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Schockiert in allen Lebenslagen

 

Ein Mann und eine Frau laufen durch die Stadt. Er sieht ein hübsches Mädchen, dreht sich um, spitzt den Mund zu einem Pfiff und seine Begleiterin schaut fassungslos. Dieses Foto inspirierte im vergangenen Sommer unter dem Namen "Distracted Boyfriend Meme" unzählige Menschen zu Parodien – und tut dies bis heute. Es entfachte jedoch auch eine Debatte über Stockfotografie. Nun macht das Bild eine zweite Karriere. Denn ein Nutzer auf Twitter hat nachgeschaut, für welche Stockfotos die aufgebrachte Freundin sonst noch so Modell stand.

Der Autor Ernie Smith hat auf Twitter eine Fotokollektion gepostet, die zeigt, dass die junge Frau mehrfach auf solchen Bildern zu sehen ist – mit einem schockiertem Gesichtsausdruck.

Ihre Freunde scheinen ähnlich geschockt zu sein.

Selbst das Arbeiten mit dem Notebook scheint sie zu überraschen.

Das Smartphone ...

Ein Brief ...

Das Smartphone eines Bekannten ...

Die Küste ...

Oder: gar nichts.

Stockfotos sind Bilder, die "auf Vorrat", auf Englisch: stock, angefertigt werden, um Szenen darzustellen, für die kein aktuelles Fotomaterial existiert (auch ZEIT ONLINE verwendet Stockfotos zur Bebilderung von Texten). Sie werden von Agenturen gegen eine Lizenzgebühr verkauft, auf manchen Seiten sogar verschenkt – und geben häufig Anlass zu Kritik. Warum müssen für Stockfotos von Rollstuhlfahrern "mehr oder weniger schöne Menschen in überaus hässliche Rollstühle" gesetzt werden, "die da eigentlich gar nicht reingehören", fragte 2015 unsere Autorin Christiane Link im "Stufenlos-Blog".

Auch über die Bebilderung von "künstlicher Intelligenz" wurde schon gespottet, ebenso wie über Stockfotos, die Berufe darstellen sollen (wobei die Betonung hier eindeutig auf "sollen" liegt). Dafür existiert sogar ein eigener Hashtag: #BadStockPhotosOfMyJob.

Für den britischen Journalisten Andy Kelly ist klar: Stockfotografie "ist immer völlig stumpf und kein bisschen subtil. Die Fotos müssen vom Publikum auf den ersten Blick verstanden werden, was zu einigen wirklich absurden Bildkompositionen führt." Und selbst für die absurdesten Motive scheint es einen Markt zu geben.

Das "Distracted-Boyfriend-Meme" wurde übrigens vom spanischen Fotografen Antonio Guillem geknipst, der nie geglaubt hätte, dass die Ergebnisse dieses Shootings einmal so berühmt werden könnten. Bis zum Zeitpunkt, als das Originalfoto so berühmt wurde, habe er das Bild etwa 700 Mal pro Jahr verkauft, sagte Guillem zu Wired. Sein nach eigener Aussage erfolgreichstes Foto brachte es auf 13.000 Verkäufe pro Jahr. Auch dieses zeigt übrigens die junge Frau. Lächelnd.


5 Kommentare

  1.   John Farson

    Dieses Bild dürfen Sie bald aber nicht mehr teilen, wenn es die neue Urheberrechtsregelungen gibt. Wobei das ja eher das Problem Twitters sein müsste, die verstoßen ja gegen das Gesetz.

  2.   House MD

    Stichwort Urheberrecht: der gleiche Artikel kommt gerade auch auf Spiegel online: http://www.bento.de/haha/distracted-boyfriend-meme-die-frau-ist-einfach-immer-geschockt-2549093/#refsponi

    Ist das jetzt moderner Qualitätsjournalismus und passiert gerade nichts Wichtigeres in der Welt ?

  3.   Prudenzia

    Da derlei Bilder auch zur Untermalung von relevanten Artikeln oder zum Zweck der Meinungsmache verwendet werden, ist es ein wichtiges Thema.
    Da der Artikel diesen Bogen leider nicht schlägt, hoffe ich jedoch ebenfalls, dass dies nicht auf den modernen Qualtitätsjournalismus generell zu übertragen ist.

  4.   Windherr

    Bin ich hier der Einzige der sich bei jedem weiteren Photo halb tot gelacht hat?
    Weltklasse! :)

  5.   Lewnatic

    Kanns nicht abwarten, bis Memes wie diese illegal werden. Scheiss Normies!

 

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