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Ein V-Mann, der keiner gewesen sein will – Das NSU-Medienlog von Mittwoch, 10. Juni 2015

 

Am ersten Verhandlungstag nach der Pfingstpause hat die Nebenklage beantragt, einen möglicherweise wichtigen Zeugen einzubestellen. Es geht um Marcel D., der nicht nur Sektionschef des mittlerweile verbotenen Netzwerks Blood & Honour war, sondern auch V-Mann des Landesverfassungsschutzes.

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D. aber bestritt im März vor Gericht sowohl eine V-Mann-Tätigkeit als auch eine persönliche Bekanntschaft mit Mundlos, Böhnhardt oder der heutigen Hauptangeklagten Zschäpe. Das kauft ihm weder die Bundesanwaltschaft ab noch engagierte Vertreter der Nebenklage, die sonst nicht immer einer Meinung mit den Anklägern sind, schreibt Claudia Wangerin von der Jungen Welt. D. soll nun mit seinem ehemaligen Quellenführer des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz konfrontiert werden.

Auch Gisela Friedrichsen von Spiegel Online beleuchtet den Zeugen. D. will nicht als V-Mann gearbeitet haben, obwohl das Amt ihm für seinen Auftritt eigens eine Aussagegenehmigung erteilt hatte, schreibt sie. Seltsam? Gibt es etwa mehrere Marcel D.s?

Frank Jansen vom Tagesspiegel berichtet über die Erkenntnisse des Waffenexperten, den das Gericht hörte. Demnach war das Arsenal der Terrorgruppe wohl deutlich größer als bisher bekannt. Die Polizei hatte nach deren Auffliegen im November 2011 insgesamt 20 Waffen sichergestellt. Nur einer von ihnen konnte das BKA eine der untersuchten Hülsen zuordnen, drei Waffen waren nach Untersuchung aller abgefeuerten Geschosse nicht zu ermitteln.

Der Tagesspiegel veröffentlichte zugleich einen Überblicksartikel über alle Prozesstage. Jeweils verlinkt sind sämtliche Berichte und Reportagen, die Jansen schrieb.