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Wie die Oberpfalz zum neuen Neonazitreffpunkt wird

 

In der beschaulichen Oberpfalz organisiert eine Neonazigruppe heimlich Konzerte mit rechtsextremen Bands. Die Polizei bekommt von den Umtrieben wenig mit.

Mitglieder der Prollcrew Schwandorf, hier im Juli 2017 beim Rechtsrockfestival im thüringischen Themar. Auf den T-Shirts steht „Unsere Stadt, unsere Regeln“. © Jan Nowak

Man könnte die Prollcrew Schwandorf für einen ganz normalen Club von jungen Männern halten. Als unpolitische Fußballfreunde inszenierten sich die Mitglieder des Zusammenschlusses mit Sitz im bayerischen Schwandorf in der Vergangenheit gerne. Doch um einen harmlosen Verein handelt es sich bei den 15 bis 20 Aktivisten nicht – sondern um eine rechtsextreme Organisation, wie der Störungsmelder bereits im März berichtet hatte.

Die Tarnung war lange Zeit nahezu perfekt: Gegen die Aktivitäten der Gruppe gab es kaum Proteste, obwohl es sich bei ihnen um militante Neonazis mit guter internationaler Vernetzung handelt. Mehrere Mitglieder nahmen auch an neonazistischen Aufmärschen von anderen Gruppen teil.

Geheimkonzerte im ruhigen Schwandorf

Bekannt war zudem, dass die Gruppe gerne Auswärtsfahrten zu heimlich organisierten Rechtsrockkonzerten unternahm, allein 2016 und 2017 zu mindestens vier bedeutenden Auftritten von Neonazimusikern. Doch sie hat ihre Aktivitäten deutlich ausgebaut: Mittlerweile hat sie mindestens zwei Konzerte selbst organisiert – so klandestin, dass auch die Behörden in der Kreisstadt mit 27.000 Einwohnern in der Oberpfalz wenig Wind davon bekamen.

Die erste Veranstaltung stieg kurz vor Weihnachten 2017 im Schwandorfer Ortsteil Klardorf. Das geht aus umfassenden Recherchen des Fachjournalisten Jan Nowak hervor. Damals trat der Rechtsrockmusiker Martin Böhne mit einem Soloprogramm an. Böhne ist eine einschlägig bekannte Größe der Szene und spielt in mehreren einflussreichen Rechtsrockbands, zum Beispiel in den Formationen Sleipnir und Oidoxie.

Oidoxie nimmt eine zentrale Rolle in der Szene des gewalttätigen Netzwerks Combat 18 ein, das als bewaffneter Arm des internationalen Netzwerks Blood and Honour gilt. In Deutschland wurde Blood and Honour im Jahr 2000 als verfassungsfeindlich verboten. Die Aktivisten von Combat 18 orientieren sich am Konzept des führerlosen Widerstandes, wonach unabhängige Kleingruppen ohne tiefere Einbindung in die übrige Szene zu bilden seien – ein Modell, das in ähnlicher Weise von den Terroristen des NSU verwirklicht wurde. Im Lied Terrormachine Combat 18 von Oidoxie heißt es etwa: „Fighting for our nation, fighting against the scum (…) Fighting for better nations, we want our cities clean.” (“Wir kämpfen für unsere Nation, kämpfen gegen den Abschaum (…) Wir kämpfen für bessere Nationen, wir wollen saubere Städte.“)

„Immer wieder gern!“

Nach dem Konzert bedankt sich die Band Germania auf Facebook

Nur wenige Monate später, am 14. April, folgte das zweite Konzert in Steinberg am See, knapp sieben Kilometer von Schwandorf entfernt. Als Band konnte die Prollcrew diesmal die Gruppierung Germanium für einen Auftritt gewinnen. Nach dem Konzert bedankte sich diese ausdrücklich bei den Organisatoren: „Es war alles vorbildlich organisiert“, schreiben sie auf ihrer Facebook-Seite und kündigen an: „Immer wieder gern!“ Die Band selbst ist innerhalb der militanten neonazistischen Musikszene ebenfalls gut vernetzt: Bald nach dem Auftritt in der Oberpfalz spielte sie beim Festival Schild und Schwert im sächsischen Ostritz, einem größeren Szene-Event mit rund 1.200 Besuchern, organisiert aus dem Umfeld der NPD.

Geschätzt kamen zu beiden Oberpfälzer Konzerten jeweils rund 80 Besucher. Über den Ablauf ist praktisch nichts bekannt. Für die Überwachung zuständig ist das Polizeipräsidium Oberpfalz. Auf Anfrage teilt dessen Sprecher Dietmar Winterberg mit, dass lediglich das zweite Konzert im April durch die Polizei begleitet worden sei. „An der Veranstaltung, die in einem geschlossenen Raum stattfand und keine Außenwirkung entfaltete, nahm eine mittlere zweistellige Anzahl von Personen teil“, erklärt Winterberg. „Ein Einschreiten der vor Ort eingesetzten Polizeikräfte war nicht erforderlich, da es zu keinen strafrechtlich relevanten Verstößen kam.“ Über das erste Konzert mit Martin Böhne im Dezember 2017 liegen der Polizei hingegen „keine eigenen Erkenntnisse vor“.

Neuer Pilgerort für rechte Musikfans?

Tatsächlich ist die Geheimhaltung eine logische Fortsetzung dessen, was mit den gemeinsamen Auswärtsfahrten begonnen hatte. Journalist Nowak sieht in den Konzerten mit ca. 80 Teilnehmern daher einen Beleg für die Handlungsfähigkeit der Gruppe, sagt er gegenüber dem Störungsmelder. Es werde deutlich, „dass sie sowohl in der Region, der bayerischen Neonaziszene als auch der bundesweiten Rechtsrockszene gut verankert sind.“ Ohne diese Verankerung sei es kaum denkbar, Veranstaltungen mit Besuchern aus ganz Bayern auf die Beine zu stellen und Musiker zu gewinnen, die in der Szene hohes Ansehen genießen.

Im Osten von Bayern konnte sich so eine Neonazigruppe formieren, ohne auf Widerstand zu stoßen. Harmlos sind rechtsextreme Musikevents nicht: Zum einen weist die Rechtsrockszene traditionell eine hohe Militanz auf. Viele Lieder glorifizieren den Nationalsozialismus, teilweise werden Gewalttaten besungen. Immer wieder lieferten derartige Songs in der Vergangenheit die Begleitmusik zu Straftaten.

Zum anderen besteht die Gefahr, dass sich die Oberpfalz und der Landkreis Schwandorf als beliebter Veranstaltungsort für Neonazimusikevents etablieren. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen: Die Konzerte können sich schnell zu einer erheblichen Belastung entwickeln. Es könnte der Anfang von etwas viel Größerem sein.

19 Kommentare

  1.   SiRue

    Ja! Bayern vorn!
    Bayern vorn!?
    – bei Reichsbürgern: in Bayern leben unbehelligt mehr Reichsbürger als im Rest der Republik!
    – bei antisemitischen Vorfällen, meist rechtsmotoviert, liegt Bayern auf Platz 2 in Deutschland!
    – beim Flächenfraß: Bayern liegt in Deutschland an erster Stelle im Flächenverbrauch (13 Hektar pro,Tag anstelle von 5!)!
    – beim Verkauf von 33.000 landeseigenen Wohnungen (über 80.000 Mieter) an dubiose Investoren zu Lasten von Mietern!
    – bei der Finanz- und Bankenkrise: die bayerische Landesbank hat den höchsten „Verlust“ (rd. 10Mrd. EUR) unter den Bundesländern eingefahren!
    – Bayern liegt bei Ganztagsbetreuung in Schulen im Bund abgeschlagen auf den Hinterbänken!
    – beim Lehrermangel!
    – in den Verkehrsflughäfen in Deutschland werden die Sicherheitskontrollen effektiv durch die Bundespolizei kontrolliert, nur in Bayern nicht (offensichtlich meint die bayerische Regierung, das besser zu können). Ergebnis: Chaos am 28.7.2018 im Flughafen München wegen Fehler bei der Sicherheitskontrolle – 330 Flüge zu Beginn der Hauptferienzeit gecancelt, 31.000 Passagiere betroffen!
    – beim Polizeiaufgabengesetz ist Bayern laut Seehofers Innenministerium kein Vorbild!
    – bei der Wahl eines mit quasi amtlich beglaubigter Charakterschwäche und Neigung zu Schmutzeleien ausgestattetem „C“SU-Protagonisten zum bayerischen Ministerpräsidenten!
    Bei den für Berlin von der „C“SU „abgestellten“ Bundesministern:
    – die von der „C“SU gestellten Bundes-Verkehrsminister Dobrindt und Scheuer sind die schlechtesten Verkehrsminister seit Bestehen der Republik (Dieselskandal, Ausländer-Maut, LKW-Maut-Betrügereien, Autobahnstaus, Eisenbahn-Bremser)!
    – die von der „C“SU gestellten Bundes-Landwirtschaftsminister (Schmidt), Digital-Minister (Bär), benehmen sich wie echte bayerische Problem-Bären!
    – für den Bundes-Innenminister Seehofer gibt es nur eine Ursache für alle Probleme – Migranten und Islam, weshalb er außer einem selbst im der CDU nicht akzeptierten Masterplan nichts auf die Reihe bekommt (wo ist der Masterplan für Integration, für bezahlbares Wohnen, etc.?) außer einer verantwortungslosen Koalitions- und Staatskrise nach der anderen (Asylpolitik, Seehofer-Maaßen-Intrige gegen die Kanzlerin, dreiste Beförderung Maaßens, etc.).
    Bei der Beliebtheit der Ministerpräsidenten in Flächenstaaten:
    – Söder mittlerweile auf dem letzten Platz!

  2.   Midshipman-

    „Unsere Stadt, unsere Regeln“

    Der Slogan wäre nicht mal unsympathisch, wenn er nicht auf schwarzen Shirts mit seltsamen Schriftsatz gedruckt wäre.
    Alles in allem eine unschöne Erscheinung, die nicht möglich wäre, wenn der Staat seine Regeln überall konsequent verteidigen würde. So entsteht ein Vakuum und das Gefühl selbst handeln zu müssen.

  3.   MaryPoppinsky

    Nun muss eben das rechtlich Mögliche ausgeschöpft werden, um dieses Nazi-Problem bestmöglich unter Kontrolle zu bringen. Aus den Fehlern im Nachbarbundesland sollte Bayern lernen. Ob die Regierung auch gewillt dazu ist, wird sich nach der Landtagswahl zeigen.

  4.   frentzen001

    Warum wundert es mich nicht mehr, dass die Polizei davon nichts mitbekommt.

  5.   bavarius

    Die Polizei bekommt von den Umtrieben nichts mit? Oder „will nichts mitbekommen“?

  6.   robette

    „Viele Lieder glorifizieren den Nationalsozialismus, teilweise werden Gewalttaten besungen. Immer wieder lieferten derartige Songs in der Vergangenheit die Begleitmusik zu Straftaten.“

    -> Daran setzt doch die Kritik an.
    Lösung: Glorifizierungen anzeigen und vor Gericht bringen.
    Gewalttaten besingen ist nicht strafbar – zumindest in den meisten Fällen.
    Dass diese Musik die Begleitmusik von Straftaten ist, mag den Sängern egal sein oder nicht, es ist schlicht irrelevant.

    Das zweite Problem, dass Schwandorf damit als rechts wahrgenommen wird:

    Das soll auch jeder für sich entscheiden, ob 80 Leute bei geschlossenen Verantstaltungen, bei der es (anscheinend) zu keiner Straftat gekommen ist ausreichen, damit Leute, die nichts mit Schwandorf zu tun haben und dort wohl auch nie etwas zu tun haben werden, glauben, dass eine gewachsene Ortschaft mit Geschichte, Kultur und mehr als rechts wahrgenommen werden sollte.

    Ich mag die Ultrarechten nicht – zu aggressives Auftreten und wenig entspannt, aber ich vertraue erstmal darauf, dass die Leute so anständig sind, dass sie Gewalt vielleicht besingen, aber weder dazu aufrufen, noch anwenden. Ansonsten fordere ich den Rechtstaat, dass er ein Auge darauf wirft und Ausschreitungen ahndet.

  7.   Europäischer freier Demokrat

    „Die Polizei bekommt von den Umtrieben wenig mit.“
    -und der Staatsschutz schläft auf dem rechten Auge!

  8.   Kaßkopf muss Deutsch verbessern

    Nicht gegen Bayern lustige Leut…. Aber hier gilt

    Bayerisch Stur UND Neonazi

    Mehrfach gehandicapt

  9.   Nassir Amit

    Naja, bei 80 Leuten ist das ein bisschen weit hergeholt.
    Wenn man nach Amberg schaut, schauts da ganz anders aus (gut, is auch eine Hochschulstadt)

  10.   kallipolis

    Also das alles muß schon so geheim sein, daß nicht mal die Grünen – an der Basis engagierten – Spitzenkandidaten, Frau Katarina Schulze und Herr Ludwig Hartmann davon was in ihren Wahlkampfauftritten bringen.
    Twittern Sie dies doch diesen beiden.

 

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