‹ Alle Einträge

Geheimdienst-Informant soll in Mordserie verwickelt sein – Das Medienlog von Montag, 15. Juni 2015

 

Eine Meldung, die nicht von dem Münchner Prozess handelt, in den Verhandlungen aber möglicherweise Thema werden könnte: Die Welt am Sonntag berichtet unter Berufung auf streng vertrauliche Dokumente über Hinweise auf mögliche Verstrickungen eines Verfassungsschutz-Informanten.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Eine frühere Präsidentin des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes enttarnte laut dem Bericht 2012 in einer dienstlichen Erklärung, die als „geheime Verschlusssache“ eingestuft war, einen Neonazi aus Köln als geheimen Mitarbeiter ihres Amtes. Dieser habe „Ähnlichkeit“ mit dem Phantombild eines Mannes, der an dem Bombenanschlag in der Kölner Probsteigasse beteiligt war. Bei der Explosion des in einer Christstollendose versteckten Sprengkörpers war damals eine 19-Jährige schwer verletzt worden. Die Tat wird dem NSU zugerechnet.

Die Erkenntnisse würfen „ein neues Licht“ auf die NSU-Gewaltserie, schreiben die Autoren Stefan Aust und Dirk Laabs und erinnern an eine Parallele: Bereits bei einem dem NSU zugerechneten Mord an einem Internetcafébetreiber in Kassel hatte sich ein Verfassungsschutz-Mitarbeiter am Tatort aufgehalten.

Vier Monate nachdem die Verfassungsschutz-Präsidentin aus NRW ihre Vermerke an die Bundesanwaltschaft verschickt hatte, trat sie aus „persönlichen Gründen“ von ihrem Posten zurück, berichtet die Zeitung.

15 Kommentare

  1.   Paul

    „Ähnlichkeit“ mit dem Phantombild eines Mannes, der an dem Bombenanschlag in der Kölner Probsteigasse beteiligt war.

    „gewesen sein soll“ bitte.

    Es scheint deutlicher zu werden, dass der NSU-Prozess am Thema vorbeigeht und selbst die politisch gewünschte Verurteilung der Zschäpe die Sache nicht erledigt.
    Allerdings hat es schon Züge einer Bananenrepublik, wie trotz deutlichster Hinweise behördenseits gemauert wurde und wird und wie dazu mediale Ruhe herrscht. Und das in einem Land, wo der investigative Reporter nicht gleich um sein Leben fürchten muss.

  2.   Antonia

    Kameradschaft Walter Spangenberg, Aktionsbüro Mittelrhein, Johann Helfer, Axel Reitz. Christian Worch, und somit vermutlich auch Michael Kühnen. Eine Parallele zu Timo Brandt? Wie kann es sein, dass man zunächst bei führenden Köpfen des Aktionsbüros Mittelrhein kinderpornographisches Computermaterial fand, dann aber (Zitat wikipedia) „Auch sei kinderpornografisches Material bei einigen der Angeklagten sichergestellt worden.[2] Diese Behauptung hat sich allerdings nicht bestätigt und wurde auch nicht in die 926-Seiten umfassende Anklageschrift aufgenommen. Kritiker an dem Verfahren beanstanden dessen politische Ausrichtung…“ ? Gehört dieser Fall, zumal Reitz der Prozess in Koblenz gemacht wird, nicht auch vor den NRW U-Ausschuss?
    ___________________________
    Gekürzt. Bitte beachten Sie das Artikelthema.

  3.   Pessimistin

    @paul: Ich weiß nicht, ob Ihre Einschätzung stimmt. Es gibt immer wieder Medien, die den Hinweisen nachgehen. Gerade im Falle von Andreas T. (der Verfassungsschützer im Kasseler Internetcafé) zum Beispiel. Ich finde Medienkritik ja gut und richtig, aber pauschal alle über einen Kamm zu scheren, erscheint mir wenig hilfreich. Vielleicht bin ich dazu denn doch wieder zu optimistisch ;-).

  4.   Optimist

    @3
    Stimmt, es gibt Medien, die Hinweisen nachgehen. Aber nur wenige und kleine Medien gehen Hinweisen nach und bringen zuverlässig auch Erkenntnisse, die das staatliche Narrativ ernsthaft in Frage stellen.
    _________________________

    Gekürzt. Bitte diskutieren Sie das Artikelthema. Viele Grüße, ZEIT ONLINE

  5.   Fliegenklatsche

    Vielleicht aber auch wieder so eine Honigtopf Falle, wenn es der V Mann war und er vielleicht die Aufgabe bekommen hatte die Dose da zu plazieren ohne zu wissen was drin war?!
    Oder es nur ein“gefallen“ unter kollegen sein sollte ohne ein hinterwissen.

    Wenn die beiden Uwes wirklich dahiter stecken sollten würde ich mal darüber nachdenken, denn in falsche fährten legen schienen die beiden ja echt gut zu sein.

    Hat es schon einmal so einen komplx gegeben in dem die Ermittlungsbehörden so oft in den verdacht der Mittäterschaft geraten sind?

  6.   tacheles

    Ausser einem höchstwahrscheinlich fingiertem Bekennerschreiben (Paulchen Phanter CD) ohne Täterwissen gibt es keinerlei Bezug der beiden im Wohnmobil unter dubiosen Umständen Verstorbenen zu dem Sprengstoffattentat.
    Selbst die Geschädigten entlasten die Beiden!
    Die Aufnahmen der Überwachungskamera sind kaum erkennbar!


  7. @5
    << Vielleicht aber auch wieder so eine Honigtopf Falle, wenn es der V Mann war und er vielleicht die Aufgabe bekommen hatte die Dose da zu plazieren ohne zu wissen was drin war?!
    Oder es nur ein”gefallen” unter kollegen sein sollte ohne ein hinterwissen. <<

    Machen Sie das auch schonmal, einfach irgendwelche Dosen für Neonazis in Ausländer-Geschäfte zu stellen?

    <>

    Ja, echte Schurkengenies! Vielleicht steckten die beiden ja auch hinter dem Oktoberfest-Attentat? Auf jeden Fall wäre Mundlos der erste Selbstmörder, der es geschafft hat, den Suizid-Ort von eigenen Gehirn- und Knochenfragmenten zu reinigen, um damit Verschwörungstheorien eines staatlich vertuschten Mordes Raum zu geben…

    <>

    RAF.

  8.   bekir_fr

    „Vier Monate nachdem die Verfassungsschutz-Präsidentin aus NRW ihre Vermerke an die Bundesanwaltschaft verschickt hatte, trat sie aus ‚persönlichen Gründen‘ von ihrem Posten zurück, berichtet die Zeitung.“

    Klingt nach schlechtem Gewissen, so wie es da steht. Aber Folgen für die Dame scheint es nicht gegeben zu haben. Immerhin hat ihre Behörde einen dringend Tatverdächtigen 11 Jahre lang vor Ermittlungen bewahrt.

    Und warum hat die Bundesanwaltschaft diese Erkenntnis nicht in ihrer (damals, d.h. 2012, noch nicht eingereichten) Anklageschrift berücksichtigt? Sondern dort drin einfach „die Uwes“ als Täter stehen lassen für den Lebensmittelladen-Anschlag in der Kölner Probsteigasse?

    Hätte es die heißgeliebte Theorie vom isolierten Trio untergraben? Oder die Verlässlichkeit des „Bekenner-Videos“, das bei genauer Betrachtung vielleicht nur beliebige „braune Anschläge“ rühmt, ohne eine (einheitliche?) Täterschaft zu kennen oder auch nur zu behaupten?

    Und („Die streng vertraulichen Dokumente liegen der ‚Welt am Sonntag‘ vor“) wer plaudert aus welchen Motiven ausgerechnet jetzt, d.h. zu einem reichlich späten Zeitpunkt?

  9.   Optimist

    @8
    Gute Fragen. Die Antworten sind offensichtlich und deuten immer wieder auf eines hin: Als Aufklärer vom Dienst retten, was noch zu retten ist.

  10.   Fliegenklatsche

    @7 Wenn man Nazis und deren probleme kennt kann man sich in deren denken reinversetzten, unter dem druck der gesellschaft schließen die sich nunmal stärker zusammen und „eine Hand wäscht die andere zwei das Gesicht.“
    kann doch gut möglich sein?

    ENDE :-/

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren