohne Worte“ in der Süddeutschen Zeitung, zum anderen „Die unheimliche Zschäpe-Show“ in der Berliner Boulevardzeitung BZ sowie der Bericht von Kai Mudra, der in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ ) einen Ausblick auf die gesamte Prozesswoche gibt.

An jedem Werktag fassen wir im NSU-Prozess-Blog die wichtigsten Medienberichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

22 Verhandlungstage hat Beate Zschäpe geschwiegen. Kann sie das durchhalten, lässt sie das alles wirklich unberührt? Diese Fragen stellen die Autoren Annette Ramelsberger und Tanjev Schultz in der Süddeutschen Zeitung (Montagsausgabe). Die Autoren kommen zu dem Schluss, man könne „viel über ihre Persönlichkeit erfahren. Dass sie wortgewandt ist und orthografisch sicher, dass sie witzig sein kann und herausfordernd. Und man kann sich sehr gut vorstellen, wie sie ihre beiden Männer über all die Jahre im Griff hatte, mit Zuwendung und Liebesentzug.“

Auch der Autor der BZ ist der Meinung, dass Zschäpes Fassade langsam bröckelt. Ausgehend von ihrer Mimik, Gestik und Kleidung versucht er, ihr Verhalten vor Gericht zu interpretieren. Nicht immer habe sie sich unter Kontrolle: Zschäpe sei zusammengezuckt, als ihr Blick auf die Aufnahmen der Opfer fiel. Sie habe „abwehrend mit den Armen“ gerudert, als eine Zeugin aussagte, sie habe kurz vor dem Mord an einem türkischen Geschäftsmann eine Frau mit zwei Männern gesehen.

Kai Mudra gibt in der WAZ einen Ausblick auf die Prozesswoche, in der ab Mittwoch erneut der Brand in der Zwickauer Wohnung Thema sein wird. Um das Feuer würden sich noch immer zahlreiche Fragen ranken, schreibt der Autor. Etwa die, woher Zschäpe wusste, dass sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt umgebracht hatten und sie daraufhin den Brand legte.

Bestimmendes Thema in den türkischsprachigen Medien ist seit ein paar Tagen das Mahnmal für die NSU-Opfer in Dortmund, das am Wochenende eingeweiht wurde.

Das nächste Medienlog erscheint am Mittwoch, den 17. Juli.

4 Kommentare


  1. Mimik und Gestik lassen tief blicken.
    Na, dann lasst uns doch mal teilhaben an den tiefen Erkenntnissen zum Prozessgegenstand, die man aus Mimik und Gestik ableiten kann.
    Dass jemand durch Körpersprach auf belastende Aussagen abwehrend reagiert dürfte bei Schuldigen und Unschuldigen gegeben sein.
    Wäre sie bei den Opferfotos eiskalt geblieben – na, was hätten wir dann wohl gelesen?
    „man kann sich sehr gut vorstellen“ … klar kann man, insbesondere wenn es zu dem passt was man ohnehin die ganze Zeit zu wissen glaubt.

  2.   JanGoldbeck

    Was für ein unfassbar irrelevanter Kommentar.

    Jeder Angeklagte hat das Recht zu schweigen. Punkt. Dass ihre Interpretationen des Schweigens nun zu 100% Wunschdenken und aus der Luft gegriffen sind, ist dann doch recht eindeutig.

    Gibt es nichts spannenderes zu berichten von dem Prozess?

    Hätte gerne mehr über die Rolle des Verfassungsschutzes (sic!) und seine Rolle im Verfahren.


  3. Frau Zschäpe wird sich in den kommenden Monaten vielleicht nicht so sehr mit ihrer Fassade, als mit der ihr ungewohnten Umgebung befassen müssen.
    Vielleicht war die Polizei im Osten doch noch so stark, das zivigesellschaftliche Netz noch nicht ganz zerrissen, so dass die Morde in Westdeutschland verübt wurden. An Menschen, mit denen Rechte im Osten nicht wirklich etwas zu tun hatten.
    Womöglich auch daher die Ratlosigkeit der auch polizeilichen Öffentlichkeit im Westen.
    Was sollte das, wo kam das her?
    Wir alle haben uns dafür entschuldigt, dass man zunächst die Urheber in Migrantenzusammenhängen sah.
    Die Migranten in Westdeutschland haben es nicht leicht gehabt.
    Die verschiedenen Besatzungsmächte und die zur Mitarbeit gerufenen Türken sorgten aber für ein eigentlich offenes „Fremdenverhalten“.
    Nach der Wende hatte ich manchmal das Gefühl wir müssten „unsere Ausländer“ gegen den Osten verteidigen.
    Gut, nicht gegen aber im vereinten Deutschland allemal.
    Damit wird Frau Zschäpe mehr und mehr konfrontiert werden und damit wird sie in „Westdeutschland“ alleine sein.
    Aber kein falsches Mitleid. Sie wird zur Rechenschaft gezogen werden.


  4. „…woher Zschäpe wusste, dass sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt umgebracht hatten und sie daraufhin den Brand legte.“

    Was ich nicht verstehe,
    die NSU war doch im Untergrund tätig,
    wieso die beiden verdächtigen und Zschäpe nun mit solch einem „Krach“ nun so „aufgeflogen“ sind, ist doch merkwürdig?

    Ich will damit nur sagen noch auffälliger geht es doch gar nicht mehr.
    Wieso nicht nach alter Tradition, ein Spaziergang im Wald.

    Wer 13 Jahre seine Spuren verwischen konnte,
    hatte mehr Kontakt und Helfer, das ist meine Meinung, vielleicht lassen sich noch weitere Zeugen oder Helfer der Gruppe ausfindig machen.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren