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Die rhetorischen Tricks des Norbert Hofer

 

Medien gelten Rechtspopulisten nicht gerade als Freunde. In Deutschland schimpfen Pegida und Co auf die angebliche "Lügenpresse", der gewählte US-Präsident Donald Trump ereifert sich täglich über liberale Medienhäuser. Meist wird die Presse von ihnen ausgeschlossen oder boykottiert. Der immer gleiche Vorwurf: Die Journalisten würden die eigenen Kandidaten in einem schlechten Licht und Themen falsch darstellen.

Auch die rechtspopulistische FPÖ in Österreich bedient sich dieser Argumente. Ihr Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer versteht es wie kein Zweiter, öffentliche Auftritte für sich zu nutzen. Jahrelang arbeitete er als Kommunikationstrainer und unterrichtete unter anderem NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren), ein Kommunikationsmodell, mit dessen Hilfe Gesprächspartner manipuliert werden können. Heute werden diese Fähigkeiten der Parteijugend der Rechtspopulisten vermittelt. Nun kann man einem Politiker rhetorische Stärke sicher nicht zum Vorwurf machen – Manipulation und das Stören einer sachlichen Diskussion aber schon.

In seinem Lebenslauf verschweigt Hofer die Arbeit als Kommunikationstrainer. Das österreichische Magazin Falter entlarvt in fünf Videos den Kandidaten nun aber und zeigt seine rhetorischen Kniffe. Das Magazin macht dabei fünf Typen aus, bei denen sich Hofer abwechselnd bedient: Er tritt wechselnd auf als "Der Meister", "Der Zerstreuer", "Der Falschspieler", "Das Opfer" oder "Der Held" – und zieht damit das Publikum auf seine Seite.

Ein Video zeigt, wie Hofer zu einem Auftritt kommt, und vor dem Gebäude eine Frau dreimal "Pfui" ruft. In Debatten mit seinem Kontrahenten Alexander Van der Bellen sagt der FPÖ-Kandidat dann mehrfach, dass er von dessen Unterstützern angegangen worden sei – und das, wo er Frau und Tochter dabei hatte. Hofer selbst stilisiert sich zum Opfer des Systems und betont, er lasse sich nicht einschüchtern. "Das System", so stellt Hofer es immer wieder dar, werde von seinem Kontrahenten vertreten. Dessen Grüne waren allerdings nie an der Regierung in Österreich beteiligt, Hofers FPÖ bereits drei Mal.

Die Videos zeigen auch, wie Hofer unbequeme Diskussionen abwürgt, indem er durch Gegenfragen und Vorwürfe Verwirrung stiftet oder die Moderatoren und Teilnehmer persönlich angreift. Wird er selbst kritisiert, entgegnet er "Beruhigen Sie sich", "Sie sind heute so aggressiv", oder "Haben Sie zu viel Kaffee getrunken?". Auf der anderen Seite unterstellt Hofer Van der Bellen immer wieder Vergesslichkeit und spricht dessen Alter an.

Zudem profitiert Hofer wie vielleicht kein anderer von Medien, allen voran dem Fernsehen. Gleichzeitig schimpft seine Partei über die vermeintliche "Lügenpresse". Auch das ist ein rhetorischer Trick – schließlich muss Hofer als Opfer des Systems gelten. Das er aber selbst bestens bedient.

 

Auch das Medienwatchblog Kobuk hat sich mit Rhetorik des Norbert Hofer beschäftigt

Weitere Netzfundstücke von ZEIT ONLINE gibt es hier.

41 Kommentare

  1. Avatar  vastus

    Menschen wie Hofer wurden früher als Rosstäuscher umschrieben.

  2. Avatar  Heinrich der Föwler

    Ein Mann wie Butansäure, einfach zum …

  3. Avatar  Unsympath

    Herr Hofer mag ein Meister des NLP sein. Komisch nur, dass er bei mir in der einzigen Fenrsehdiskussion, in der ich ihn gesehen habe, als abgrundtief unsympathisch rüberkam. Irgendwas kann mit der NLP nicht gestimmt haben.

  4. Avatar  Nörgler

    Danke fuer den Artikel, ich werde mir die Videos anschauen.

    Helfen wird das nichts, nicht beim Brexit, nicht bei der US Wahl und nicht in Oesterreich – es sind die Emotionen, die waehlen gehen und nicht mehr unser sachlicher Verstand!

    Mit Petry haben wir auch so einen schlauen Kotzbrocken…

  5. Avatar  Silesiano

    Das machen doch ALLE Politiker? Das gehört seit der Antike zum politischen Geschäft. Rhetorik (-Lehrer) hatten in der Antike immer was mit Politik zu tun. Anscheinend beschwert man sich, dass eine Seite das Handwerk beherrscht. Und Kommunikationstraining bräuchten die Ersteller der Videos allemal. 3 Minuten-Videos, die zu 60% aus Intro und Trommelbeats bestehen. Ironischer gehts eigentlich gar nicht mehr. Man beschwert sich wegen „Blendertaktiken“ und nutzt dann selbst Videos, die die gleiche Taktik anwenden.

  6. Avatar  cab-killa

    Schockierend, wie viele AfD-Nazi-Trolle hier bei der Zeit herumschwirren. Wenn die Zeit so maipulativ ware, wie die Nazis das gerne unterstellen, müsste ich mir diesen Dreck hier nicht durchlesen. Go home, Nazis. In Eurem Fall heist das: Ab in die Hölle. Hier oben braucht Euch keine Sau.

  7. Avatar  Wattwurm1968

    Die rhetorischen Tricks des Norbert Hofer.

    Trickserei? Norbert Hofer macht das, was im Grunde beinahe alle Politiker machen: sie wenden Gelerntes, Trainiertes zu ihren Gunsten an.
    Heutzutage hat doch schon jeder „kleine“ Abgeordnete einen Rhetorik-Coach. Was sage ich wie … wie sitze ich … welche Hand liegt auf dem Tisch … wann zeige ich Emotionen …

    Hofer kann nichts anderes. Er ist auch bloß ein Mensch und Politiker.

  8. Avatar  Demosthenes333

    Sehr interessanter Bericht, vollkommen neutral analysiert. Der jeweilige politische Opponent benutzt also keine rhetorischen Stilmittel und hat keine Kommunikationstrainer. Und der Populist an sich benutzt die Medien. Und die naiven Medien entlarven, stellen bloß, decken auf, warnen, klären die ungebildete Bevölkerung unablässig auf und verschaffen dem Populisten also genau die Medienpräsenz, die er braucht. Weiter so, nur noch ein paar Artikel dieses Kalibers und Hofer ist der Sieg nicht zu nehmen. Wenn man noch mehr Trumps will, ist das der beste Weg!

  9. Avatar  Meander6

    Wer ZON in die linke Ecke rücken will, zeigt, dass er selbst zur national-konservativen Seite und weiter rechts zählt. Dann nämlich ist diese liberal-konservative Blatt mit seiner neoliberalen Wirtschaftsredaktion in Relation natürlich links, denn jeder Liberale als Mensch der Mitte steht links von rechts.

    Objektiv ist eine liberal-konservatives Medium wie ZON allerdings rechts von links, rechts von Sozial-Liberalen und Sozialisten einzuordnen.

    Herr Hofer und Strache sehen sich als national-liberal, was wohl das perverste ist, was es gibt. Freiheit ja, aber nur für uns in der Gruppe gegen die anderen. Das ist ja wohl die Perversion sowohl christlicher wie auch liberaler Werte, die ja eigentlich der französischen Revolution entspringen: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Ein Hofer und ein Strache haben ja wohl mit diesen wesentlichen Grundwerten einer aufgeklärten Demokratie wenig gemein.

    Die Werte der FPÖ sind wohl besser durch die Begriffe unbeschränkte Macht und Geldgier zu umschreiben, und dies immer auf Kosten der Allgemeinheit, also einschließlich des von ihnen selbst für dumm gehaltenen Wahlvolkes.

    Denn das Motto von Hofer, Strache und Co. lautet wie bei allen Rattenfängern: die Dummen sterben nie aus. Also sollten wir Bürger in der Mehrheit zeigen, dass wir uns durch sie nicht für dumm verkaufen lassen.

  10. Avatar  ACH138

    Sogar hier sind sie schon eingedrungen, die NLP-verseuchten FP-Powerposter. Wer diese „harmlosen“ proHofer Posts hier liest kann sich sicher sein, daß alle anderen in Grund und Boden geredet werden, daß Gegenargumente nicht einmal die Tauben Ohren erreichen und, was das schlimmste ist, dieses Verhalten nur die Vorstufe des „Ausschalten“ ist. Ich sage: die erste Stufe des Terrors bei dem geviefte Köpfe Sprengfallen auslegen …

 

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