‹ Alle Einträge

Benimm-Knigge für Flüchtlinge

 
Benimmregeln für Flüchtlinge
Diese Regeln sollten Flüchtlinge im baden-württembergischen Hardheim beachten. Screenshot: hardheim.de

 

"Wir schaffen das", sagt die Kanzlerin immer wieder, wenn es um die Flüchtlingskrise geht. Aber Fakt ist auch: In der Realität wissen viele Kommunen nicht, wie sie die Flüchtlinge unterbringen – und wie die Menschen ins Gemeindeleben integriert werden sollen. Im baden-württembergischen Hardheim hat Bürgermeister Volker Rohm deshalb Benimmregeln für die Gäste ins Netz gestellt.

"Liebe fremde Frau, lieber fremder Mann", heißt es zum Gruß. Doch dann werden die Wünsche an die Neuankömmlinge formuliert (hier finden Sie das gesamte Schreiben – derzeit ist die Seite allerdings nicht zu erreichen):

"Lernen sie so schnell wie möglich die deutsche Sprache, damit wir uns verständigen können und auch sie ihre Bedürfnisse zum Ausdruck bringen können."

"Man betritt kein Privatgrundstück, keine Gärten, Scheunen und andere Gebäude und erntet auch kein Obst und Gemüse, das einem nicht gehört."

"Deutschland ist ein sauberes Land und das soll es auch bleiben!"

"In Deutschland bezahlt man erst die Ware im Supermarkt, bevor man sie öffnet."

"Auch für Fahrradfahrer gibt es bei uns Regeln, um selbst sicher zu fahren, aber auch keine anderen zu gefährden. (Nicht auf Gehwegen fahren, nicht zu dritt ein Rad benutzen, kaputte Bremsen reparieren und nicht mit den Füßen bremsen)."

"Unsere Notdurft verrichten wir ausschließlich auf Toiletten, nicht in Gärten und Parks, auch nicht an Hecken und hinter Büschen."

Geht man in Hardheim davon aus, dass ein Land wie Syrien voll ist von obstklauenden Dreckspatzen, die mit kaputten Bremsen durchs Land radeln und im Supermarkt die Kekse essen, bevor sie zur Kasse gehen?

Tatsache ist, dass es in dem Ort mit seinen 4.600 Einwohnern gewaltig rumort. Etwa 1.000 Flüchtlinge sind derzeit in der Carl-Schurz-Kaserne untergebracht. Vertreter der Gemeinde klagen, der Ort sei überproportional stark belastet: Die (ehrenamtlichen) Helfer stießen an ihre Grenzen, Frauen fürchteten sich auf der Straße. Gerüchte über IS-Kämpfer, zumindest aber: Islamisten, kursieren im Ort. Sogar von einem SEK-Einsatz wird getuschelt – was von der Polizei jedoch als Falschmeldung dementiert wird.

So scheint das Schreiben auch eine Maßnahme zur Besänftigung der Bevölkerung zu sein – oder wie lässt sich erklären, dass das Regelwerk (mit der Aufforderung, die deutsche Sprache zu erlernen) ausführlich nur auf Deutsch formuliert ist und an die Flüchtlinge lediglich "in vereinfachter Form" in der Landessprache verteilt wird?

Anmerkung: In einer früheren Version schrieben wir, das Schreiben wurde ausschließlich auf Deutsch veröffentlicht. Laut Website erhalten die Flüchtlinge das Regelwerk jedoch auch in ihrer jeweiligen Landessprache.

49 Kommentare

  1. Avatar  Der peinliche Deutsche.

    Hier zeigt er sich wieder von seiner dümmlichsten Seite. Peinlich.

  2. Avatar  Philipp

    Ich denke nicht, dass man davon ausgeht, dass Syrien ein Land voller Hinterwäldler ist. Allerdings konnte ich genau diese Dinge schon öfter in Berlin beobachten – zuletzt hat eine Mutter ihrem Kind ein Ü-Ei gegeben und die Folie auf das Band gelegt. Für „wohl erzogene Deutsche“ gab es sowas früher höchstens bei einer Wiener an der Wursttheke. Auch was den Umgang mit Müll angeht ist die Situation etwas schwierig.
    Deswegen finde ich solche Regeln nicht schlecht, auch wenn man manche davon genauso vielen Deutschen auf die Stirn kleben kann.

  3. Avatar  nazihunter

    Das sind nur die diffusen Ängste von abgehängten Frustbürgern, mehr nicht.

    Die meisten Geflüchteten, mit denen ich Kontakt hatte, waren oft zivilisierter als so manch ein Deutscher den ich kenne.

  4. Avatar  kopfohnebrett

    Dieser Knigge könnte auch vielen Deutschen gelten, so sehe ich jeden Tag Unzählige, die auf Gehwegen Fahrrad fahren, hinter einer Hecke urinieren oder schlechtes Deutsch sprechen und schreiben. So mehrt man ganz gezielt Vororteile, Ressentiments und Klischees gegenüber Fremden. Einfach nur peinlich und in einer angeblich gebildeten und aufgeklärten Gesellschaft völlig unangebracht!

  5. Avatar  bemerker

    Es ist davon auszugehen, dass es empirische Gründe für ein solches kurzes Manual gibt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der OB und der Gemeinderat ein solches Papier erstellt haben, um die Migranten in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen.
    Im Übrigen sind Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention dazu verpflichtet, sich den Umgangsformen in ihrem Gastland anzupassen.
    Wenn wir uns nicht getrauen, diesen Menschen elementare Grundregeln beizubringen, wird das mit der vielgeprießenen Integration nichts.

  6. Avatar  Santiano

    xIch lebe in einem Quartier,wo auch Jugendliche mit Migrationshintergrund zu finden sind.Diese Menschen sind schon jahrelang in Deutschland,ja sind hier sogar aufgewachsen,dennoch haben sie geradezu provozierende Angewohnheiten ,wie das Betreten von Privateigentum,das Pinkeln in Gärten und auf Spielplätzen.Weist man sie zurecht erhält man bedohliche Antworten.Die Regeln ,die von der Gemeinde Hardheim erlassen wurden,sind in Ordnung und sollten auch von anderen Gemeinden eingeführt werden.Ich möchte nur noch anmerken,dass ich Jugendliche ohne Migrationshintergrund noch nie auffordern mußte das Grundstück zu verlassen und das öffentliche Pinkeln zu unterlassen.

  7. Avatar  Arrian

    Im Prinzip ist so ein Leitfaden doch gar keine so schlechte Idee – er sollte allerdings auch und in erster Linie an die Alteingesessenen verteilt werden. Viele der monierten Verhaltensweisen sind nämlich gerade bei jenen besonders ausgeprägt zu beobachten, die oft und gerne mit dem Finger auf Andere zeigen. Vermutlich, um von der fehlenden eigenen Kinderstube abzulenken (soll selbst für manche Kommunalpolitiker gelten).

  8. Avatar  Claus der witz

    Das peinliche ist nicht mal der Inhalt. Wenn der Bürgermeister etwas erreichen will wird er in die Kaserne zu den tausend Menschen gehen müssen, einen oder mehrere Dolmetscher mitnehmen und sein Bedürfniss erklären. Mit freundlicher Kommunikation geht dann so manches. Flüchtlinge pauschal für dumm und unverständig zu halten, (das unterstelle ich ohne Nachfrage, sollte es nicht so sein, werde ich mich entschuldigen) ist die eigentliche Peinlichkeit, die nicht aus dem Inhalt des Papiers, sondern aus dem Verhalten des Bürgermeisters spricht.

  9. Avatar  Wiesodennnicht

    Das in jedem Land, in jeder Kultur andere Verhaltensregel gelten ist hinlänglich bekannt. Ich selber habe mir ähnliche „Verhaltensübersichten“ schon mehrfach vor Reisen in andere Länder gewünscht. Ob der Inhalt dieser Veröffentlichung ausreicht oder die Flüchtlinge diffamiert will ich nicht beurteilen – Ich kenne mich schlicht nicht genug mit Verhaltensregeln der z.B. syrischen Kultur aus um beurteilen zu können ob es wirklich nötig ist, den Leuten mitzuteilen, dass bei uns nicht in „Gärten gekackt“ wird. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass dies irgendwo auf der Welt zur guten Sitte gehört. Und wer hat nicht schon einmal aus Not am nächsten Baum gehalten und seine Blase erleichtert ?!

    Ich denke aber, dass viele hier ankommende Flüchtlinge auch von sich aus Fragen stellen, wie sich denn zu verhalten ist wenn es ihnen unklar sein sollte.

    Viel wichtiger aber fände ich, wenn die „vereinfachten, in den verschiedenen Landessprachen verfassten Versionen“, welche an die Ankömmlinge verteilt werden, ebenso öffentlich publiziert werden!

  10. Avatar  Alexander_Schank

    Vollkommen richtiger Ansatz der Stadt Odenwald.

    Die wichtigsten Regeln der deutschen Kultur werden leicht verständlich dargestellt. Die Menschen kommen nun einmal aus einer anderen Kultur mit einer anderen sozio-kulturellen Prägung. Das dort die gleichen Werte als wichtig empfunden werden kann, muss aber nicht sein.
    Und da die Migranten ja aus sehr vielen verschieden Ländern kommen ist nach den Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung die Wahrscheinlichkeit dass alle Migranten die selben Werte in ihrem Heimatland vermittelt bekommen haben sehr gering.
    Was auch erstmal nicht schlimm ist, solange die jeweilige Gesellschaft nach Ihren Werten funktioniert. Da die Migranten nun aber in Deutschland leben wollen müssen Sie auch die Werte nach denen die hiesige Gemeinschaft funktioniert verinnerlichen.

 

Kommentare sind geschlossen.