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Eine aufgedrehte Zeugin – das Medienlog vom Donnerstag, 1. August 2013

 

Der Mord an Habil Kiliç, dem Münchner Gemüsehändler, ist das bestimmende Thema der Berichte über den 30. Verhandlungstag. Im Mittelpunkt stehen vor allem die widersprüchlichen Aussagen der Zeugin Anna S. und das eingestellte Verfahren der Erfurter Staatsanwaltschaft gegen Beate Zschäpe.

An jedem Werktag fassen wir im NSU-Prozess-Blog die wichtigsten Medienberichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung macht das Geräusch einer Kaffeemaschine zum Titel ihres Berichts und schildert die Aussage der Zeugin Nuran K., die den Ermordeten fand. Sie habe das Geräusch in dem Gemüseladen gehört, wo sie ihn blutüberströmt hinter einem Holztresen fand. In ihrer Aussage verglich sie es mit dem Röcheln einer Kaffeemaschine. Autorin Helene Bubrowski beobachtete auch Beate Zschäpe, die während der Aussagen angestrengt auf ihre Hände blickte. Man merke ihr an, dass sie das alles lieber nicht hören würde. Auch die Süddeutsche Zeitung fasst den Tathergang akribisch zusammen.

Tom Sundermann schreibt für ZEIT ONLINE über den Auftritt der Zeugin Anna S: Als die Polizei nach der Tat anrückte, meldete S. einem Beamten, sie haben zwei Männer in Radlerkleidung gesehen. Ein Ermittler vernahm sie damals, außerdem 2005 noch einmal. „Diese Vernehmungen wecken nun reichlich Zweifel – nicht nur bei den Anwälten der Angeklagten, sondern auch bei den Nebenklägern“, schreibt Sundermann. Das beginnt beim Aussehen der beiden Männer, die sie früher als Türken, jetzt aber als Osteuropäer beschrieb.

Der Auftritt der Zeugin sei merkwürdig gewesen, schreibt Sundermann. „Sie wirkte seltsam aufgedreht, immer wieder kommt sie ins Kichern.“

Vor Gericht sagte Anna S. außerdem, dass die Männer keine Ähnlichkeit mit Mundlos und Böhnhardt hatten. „Das waren die nicht. Das ist unmöglich“, sagte sie. Die Süddeutsche Zeitung macht diesen Satz zum Titel.

Julia Jüttner von Spiegel Online geht unter dem Titel „Widersprüche der Zeugen“ unter anderem der Frage nach, ob die Befragten Lücken in ihrer Erinnerung hatten oder die Ermittler Fehler machten. Schließlich wurden die beiden Radfahrer nach der Tat als potenzielle Zeugen geführt. Auch als sie sich nicht meldeten, schreibt Jüttner, kam keiner auf die Idee, dass die beiden auch Täter sein könnten. Stattdessen verfolgten die Ermittler die Spur ins Milieu der Organisierten Kriminalität und zur kurdischen Separatistenpartei PKK – ein Fehler, dem sich heute mehrere Untersuchungsausschüsse widmen.

Lena Kampf titelt ihren Blogeintrag auf stern.de mit: Professionelle Hinrichtung. Sie geht auf die Rekonstruktion der Tat mithilfe von Holzpuppen ein. Die Fotos wurden an die Wand projiziert. „Obwohl, oder gerade weil es sich um spielzeugartige Figuren handelt, ist die Szene so grausam“, schreibt Kampf. „Die Tat war kalt, gezielt, erniedrigend.“ Mundlos und Böhnhardt „waren mittlerweile geübt“.

Diesmal keine Berichte in türkisch-, oder englischsprachigen Onlinemedien.

Das nächste Medienlog erscheint am Freitag, den 2. August.

1 Kommentar

  1.   Werner H.

    Hallo, im Abschnitt über die Süddeutsche fehlt das Wort „keine“. Richtig muss es heißen: „dass die Männer KEINE Ähnlichkeit mit Mundlos und Böhnhardt hatten“
    __________________
    Danke für den Hinweis, wird korrigiert. Viele Grüße, ZEIT ONLINE

 

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